Ich könnte ein Buch schreiben…

 von

Peter Leinitz

 

Ich könnte ein Buch schreiben, oft dahin geredet, mehr ein Stoßseufzer, als eine ernste Absicht, wenn das  Leben sein Füllhorn über uns ausschüttet, wir unter der Last der Erfahrungen, der Schicksalsschläge zusammenbrechen.

Gnadenlos feuert ein Erschießungskommando Salve um Salve auf uns ab, ein maßgeschneiderter Albtraum, eine endlose Hinrichtung. Niemand stirbt in diesem „Kugelhagel“, aber jeder könnte ein Buch schreiben. Ein geflügeltes Wort, das mit dem Wort „Geflügel“ nichts zu tun hat. Aber das Schreiben verleiht uns Flügel, die Worte fliegen uns zu, sie fliegen uns davon, wenn wir sie niederschreiben.

                                                                                        ACHTUNDACHTZIG

Der alte Mann öffnet die Augen, das Sonnenlicht kriecht durch die Ritzen des kleinen Zimmers, die Vorhänge sind zugezogen, der neue Tag klopft an die Tür. Er ist der erste Gratulant, dieser Tag im April 2021 ist der Geburtstag des Hochbetagten, er wird heute 88 Jahre alt. Ungeliebt von den Göttern, die früh sterben lassen wen sie lieben, schleppt sich der Alte in das Badezimmer, schlaftrunken presst der Sitzpinkler das Wasser aus der schmerzenden Blase, die den Restharn wie einen kostbaren Schatz hütet. Das Alterswachstum der karzinombelasteten Prostata hat die Harnröhre im Würgegriff, das hohe Alter lässt uns tief sinken. Während in Deutschland noch Väterchen Frost regiert, leuchtet das lebendige Grün der Tropen rings um das schillernde Blau des Swimmingpools der direkt vor der Zimmertür des alten Mannes vergeblich auf Badegäste wartet. Es ist hochsommerlich warm in Thailand, wohltuend für die morschen Knochen des Gestrandeten, der in dem kleinen Hotel ein billiges Asyl gefunden hat. Ständig verirren sich Käfer, Spinnen, Mücken und Tausendfüßler in das Zimmer im Erdgeschoß, die Natur lebt und atmet Frieden, der Mensch atmet hinter der Maske. „Die Maske des Zorro“, eine Neuverfilmung im modernen Gewande; Zorro lässt die Maske fallen und zwingt sie der Welt auf. So oder so ähnlich könnte die Filmkunst mit der Pandemie verfahren bis ein Verfahren die Welt rettet. „Welt ohne Maske“ wäre dann der zweite Teil. Unser Mann in Pattaya beschreibt in seinem Buch die Stationen seines Lebens, das hilft ihm die „Einzelhaft“ in einem menschenleeren Hotel zu überstehen, ein Gefangener seiner Erinnerungen, das lebende Beispiel eines Überlebens trotz Alter und Vorerkrankungen. Es wird Zeit die Maske fallen zu lassen; Ich bin der alte Mann den die Pandemie hier fest hält, der aber von Geburtstagen nicht viel hält, ein Tag wie jeder andere, ohne Feier und Geschenke. Und doch hatte einer meiner alten Freunde ihn nicht vergessen, er erwartete mich in Begleitung seiner thailändischen Freundin  an meinem Frühstückstisch am sonnigen Pool, auf einem Stück Torte flackerte ein Lichtlein das ich ausblasen durfte. Ein unerwarteter Besuch, da kommt Freude auf. Robert, ein Ossi aus Thüringen, ist stolzer Besitzer einer kleinen Eigentumswohnung in Süd-Pattaya, holte mich mit dem Auto ab und zeigte mir das modernisierte Prunkstück in einer Wohnanlage mit zwei großen Swimmingpools, das ihn 50.000 € incl. Renovierung gekostet hatte. Dann fuhren wir am Meer entlang, er zeigte mir luxuriöse Hotels und Restaurants, die geöffnet aber völlig menschenleer waren.                                                                    

Wer schon einmal in Thailand Urlaub gemacht hat, ist mit Sicherheit begeistert vom „Land des Lächelns“, die einen von der Exotik, die anderen von der Erotik, jeden zieht es wieder hin, ich kenne keinen, der nur einmal in Thailand war. Wer die weite Reise scheute, konnte den Zauber am Bildschirm erleben, Traumschiff und Traumhotel lieferten traumhafte Bilder frei Haus, es gibt wohl keinen, der sich diesem Traum entziehen konnte. Der Traum ist aus, die Seuche bedroht uns alle, auch hier hagelt es täglich neue Verbote und Einschränkungen, das freie ungebundene Leben in der Stadt der Sünde ist „Der Schnee von gestern“, die bunte schillernde Welt der Liebe und des Geldes hat sich in eine tote Stadt verwandelt, in der arbeitslose Hotelfachkräfte Hunger leiden und das „Land des Lächelns“ hinter dem Mundschutz verschwindet. Vorbei das zügellose Sexleben, das zum Brecht-Zitat herausforderte: „Vor allem aber merke scharf, dass man hier alles dürfen darf“.

Wie schön, wenn ein Mensch, dessen Verfallsdatum längst überschritten ist und der Demenz für eine Verschwörungstheorie hält, die Ärmel hochkrempeln, den Federkiel in die Tinte tauchen und Worte auf Papier kratzen darf, die ihm ein gnädiges Schicksal diktiert; „Ich schreibe also bin ich“. Viele fühlen sich berufen, wenige sind auserwählt, ich gehöre zu den Auserwählten, die sich berufen fühlen, meine Schreiberseele läuft über wie die kochende Milch der frommen Denkungsart. Möge mein Schreibetrieb mir Orgasmen schenken, die der Sexualtrieb nicht mehr für mich bereit hält, möge die Erinnerung mir den Weg weisen bei der einsamen Aufgabe; „Einsam sind die Tapferen“ Western mit Kirk Douglas.

                                    

                                                                                                                                   BERLIN  IM  JAHRE  1933                                                                                                                                               

Es war einmal ein junges Paar; Sie wollte das Kind nicht, Er wollte sie anzeigen wenn sie es abtreiben ließe. Er wünschte sich einen Nachfolger, Sie wünschte mich zum Teufel, ich war ein Wunschkind. Mein  erster Schicksalsschlag: Ich wurde ausgetragen und erblickte das Licht der Welt, es blendete mich so stark, dass ich mein Leben lang eine Brille tragen musste.  Die untere Klasse wohnte  in Berlin häufig ganz unten, wir bewohnten eine Kellerwohnung, ich war ein Kellerkind. Angsterfüllt verbarg ich mich unter der Kellertreppe, wartend auf die Heimkehr der berufstätigen Eltern, nachdem ich mit dem Fußball eine Scheibe zertrümmert hatte. Beide Eltern arbeiteten im Gastgewerbe und  tranken regelmäßig Alkohol, ich tat es ihnen später gleich. Die Trunksucht ist eine Sucht, die ihres gleichen sucht, wer sie sucht findet immer eine Kneipe und einen Kumpan der auch sucht. Der Mensch ist ständig auf der Suche, Alkohol findet er leichter als Arbeit.

Meine Eltern suchten einen Mittelweg, sie eröffneten eine Kneipe, einen Ort der Heimsuchung. Hier findet der Alkoholiker ein Heim, findet Gleichgesinnte und will auch volltrunken nicht heim. Heimliche Trinker tun sich da weit schwerer, sie haben keine Heimat.

Im Dunst der Raucher und Trinker wuchs ich heran, trank Limonade und löffelte Speiseeis aus der Herstellung meines Vaters, zu dieser Zeit nahmen Kinder noch keine Drogen. Meine Droge war das Speiseeis, ich entwendete Geld aus der Kneipenkasse, gab es meinen Spielkameraden, mit dem Auftrag, mir Eis aus dem Geschäft meiner Eltern zu kaufen. Es war eine Art Geldwäsche: Das „Drogengeld“ meiner Eltern - sie verkauften ja Alkohol - kam gewaschen zurück und der Umsatz von Speiseeis stieg.

                                                                                                                                    TARZAN  IM  KRIEG

Ich ging ungern zur Schule, die Lehrer prügelten die Schüler, die Stärkeren, die Schwachen, ich gehörte zu den Schwachen, erkrankte an Tuberkulose. Es war Krieg, Lebensmittel waren rationiert, ich bekam Sondermarken für Lungenkranke, landete in einer Heilstätte in einem Vorort von Berlin. Dicke Tränen flossen, wenn der Besuchstag endete und die Eltern unter dem Balkon des Krankenzimmers zum Abschied winkten. Ich wurde gesund, wir zogen in den späteren Ost-Teil der Stadt, eröffneten dort eine neue Kneipe. Mein Vater trug Uniform, musste jedoch nicht an die Front, er hatte im ersten Weltkrieg gedient und schwere Verletzungen erlitten. Meine Mutter rauchte und trank mit den Gästen, das war merkwürdig. „Eine Deutsche Frau raucht und trinkt nicht“, war sie etwa gar keine Deutsche?  In unserer Kneipe war vieles undeutsch, man glaubte nicht mehr an die Propaganda. Ich spielte mit kleinen Sturzkampfbombern „Stukas“ und Granatsplittern, die man nach den Luftangriffen finden konnte und verliebte mich in Bücher. Ich las alles was ich kriegen konnte, mein Vater hatte vier Bände TARZAN in seinem Bücherschrank, damit fing alles an. TARZAN BEI DEN AFFEN, eines meiner ersten Bücher.    Meine Mutter liebte mich wie ihr eigenes Kind, dennoch prügelte sie mich einmal windelweich, als ich halbwüchsig, den Herrn im Haus spielte. Unvergesslich der hölzerne Kleiderbügel und der gerechte Zorn einer Mutter, die bereits geschieden, keinen Ersatz des verhassten Ehemannes duldete. Sie hatte häusliche Gewalt erfahren und schleppte hinkend ein deformiertes Bein durch ihr weiteres Leben.

                                                                                                                                   DER  TRÄUMER

Die Welt war ein Jammertal, die Liebe eine Falle, die Ehe eine Erpressung, nur in Büchern und Filmen gab es eine schönere Welt. Das Dunkel des Kinos, das sparsame Licht der Taschenlampe auf den Buchseiten unter der Bettdecke erhellten mein tristes Leben, ich wurde zum Träumer. Im Kino war das Böse immer deutlich erkennbar und besiegbar, die Frauen waren engelhafte Wesen, die Männer gut und stark, die Liebe ein Geschenk, welches die Armen reich machte.  Ich führte ein reiches und erfülltes Leben, fuhr mit dem Bus von einem Kino zum nächsten, las in meinen Büchern bis das Licht erlosch, erwachte ernüchtert aus meinen Träumen, wenn es im Kino wieder hell wurde. Wirklich reich wurden die Stars und Produzenten, ich war nur ein Süchtiger ohne Drogen. Ohne einen erlernten Beruf schlug ich mich mit Hilfsarbeiten durchs Leben und wollte Schauspieler werden, ein Traumberuf für einen Träumer. Schauspieler beginnen am Theater, mit wenig Geld und kleinen Rollen, sie enden als reiche Filmstars mit unermesslich viel Geld. So auch ich. Meine Karriere begann am Theater, ich stand in Kostüm und Maske als „Kleindarsteller“ auf der Bühne und träumte weiter. Ich stand mit den bekannten Bühnenstars jener Zeit auf der Bühne, mit den Filmstars im Atelier und hatte es bereits bis zum Film gebracht.  Nun musste ich nur noch entdeckt werden.

                                                                                                                            EIN  LIEBESTRAUM

Das Wunder geschah, ich wurde entdeckt. Ich hatte Glück, und wurde mit einer Gruppe anderer Kleindarsteller für Dreharbeiten in einem Wintersportgebiet ausgewählt, wo wir den beweglichen Hintergrund für die Hauptdarsteller bildeten. Meine Kollegin Annemarie wurde mir als Partnerin zugeteilt, winterlich gekleidet, zogen wir mit Brettern und Rodelschlitten durch das Bild. Ich war 22 Jahre alt und ungeküsst, meine Partnerin war 24 und verlobt. Sie war schlank, hübsch, lebhaft, witzig, ich liebte sie platonisch, sie war in festen Händen. Privat saß ich Händchen haltend, mit einem einheimischen Mädchen auf einer Bank, wir schauten von einem Hügel hinab auf den schneeweißen Ort im Abendrot, mehr war nicht.

Später im Hotel war dann mehr, es wurde getrunken und geküsst, ich landete im Bett von Annemarie, sie hatte mich entdeckt. Wie war das möglich, ich hatte keinen Beruf, kein Auto, kein Geld, keine Wohnung, keine Perspektive, ich trank zu viel Alkohol, war ein Filmfreak und Träumer, nannte mich stolz: Cineast. Da entdeckte auch ich: Es gab sie wirklich, die Liebe wie im Kino. In welcher Traumfabrik, in welchem Studio konnte ein solcher „Liebesfilm“ entstehen, Warner Bros., Universal, MGM? 

Nein, dieser Liebestraum begann bei Außenaufnahmen in der DDR und setzte sich bei der DEFA in Babelsberg fort. Eine Film im Film-Story, ohne Drehbuch, mit namenlosen Hauptdarstellern in Nebenrollen. Ein Vorläufer von „Pretty Woman“, ohne Nutte und Kapitalist. Dies war eher ein sozialistischer Plot; der unscheinbare Held kam aus dem Trinker-Proletariat, Armutsalkoholismus (damals sehr prekär), er hatte versucht, Das Kapital von Marx zu lesen, glaubte an den Sieg des Sozialismus, stillte allerdings seine Begehrlichkeiten im kapitalistischen Westen der Stadt. Es gab in Berlin noch keine Mauer. Er lebte mit Mutter und kleiner Schwester unter der Armutsgrenze, in einer Bruchbude mit Ofenheizung, Kohlen waren Mangelware, das Klo war auf dem Hof. 

Annemarie empfing ihren Liebling tagsüber in der Wohnung ihrer Eltern, wenn diese auf der Arbeit waren. Ein gepflegtes Heim, geordnete Verhältnisse, ihr Vater betrieb eine kleine Fabrik.  Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit beanspruchte sie die Wohnung der Eltern als Liebesnest, sie hatte ein Anrecht auf Liebe mit einem Partner ihrer Wahl. Den bürgerlichen „Versager“ hatte sie ihren Eltern gar nicht erst vorgestellt. Die Toleranz der Eltern war ebenso erstaunlich wie die Anmaßungen ihrer Tochter. Das alles zu einer Zeit großer Prüderie, es gab einen Kuppelei-Paragraphen.

Meine Karriere beim Film war nicht aufzuhalten, Ich stand oder lag neben den damals Großen im Filmgeschäft, spielte neben Jean Gabin einen toten Soldaten, dessen Körper das hochgeklappte Metallgitter einer Abwassergrube senkrecht stehend hielt, in die der Star des Films, mit der Last eines schwer verwundeten jungen Mannes, hinabstieg, das Gitter ergriff und es über sich zuzog. „Merde, Merde“ flüsterte er, weil das Loch für zwei Personen zu eng war. Vor der Nahaufnahme, extra blutig nachgeschminkt, stützte ich so die Handlung des Films: DIE ELENDEN.

Annemarie hatte sich von ihrem Verlobten getrennt - „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ (Deutsches Liedgut). Ein gutes Lied, später sehr bekannt. Annemarie hatte sich zu mir bekannt, wir liebten uns wie zwei unschuldige Kinder, hatten viel Zeit füreinander, arbeiteten freiberuflich für Theater, Film und Fernsehen, waren glücklich. Einmal nahm sie mich nachts mit in die Wohnung der Eltern, wir liebten uns auf der Couch im Wohnzimmer. Morgens rüttelte ihre Mutter an der verschlossenen Tür, Annemarie blieb ungerührt, die Eltern mussten ja zum Dienst. Als ich eigene vier Wände anstrebte, zog ich in ein schäbiges möbliertes Zimmer, als Annemarie mich dort besuchte, brach sie in Tränen aus. Nie wieder werde ich so geliebt werden!

                                                                                                                               RÜCKBLENDE                                                                                                                                                          

Kein Film ohne Rückblende, wir sehen eine Hakenkreuzfahne, marschierendes Jungvolk in den Straßen Berlins, Trommeln und Fanfaren, unser Held ist  zehn Jahre alt und fasziniert, aber seine Mutter behütet ihn vor der Hitlerjugend, ihr Junge ist krank und schwächlich, man marschiert ohne ihn auf das Ende zu. Ungern schiebt er den Kinderwagen und passt auf seine kleine Schwester auf. Naiv plaudert er  unter Kindern ein Geheimnis aus; Seine Eltern sind gegen Hitler. Ein Spielkamerad wird ihn später fortlaufend damit erpressen; „Ich erzähle es meinem Vater, der ist in der Partei, ihr werdet alle verhaftet wenn du mir nicht alles gibst, was ich von dir verlange“. Nach meinem Geburtstag musste ich dem Jugendlichen Erpresser alle Geschenke aushändigen, es ging um Leben und Tod. Mein Vater hatte die Kneipe gepachtet, im Schankraum hing traditionell ein Hitlerbild, er wagte es den Führer umzudrehen, beklebte die Rückwand mit Pin up Girls der UFA. Keiner seiner Gäste vermisste den Diktator, die Mädchen waren zu der Zeit wohl schon beliebter als der Führer. Ich war kein guter Schüler, Matte und Grammatik schlecht, die Lehrer züchtigten mit dem Rohrstock, es herrschte Zucht und Ordnung (heute Unzucht und Unordnung); „Es war nicht alles schlecht“. Für Arier war alles gut, das war nicht schlecht. Das waren die Guten, die Schlechten hatten einen Migrationshintergrund, das war Grund genug.  Jede Nacht fielen Bomben auf die Stadt, Sirenen riefen Mütter und Kinder in Keller und Bunker,  Unsere Mutter floh mit  beiden Kindern vor den Luftangriffen aufs Land. Hier waren wir die unerwünschten „Bombendrachen“, Fremde, aus der Hauptstadt eines untergehenden Reiches. Als Kind erlebte ich den Schmerz einer Mutter, die den Führer als Mörder beschimpfte als, kurz vor Ende des Krieges, ihr einziger Sohn an der Front gefallen war. Es war die Frau in deren Haus wir Unterkunft gefunden hatten. Bald darauf rollten russische Jeeps durch das Dorf, der Krieg war zu Ende.

                                                                                                                            BERLIN  IM  JAHRE  1945                                                                                                                                                             

Ein Zug rollt in Richtung Berlin, man fährt nicht erster Klasse, es ist ein Güterzug, unser Wagon ist voll mit Korn, wir lagern auf dem Getreide, ein junger sowjetischer Soldat reist mit uns, er ist nett zu uns Kindern, gibt uns eine große Dose Brühwürfel, im Tausch gegen den Ehering der Mutter. Wenn der Zug hält stehle ich Kartoffeln von anderen Wagons, fast täglich werden neben den Gleisen Brühkartoffeln gekocht, wir verlieren den Topf und das Essen wenn der Zug plötzlich weiterfährt. Als er einmal mehrere Tage nicht weiter fuhr, begab ich mich mit einem Beutel Korn zum Bäcker in den nächsten Ort. Der Bäcker war kein Müller, schenkte mir aber etwas Brot. „Unser täglich Brot gib uns heute“. Täglich gab es das nicht, es war wie Weihnachten, die Augen meiner kleinen Schwester leuchteten wie Kerzen am Christbaum. Vegetarier, die sich bevorzugt von Körnern ernähren, sind mir damals nicht begegnet, alles zu seiner Zeit. Kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Wenn es dunkelte, der Zug in den Tunnel der Nacht rollte, richteten wir unser Bett im Korn, „Ein Bett im Kornfeld“, Deutsches Liedgut. Mit der Flinte in der Hand, bewachte der russische Soldat das Korn und unseren Schlaf. Wir träumten Zauberern, welche Korn in Mehl und Brot verwandeln konnten. Meine Mutter wurde von unserem uniformierten Begleiter nicht vor unseren Augen vergewaltigt, vielleicht wartete er bis wir schliefen.

Irgendwann erreicht der Zug die Ruinen Berlins, auch unsere Kneipe steht nicht mehr, leere Fensterhöhlen, wo einst Gaststätte und Wohnung war.

                                                                                                                                      HUNGERJAHRE

Man hatte Mitleid mit der hinkenden Mutter zweier Kinder, fremde Leute nahmen uns in ihrer Wohnung auf, teilten ihr Essen mit uns, wir hatten überlebt.  Meine Heimatstadt lag in Trümmern, überall Ruinen, wir waren ruiniert. „Auferstanden aus Ruinen“, sollte später deutsches Liedgut werden, davon können viele ein Lied singen. Ich war dreizehn Jahre alt, lebte mit Tarzan bei den Affen, hatte bei einem Straßenhändler ein Dutzend dicke Bände entdeckt,  meine Mutter flehentlich um Geld gebeten, konnte mich jederzeit in den Urwald beamen. Erst viel später sah ich die ersten Tarzan-Filme und war enttäuscht, das war nicht der Held meiner Kindheit, ich kannte ihn besser. Die Siegermächte hatten Berlin in vier Sektoren aufgeteilt, wir lebten im russischen Sektor. Meiner Mutter wurde die Kneipe eines Nazi-Parteigenossen zugeteilt, den man enteignet hatte, ich war wieder ein Kneipenkind. Da es an allem mangelte, trug ich damals zwei linke Damenschuhe, das deformierte meine Füße. Lebensmittel waren rationiert, wir litten Hunger, auf dem Land bettelte ich bei den Bauern um Kartoffeln und Brot, aus „Lumpenwolle“ strickte meine Mutter Pullover, die ich zum Tausch anbot. „Kompensationsgeschäfte“ sind verboten, sagte der Volkspolizist, als er die kostbaren Nahrungsmittel beschlagnahmte. So lernte ich meine ersten Fremdworte. Die Züge waren überfüllt, man saß auf Dächern und Trittbrettern, die Angst einzuschlafen und abzustürzen fuhr mit. Damals betete ich noch um Gottes Hilfe, später verlor ich das Vertrauen. Statt Bier und Schnaps gab es in unserer Kneipe ein Ersatzgetränk; „Alkolat“, ich war zu jung es zu probieren. Von meinen „Hamsterfahrten“ brachte ich Leinsamen mit, in Berlin gab es eine „Ölmühle“, ein Liter Leinöl kostete auf dem schwarzen Markt 350.- Reichsmark, von dem Geld kauften wir „Lumpenwolle“, Mutter strickte Pullover für die Landbevölkerung. Kompensationsgeschäfte waren verboten aber sie hielten uns über Wasser. Die Nikotinsucht meiner Mutter behütete mich vor dem kleinen weißen Monster. Täglich musste ich das Elend der Abhängigkeit mit ansehen und illegal für Nachschub sorgen. Auf dem schwarzen Markt kostete eine einzige Zigarette 15.- Reichsmark. Neunzehn Stück hätte meine Mutter in ihrer Kneipe verkaufen müssen, um eine rauchen zu dürfen. Sie rauchte jedoch neunzehn Stück und verkaufte nur eine. Ich habe nie geraucht. Mutter konnte mit Geld nicht umgehen, so verloren wir die Kneipe an den entnazifizierten Vorbesitzer und landeten auf dem Abstellgleis der Nachkriegszeit. Kurz davor hatte meine Mutter dem habwüchsigen Ernährer der kleinen Familie das Liebste genommen: Die Musik. Sie hatte das Radiogerät in Zahlung gegeben um die Alkolat-Lieferung bezahlen zu können.

                                                                                                                                 THEATER

Mein Vater hatte eine Geliebte, deren Ehemann  war an der Front gefallen, meine Mutter freundete sich mit ihr an, seltsame Freundschaften in seltsamen Zeiten. Die Dame war als Kleindarstellerin am Theater tätig, sie vermittelte uns Kinder an das Märchentheater der Stadt, dort gab es nämlich grad eine Sonderzuteilung von einem Kilo Zucker pro Person, so wurde uns der Einstieg versüßt. Meine kleine Schwester war zehn Jahre jünger als ich, ein süßes Mädchen mit schwarzen Locken, gemeinsam schnupperten wir die erste Bühnenluft unseres Lebens. Später wurde das Kind zum Star des Abends, als sie mit goldenen Flügeln, Köcher und Pfeilen, den Liebesgott Amor darstellte, „Die beste schauspielerische Leistung des Abends, war die eines Kindes, die kleine Mona L. spielte ihre erwachsenen Kollegen glatt an die Wand“, schrieb ein Kritiker. Ich spielte das Double des Hauptdarstellers in einem Märchenstück, der sportlich auf Ski-Brettern über die Bühnenhügel bretterte. Bald trat auch ich als Kleindarsteller in den Abendstücken auf und wollte das Theater nicht mehr missen. Die schöne Welt des Scheins gegen die armselige Ein Zimmer Wohnung mit Küche, in der wir hausten. Neben dem Theater arbeitete ich als Verkäufer, Beifahrer, Bauarbeiter und träumte von der Schauspielschule. Vor dem Vorsprechen litt ich an Durchfällen und Übelkeit, mein Leben stand auf dem Spiel. Man hielt mich für unbegabt, tatsächlich war ich unsicher, schüchtern, zaghaft und ängstlich, der Traum schien ausgeträumt.

                                                                                                                             VATER  UND  MUTTER 

Als Berlin noch nicht in Ost und West gespalten war, hatte mein Vater ein möbliertes Zimmer im Westen der Stadt gemietet, später eine Liebschaft mit der Vermieterin angefangen, vier Kinder, Vater vermisst oder gefallen. Auch hier fehlte es an Arbeit und Geld, mein Vater arbeitete unregelmäßig als Kellner in verschiedenen Restaurants, bei unseren Besuchen steckte er seinen „Ost-Kindern“ „West-Geld“ zu, welches wir, mit Gewinn in „Ost-Geld“ tauschten und unserer Mutter brachten. Inzwischen war die Spaltung vollzogen, es gab zwei Sorten Geld und zwei Sorten Menschen, aber noch keine trennende Mauer. Westberlin war eine kapitalistische Insel im roten Meer. Mein Vater bewachte vor Kriegsende politische Gefangene, als Hitlergegner, ermunterte er einen davon, bei einem Transport zur Flucht und schoss in die Luft. Dafür kam er nicht in`s  Gefängnis, wohl aber nach dem Krieg wegen Wirtschaftsvergehens. Er hatte große Pläne, wollte ein elegantes Cafe am Alexanderplatz eröffnen, kaufte auf dem schwarzen Markt Mehl und Zucker, um Kuchen anbieten zu können.

Ohne meinen Vater war meine Mutter mit der Nachkriegskneipe überfordert gewesen, Hilfskräfte entwendeten Geld aus der Kasse, brachten es aber nicht zurück um dafür Speiseeis zu kaufen, wie ich es als Kind getan hatte. Nach der Aufgabe des Geschäfts war die Welt wieder in Ordnung, der frühere Besitzer erhielt sein Eigentum zurück (fast alle Parteigenossen waren nur Mitläufer gewesen) und wir erhielten unser Elend zurück. Meine Mutter zog mich mit Ironie auf, sie sagte stets das Gegenteil von dem was sie meinte, ich musste schon als Kind jedes ihrer Worte übersetzen lernen, wurde so zum Denken erzogen. Der Tollwut des Menschen kann man nur mit Ironie und Sarkasmus begegnen, ohne diese Distanz wäre das Leben oft nicht zu ertragen. Ich verdanke meinen Eltern die Liebe zur Kunst und zu den Feinheiten der Sprache, mehr war da nicht zu holen.

                                                                                                                                        KINO

Auf der Bühne lernte ich Bodo kennen, er studierte klassischen Tanz und teilte meine Leidenschaft für das Kino. Wir trugen jeden Film den wir sahen in ein Notizbuch ein, oft waren es drei Filme pro Tag. Wir kannten jedes Kino in West-Berlin, vormittags gab es ermäßigte Preise für Ost-Berliner. Wir entdeckten Regie-Altmeister wie Ingmar Bergmann und Akiro Kurosawa, sahen jeden amerikanischen Film, die Neue Welle des Französischen Films, den Neorealismus der Italiener, Lasen Kritiken und Fachbücher, konnten über alles mitreden. Als Kleindarsteller für kleine Gagen standen wir selbst in den Filmateliers, ein Leben für den Film. Im alten Friedrichstadt Palast stand ich mit Annemarie auf der Bühne, in einer Rahmenhandlung für artistische Darbietungen, wie im richtigen Leben, bewegten wir uns als Liebespaar von links nach rechts, blieben laut Regieanweisung in der Mitte stehen um uns zu küssen, die Rolle unseres Lebens. Einmal erwischte ich wegen meines jugendlichen Aussehens eine richtige Sprechrolle auf derselben Bühne, spielte den GAVROCHE, einen Knaben auf der Seite der Aufständischen im Pariser Straßenkampf. In einer einmaligen Aufführung zum ersten Mai, dem „Kampftag der Arbeiterklasse“. Meine Statistengage wurde erhöht, ich war Schauspieler für einen Tag.

                                                                                                                                       OBEN  OHNE

Annemarie bekam ein Fernsehangebot, sie sollte oben ohne, eine Nixe darstellen, weigerte sich, bekam den Part und trug Muschelschalen. Prüde Zeiten, in dem Film „Sie tanzte nur einen Sommer“ war kurz ein nackter Busen zu sehen, das war ungeheuerlich. Lange vor dem Vermummungsverbot gab es ein Entblößungsverbot, immer gibt es Verbote die Frauen vor Männern schützen sollen, aber keine die Männer vor Frauen schützen. „ME TOO“ rufen Millionen von Männern, die zur Heirat gezwungen wurden. Nur wenige können dem entgehen, die Ehe ist die bekannteste Verschwörungstheorie.

                                                                                                                             BETÄUBUNGSHALLE

Die Zeiten hatten sich geändert, Lebensmittelkarten waren überflüssig geworden, die Grundversorgung mit Lebens und Betäubungsmitteln war gesichert, es gab Brot und Kuchen, Schnaps und Bier, „Die kleine Kneipe“ wurde im Lied besungen. Die kleine Kneipe welche meiner enteigneten Mutter Asyl bot, lag nur wenige Meter entfernt von unserer elenden Behausung, in einer tristen Trümmerstraße, eher eine „Freudlose Gasse“ ohne Siegmund Freud. Sangesfreudig machte meine Mutter die alkoholisierten Gäste an; „Sag mir mal dein Lieblingslied“, verschonte mit dieser Aufforderung auch nicht den Sohn, der seinerseits fragte, warum es heut kein Mittagessen gab. Ich liebte den amerikanischen Jazz, meine Lieblingslieder kannte sie nicht. Das triste Dunkel der „Betäubungshalle“ stieß mich ab, ich hasste die Trinker, ich hasste meine Mutter, ich wollte nicht so werden wie sie und ihre verkommenen Freunde. Leider reichte mein Hass nicht aus um mich vor dem Alkohol zu bewahren, wie das beim Nikotin funktioniert hatte. Mit Alkohol funktionierte es auch nicht, ich war schüchtern, wagte es nicht Mädchen anzusprechen, trank mir Mut an und war schnell betrunken, das lief dann auch nicht. Das Mut antrinken entfiel als Annemarie mich entdeckte, nun war alles gut, aber „König Alkohol“ lag immer auf der Lauer.

                                                                                                                           BIER  UND  JAZZ

 Jack London hatte einem Buch diesen Titel gegeben, inzwischen ist der König kein Alleinherrscher mehr, nachfolgenden Generationen bot ein florierender Markt ungeahnte neue Möglichkeiten, alles wurde handlicher, sogar der „Flachmann“ wurde unmodern. Ich gehöre zu den „Königstreuen“, man kann nur einem König dienen. Die Flasche ist das Symbol des klassischen Abhängigen; „Das Trinken lernt der Mensch zuerst“. Unsere Droge ist legal, Bier ist ein Erfrischungsgetränk, stolz tragen wir unser Leergut zur Sammelstelle, wir sind die Guten. Natürlich trinke ich keinen Schnaps, „Wer Schnaps trinkt zündet auch Häuser an“ sagt der Volksmund. Das stimmt natürlich nicht, ich habe niemals Häuser angezündet, als ich noch Schnaps trank, nicht mal Zigaretten. Nichtraucher sind da weniger gefährdet, sie tragen kein Feuerzeug mit sich herum. Bei mir zündete der Jazz, der Funke (Funk) sprang sofort über als ich die ersten Töne hörte, meine Mutter hatte das Radiogerät zurück gekauft, nun traten die seichten Schlager der Zeit in den Hintergrund und ich wurde süchtig. Fremdartig und wenig Volkstümlich erklang diese entfesselte Musik nur in Nachtsendungen, ich musste den Wecker stellen um diese Sucht zu stillen. Wir hatten keinen Plattenspieler, es gab keine Jazzplatten im Osten, diese Droge war verboten. Unter Alkoholeinfluss verdoppelte sich der Rausch den diese Musik bei mir auslöste. Viele Jazzmusiker nahmen Drogen, die wir noch gar nicht kannten, Amerika war das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Jeder junge Mensch träumte von Amerika, Deutschland war arm, alle träumten vom Paradies, wieder lieferte das Kino die Traumbilder, es gab eine andere Welt, jenseits unserer Vorstellung. Dort waren alle reich, sogar die Teenager fuhren riesige Automobile, das Leben war schön. Unser Leben war trist, Deutschland war besiegt, Trümmerfrauen räumten den Schutt weg, Kinder spielten in Ruinen, wir waren froh uns satt essen zu können.

 „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“, ein guter Spruch, es gibt immer eine Alternative. Manches geht über Brot und Kuchen hinaus; „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er zieht sich auch gern Drogen rein“. Der Hunger war besiegt, Biergärten boten „Erfrischungsgetränke“ an heißen Sommertagen, Tanzkapellen spielten vereinzelt Jazz, „Auseinander tanzen“ war verboten. Ich beherrschte weder Foxtrott noch Walzer, war nicht Gesellschaftsfähig. Annemarie hatte mich gerettet, kein Mut antrinken in Tanzlokalen, aber Jazz hören wo er gespielt wurde. Natürlich hatte ich mitunter „Abstürze“ nach Alkohol, den Umgang mit Drogen muss man lernen, das führte dazu dass ich für immer auf Schnaps verzichtete und nur noch „Erfrischungsgetränke“ zu mir nahm. Ich nahm an Gewicht zu, „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“. Essen macht durstig, Bier macht hungrig. In einem Tanzlokal lernte ich Herbert kennen, wir hörten die neue Musik, sie war den Funktionären des Regimes verdächtig, kam aus dem kapitalistischen Amerika, dem Erzfeind des neuen Deutschland. Entstanden aus dem Blues der Negersklaven, war es eine Musik der arbeitenden Klasse, von dekadenten Weißen kommerzialisiert und missbraucht. Herbert, der später Trompete spielte und Musik studierte, wurde ein enger Freund, ich lernte von ihm viel über Musik. Seine Mutter heiratete nach West-Berlin, bald besaß er eine Sammlung von Jazz-Platten, die ich bei ihm hören konnte. Fanatisiert besuchten wir gemeinsam die Konzerte amerikanischer Jazz-Stars, benutzten meinen Ost-Personalausweis um beide zum ermäßigten Preis in den „Berliner Sportpalast“ zu gelangen, wo „Die Post abging“. Ein Fachausdruck für den „Drive“ der jeden Jazzfan elektrisierte.

                                                                                                                                        TROMPETEN  BLUES

  Aus Amerika kamen Filme die den Solo-Trompeter Harry James zeigten, sein „Trumpet Blues“ machte ihn schnell in Deutschland bekannt, die Trompete war das Instrument unserer Zeit. Herbert, Manfred und ich, jeder kaufte eine Trompete, wir wollten dem berühmten Solisten nacheifern. Manfred war zusammen mit Herbert zur Schule gegangen, die Zwei nahmen das Instrument ernst, ich versagte kläglich. Mein Vater versuchte sich daran und erzeugte richtige Töne, ein Naturtalent. Meine Anstrengungen gingen ins Leere, ich produzierte die Sprichwörtliche „Heiße Luft“. Wieder ein Traum geplatzt wie ein Luftballon, mühsam erspartes Geld verschenkt, Geduld und Ausdauer waren mir nicht gegeben, ich konnte nur einen Plattenspieler bedienen. Die Musik schweißte uns zusammen, zu dritt hörten wir Platten, besuchten Konzerte in West-Berlin, der Jazz war der Rock n Roll unserer Zeit. Aber ich besuchte auch Sinfoniekonzerte, kannte Werke von Gershwin und Tschaikowski auswendig, entdeckte russische Komponisten und meinen Liebling Aram Katschaturian, dessen Ballett: Gajaneh ich mir immer wieder reinzog. Warum wird diese wunderschöne Musik kaum noch aufgeführt, warum wird die „Stalinistische“ Story nicht neu geschrieben? Ich liebte die Musik, die Malerei, die Literatur, ein erfülltes Leben – ohne festen Job.

                                                                                                                                        Rudolf

Mit Rudolf verbrachte ich einen Teil meiner Kindheit, wir wohnten in den Hungerjahren nach dem Krieg im selben Mietshaus, in welchem Meine Mutter allein die dritte Kneipe betrieb. Er hatte vier Geschwister und eine tapfere Mutter, welche die Kinder ohne Vater aufziehen musste, Väter waren selten zu dieser Zeit. Zwischen Ruinen, Lebensmittel-Karten und Schwarzmarkt wuchsen wir heran, ich überredete ihn und seine besorgte Mutter, mich auf meinen „Hamsterfahrten“ zu begleiten, der Hunger war allgegenwärtig. Ich hatte die ersten Comics entdeckt und zeichnete meine eigenen Bildergeschichten, das half mir über das Nachkriegselend hinweg. Wir wuchsen heran, hörten die „Schlager der Woche“ des RIAS, träumten von blauen Maßanzügen und Budapester Schuhen mit Metallbeschlagenen Absätzen. Rudolf sollte Abitur machen, landete aber als Rangierer bei der Reichsbahn, ich lernte Verkäufer beim KONSUM. An der Schönhauser Allee verkaufte ich mit umgehängtem Bauchladen auf offener Straße Zigaretten. Goldene Zeiten für Nikotinsüchtige, endlich war die Volksdroge dem Volk wieder zugänglich. Es war eine kurze, schlecht bezahlte Episode, ich träumte einen anderen Traum. Rudolf kannte ich am längsten, Herbert studierte Musik, Wolfgang studierte Tanz, ich studierte am Wochenende die Tageszeitungen, suchte nach neuen Kinos und neuen Filmen, ein seltsamer Beruf.

                                                                                                                                        DER  BRIEF

Nun begab es sich zu der Zeit, in der es wenig Angebote für Kleindarsteller gab und ich auf „Pump“ lebte, der Briefträger einen Brief zu mir trug, der Folgen trug. Rudolf hatte die Fronten gewechselt und lebte fortan in Bergisch Gladbach bei Köln. Er malte den Teufel in Form von „Westgeld“ an die Wand, ihm sollte ich meine Seele verkaufen. Ähnlichkeiten mit Goethe`s  „Faust“ sind rein zufällig. Blind gegenüber den Schrecken des „Raubtierkapitalismus“, alle Warnungen heimischer „Feindpropaganda“ waren „Vom Winde verweht“, krallte sich der selbstmörderische Gedanke an „ Republikflucht „ in mein krankes Hirn. „Der goldene Westen“ lockte mit all seinen goldenen Kälbern und glücklichen Milka-Kühen. Vergessen die notgeilen Besäufnisse vergangener Tage, mit Füßen getreten, die selbstlose Zuneigung einer schönen jungen Frau, erwog mein jugendlicher Leichtsinn einen Wechsel der Systeme; „Ein Land zwei Systeme“. Mir ging es gut, ich hatte Annemarie, ich hatte den Film und die Musik, ich hatte keine Probleme, ich hatte ein eigenes möbliertes Zimmer mit eingebauter Tristesse, ich hatte FDGB-Urlaub mit Annemarie, ich hatte alles und gab es auf. „Kurz ist der Wahn, die Reu ist lang“. Meine wenigen Habseligkeiten in einem Pappkarton, fuhr ich mit der S-Bahn nach Westberlin und flog von Tempelhof nach Köln. Klein und hilflos stand ich vor dem riesigen Kölner Dom; Gott helfe mir. Zuwanderer sind unbeliebt, sie gehören nicht zu uns, es sind Fremde. „In der Fremde sind wir Fremde, in der Heimat sind wir fremd“. Rudolf hatte ein möbliertes Zimmer im Haus von zwei alten Damen, ich musste es mit ihm teilen. Wie ich, hatte er keinen Beruf erlernt, arbeitete als Kraftfahrer und Dachdecker. Es war Winter, ich fand keinen Job, es gab keine Arbeit. Ich war Bittsteller, man gab mir zu essen und schrieb es auf eine Rechnung, das erste verdiente Westgeld war dann sofort wieder weg. In einer Kesselschmiede hielt ich es nur einen Tag aus, das war Knochenarbeit für wenig Geld. Ich wollte zurück in mein Kleindarsteller-Paradies. Rudolf mahnte zur Geduld. „Gut Ding will Weile haben“ also blieb ich noch eine Weile. Wir waren Jugendfreunde auf engem Raum, er hatte einen Job, ich war ständig auf der Suche. Endlich fand ich eine Anstellung in einem Möbelgeschäft, der Filialleiter und ich bewegten ständig schwere Schränke in breiten Gurten, um den Kunden täglich ein neues Bild zu bieten. Eines Tages erschienen zwei Vertreter, sie wollten zum Filialleiter, ich zeigte ihnen den Weg und erhielt fünf Mark Trinkgeld, es war wie Weihnachten. Mein Stundenlohn betrug: Eine Mark und vierzig Pfennige. Wir belieferten Kunden, ich schleppte schwere Möbel die Treppen hoch, die armen Kunden gaben Trinkgeld, die reichen drückten sich und drängten dem Kuli einen Schnaps auf. „Des kleinen Mannes Sonnenschein sind Weiber und besoffen sein“. Faustregel war: Je ärmer der Kunde, je höher das Trinkgeld. Heute gebe ich die Trinkgelder, ich habe nichts vergessen. Ich war ein Zugewanderter ohne Geld und ohne Auto, Mädchen interessierten sich nicht für mich, ein fremder Hilfsarbeiter, keine „Kölsche Jung“. Um einen bestimmten Film zu sehen musste ich oft mit der Bahn bis nach Köln fahren, ein Abend in einem Jazzkeller kostete mich ein „Vermögen“, ich hatte auf die falsche Karte gesetzt. Nach neun Monaten ging ich nach Hamburg, arbeitete als Bühnenarbeiter bei REAL-FILM in Wandsbek, zeitweilig auch als Requisiteur. Richtig Geld verdiente man nur mit Überstunden, es gab hohe Aufschläge. Der Tag war lang, man soff ihn sich kürzer. Einmal stand ich früh aus dem Bett auf, fuhr bei Dunkelheit zur Arbeit, bediente die Stempeluhr und bemerkte meinen Irrtum, ich hatte den Abend für den nächsten Morgen gehalten. Nach weiteren neun Monaten trieb mich das Heimweh nach Berlin zurück, in West-Berlin war ich jedoch nicht willkommen. Die „Frontstadt“ hatte keinen Platz für „Westdeutsche“. Ich war in Berlin geboren, hatte aber nun einen Ausweis der Bundesrepublik, kein Recht auf Arbeit und Wohnraum.

                                                                                                                                   WEST-BERLIN

Eine Spedition war bereit mich einzustellen, das Arbeitsamt erteilte die Genehmigung, ich mietete ein Möbliertes Zimmer, schnupperte „Berliner Luft“. Mit Herzklopfen überquerte ich die offene Grenze zum Ost-Sektor, Kontrollen gab es keine. Ich sah meine Mutter wieder, meine kleine Schwester war erwachsen, arbeitete am Theater, hatte eine eigene Wohnung und einen Freund. Sie liebte ihren Bruder, war froh mich zu sehen, oft schleppte ich sie mit in`s Kino, wir hatten eine schöne Zeit. Nie hatte ich Annemarie vergessen können, ich sah sie jede Nacht in meinen Träumen, vermisste sie beim Erwachen. Nahe der Wohnung meiner Mutter wurde ein Film gedreht, das grelle Licht großer Scheinwerfer durchflutete die Dunkelheit, eine Szene aus meinem früheren Leben, das ich für immer verloren hatte. Meine Blicke tasteten die Gesichter der Statisten ab, ich hoffte Sie zu sehen und sah Sie… „Fremde wenn wir uns begegnen“, wir hatten uns nichts mehr zu sagen, „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ Deutsches Liedgut. Lied gut, Wiedersehen traurig. „Die Liebe kommt, die Liebe geht“, „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, Annemarie hatte eine neue Liebe, ich hatte nur eine schöne Erinnerung und tiefe Reue. Noch viele Jahre sollte sie mich in meinen Träumen verfolgen. Ich befand mich am selben Ort, stand jedoch auf der anderen Seite, mein altes Leben war dahin, mein neues war einsam und trostlos. Ich beneidete die Kleindarsteller, gehörte nicht mehr dazu, ich war ein Fremder auf beiden Seiten. Tagsüber machte ich meinen ungeliebten Job, am Abend bekämpfte ich meine Einsamkeit mit Alkohol, ich hatte keine Zukunft. Kurze Liebschaften mit Glücklosen Frauen die mit mir tranken und mir Geld entwendeten, waren die traurigen Höhepunkte eines verwahrlosten Lebens. Mit „Bonjour Tristesse“ begannen meine Tage, mit Abstürzen endeten sie. Ich begann die Kneipen zu meiden, trank mein Bier in der Isolation meines möblierten Zimmers, hörte Jazz oder Klassik. Ich unterstützte meine Mutter mit „Westgeld“, kündigte im Sommer meinen Job, verbrachte die Tage mit kargen Mahlzeiten in den Freibädern der Stadt, bekämpfte meine Depressionen mit Schwimmen und Sonnenbädern. Ich sah Filme, besuchte Konzerte, war frei und ungebunden. Manfred hatte seine Meisterprüfung als Elektriker gemacht, schickte Foto`s von seiner Hochzeit im Rheinland, Wolfgang war Solotänzer in Trier, Herbert war Berufsmusiker und spielte in Berlin, wir sahen uns selten. Als Bauarbeiter hob ich am Kurfürstendamm, inmitten der Schönen und Reichen, schicke Auto`s, teure Kleidung, mit der Schaufel eine Grube aus und beklagte meine Armut. War dies mein Schicksal, sollte ich, für immer und ewig als Hilfsarbeiter in einer Grube stehen müssen, unbeachtet von den eleganten Passanten, die ich aus der Perspektive eines räudigen Hundes, den man mit dem Fuß wegstoßen konnte, von unten sah. Ich gab nicht auf, bewarb mich bei Film und Fernsehen, wurde abgewiesen, vertröstet, verarscht. In Musik kannte ich mich gut aus, bemühte mich beim Rundfunk um eine Stelle im Musikarchiv. Das Glück war mir hold, ein gutmütiger Pförtner schickte mich zur Tontechnik, dort waren wegen Krankheit und Tod drei Planstellen unbesetzt. Jeder andere Pförtner hätte mich weg geschickt, mit dem Hinweis; Schreiben sie eine Bewerbung. So traf ich auf wohlmeinende Abteilungsleiter, die meine Vergangenheit im Showgeschäft anhörten und mich für geeignet hielten. Ich wurde zur Probe eingestellt und für die Arbeit in Tonstudios angelernt.

                                                                                                                               LIEBE  BROT  DER  ARMEN

Bei der Arbeit in einer Fabrik für Rundfunkgeräte hatte ich meine spätere Ehefrau Roswita kennen gelernt, als Kind von Alkoholikern teilweise im Heim aufgewachsen, später adoptiert. Ihre Ziehmutter war herzensgut aber eine schlampige Hausfrau, das kam mir bekannt vor, immerhin trank sie nicht. Roswita war verheiratet, hatte jedoch ein Kind von einem farbigen Studenten, das bei ihrer Ziehmutter aufwuchs. Ihr Mann hatte sich freiwillig zur Bundeswehr gemeldet und diente in Westdeutschland. Wir verliebten uns, wurden wegen inniger Knutscherei aus einer Kneipe geworfen, hier wurde gesoffen und nicht geküsst. Wieder einmal war ich von einer Frau entdeckt worden, lange hatte ich auf ein zweites Liebesglück warten müssen. Was war der Grund, Sie war allein, ihr Mann ging wahrscheinlich fremd, ich war allein, wir waren arm wie zwei Kirchenmäuse; „Liebe, Brot der Armen“. In ihren Armen versagte meine Männlichkeit den Dienst, ich war arm dran. Besser arm dran als Arm ab, Ehebruch will gelernt sein. Eine finstere Drohung des uniformierten Ehemannes stand im Raum, er würde Sie umbringen wenn…   „Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er einen Hasen gefangen“. Ich hatte einen Betthasen gefangen und konnte ihn nicht nutzen. Nutzlos, zum bloßen Wasser lassen verkommen, fürchtete sich mein „Geschlechtsteil“ in der fremden Umgebung Ihres Schafzimmers vor dem gerechten Zorn des rechtmäßigen Besitzers. Nach und nach besaß ich sie zu Unrecht aber man nahm sich das Recht. Als die Anreise des Ehemanns drohte flüchteten wir nach Bergisch Gladbach und mieteten dort ein Zimmer. Nach einiger Zeit hatte sich der Ehemann beruhigt, wir konnten beruhigt heimkehren. Es kam zur Scheidung, Roswita strebte ein neues Eheglück an, ich war skeptisch. Zu Recht natürlich, die Ehe ist keine gute Geldanlage. Ein Zimmer mit Außentoilette war meine erste eigene Wohnung; „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar“. Vorher hatten wir in der City ein möbliertes Zimmer bei einer ehemaligen Prostituierten gemietet, mit Zuhältern als Nachbarn, wegen denen ich auch einmal bei der Polizei vorgeladen wurde. Der wegen Passfälschung Gesuchte trug ebenfalls den Namen Peter. Da ich nie einen Beruf erlernt, nie einen Pass besessen hatte, war mir der Fälscher nicht nachzuweisen. Ohne Geld und ohne Möbel schliefen wir in der neuen Wohnung auf einem „Hundesofa“, ein Abschiedsgeschenk der City-Prostituierten, das ehemalige Ruhemöbel ihrer Hunde; „Armut schändet nicht“. Erst das zinslose Ehestandsdarlehen (ein Grund zur Heirat) ermöglichte uns einen Bettenkauf. Auch mein erstes eigenes Radiogerät, ein „Stockholm“ von Blaupunkt konnte angeschafft werden. Verliebt kuschelten wir vor dem Einschlafen im geruchsneutralen Bett und erlebten Hörspiele. Tonfilme ohne Bild, man lag mit geschlossenen Augen im Bett und sah was man hörte. Kino für Arme, bequem und billig. Später arbeitete ich an der Produktion von Hörspielen mit, die Schauspieler kamen nach ihrer Abendvorstellung am Theater in die Hörspielstudios und sprachen ihre Rollen bis tief in die Nacht. Ich war der „Hiwi“, man missbrauchte mich für Botengänge, Alkohol um wach zu bleiben. Ich wanderte zur nächsten Kneipe, erfüllte ihre Wünsche, man ließ mich in Ruhe, ich konnte im Aufenthaltsraum das Fernsehprogramm verfolgen. Ein Schauspieler kommentierte mein Auftreten; „Der ist so devot“. Tatsächlich bin ich lieber devot als anmaßend, ich liebe die Verbeugungen der Japaner, den „Wai“ der Thailänder, die Höflichkeit der Engländer.

                                                                                                                                    SHEARING

Das Hörspiel wurde in kleinen Wort-Studios produziert, mich begeisterten die Musikaufnahmen in den großen Sälen. Ich arbeitete als Technischer Assistent in einem Team welches den kompletten Aufbau eines Orchesters, vom Notenpult bis zum Mikrofon erstellte, wir leisteten alle Vorarbeiten, übergaben dann an den Toningenieur im Regieraum. Ich liebte Musik, konnte es einen schöneren Job geben als diesen? Ich war an der richtigen Stelle gelandet, hier spielte im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Kammermusik, Tanzmusik, Sinfonieorchester, jeder Musiker, jedes Instrument war zum anfassen nahe, ich stellte Mikrofone, legte Kabel mitten im musizierenden Orchester, war ein Teil des Ganzen, mein Leben war Musik, ich konnte mein Glück nicht fassen. Die Arbeit war vielseitig, ich betreute Konzerte im großen Sendesaal, arbeitete vor Publikum oder hinter den Kulissen, es war schöner als ich es je erträumt hatte. Unverhofft wurde ich zum ersten mal einem Übertragungswagen zugeteilt, ein neues Gebiet, ich war unsicher, wusste nicht was mich erwartete. Wir fuhren zur Deutschlandhalle um ein Konzert aufzunehmen, keine Ahnung wer dort spielen sollte. Die große Halle war voller Menschen, alle fieberten dem Musikereignis entgegen, ich kannte diese Stimmung von Konzerten die ich früher besucht hatte. Mein vorgesetzter Toningenieur schickte mich mit einem beweglichen Telefon zur Bühne hinunter, ich sollte den Ablauf des Konzerts überwachen, man würde mich anrufen wenn es ein Problem gäbe. Ich stand neben der Bühne als die Band auftrat und flippte aus als ich die Musiker erkannte. Ich wusste nicht dass er in Berlin war, es war mein Idol George Shearing, ein blinder Jazzpianist mit seinem Quintett. Er hatte den berühmten Shearing-Sound erfunden, bei dem Piano Vibrafon und Gitarre das Thema unisono vortragen und so  einen fantastischen Klang erzeugen. Ich hatte als Ostberliner viel Westgeld für eine Single von ihm bezahlt, nun stand er life vor mir auf der Bühne und ich hatte nicht mal Eintritt bezahlt. Es war der Job meines Lebens. In der Pause erlebte ich ihn hautnah im Regieraum bei Verhandlungen mit unserem Jazz-Redakteur.

                                                                                                                             TRAUTES  HEIM

Bekanntlich setzen Frauen immer ihren Willen durch, nach zwei Jahren wilder Ehe wurde geheiratet, alles halb so wild. Vom Ehestandsdarlehen hatten wir Betten gekauft, endlich eine größere Wohnung bezogen, Stube und Küche, Außentoilette. Enorme Lärmbelästigung durch ein schwules Pärchen über uns, sie arbeiteten im Gastgewerbe und feierten morgens in der Wohnung weiter. Hysterische Schreie wenn Er Sie aus dem Fenster werfen wollte. Unter uns wohnte ein ganz heißer Typ, er hängte seine Lautsprecher an die Decke und richtete sie nach oben auf unser trautes Heim, beschallte uns mit Überlautstärke aus Rache für „unsere“ Lärmbelästigung. Wir waren uns keiner Schuld bewusst, litten ja selbst unter den Obermietern. Menschen sind seltsame Leute, mancher Nachbar ist nicht machbar. „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (Almodovar). Zum Glück wurden diese alten Häuser in Kreuzberg abgerissen, so zogen wir noch vor dem Mord an unserem „Untermieter“ aus. Möge er in der Hölle schmoren. „Eine neue Wohnung ist wie ein neues Leben“ (leicht abgewandelt). Zweieinhalb Zimmer Küche und Bad in Friedenau, es ist erreicht ! Für den Rest des Darlehens flogen wir mit Propeller zum Wolfgangsee, der war ringsum zugebaut, Schwimmen nur gegen hohe Gebühr, Umkleiden im morschen Holzbau mit rostigen Nägeln zum „Aufhängen“. Sogenannte „Bremsen“ bremsten „Das Bad auf der Tenne“ endgültig aus. Wir wohnten privat über der Großgarage eines Fuhrunternehmers, pünktliches Wecken Ehrensache. „Die Welt ist schön Mylord“.

                                                                                                                            BIER  UND  WEIN

Wir bekamen ein Kind, der kleine Sohn meiner Frau zog zu uns, Bedingung für das Kindergeld, sie liebte ihr Kind, ich nahm es in Kauf, „Kinder sind unsere Zukunft“. Man sollte nie vergessen, dass jeder Geschlechtsverkehr die eigene Zukunft belasten wird. Belasten wir uns nicht mit diesen Kleinigkeiten, die Ehe ist der Preis für die Überwindung der Einsamkeit. „Frauen helfen uns bei der Bewältigung von Problemen, die wir ohne sie nicht hätten“. Hätte Annemarie damals mein Kind bekommen, wäre es wohl wie ich Alkoholiker geworden, mein Stiefsohn brach mit dieser lieb gewordenen Tradition, Alkohol konnte ihm nichts anhaben. Er bevorzugte moderne Drogen, federleicht, keine schweren Flaschen, schnellere Wirkung, weniger Pinkeln. Ich war old fashioned, Ich war nicht in der „HJ“, nicht in der „FDJ“, ich war in der „TDJ“, „Trinkende Deutsche Jugend“. Es ist wie Jack London schreibt; Alkohol ist immer verfügbar, bezahlbar, passt zu jeder Gelegenheit. Zu meiner DDR-Zeit zog ich an hohen politischen Festtagen mit Rudolf und einem weiteren Jugendfreund an zahlreichen Getränkebuden vorbei, es gab zur Feier des Tages Sonderzuteilungen von echtem Budweiser Bier aus der Bruder-Republik der Tschechen. Große 0,5 Flaschen die des Trinkers Herz erfreuten. Als Kind las ich unzählige Bände TARZAN, er war der Harry Potter seiner Zeit, konnte nicht zaubern, verzauberte aber meine Kindheit. Vor „König Alkohol“ las ich alles von Jack London, ein trinkender Schriftsteller, schreibender Trinker. Es beruhigte mich, dass so viele berühmte Männer dem Alkohol verfallen waren; „Ob arm ob reich, die Droge macht uns gleich“. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, würde man ihm den Alkohol nehmen würde man ihm seine Würde nehmen. Der Arme schluckt seine Fusel-Öle mit der gleichen Ehrfurcht wie der reiche Weinkenner, ein Alkoholiker auf höchstem Niveau, seinen edlen Tropfen. „Wenn schon Alkohol, dann Wein“ sagte meine Ärztin, fortan träumte ich von einem eigenen Weinkeller und Nobelrestaurants mit sündhaft teuren Weinen. Es war zum weinen, keiner nahm Rücksicht auf meine Bedürfnisse, meine Würde war angetastet, blind tastete ich mich durch mein elendes Leben, ohne Sinn für die pittoreske  Schönheit der Armut. „Armut bereichert unser Leben“. Mein Bier hatte immer den Touch des Prekären, selbst ein Premium war niederer Herkunft und stammte nicht von einem berühmten Weingut. „Wein gut, alles gut“.

                                                                                                                                      BÜCHER  UND  BÜHNE

 Nach dem Hunger der Nachkriegszeit folgte der Hunger auf das Leben und der Roman: „Hunger“ von Knut Hamsun, ich war hingerissen wie damals von Alfred Döblin und John dos Passos, las begeistert noch mehr Bücher dieses Autors, erfuhr von seiner Vorliebe für Hitler, Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander. Inzwischen hatte ich einige Bibliotheken durch gelesen, kannte alle großen Namen, habe aber nie Karl May gelesen, merkwürdig. Kenne jedoch alle Werke von Edgar Rice Buroughs, ein Name der in Vergessenheit geriet während der seines Helden unsterblich wurde. Die wichtigsten Autoren sind mir bekannt, über Bücher könnte ich ein Buch schreiben. Wie der späte Hermann Hesse schreibe ich überwiegend Briefe, da muss ich keine Rücksicht nehmen, kann jeden Unsinn der mir in den Sinn kommt niederschreiben, ohne fürchten zu müssen dass mich jemand niederschreibt. Die „Lügenpresse“ schreibt jeden hoch und nieder der sich in ihre Niederungen begibt. „Ja das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fall gewesen“ Deutsches Liedgut. Eigentlich bin ich Textdichter, konnte aber bisher nur einen einzigen Liedertext verkaufen. Eine befreundete Sängerin suchte einen deutschen Text für „I go to Rio“ den sie im Radio sang, er brachte mir dreihundert Mark ein. Ich hatte eine Stunde daran geschrieben, ein beachtlicher Stundenlohn. Ich war ein routinierter „Bühnenfuzzy“ geworden, man engagierte mich für Jazz und Rock-Konzerte, jede „Mucke“ brachte mir zusätzliche Gagen ein. Für jedes Konzert im Sportpalast hatte ich in meiner Jugend Eintrittskarten kaufen müssen, Jahre später ging ich dort als freier Mitarbeiter ein und aus, wir beschallten diverse Veranstaltungen: Sechs Tage Rennen, Holiday on Ice, Rudi Carel-Show, Beach Boys, Frank Zappa usw. Einer meiner Freunde war Tontechniker, er war der Boss, ich war der Bühnenfuzzy, stellte Mikrofone und Lautsprecher, sprach mit Künstlern und Managern, es ging aufwärts.

                                                                                                                                     MORBUS  BECHTEREW

 Mit meiner Gesundheit ging es abwärts, die Ärzte diagnostizierten einen „Morbus Bechterew“, Versteifung und Verkrümmung der Wirbelsäule, unheilbar. Schwere Schmerzen, die sich über Jahrzehnte hinziehen würden, der Anfang vom Ende. Alle Ärzte waren sich einig: Bewegung Bewegung Bewegung ! Ich entschied mich für tägliches Schwimmen im warmen Wasser. 32 Grad waren im Angebot, ich kaufte eine Jahreskarte für 1000 DM und kämpfte jeden Tag eine volle Stunde um mein Leben. Trotz schwerer Schmerzen schleppte ich mich jeden Tag zum Dienst, Tabletten und Spritzen hielten mich aufrecht. „Wir sind nicht zum Vergnügen auf der Welt“. Als man mir 70% Schwerbeschädigung bescheinigte, wollte mein Abteilungsleiter mich aus der Musikproduktion herausnehmen, ich war verzweifelt, liebte meine Arbeit, wollte nicht aufgeben.  Depressionen hatten mich ein Leben lang verfolgt, nur die Sonnenbäder im Sommer konnten sie vertreiben, Licht und Wärme waren die beste Therapie. Meine Schwester schenkte mir das Buch: „Grundformen der Angst“, hier fand ich mich zu hundert Prozent treffend als depressiv beschrieben, mir fiel es wie Schuppen von den Fischen. Endlich wusste ich wer ich war. „Wissen ist Macht“. „Die Macht des Schicksals“. Ich nahm mein Schicksal an, meine Medikamente ein und hielt die Schmerzen aus. Kämpfte tapfer gegen eine unheilbare Krankheit, war dankbar für meinen Job und die Möglichkeiten die er mir bot.

                                                                                                                                       CARLSBERG

Er bot mir mehr als ich je zu hoffen wagte, Ich stand mit berühmten Jazzmusikern auf der Bühne; Miles Davis und Gil Evans, Louis Armstrong und Sarah Vaughn, mit allen die ich kannte und liebte. Bei der Konzertreihe „Jazz im Garten“ im Garten der Nationalgalerie, bei den „Berliner Jazztagen“ in der Philharmonie, bei Konzerten in Frankreich, Dänemark, Tunesien, England, USA, ich war der „Hans im Glück der Musik“. Alles hatte ich jenem unbekannten Pförtner zu verdanken, der mich damals an die richtige Adresse geschickt hatte. Ich habe den Mann nie wieder gesehen, konnte mich nie bei ihm bedanken, er rettete mich vor dem Ertrinken, durch ihn konnte ich mich frei schwimmen. Schwimmen ist noch heute meine erste und wichtigste Aufgabe, ich gab nie auf. Mit Paul Kuhn und der Big Band, ein international besetzter Klangkörper, dem Solisten wie Eugen Cicero, Milo Pavlowich, Carmel Jones angehörten, spielten wir beim BBC in London, im Tivoli Kopenhagen, in Los Angeles usw. In Kopenhagen war das Orchester in der Carlsberg Brauerei eingeladen, wir betraten einen abgedunkelten Vorraum, die Eingangstüren wurden hinter uns geschlossen, nichts geschah, es war ein wenig beklemmend. Dann öffneten sich ringsherum mehrere Flügeltüren, Licht fiel herein, frisch geschenktes Bier wurde gereicht, eine Stehparty. Man geleitete uns in den Speisesaal, auf festlich gedeckten Tischen standen an jedem Platz fünf Flaschen Carlsberg, verschiedener Sorten, eine gelungene Inszenierung. Unsere Gesangssolistin war Caterina Valente, über sie sprach später einer der Musiker das höchste Lob aus welches ein Mann einer Frau gewähren kann: „Eine fantastische Frau, die ist wie ein Mann“. Ein „Frauenfeind“ mokierte: „Die spielt den Mann um in der Männerwelt als gleichwertiger Musiker akzeptiert zu werden“. Wie auch immer, echt oder gut gespielt; Eine großartige Frau und Künstlerin.

                                                                                                                                     DER  SEITENSPRUNG

Für das Kino blieb immer weniger Zeit, ich arbeitete Tag und Nacht, schlief oft nur wenige Stunden, meine Frau sah mich selten; „Du bist ja nie da“. Sie arbeitete in obskuren Jobs, nahm Laufmaschen an getragenen Seidenstrümpfen auf, eine Zeiterscheinung des Mangels. Endlich erwischte sie einen festen Job als Telefonistin, war wie ich häufig im Nachtdienst tätig, fing dort ein Verhältnis mit einem verheirateten Kollegen an. „Die Ehe ist ein Bund fürs Leben, der Seitensprung ist der Höhepunkt falscher Versprechungen“. Auch ich war zum Opfer einer festen Bindung geworden, hatte nach meiner Nachtschicht, unter Alkohol die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen. „Beneidenswert wer frei davon“ Francois Villon. „Nach Tagwerk und der Ehe Fron, der Mühe Lohn, Prostitution“. Zehn Jahre Ehe waren ins Land gegangen und hatten sich dort verirrt. „Irren ist menschlich“ sagte der Scheidungsrichter. Eines schönen Morgens mochte meine Frau das Bett des Geliebten nicht verlassen. Ein Schelm der böses dabei denkt, sie waren ja beide verheiratet, wenn auch nicht miteinander. Roswita kam vom Nachtdienst nicht nach Hause, ich suchte Trost bei meiner Schwester, glaubte an einen Unfall. Nun ja, solche Unfälle kommen alle Tage vor, Bei dem Versuch einem Kind auszuweichen, fallen Frauen häufig aus dem Bett. Mona ahnte als erfahrene Frau wohl den Grund des „Unfalls“, wir gingen zusammen essen, sie beruhigte mich so gut sie konnte. Konnte ich mir ein Leben ohne Roswita vorstellen? Wie konnte sie mir das antun? Sie konnte. „Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern“. Ich liebe dieses Lied, es beschreibt in schlichten Worten die Lebensdauer von Gefühlen. Wie fühlt man sich „After the love has gone“ , ein geiler Song von Earth Wind and Fire, das Pendant in englischer Sprache. Hier wird die Schönheit der Vergänglichkeit gefeiert, man möchte sich sofort verlieben um diesen grandiosen Trennungs-Schmerz erleben zu dürfen. Dürfen wir verzweifeln? Nein, es gibt noch andere Lieder; „Wer wird denn weinen wenn man auseinander geht, wenn an der nächsten Ecke schon ein andrer steht“, „Denn an der nächsten Lampe, steht schon die nächste Schlampe“. Meine Schwester war eine bildschöne Frau, eine schwarzhaarige „Südländerin“, als sie heranwuchs hatte ich mich mit ihr geschmückt wenn wir zusammen ins Kino gingen. Sie liebte ihren großen Bruder, ich liebte meine kleine Schwester, hatte sie im Kinderwagen gefahren, auf meinen Schultern getragen, unachtsam vom Wickeltisch fallen lassen; Schuldgefühle wenn ich als großer Bruder versagt hatte. In Ost-Berlin sahen wir unpolitische West-Filme oder sozialistische „Blockbuster“ über die grandiose Oktober-Revolution, der erste Schritt zur Befreiung Russlands und der Welt, sowie die Meisterwerke von S. Eisenstein. Mit Bodo dem Tänzer hatte ich Jean Cocteaus: Orpheus und La Belle et la Bete gesehen. Vom: Kabinet des Dr. Caligari, war es nur ein kurzer Schritt zur surealen Malerei des Salvador Dali. Ich wurde „Sonntagsmaler“, malte aber auch an Wochentagen, mehr schlecht als recht, aber mit Ölfarben. Abstrakt wäre leichter gewesen aber ich wollte andere Welten schaffen, Fantasie entfalten, verblüffen und in Erstaunen versetzen. „Erstaune mich“ ist meine liebste Forderung. Herbert der Musiker riet mir meine Frau weg zu schicken, als ich es tat und sie tatsächlich ging, brach ich weinend zusammen.

                                                                                                                                        DER  STEIFE  HALS

Am Anfang meiner Wirbelsäulenerkrankung hatte mir eine Krankenschwester Hoffnung gemacht und mich zu einem „sehr guten“ Arzt geschickt von dem ich Wunder erwartete. Als ich sein Sprechzimmer betrat begrüßte er mich mit den Worten.“Und was haben Sie, Sie haben einen steifen Hals“. „Das wäre schön“ sagte ich; „Leider habe ich einen Morbus Bechterew“. „Das tut mir Leid, da möchte ich nicht mit Ihnen tauschen, dagegen haben wir noch nichts. Sie können jede Behandlung probieren und an einen Erfolg glauben, selbst wenn sie nach China reisen, in das Land der Akupunktur und Linderung der Schmerzen für einen Erfolg der Behandlung halten, diese Erkrankung folgt eigenen Gesetzen, die Schmerzen kommen in Schüben, sind nicht aufzuhalten, unheilbar aber nicht lebensbedrohend, sie können damit hundert Jahre alt werden.“ Da hatte ich den Salat, diese Suppe musste ich auslöffeln, Gott wollte mich prüfen. In der Folge wurde ich in Kuren mit Radon behandelt, die Schmerzen ließen nach und kamen mit großer Heftigkeit wieder, wie versprochen. Jahrzehnte lang musste ich diese Knechtschaft ertragen, wahrscheinlich die Gabe einer bösen Fee, die kurz nach der Geburt meine Wirbelsäule mit einem Zauberstab berührt hatte, nur Harry Potter hätte hier helfen können. Während einer Kur hatte meine Frau ihren Liebhaber mit in unsere Wohnung gebracht, von Nachbarn argwöhnisch beobachtet. Geschmacklos aber nicht neu, schließlich hatte ihre Liebe zu mir auch einmal so angefangen. Tatsächlich hatte sie mich am Anfang unserer Beziehung buchstäblich angehimmelt, wahre Liebe, nur eben begrenzt. Natürlich war auch ich nicht unschuldig am Geschehen gewesen; „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“. Mich hatte ihr Sohn zermürbt, meine Krankheit hatte sie zermürbt; „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Wir wurden geschieden, aber erst nach dem wir in letzter Minute einen zweiten Anwalt erwählt hatten, ein Formfehler, für den immer einige Anwälte am Ort in Bereitschaft waren. „I never fall in love again“ US-Liedgut.

                                                                                                                                         DER  ANTRAG

Als Roswita geschieden wurde lebten wir schon zwei Jahre verliebt und glücklich zusammen, was sollte uns trennen, wenn nicht ein neuer Ehevertrag den man zu brechen hatte. Sie wollte mich heiraten, der Antrag ehrte und ängstigte mich, wollte sie alles zerstören? Eine solche Ehe wäre nicht standesgemäß gewesen, ich der Intelektuelle Cineast; Fellini, Bergmann usw. Jazz-Kenner, perfektionierter Hilfsarbeiter bei Funk und Fernsehen, bekennender Autodidakt ohne Auto – Sie eine Expertin für Laufmaschen, liebte Edgar Wallace-Filme und seichte Schlager, wohin sollte das führen? Meine Eltern hätten dieser Verbindung niemals zugestimmt. Ich fragte Roswita warum sie mich heiraten wolle, sie antwortete: „Mit dir werde ich niemals Langweile haben“. Die Ehe ist also das beste Mittel gegen Langeweile, vorausgesetzt man findet den geeigneten Hofnarren. Schon auf dem Hinterhof, wo sich damals unsere Außentoilette befand, hatte ich gern den Narren gespielt, ich hatte eine Begabung zum Schauspieler, die Jury der Schauspielschule war unbegabt gewesen. Die größten Begabungen werden meist abgelehnt, siehe auch die von mir verehrte Lisa Eckhard, eine geborene Schauspielerin mit enormer Begabung. Ich bin ein glänzender Erzähler von Witzen, schmücke aus, baue die Pointe gekonnt auf, schieße sie ab und treffe ins Ziel wie Robin Hood. Das sage nicht ich, sondern meine Zuhörer. Erst spät erkannte ich meine Talente und die resultierende Beliebtheit. Bis dahin hatte ich mich als Versager in meinen Depressionen gewälzt wie das Schwein im Schmutz. Ich war ein Narr ohne Hof gewesen, nun machte Roswita mir den Hof. Konnte ich die Liebe dieses Menschenkindes zurückweisen, ihren Antrag ablehnen, sollte ich dem Dünkel meiner Eltern zuwider handeln, eine Enterbung riskieren, meine Würde verlieren, jenes unantastbare Gut jedes Menschen. Würde ich den Verlust der Würde überleben, würde nicht ein Freitod am Ende der einzige Ausweg sein? All diese Gedanken schossen mir durch den Kopf wie Leuchtspur-Raketen einer Stalinorgel in dunkler Nacht. Liebe geht seltsame Wege, der seltsamste ist der zum Standesamt. Roswita hatte Hawaii und Fidji als Ziel für die Hochzeitsreise abgelehnt, Sie wollte nach Balkonien, ein beliebtes Ziel für die gehobene Unterschicht des prekären Proletariats der Besitzlosen. Ich hörte Stimmen: „Now you are in for it“ sagte eine von ihnen, warum hatte ich ja gesagt, wusste ich doch nur zu gut wie so etwas endet.

 Kurz vor dem Ende dieser Ehe, ich ahnte noch nichts böses, spielte ich vor meiner Frau wieder mal den Pausenclown, gab eine improvisierte Showeinlage, tanzte wie Fred Astaire, lüftete den imaginären Zylinderhut, schwang das Stöckchen, riskierte einen Stepptanz, eine leicht feminine Darbietung, nach dem alten Motto: „Nie wieder Langeweile“. Zehn Jahre Ehe hatten mein Showtalent abgenutzt, die frühere Begeisterung meiner Frau war unwiederbringlich dahin, sie kannte mein Repertoire auswendig, angewidert sprach sie mir ihre Verachtung aus: „Du alte Tunte“. Ich war ernüchtert und wusste was die Glocke geschlagen hatte. So endete eine Liebe.

                                                                                                                                       VERRÜCKT

Ich war allein, meine Frau liebte mich nicht mehr, liebte ich sie noch, oder fehlte mir die „Krankenschwester, das betreute Wohnen“, der Halt den sie dem Depressiven gab, eine Aufgabe die über ihre Kraft ging, zumal ihr einziges Kind zum Drogenopfer geworden war, das ebenfalls gestützt werden musste. Sie flüchtete in eine neue Beziehung zu einem verheirateten Mann, was erneut Kraft kostete. „Wir sind nicht zum Vergnügen auf der Welt“.“ Erst die Arbeit dann das Vergnügen“ sagt der Volksmund. Ich arbeitete viel aber die Freizeit war kein Vergnügen, die Wellen der Depressionen schlugen über mir zusammen wie das Meer nach dem Wunder der Öffnung. Vergeblich wartete ich auf das Wunder der Erlösung, das Licht am Ende des Tunnels, die Befreiung von der Last meiner negativen Gedanken, dem trostlosen Weltbild von Krankheit, Krieg und endlosem Leid, der Sinnlosigkeit allen tun`s in einer grausamen Welt. Sogar bei der geliebten Arbeit im Tonstudio gab es Momente der Verzweiflung in denen seltsame Gedanken mich heimsuchten. In einer Pause saß ich unter Kollegen im Regieraum und dachte: „Hoffentlich merken die nicht dass ich verrückt bin“. Verrückt war ich wohl, ich liebte Salvador Dali und all die anderen Verrückten, aber ich war nicht geisteskrank, immerhin ein Unterschied. Ein Kollege war nach Ehebruch, Scheidung, Verlust der geliebten Kinder, tatsächlich verrückt geworden, hatte im Suizid den letzten Ausweg gesehen. Ein Erfolgsmensch, keiner hatte es ihm zugetraut. Meiner Exfrau Roswita verdanke ich einige glückliche Jahre, „Es war nicht alles schlecht“. Ein beliebtes Wort der Verdrängung eines Trauerspiels deutscher Geschichte. „Die unendliche Geschichte“, ein Kinderbuch, aber auch die passende Überschrift zur blutrünstigen Geschichte der Menschheit. „Ein Mensch, wie stolz das klingt“ Gorki. Mancher Tor ist stolz ein Deutscher zu sein, eine stolze Leistung zu der er nichts geleistet hat.

                                                                                                                                             PRESSEBALL

Als die Presse noch nicht als „Lügenpresse“ verschrien war feierte die Prominenz jedes Jahr einen Presseball in Berlin, unsere Big Band spielte dort zum Tanz, ich durfte dabei sein. Smoking war Arbeitskleidung, „Kleider machen Leute“. Beim Auf und Abbau machten wir uns die Hände schmutzig aber in der Verkleidung wirkten wir wie gut betuchte Ballbesucher, die hohe Eintrittspreise aus der Portokasse bezahlten. Wir bekamen Gutscheine, gegessen wurde im Keller, „Wir Kellerkinder“. Das erinnerte  an die Bombennächte im Luftschutzkeller, rief böse Erinnerungen wach. In späteren Jahren wurde oben gegessen, „Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird“, man muss abwarten können. Der Smoking im Dienst war ein Fortschritt gegenüber der Arbeitskleidung die ich als „Häs`chen in der Grube“, beim ausheben eines Erdlochs auf dem „Kudamm“ getragen hatte. Mein Freund Herbert spielte mit seiner Band ebenfalls auf dem Presseball, er war Elektriker gewesen und hatte es zum Bandleader geschafft, ich bewunderte und beneidete ihn um seinen Fleiß, seine Ausdauer an der Trompete, ein Instrument bei dem Mundstück und Ansatz so wichtig waren. Ich wusste wohl dass er Nächte lang an Arrangements schrieb für die es am Ende nur einen bezahlten Auftritt gab, jedes Ding hat zwei Seiten. Schwermütig wie ich war, beneidete ich ihn um seine lockere, unbekümmerte Art, die er mit seiner Freundin teilte. Sie trat bei ihm als Sängerin auf, ein hübsches, fröhliches Mädchen mit umwerfendem Charme, ein Profi auf der Bühne, eine Künstlerin mit Herz. Für beide hatte ich Liedertexte geschrieben, wir hatten Schallplatten gemacht, mit großen Hoffnungen und kleinen Erfolgen, der Weg nach oben ist mühsam, nicht jeder kommt groß raus. Ich hatte gute Freunde, wir waren im Showgeschäft, unser Leben war voller Musik, wir waren happy.

                                                                                                                                                 LONDON  UND  PORTO

Einmal pro Woche besuchte ich einen Sprachkurs der von meiner Firma bezahlt wurde, verbesserte mein Englisch und war geeignet mit unserem Orchester nach London zu fliegen wo es ein Konzert in der Royal Albert Hall gab. Hinter den Kulissen trank ich Bier mit den englischen Kollegen und erzählte Witze in englischer Sprache, was meinen deutschen Kollegen Kurt sehr beeindruckte. Vorher hatte er oft gemeckert wenn ich in Berlin für zwei Stunden den Dienst im Studio vernachlässigte um den Sprachkurs zu besuchen. Bei einer weiteren Dienstreise nach Portugal waren wir zwei wieder mit im Team, in Porto holte uns eine Deutsche am Airport ab, begleitete uns zu unserem Hotel, sprach mit dem Personal in der Landessprache, wir erhielten unsere Zimmerschlüssel, öffneten unsere Koffer, hingen Kleidungsstücke in die Schränke und begaben uns zur Konzerthalle. Wir besichtigten die Bühne, nahmen an der ersten Besprechung teil und fuhren mit der Taxe zum Hotel zurück. Beim Eintreten bemerkte ich zwei kleine Berge lose aufgehäufter Kleidungsstücke mit Reisepässen obenauf und traute meinen Augen nicht; Es waren unsere Kleidungsstücke und unsere Pässe. Empört verlangte ich Auskunft, aber nun sprach keiner mehr Englisch. Man hatte uns irrtümlich die falschen Zimmer gegeben und einfach wieder rausgeworfen. Welcome to Porto.

                                                                                                                                                DIE  MAUER

Meine süße kleine Schwester war zu einer schönen jungen Frau herangewachsen, hatte sich in Ostberlin eine hübsche Wohnung eingerichtet, zu einer Zeit als niemand die Absicht hatte eine Mauer zu errichten, eine Fehlinvestition wie sich zeigen sollte. Der pure Leichtsinn trieb ihren „republikflüchtigen“ Freund, der in Westberlin im Lager lebte, immer wieder in den Osten der Stadt, er hatte dort meine Schwester kennen gelernt und bei ihr die entscheidende Nacht ihres Lebens verbracht; „Klappe zu, Affe tot“. Es ging um Leben und Tod als sie vom Bau der Mauer hörten, Flucht in letzter Minute. Meine „Flucht“ war ein Spaziergang gewesen, gefahrlos hatte ich die Fronten gewechselt, hatte nie in einem Auffanglager gelebt, ohne Bürokratie einen neuen Pass bekommen, war arbeitslos aber frei. Mona hätte in der „Hauptstadt der DDR“ bleiben können, sie war nicht gefährdet, wollte jedoch mit ihm gehen. „Willst du mit mir gehn“ Deutsches Liedgut. Lied gut, Mauer schlecht. Liebe geht seltsame Wege, sie überwindet Mauern um ihre Wahrhaftigkeit zu untermauern. Nach langer verzweifelter Suche überwanden sie die im Bau befindliche Mauer in dem sie über eine Mauer kletterten. Ein unbewachter Friedhof grenzte an den westlichen Teil der Stadt, hinter der Mauer lauerte die Freiheit. „Auf der Mauer auf der Mauer sitzt ne kleine Wanze“ Kinderlied. Alle „Wanzen“ der Stasi und „Das Leben der Anderen“ hinter sich lassend sprangen sie von der Friedhofsmauer in ein anderes Leben. „Der Weg ins Freie“ mit Christina Söderbaum. Wer soll denn das sein, nie gehört. Das Leben ist ein Film, meistens ist man im falschen. Veit Harlan hat die falschen Filme gedreht, dabei aber richtig kassiert. „Kunst geht nach Brot“. Millionen Deutsche waren im falschen Film gewesen, Regie hatte ein unbekannter Kunstmaler der den Beruf gewechselt hatte, an der Kamera Leni Riefenstahl. Millionen von Kleindarstellern hatten seine Regieanweisungen befolgt, der Film hatte international Aufsehen erregt, eine Produktion der Superlative, keiner kam daran vorbei. Noch heute laufen Ausschnitte im Fernsehen, wird der Regisseur besudelt und gelobt. „Es war nicht alles schlecht“. Natürlich kann es einem dabei schlecht werden, es war der größte Horrorfilm aller Zeiten. Er hat nie wieder einen Film gedreht.

                                                                                                                                      DER  AMATEUR

Ich drehte Schmalfilme und Videofilme, mit unterlegter Musik, meine Frau wurde von mir missbraucht „Vergewaltigung in der Ehe“ die Hauptrollen zu spielen und hinter der Kamera mitzuarbeiten. Im Urlaub auf Ibiza drehten wir auf einer Burg über der Stadt, bei glühender Hitze Einzelbilder eines „Geldkoffers“ der sich fortbewegte. Waren diese mörderischen Dreharbeiten der wahre Scheidungsgrund, wurde hier der Grundstein des Anstoßes gelegt, waren nicht meine sadistischen Regieanweisungen der Anfang vom Ende einer wunderbaren Beziehung? Erbarmungslos wie Alfred Hitchcock seine blonden Schönheiten, quälte ich die mir ausgelieferte Frau bis aufs Blut. Heute stände ich wegen „Me too“ vor Gericht und hätte Drehverbot.

Ich versuchte mich in vielen „Brotlosen Künsten“, nahm rohes Fleisch in den Mund um es als eigene Zunge mit dem Stiel einer Rose zu durchbohren, filmte den Vorgang um meine wenigen Zuschauer im privaten Kreis zu schockieren. Ich präparierte zugeschnittenes Papier als Bündel echter Banknoten um einen Koffer voller Geld vorzutäuschen, was mir trefflich gelang, neugierig fragten meine Freunde wie ich das gemacht hätte. Für das Filmen hatte ich ein anderes Hobby aufgegeben, was mir später leid tat. Ich malte keine Bilder mehr, hielt mich für unbegabt, mit abstrakter Malerei konnte ich keine Geschichten erzählen, Farben allein genügten mir nicht. Meine ersten Versuche als Anfänger zeigen meine blau/grüne Phase, dunkle Farbtöne die meiner depressiven Grundstimmung entsprachen, was mir erst später bewusst wurde. Heute liebe ich helle und grelle Farben, habe eine fast krankhafte „Farbengeilheit“ entwickelt, Farben in Mode, Natur und Kunst ziehen mich magisch an. Die Weiterentwicklung der Bildröhre zum riesigen 4 K – Bildschirm versetzte mich in einen Freudentaumel, beglückende Farben leuchteten schöner als die Wirklichkeit.

                                                                                                                                        KRANKHEIT  UND  KUR

Die Verkrümmung und Versteifung meiner Wirbelsäule ging unaufhaltsam weiter, die Schmerzen waren unerträglich, schwere Rheumamittel waren mein täglich Brot, alle zwei Jahre fuhr ich zur Kur, blieb aber nie der Arbeit fern. In der Früh schlich ich wie ein alter Mann zum Bus, konnte mich während der Fahrt nicht setzen, musste die Erschütterungen mit weichen Knien stehend abfedern weil jede Bodenerhebung schlagartig Schmerzen auslöste. Auf der Arbeitsstelle angekommen, wartete ich auf den Beginn der Sprechstunde, schlich zum Arzt um eine Spritze zu bekommen. Oft wünschte ich mir ein Indianer zu sein; „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Meine Kollegen sahen wie ich litt und nahmen mir schwere Lasten ab. Große Lautsprecher, Kesselpauken, Marimba und Vibrafon musste ich nicht bewegen, konnte mich auf Mikrofone und Kabel beschränken. Noch heute bin ich ihnen dankbar, sie ermöglichten mir die Fortsetzung meiner geliebten Arbeit trotz schwerer Krankheit. Während einer Krise erlitt ich einen Weinkrampf vor ihren Augen. Was hat er denn? fragte einer ratlos. Er hat Kummer, sagte ein anderer. Kummer und Verzweiflung gehörten zu meinem Leben, „Das Leben ist kein Streichelzoo“. Tatsächlich mangelte es an Streicheleinheiten, ich lebte allein, meine gebückte Körperhaltung, mein schmerzverzerrtes Gesicht lockten keine Frauen an, trotz jugendlichem Aussehen „sah ich alt aus“. Meine Haltung war unfreiwillig devot, meine „Verbeugung“ chronisch. Oft erschrak ich beim Anblick meines Spiegelbildes wenn ich mich unerwartet in einem Schaufenster sah, konnte ich als „Glöckner von Notre Dame“ noch vor Publikum auf der Bühne arbeiten? Unermüdlich setzte ich das Schwimmen im warmen Wasser der Thermen fort, kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung gegen die unerbittlich fortschreitende Verkrümmung an. Abends suchte ich Trost beim Bier, verzichtete sogar während einer Hungerkur nicht auf „König Alkohol“ und konnte das Märchen: „Bier macht dick“ widerlegen. Bei einer „Eiweiß plus Diät“ nahm ich täglich etwa tausend Kalorien fester Nahrung auf, trank jedoch etwa vier Liter Bier. Meine Kur war eigentlich ein Selbstbetrug gewesen, hätte so nicht funktionieren dürfen. Nach acht Monaten hatte ich zwanzig Kilo abgenommen und halte bis heute ein Idealgewicht von fünfundsechzig Kilo. „Bier macht dünn“ muss es also heißen, aber das glaubt mir sowieso keiner. Mit fünfundachtzig Kilo litt ich an Schweißausbrüchen, im Winter taten mir abendliche Spaziergänge durch den Schnee wohl, jede Abkühlung war willkommen. Das war nach der Abmagerung vorbei, seit dem friere ich erbärmlich.

                                                                                                                                 DER  GLÖCKNER  VON  MOMBASA

Früher dachte ich im Winter ist es kalt, man muss sich warm anziehen und den Ofen heizen, später umging ich das Naturgesetz und flog nach Afrika. Kenia war wärmer als Spanien und schwarze Frauen billiger als weiße. Ich war jedoch naiv und schüchtern, ein weißer Krüppel in einem schwarzen Land. Eine eingefallene Brust, ein hervorstehender Bauch, Merkmale meiner Erkrankung machten mich zu einer Witzfigur, ein kindisch dummer Urlauber, sehr jung und sehr respektlos, bekam einen Lachkrampf bei meinem Anblick. Ich war erschreckend dünn geworden, meine Knie waren nie durchgedrückt um einen graden Rücken vorzutäuschen, eine groteske Erscheinung, ein „alter Mann“ mit jugendlichen Gesichtszügen. Solche Lachanfälle erlitten in späteren Jahren noch weitere junge Menschen wenn sie mich sahen, das sind vermutlich die gleichen welche in tosendes Gelächter ausbrechen wenn im Kino auf der Leinwand der Kopf eines Menschen in Großaufnahme explodiert und das Gehirn in slow motion auseinander spritzt. Ich war entsetzt als ich das zum ersten mal erlebte, eine solche Verrohung machte mir Angst. Ich liebe das Kino und seine Tricks aber was zu weit geht, geht zu weit. Zumal dann, wenn es auf verblödete, brutalisierte Jugendliche trifft die sich am Abschlachten von Menschen aufgeilen. Sadismus ist eine Krankheit und keine „Horror picture show“. Das Sonnenlicht vertrieb meine Depressionen, der Winter war nicht mehr kalt, ich hatte ihn überlistet. Wenige schwarze Frauen tanzten zur Musik der Hotel-Band, sie suchten Kunden, durften jedoch nicht im Hotel übernachten. Meine Scheu spielte hier keine Rolle, mein Aussehen auch nicht; „Love for sale“ US-Liedgut. Mir fehlte die Erfahrung aber ich lernte schnell, begleitete eine dunkle Schönheit in ihr armseliges Zuhause und kam als Sextourist in mein Hotel zurück. Ich war nicht schön, ich war nicht reich aber es reichte. Nach Mombasa war es nicht weit, eine Taxe brachte mich zu einer bekannten Disco. Leicht bekleidete Schönheiten zeigten eine beachtliche Tanz-Show, eine der Tänzerinnen „verliebte sich“ in den buckligen Glöckner und nahm mich mit in ihre Wohnung. Ich liebte ihre dunkle Haut, sie liebte meine Großzügigkeit. Ihr Bett stand an der Wand, die war mit schönen weißen Frauen beklebt, ich fragte warum. „Das sind deine schönen weißen Schwestern“ sagte sie, mehr ist dazu nicht zu sagen. Irgendwann landete ich im verrufenen Stadthotel wo die Mädchen einem verbotenen Beruf nachgingen, der Prostitution. Man wartete bei einem Drink auf Kundschaft, durfte aber nicht in das Hotel hineingehen. Hier traf ich „Rose“, es war ihr Künstlername, „Der Name der Rose“ sie war klein und zierlich, eine hübsche junge Frau, auch sie „verliebte“ sich in den hässlichen Weißen. Hier galt ein anderes Schönheitsideal, niemand lachte über meine deformierte Figur, ich war willkommen. Die dunklen Frauen erhellten meine Stimmung, dunkle Frauen sind schöner als dunkle Wolken. Rose wohnte in einer Pension, ihr bescheidenes Zimmer wurde unser Liebesnest, ich war verliebt und glücklich. Nun begann der Zwiespalt, den alle verliebten Sextouristen kennen, man muss die geliebte Frau nach wenigen Wochen Urlaub verlassen, in der kalten Heimat den Job machen, das Geld verdienen, mit dem man sie zu bezahlen hatte. Monate würde es dauern ehe man sie wiedersehen würde. Würde man sie wiedersehen oder würde man seine Würde als Mann verlieren? Die Würde des Mannes wäre unantastbar, würde er sich nicht in eine Nutte verlieben. Zum Abschied schenkte ihm Rose eine Rose; „I beg your pardon, i never promised you a rose garden“ US-Liedgut.

                                                                                                                        DER  LIEBESKASPER

Sextouristen sind nicht auf Rosen gebettet, sie wissen dass die Geliebte eine “Vielgeliebte” ist die täglich neue Männer im Schoss hat während der verliebte Narr sich in der Heimat selbst befriedigt ohne wahre Befriedigung zu finden. In der Presse liest er von Sexorgien der American Navy, wo weiße Matrosen amerikanische Traditionen weiterführen, Sklavinnen auf dem „Schwarzen Markt“ kaufen. Unser Mann ist eifersüchtig auf jeden Flugzeugträger der dort vor Anker geht, die Stadt mit Matrosen und die Mädchen mit Sperma überschwemmt, er war nicht nur in ein Mädchen sondern auch in eine aussichtslose Situation hineingerutscht. Ich machte meinen Job, sammelte Überstunden, beantragte Urlaub, flog zu Rose, sie war mir treu geblieben. Ihr Körper war käuflich, ihr Herz gehörte mir. „Ein Herz kann man nicht kaufen“ Deutsches Liedgut. Ich liebte ihren Körper von ganzem Herzen, wir waren ein Herz und eine Seele. Verliebte Männer werden nicht müde die Geliebte zu fotografieren, mit jedem Foto wächst der Besitzerstolz, „Diese Frau gehört mir“ US-Film. Nackt hockte Rose unter der Dusche und reinigte ihren kostbarsten Besitz, das von Männern begehrte „Himmelstor“, die Pforte zur Glückseligkeit, als ich sie fotografierte. Sie wendete mir ihr hübsches Gesicht zu und lächelte. Als ich ihr das fertige Foto gab, wollte sie es nicht annehmen, sprach von „Police“, ich wusste nicht was gemeint war. Ich wohnte im Stadthotel, Rose war erkrankt, ihre beste Freundin, eine bildschöne junge Frau schleppte mich ab, ich konnte ihr nicht widerstehen, alle Männer sind Schweine. Natürlich erfuhr Rose davon und machte eine Szene. Ich vergaß meine Missbildung, fühlte mich als Playboy, behandelte meine hysterische Freundin vor all den anderen Mädchen schlecht, das trug mir Kritik ein. Rose verzieh mir und ihrer Freundin, alles war wieder gut.

                                                                                                                      LET`S  DANCE

Gut war gar nichts, ich hatte Schmerzen, ging gebeugt, beugte mich den Launen meiner Geliebten, kein Tag ohne Stress. Rose nahm Drogen und auf mich keine Rücksicht. Alle Mädchen nahmen Drogen, tanzten in der Disco die Nächte durch, ermüdeten nie. Umgeben von schwarzen Schönheiten in weißen Jeans und hellen Kleidern, trank ich das heimische „Tusker“, ein Bier das einen Elefanten als Logo trug und sogar Elefanten umhauen konnte. Hatte ich mich früher bei Foxtrott und Walzer auf der Tanzfläche wie ein Elefant bewegt, so lief ich hier zu meiner Hochform auf. Damals gab es noch viel „Schwarze Musik“ in der Disco, da ging noch die Post ab und der Beat in die Beine. Mein Jazz-Feeling machte mich zum besten Tänzer von allen, vom Alkohol befeuert erregte der weiße Krüppel die ungeteilte Aufmerksamkeit des schwarzen Publikums, Rose und ich waren das Tanzpaar des Abends, man bewunderte und beneidete uns, es wurde applaudiert. Böswillige Neider machten mich kampfunfähig, ich klebte an meinem Stuhl, konnte mich nicht erheben, war wie gelähmt, man hatte mir eine Droge ins Bier geschüttet. Terpsichore, die Göttin des Tanzes hatte mich nicht beschützt. Wir waren gewarnt, leerten unsere Gläser bevor wir die Tanzfläche betraten. Nach vielen Bieren wollte ich gewöhnlich gehen, war abgefüllt und müde. Rose nahm andere Drogen, Aufputschmittel mit Langzeitwirkung, was kümmerte sie mein altmodisches Bier und seine einschläfernde Wirkung, sie wollte tanzen, dazu brauchte sie mich nicht.

                                                                                                               DER  MISSBRAUCH  DER ROSE

Ich hätte sie gebraucht um sie zu missbrauchen, wie es bei alten weißen Männern Brauch ist. Bei jungen Frauen ist es Brauch sich zu verweigern, was häufig zur Vergewaltigung in der Ehe oder in der Beziehung führt. Eine Beziehung als Grund für eine Vergewaltigung zu missbrauchen ist echter Missbrauch. „Der Missbrauch ist ein alter Brauch, die Frau missbraucht den Mann ja auch“. Rose und ich, wir brauchten und missbrauchten einander bis mein Urlaub, mein Geld und meine Nerven aufgebraucht waren. Es war nervenaufreibend am nächsten Tag von meinem Stadthotel zu ihrer Pension zu fahren, sich mit ihr und den Umständen zu versöhnen; „I beg your pardon, i never promised you a rose garden“. Rosengärten finden sich erst in heutiger Zeit in Kenia, man gräbt den Bauern das Wasser ab um Rosen zu züchten und Schnittblumen zu exportieren, Zucht statt Unzucht.

Im Lande von Zucht und Ordnung kam wieder Ordnung in mein Leben, der Winter kühlte meinen Sexualtrieb und meinen Liebeswahn ab, ich fand Freude und Ablenkung in meinem geliebten Job, betreute unsere zahlreichen Musikinstrumente, vergab sie an Studiomusiker deren Können ich bewunderte, schaute ihnen auf die Finger wenn ich Mikrofone im Orchester aufbaute. Ich war Teil des Ganzen, sah und hörte wie eine Aufnahme entstand; „Hier spielte die Musik“.

                                                                                                               SCHWARZE  BULLEN  WEISSE  FREIER

In Mombasa spielte die Musik in einem weiteren Treffpunkt der Prostitution, im MEET THE BEAT spielte eine Band zum Tanz, man konnte im Garten essen, ein Ort der Begegnung. Rose unterrichtete mich in guten Tischmanieren als ich Reste und Knochen an den Tellerrand schob, sie wollte mir den Blick über den Tellerrand ermöglichen und warf sie einfach unter den Tisch. Ein schöner Abend unter Palmen, das Essen war gut, die Band war gut, mein Mädchen war mir gut. Das Bier war kalt, die Nacht war warm, mir wurde warm ums Herz. Rose kam von der Toilette, ein junger Schwarzer wurde zudringlich, packte sie am Arm, benahm sich wie ein eifersüchtiger Ehemann. Rose schlug mit beiden Fäusten auf ihn ein, eine schmale kleine Person mit dem Herzen einer Löwin. Der Mann zerrte sie auf die Straße, ich folgte ihnen, wusste die Situation nicht zu deuten bis jemand sagte der Mann sei Polizist in Zivil es wäre eine Verhaftung wegen Prostitution. Ich drängte Rose in ein bereitstehendes Taxi, stieg nach wollte mit ihr fliehen aber der merkwürdige Polizist setzte sich neben den Fahrer und bestimmte das Ziel. Vor dem Revier musste ich das Taxi zahlen, drinnen wurden wir verhört. Ich beschrieb das Verhalten des Beamten als ungewöhnlich, sprach von einem „eifersüchtigen Ehemann“, bezeichnete Rose als meine Verlobte und zukünftige Frau. Eine Frau in Uniform hatte mich angehört, bestimmte einen neuen Termin für den nächsten Tag, wir durften gehen. Am nächsten Vormittag schilderte ich dem Chef des Reviers den Hergang erneut, betonte Verlobung und Heiratspläne, er akzeptierte meine Argumente, reingewaschen verließen wir das Revier, Rose war keine Nutte, ich war kein Freier, wir waren frei. Meine „zukünftige Ehefrau“ war verwundert, fragte warum ich das gesagt hatte, sie hatte nichts begriffen.

                                                                                                                              IM  STRAFLAGER

Auch hatte nichts begriffen, hatte die Situation der rechtlosen Frauen falsch eingeschätzt, es war ja alles gut gegangen, ich hatte die Vorwürfe entkräften können ohne meine Heiratsabsichten beweisen zu müssen, ein harmloses Katz und Maus-Spiel, eine lustige Einlage die man belächeln konnte. Frohen Mutes traf ich nach einigen Monaten in Mombasa ein aber meine Geliebte war nicht aufzufinden. Verzweifelt saß ich im Garten meines Stadthotels als eine Freundin von Rose auftauchte und mir erklärte sie wäre im Gefängnis und könne nur bei Zahlung einer hohen Strafe entlassen werden. Es war eine Menge Geld was da verlangt wurde, ich glaubte an eine Erpressung, dachte man wolle mich reinlegen aber die Freundin überzeugte mich, das Geld sei direkt an eine Polizeibehörde zu zahlen, dann käme sie frei. Die Freundin begleitete mich zu der Behörde wo eine bösartige Frau, sie verkörperte das Gesetz, das Geld in Zahlung nahm und die Entlassungspapiere ausstellte. Wir fuhren zu einem Gefängnis außerhalb der Stadt, ich lernte mein Urlaubsparadies von einer anderen Seite kennen, ein flaches Gelände in flirrender Hitze, niedrige Bauten, ein riesiges Straflager, mein Herz schlug bis zum Hals als mein Liebling in der Ferne auftauchte. Ich war entsetzt über ihr Aussehen, sie war dünn wie ein Strich hatte einen gehetzten Blick, zeigte keine Gefühlsregung als sie mich sah, noch nie hatte ich einen Menschen in einem solchen Zustand gesehen. Ihr Gesicht war ausdruckslos, ihre Augen bewegungslos, meine Worte erreichten sie nicht, zwei Monate Haft hatten sie völlig zerstört.

                                                                                                                              DIE  FAUST  IM  NACKEN

Wir lagen in ihrer Pension auf dem Bett, an Sex war nicht zu denken, wer weiß was man ihr im Gefängnis angetan hatte, sie war eine gebrochene Persönlichkeit. Dem Recht war Genüge getan, sie war für ein ungeheuerliches Verbrechen, Geschlechtsverkehr gegen Bezahlung, bestraft worden, ich hatte die Geldstrafe bezahlt, so ist`s Recht. Endlich wurde auch mal der Freier bestraft, er ist der Anstifter, nötigt die Frauen obwohl er es nicht nötig hätte, könnte ja onanieren, keiner käme zu Schaden. Jede Ehefrau wird mit teuren Geschenken bezahlt, wenn der Ehemann nicht zahlt ist es Vergewaltigung in der Ehe. Die Welt braucht mehr Gesetze und mehr Strafen, „Strafe muss sein“. Gesetze sind ein Naturgesetz, sie liegen in der menschlichen Natur. Gesetze müssen mit aller Härte durchgesetzt werden sonst setzen sich die Gesetzlosen durch. Rose war mit Freiheitsentzug bestraft worden, ich wurde mit Liebesentzug bestraft, Sie ließ sich nicht anfassen. Fassungslos erfuhr ich von meiner Mitschuld. Die Polizei hatte Rauschgift gesucht, fand bei Rose nur ihr Foto, nackt unter der Dusche, welches ich aufgenommen hatte. Ein „eindeutiger Beweis“ für verbotene Handlungen. Auch dem Richter, Rose kannte ihn als Gast des Tanzschuppens MEET THE BEAT (ein Schelm wer schlechtes dabei denkt), genügte das harmlose Foto als Beweis für „ich weiß nicht was“.

Rose hatte stets wenig, in der Haft gar nicht gegessen, war erschreckend dünn geworden, ein bedauernswertes Geschöpf, sie war vom Gesetz vergewaltigt worden. Langsam erholte sie sich, aber der Schock saß tief, ständig war sie in Angst bei irgendeiner Handlung das Gesetz zu verletzen und erneut eingesperrt zu werden.

                                                                                                         DAS  ENDE  NAHT

Für den nächsten Urlaub hatte ich ein Strandhotel für zwei Personen gebucht, tatsächlich durfte Rose mit mir dort einziehen. Das war zuerst schön, führte aber bald zu Streitereien, sie fühlte sich dort nicht wohl, pinkelte nachts ins Bett, ich nahm die Schuld auf mich. In der Isolation des Strandhotels waren wir jeden Abend in der Hotelbar den Anfeindungen deutscher Urlauber ausgesetzt, welche die Anwesenheit einer „schwarzen Nutte“ in „ihrem“ Hotel nicht dulden wollten. Von schwarzer Polizei verfolgt und eingesperrt, von weißen Touristen im eigenen Land diskriminiert, kein Wunder wenn sich schwarze Mädchen weiße Frauen an die Wand kleben. Ich glaubte sie „retten“ zu müssen, wollte Rose beim nächsten Besuch nach Deutschland mitnehmen, kaufte ein zweites Ticket, tat damit den zweiten Schritt vor dem ersten. Diesmal wohnte ich wieder im Stadthotel, alles schien in Ordnung zu sein aber Rose zeigte wenig Begeisterung. Als wir uns um einen Reisepass bemühten wurde ein solcher strikt verweigert. Man vergab keine Pässe an Frauen, die im Ausland zur Prostitution gezwungen werden könnten. Aus der Traum! Rose blieb erstaunlich kühl, brachte jedoch erstmalig ihren „Bruder“ ins Spiel, der entsprechende Beziehungen hatte und ihr einen Pass besorgen würde. Von nun an hatten wir ihn jeden Abend beim Bier am Hals, er kassierte laufend Bestechungsgelder und erfand Ausreden. Rose spielte sein Spiel mit, ich war nun endgültig in den Fängen einer kriminellen Familie gelandet. Offenbar wollte sie gar nicht „gerettet“ werden, wollte ihr Land nicht verlassen. Vergessen die Angst vor Polizei und Knast, sie hatte sich verändert, brauchte mich nicht mehr. Der Rest waren endlose Streitereien um die „Bemühungen des Bruders“ und ein Abschied für immer, so endete eine Liebe. „Everything must change“ US-Liedgut.

                                                                                                                          DIE  RETTUNG  DES  RETTERS

Ich flog nie wieder nach Kenia, habe Rose nie wieder gesehen, was blieb sind Fotos und „Liebesbriefe“, Erinnerungen eines weißen „Playboys“ der dunkle Haut liebte und sich trotz seiner verunstalteten Figur von den Mädchen angenommen fühlte. Bevor ich Rose traf war ich mehrfach im Lande gewesen, hatte in isolierten Strandhotels fern von Mombasa meine Depressionen in die Sonne gelegt, im warmen Wasser von Meer und Pool meine Krankheit bekämpft, auf meinem Balkon den Sonnenuntergang mit Bier und Jazz unterlegt, keine Gedanken an Frauen verschwendet, ich hatte genügend eigene Sorgen. „Unschuldig“ war ich später zum Sextouristen geworden, ohne jede Erfahrung hatte ich mich in eine Prostituierte verliebt, von der ich nichts wusste, die mich oft schlecht behandelte, Drogen nahm, vielleicht auch Kinder hatte, eine Kämpferin, die ihren Willen durchsetzte, sich mit Polizisten in Zivil prügelte, bis man sie einsperrte und ihren Willen brach. Tatsächlich hatte sie nie eine Ehe mit mir angestrebt und war verwundert als ich beim Verhör eine derartige Aussage machte. Nie hatte sie über ihre Vergangenheit gesprochen, nie die Familie oder den „Bruder“ erwähnt, warum trat der so spät auf den Plan, um plötzlich jeden Abend auf meine Kosten Bier zu saufen. Sextouristen leben gefährlich, meist sind sie älter als die jungen Frauen, die sich ihnen bereitwillig an den Hals werfen, wer den Kopf verliert und sich verliebt, gerät in „Lebensgefahr“. Ich hatte Glück gehabt, die „Rettung“ war in die Hose gegangen, hatte aber meinen Arsch gerettet.

                                                                                                                                       SOMNAMBUL

Ich war nie ein Bettnässer gewesen, hatte aber schon als Kind ein Problem mit dem Wasser lassen bei Nacht. Wie ein Schlafwandler erhob ich mich und wanderte mit geschlossenen Augen zur Toilette, öffnete die Tür und pinkelte in den Kleiderschrank. Wenn keine Tür da war, war am nächsten Morgen eine Pfütze im Wohnzimmer. Ich stritt alles ab, konnte mich an nichts erinnern. Irgendwann legte ich dieses eigenartige Hobby ab, nahm es jedoch als Erwachsener unter Alkohol wieder auf. Meistens fand ich die richtige Tür und das richtige Becken aber es konnte auch schief gehen. Hier zeigt sich wie wichtig es ist dem Mann beizeiten das Pinkeln im Sitzen beizubringen. Keiner setzt sich in den Schrank oder auf den Parkettboden, da wäre es ja einfacher im Bett zu bleiben und liegend zu entwässern. Heute bin ich Sitzpinkler und trage Windelhosen. Nun geschah es zu der Zeit als wir eine Musikveranstaltung beschallten die von der Schallplatte gesponsert wurde,  Ich arbeitete auf und hinter der Bühne, trank dort schon mal ein Bier, weil es bis zum festlichen Empfang in unserem Hotel noch sehr lange dauern sollte. Nach Schluss bauten wir unsere Technik ab und kamen als letzte Teilnehmer zur Party. Das riesige Buffet war fast leer, wir mussten uns mit den Resten begnügen, nur der Alkohol floss in Strömen. Ununterbrochen wurde Sekt gereicht man musste nur zugreifen und schlucken. Die Band begleitete eine Jazzsängerin die den Saal zum kochen brachte, ich kochte bereits über, begab mich schwankend auf mein Zimmer und fiel in tiefen Schlummer. Als ich erwachte torkelte ich zur Toilette, öffnete die Tür und stand auf dem Gang vor meinem Zimmer. Die Tür war ins Schloss gefallen ich war ausgesperrt. Ich war nackt und presste mit den Fingern die Harnröhre. Schlagartig war ich wach und ernüchtert, lief so schnell ich konnte den Gang hinunter wo ein Fenster offen stand und pinkelte im hohen Bogen ins Freie, ein „warmer Regen“ für späte Fußgänger. Zeit für „Die nackte Wahrheit“, ich bestieg den Fahrstuhl, er war leer, fuhr ins Erdgeschoss, die Tür öffnete sich, die Rezeption lag direkt gegenüber, man sah mich sofort und kam mir zu Hilfe. Der Mann zeigte Verständnis, ich wäre kein Sonderfall, so etwas käme öfter mal vor. Er hantierte mit einem riesigen Schlüsselbund, ich war gerettet. Seit dem stelle ich in Hotels immer einen Stuhl vor die Eingangstür und lasse in der Toilette das Licht eingeschaltet.

                                                                                                                                      AM  ABGRUND

 Bei einer anderen Veranstaltung in einer anderen Stadt ging es weder um Alkohol noch um nächtliches Pinkeln, ich war schwer erkältet, musste jedoch den Aufbau für das Orchester machen, war allein auf der Bühne und fertig mit meiner Arbeit, dachte nicht an den Bühnenaufzug mit dem wir Material von unten nach oben gefahren hatten, trat ein paar Schritte zurück um mein Werk zu betrachten, war zufrieden, drehte mich kurz um und stand am ungesicherten Rand. Nur ein kurzer Schritt weiter rückwärts, ich wäre in den Abgrund gestürzt.  Immer wieder tun sich Abgründe vor uns auf, nicht immer so deutlich, nicht immer haben wir den Tod so nah vor Augen, meist weigern wir uns in den Abgrund zu schauen, der uns umgibt oder in uns wohnt, uns belauert um uns hinunter zu ziehen in die Tiefen des Lebens, in die Sucht, die Leidenschaft, die Begierde, die so genannte „Liebe“. Gerade die Liebesheirat gebiert häufig häusliche Gewalt, wenn aus Liebe Hass wird tun sich Abgründe auf. Immer wieder hört man von hilflosen Männern die von gewalttätigen Frauen misshandelt werden. Oft wird aus nichtigem Anlass, hier und da ein außerehelicher Verkehr, gar der Penis abgeschnitten, für den betreffenden Mann war dann Sex der Lebensabschnitt vor dem Abschnitt. Misshandelte Frauen schneiden da häufig besser ab, sie gehen in ein Frauenhaus und lernen dort die Frau ihres Lebens kennen. Tatsächlich darf man den Ernst des Lebens nicht zu ernst nehmen, jeder Abgrund hat seinen Grund. Es gibt gute Gründe, Abgründe als Chance zu begreifen, mitunter werfen Gutmenschen eine Strickleiter herunter, gerade dann wenn der Strick der einzige Ausweg zu sein scheint. Es scheint als hätte ich zu tief in den Abgrund oder ins Glas geschaut, derartige Gedanken zeigen das abgründige meiner Persönlichkeit auf.

                                                                                                                                       DER  RASSIST

Falls hier und da der Eindruck entstanden sein sollte dass ich mich über andere Menschen lustig mache, sage ich mit Entschiedenheit nein, da ist bei mir „Schluss mit lustig“. Ich bin Altruist, respektiere jeden Menschen, bin stets bemüht den Anderen zu verstehen; „Alles verstehen heißt alles verzeihen“. Unverzeihlich war ein völlig misslungener Scherz der mich noch heute belastet, meine Neigung zur „Verkehrtsprache“ der Ironie, wurde mir zum Verhängnis. Bei einer Musikproduktion war es sehr spät geworden, ich hatte Nachtdienst und besorgte den Musikern Bier aus dem Automaten, die Kantine war längst geschlossen. Natürlich hatte auch ich schon einige Biere getrunken und glaubte mit den Musikern in „ihrer Sprache“, ebenfalls ironisch, reden zu können. Ich bewunderte und beneidete sie um ihr Können, niemals wäre mir eine Beleidigung in den Sinn gekommen. Jede Form von Rassismus lehne ich ab aber ich war betrunken und sagte das Gegenteil dessen was ich meinte. Unser Drummer, ein Afroamerikaner fand meinen „Scherz“ absolut nicht komisch, ich sagte: „Schwarze können wir hier nicht brauchen“. Trunkenheit und Ironie, eine verhängnisvolle Mischung. In dieser Nacht steckte der Schlagzeuger die handfeste Beleidigung weg, sagte mir aber später: „Sie haben mir einmal sehr weh getan“. Mir tut es noch heute weh, obwohl ich mich reumütig entschuldigt und eine Erklärung für meine ironische Fehlleistung versucht hatte. Er hatte versucht zu verstehen und zu verzeihen, „Alles verstehen heißt alles verzeihen“. Leider hatte auch mein bester Freund Wolfgang, wir standen uns sehr nahe und jeder kannte den anderen, mir einmal nachgesagt, ich könne sehr verletzend sein. Was sagt uns das? Wir verletzen unsere besten Freunde ohne es zu wollen, ohne es zu bemerken, wir halten uns für unschuldig: „Wir sind die Guten“, wie ist das möglich? Im Leben geht es nicht ohne Verletzungen ab, wer viel redet, „Redet auch viel Scheiß“. Wer wie ich, Ironie und Sarkasmus als Kunst pflegt muss zwangsläufig verletzen, es gibt keinen Witz ohne Schadenfreude. Gern würde ich an dieser Stelle den verdammt guten Witz vom Neger der einen kleinen Affen auf der Schulter trägt erzählen aber der ist leider rassistisch.

                                                                                                                            RÜCKBLENDE  ZWEI

 Wir trugen sie zu Grabe sie war tot, keuchte jedoch von der Anstrengung die ihrem Tod vorausgegangen war bevor sie sich niedergelegt hatte. Zu dramatischer Musik schritten vier junge Männer von eine Anhöhe herab, die vergiftete Julia lag schwer atmend auf ihrer Bahre die auf unseren Schultern ruhte. Wir waren vier Pagen die zu der wunderbaren Musik von Prokofiev die Ballerina Galina Ulanova über die Bühne trugen. Wir hatten die Ehre der Mitwirkung am Gastspiel des Bolschoi Theaters im Friedrichstadt Palast. Mein Freund Bodo als Solotänzer in Trier engagiert, saß im Publikum. Nach Trier hatte er mich schon einmal eingeladen als man noch ungehindert ausreisen konnte. Ich ging ins Kino wenn er arbeiten musste, an freien Abenden tranken wir ein Glas Wein oder zwei, zusammen mit seiner Vermieterin. Ich schlief auf der Couch und fand sogar bei Nacht den Weg zum Klo. Er machte Urlaub in Berlin, wir gingen zu weiteren Ballettabenden, ins Kino und in die Kneipe. Damals mussten wir uns die Filme noch nicht „schön saufen“ es genügte wenn wir nach dem Film „etwas tranken“. Wir waren enge Freunde, ich vermisste ihn als er nach Trier zurück ging. Es gab kein Fernsehen man ging ins Kino, es gab kein Handy man schrieb Briefe, es gab keinen Sex man onanierte. Wolfgang war schwul, er fand Partner. Ich war schüchtern fand kein Mädchen bis Annemarie mich fand. Es gab am Theater und beim Film viele Männer die mich umwarben, aber ich träumte von schlanken Ballettmädchen und aparten französischen Filmstars wie Anouk Aimee. Amerikanische Busenstars kamen in meinen feuchten Träumen nicht vor, gefallen hat mir dagegen die Kritik an einem Western; „Der Busen von Jane Russel hängt über dem Film wie eine Gewitterwolke über einer Sommerlandschaft“. Bodo liebte Jean Marais, wir liebten die Filme von Cocteau, wir liebten das Kino. Er stand als Solist auf der Bühne, kam nie wieder nach Berlin, ich hatte einen Freund verloren.                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

Mein Freund Herbert der spätere Musiker begleitete mich oft in die „Badewanne“, ein Jazzkeller in Westberlin. Wir waren jugendliche Jazzfans ohne Geld, mussten jeden Pfennig umdrehen, tranken Alkohol aus mitgebrachten Taschenflaschen, waren arm dran. Ich wollte singen, konnte der Band keinen Drink kaufen aber man hatte „Ein Herz für Kinder“ ich durfte singen; „Lady be good“ in der Version von Ella Fitzgerald. Ohne Scheu und ohne Englischkenntnisse sang ich den unbekannten Text, begann aber sofort mit einem eigenen Scat-Gesang, der keinen Text benötigt, man kann frei improvisieren. Das konnte ich recht gut, hatte das Feeling und hielt es für ausreichend. So bekam ich sogar manches anerkennende Lächeln und wohlmeinenden Applaus. Aus heutiger Sicht ein Jugendsünde, ich würde es nicht wiederholen wollen. Tatsächlich hatte ich keine Ahnung von Musik, nach dem Motto: „Singen kann ja jeder“.  Herbert studierte später Musik, ich verdanke ihm viel.

                                                                                                                               DIE  TRAUMFRAU

  Wir waren beide nackt, Sie sprach mich in der City-Sauna an, einer großen Anlage mit einem warmen Schwimmbecken in dem ich seit Jahren täglich schwimme. Sie war schlank, hatte einen jungfräulichen Busen, eine tolle Figur, ein gewinnendes Lächeln, natürlichen Charme und einen leichten Akzent. Sie nahm mich mit in ihre billige Wohnung und fragte mich beim Aufschließen der Tür ob ich vielleicht ein Frauenmörder wäre. Natürlich, sagte ich, willst du mein Messer sehen? Nach dem Verkehr durfte ich nach Hause gehen, ich rufe dich an, sagte sie. Es war klar wer hier das Sagen hatte. Was sollte ich sagen, mir blieb die Spucke weg, wie der Berliner sagt. Paulina war Altenpflegerin, ich war sozusagen ein Pflegefall, oft pflegte sie mich bis zur Erschöpfung. Eine reife Frau mit dem Körper eines jungen Mädchens, in keiner Weise prüde, kein Typ der heiraten und Kinder haben will, ein Volltreffer in der Lotterie der Liebe. Sie besichtigte meine Wohnung, wollte bei mir einziehen, wieder einmal war Peter der „Hans im Glück“. Ein kurzes Glück, schon bald sprach sie von ihrem längst gebuchten Urlaub nach Spanien den sie in Kürze antreten wollte. Sie führte Regie, ich hatte kein Mitspracherecht, mir drohte Entzug. Zwei Arbeitskollegen, ein Mann und eine Frau begleiteten sie, alles war seit langem geplant, ich war allein. Es gab ein Paar Postkarten mit „Liebesversprechen“, ich fürchtete eine Beziehung zu ihrem Kollegen. Mich rief die Pflicht zu einer kurzen Dienstreise nach London, das englische Pfund war gerade im Keller, ich kaufte unzählige Geschenke für meine neue Liebe, schwärmte meinem Kollegen von ihr vor, zeigte ihm ein Aktfoto, das war alles was ich von ihr hatte. Zurück in Berlin, wartete ich sehnsüchtig auf weitere Post, ihr Urlaub war noch nicht beendet. Endlich rief sie mich an und kam zu mir. In der Diele riss sie sich die Kleider vom Leibe und warf sie im großen Bogen hinter sich. Sie führte ihren nackten schlanken Körper in meiner Wohnung spazieren, warf sich im Schlafzimmer auf das Doppelbett und wollte meine Geschenke sehen. Eine Wildlederjacke, eine Handtasche usw. Sie begutachtete alles mit Interesse und zog mir dann den Boden unter den Füßen weg. „Ach du bist so ein lieber Mann, und ich bin so ein Schwein. Ich habe mich im Urlaub in einen Mann aus Bonn verliebt, er besitzt dort ein Haus im Grünen, ich will zu ihm und mir das mal ansehen“. Sie verließ mich ohne die Geschenke mitzunehmen, ich ließ sie gehen und brach weinend zusammen.

                                                                                                                           AM  ENDE

Es folgte ein tränenreiches Wochenende, ein verzweifelter Arbeitstag mit anschließendem Englisch-Kurs, den ich mit unbewegtem Gesicht und sprachlos bewältigte. Weder der Lehrer noch die Mitschüler redeten mit mir, man sah mir den desolaten Zustand an. Kaum war der Kurs beendet verließ ich fluchtartig den Raum und brach erneut in Tränen aus. Weinend lief ich ziellos durch die Straßen, rief dann aus einer Telefonzelle eine Nothilfe an, ich war am Ende. Nach zahllosen Arztbesuchen landete ich bei einer Gesprächstherapie für Alkoholiker, die ich viele Monate in Anspruch nahm. Das abendliche Bier war mein letzter Halt, wider Erwarten drohte mir kein Entzug, es ging um meine Depressionen und deren Ursache. Warum suchte ich verzweifelt meinen inneren Frieden in einer Partnerschaft, warum glaubte ich nicht allein sein zu können? Ich habe mich nie für einen Masochisten gehalten, akzeptierte aber häufig die Unterwerfung aus sexuellen Motiven. Ist man ein Masochist wenn man Frauen nachgibt oder tun das nicht alle Männer um ihre Ruhe zu haben? Meine Therapeutin baute mich auf, nahm mir das tief sitzende Gefühl von Minderwertigkeit, lobte Mut und Ausdauer bei der Bekämpfung meiner unheilbaren Krankheit, die ich nie missbraucht hatte um über eine Krankschrift der Arbeit fern zu bleiben. Sie redete mir die „Faulheit“ aus die andere mir eingeredet hatten; Wo sind sie denn faul, ich kann bei ihnen keine Faulheit entdecken.

                                                                                                                           DIE  WANDLUNG

Langsam gewann ich meine Selbstachtung zurück, war auch an dienstfreien Tagen nicht nur mir selbst ausgeliefert, lernte beim selbst auferlegten „Pflichtschwimmen“ viele neue Leute kennen, gewann Freunde die mir meine Depressionen nicht ansahen. Ich war gelöst und heiter, erzählte Witze, meine Stimmung stieg wenn ich als „Entertainer“ Erfolg hatte. Viele hielten mich gar für eine Frohnatur, die lagen leider falsch. Ohne Publikum wich sofort die Luft aus dem Ballon, ich war ein trauriger Clown. „Schwerlebig“ hatte mich meine Exfrau Roswita einmal genannt, ein neues Wort für ein altes Leiden, treffender als das bekannte „Schwermut“, das wohl den Mangel an Lebensmut benennen will. Meine Therapeutin machte mir Mut, mein Job machte mir Freude, mein Bier machte einsame Fernsehabende erträglich. Bei guten Filmen trank ich weniger, schlechte musste ich mir „schön saufen“. Bei „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergmann, trank ich weniger. Natürlich ist ein so deprimierendes Meisterwerk nicht geeignet einem wie mir die Schwermut zu nehmen, doch nie ließ ich es mir nehmen „Das Elend der Liebe“ zu erforschen. „Jugend forscht“. Forsch wie ein junger Forscher versuchte ich das „Rätsel Frau“ zu enträtseln welches damals in den Köpfen der Männer sein Unwesen trieb. Wie sollte mir das gelingen, konnte ich doch kaum ein Kreuzworträtsel lösen. Die Liebe hielt ich noch immer für eine „Himmelsmacht“, ich war ein Opfer der allgegenwärtigen „Liebespropaganda“, wie sie durch Bücher Filme und Schlager verbreitet wird, eine Gehirnwäsche übelster Art, sie sollte meiner Genesung weiter im Wege stehen.

                                                                                                                            COMEBACK

Kaum hatte ich die tiefe Krise überstanden, rief Paulina aus Bonn an, wo sie glücklich und zufrieden im Hause des  Mannes lebte, der ihr „Herz erobert hatte“. Hatte sie ein Herz? Ich erwähnte meinen Zusammenbruch, sie schüttelte ihn ab wie ein Hund die Regentropfen, sie sei nicht verantwortlich für die Torheiten der Männer. Unbekümmert sagte sie einen Besuch in Berlin an, wollte mich in meinem Schwimmbad treffen. War ich stabil genug eine solche Provokation zu verkraften, aber war Sie nicht das geeignete Objekt für meine Untersuchungen zum Rätsel des Weibes? Eine einmalige Gelegenheit Licht in das Dunkel der weiblichen Psyche zu bringen, eine Chance einen Geschlechtsverkehr zu erhaschen, einen Körper den ich begehrte zu umfangen, zu durchdringen, ohne Schaden anzurichten. Paulina hatte sich sterilisieren lassen, sie wollte keine Kinder. Ich wollte Paulina, wollte mein früheres „Eigentum“ zurück welches mir entwendet worden war, von einem Hausbesitzer in Bonn. Ich besaß nichts als einen deformierten Körper und ein ausgehungertes Steiftier, und doch bot Sie sich mir an, ich hatte Glück im Unglück.

                                                                                                                            DIE  NACKTE  WAHRHEIT

Nackt standen wir uns gegenüber, sie umarmte und küsste mich flüchtig, meine Angst ließ keine Erektion zu, drohte mir eine neue Impotenz? Ich gab ihr Geld um einen Bademantel zu leihen, wahrscheinlich würde ich später auch für den Liebesakt zahlen müssen, sie hatte ja nie Geld. Im Restaurant erzählte sie mir von Bonn und ihrem neuen Leben, ihr Hausbesitzer hätte Geld, er wäre nicht kleinlich, es ginge ihr gut, sie fühle sich wohl dort, müsse aber mal raus und wollte mich wiedersehen. Unter meinem Bademantel zuckte es als sie meine Hand streichelte. Die Affäre war nicht beendet, sie fing gerade neu an. Wir fuhren mit dem Bus zu mir, Paulina feilte und polierte ihre Nägel während der Fahrt, amüsierte sich über alte Weiber die missbilligend ihr Treiben beobachteten und kommentierten; Das ist aber eine feine Dame, die pflegt ihre Nägel im Bus. Sie liebte die Provokation, genoss die Konfrontation, zeigte unverhohlene Freude an der Situation. In meiner Wohnung machte sie sich animalisch über den Schinken her, den sie mit den Fingern aus dem Verpackungspapier fischte und genießerisch zu Munde führte, während sie bereits nackt auf meinem Sofa saß. Ich fiel über Sie her und nahm was mir geboten wurde.

                                                                                                                            LOVE  FOR  SALE

Auch Sie nahm was ihr geboten wurde, die Situation war geklärt, ich war ein Sextourist auf Heimaturlaub, ich hatte zu zahlen. Wenn man zahlt ist man dem „Rätsel Frau“ ein wenig näher gekommen, hat eines ihrer Geheimnisse gelüftet. „Jede Frau hat ein kleines Geheimnis“ Deutsches Liedgut. Lied gut, Buch und Regie auch gut, alles in allem eine gelungene Inszenierung, Sie war eine Domina ohne Peitsche. „Wenn du zum Weibe gehst vergiss die Peitsche nicht“ Nietzsche. Früher mussten die Masochisten ihre Peitsche noch selbst mitbringen. Paulina war frei schaffend, frei anschaffend könnte man sagen, sie betrieb kein teures Sado/Maso-Studio, arbeitete nur wenn sie Lust dazu hatte, aber das durchschaute ich damals noch nicht, ich trug ja die ominöse rosarote Brille welche die klare Sicht nimmt und das Sexobjekt als ein Wunder der Schöpfung in FULL HD zeigt.  Naiv wie ich war, hatte ich sie für eine emanzipierte Frau gehalten, die keinem gehörte und sich wie selbstverständlich jede nur denkbare Freiheit nahm, war sie das etwa nicht? Sie hatte einen Beruf, ging einer Arbeit nach, hatte Abitur, war belesen, sprach von Sartre und Simone de Beauvoir, hatte „Das andere Geschlecht“ gelesen, schwärmte davon.

                                                                                                                             SPÄTE  ERKENNTNIS

Erst jetzt im Alter von siebenundachtzig Jahren, wo ich das niederschreibe wird mir bewusst das Paulina die Rolle der Domina spielte und damit bei mir Erfolg hatte. Aber irgendwas stimmte nicht, ich bettelte nicht um Erniedrigung und Peitschenhiebe, ich litt an einer anderen Krankheit ich war Harmoniesüchtig, wie passte das zusammen? Können Sacher-Masoch und Marquis de Sade miteinander harmonisieren?  Folgt dem Kampf der Geschlechter nicht immer die Harmonie der Versöhnung? Ist in der Ehe nicht immer einer dominant, der andere leidend und duldend? Ist Sado/Maso nicht gar die Grundbedingung für Liebe und Sex? Ist das Penetrieren nicht immer ein Angriff der von der unterlegenen Frau häufig als schmerzhaft empfunden wird? Die Domina dreht den Spieß um und spießt den Mann auf. Sie kennt seine Schwachstellen und stößt erbarmungslos zu. Am Treffsichersten ist die sexuelle Aufreizung verbunden mit der Verweigerung, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Nur einmal wurde Paulina dem Bild der Domina wirklich gerecht, sie fragte mich ob ich Lust hätte sie oral zu befriedigen. Ich tat ihr den Gefallen erregte sofort ihr Missfallen, sie schlug mir die geballte Faust in die Nieren und rief: Das machst du schlecht, hör auf! Ich parierte aufs Wort, war ein braver Hund und ließ irritiert von ihr ab. Das Wort Domina kam mir dabei nicht in den Sinn, das brachte ich nur mit Leder und Peitsche in Verbindung. Ich nahm diese Ungeheuerlichkeit gleichgültig hin, jeder Macho hätte ihr die Fresse poliert und sie brutal vergewaltigt. Ich war das Gegenteil von einem Macho, deswegen war sie bei mir. Ich reagierte verwundert, kannte solche „Schlagfertigkeit“ von Frauen nicht, der Test war negativ verlaufen: „Kunde reagiert nicht auf Schläge“. Es ging also um Harmonie und deren Verweigerung, vorgespielter Idylle bei Schinken ohne Messer und Gabel im Wechsel mit Messerstichen und Angriffen mit der Mistgabel. Verwirrt und verwundert reagierte ich auf die seltsamen, unverständlichen Ausbrüche dieser ungewöhnlichen Frau, eine aparte Person die ihren tadellosen Körper bevorzugt nackt präsentierte, immer hektisch immer in Bewegung; Harmonie und Sadismus im Schnelldurchlauf. Sie kam und ging wie sie wollte, immer wenn ich bei ihr kam wollte ich das scheinbare Glück festhalten fand jedoch keinen Halt.

                                                                                                                                DAS  RÄTSEL

Das Spiel ging weiter, Sie lebte in Bonn an der Seite eines geduldigen Mannes der duldete und gewähren ließ. Eine Frau ohne Gewähr. Mir gewährte Sie Zugang bis zum Abgang, der gefahrlos in ihrem Schoß erfolgte. Keine Pille kein Kondom keine Kinder keine Alimente keine Scheidung, eine Scheide ohne Risiko. Sollte man da nicht ein wenig Herrschsucht und Sadismus in Kauf nehmen und die Katze am Sack kaufen? Eine gefährliche Wildkatze die ich da am Sack hatte, Schmerzhaft krallten sich ihre Vorderpfoten in den faltigen Anhang während ihre vorwitzige Zunge den „Stahlhelm“ erkundete. „Jessus der Pänis“ rief Sie erschrocken wenn der Fremdkörper sich Einlass verschaffte. Eine Erfindung des Satans, Gott hatte da andere Pläne, er experimentierte mit Rippen als der Teufel ihm  ins Handwerk pfuschte. Paulina verstand ihr Handwerk aber ihre Besuche waren kurz und ich werkelte wieder mit der Hand. „Heute Nacht oder nie“ Deutsches Liedgut. „Heute Nacht Onanie“. Nachdichtung. Paulina kam regelmäßig, sie brauchte Abwechslung und Geld. Sie liebte Berlin, ich liebte Sie. Wir gingen ins Theater, sahen das Musical: My fair Lady, Sie war begeistert und dankbar, konnte sich überschwänglich freuen. Hatte Sie ein Hoch, war sie manisch depressiv? Sie hatte Phasen in denen sie alle ihre teuren Kleider verschenkte und das Geld aus dem Fenster warf. Es ging nicht um das Rätsel Frau, es ging um das Rätsel Paulina. Während ich das schreibe reift der Gedanke meine „Bibel“: „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann erneut in die Hand zu nehmen, ein Geschenk meiner Schwester Mona, das wichtigste Buch meines Lebens. Schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Strukturen werden anschaulich geschildert, ich fand mich dort ausführlich beschrieben, es öffnete mir die Augen über mich selbst. Ich hoffe auch Paulina dort zu finden, der Autor kennt alle Verrückten und kann sie beschreiben. Ich wiederhole mich, hatte das Buch am Anfang schon einmal erwähnt ohne den Autor zu  nennen, die Erkenntnisse die ich daraus gewonnen habe sind mir wichtig.  Paulina war nicht dumm, eines hatte sie klar erkannt; „Man muss die Männer schlecht behandeln“. Deutsches Liedgut. Sie machte ihre Sache gut, behandelte mich schlecht, so gut bin ich nie wieder schlecht behandelt worden.

                                                                                                                                  DAS  SPIEL

 Kurz vor der Kasse sah ich das Sonderangebot, brachte die Zahnpasta zurück und nahm zwei billigere Tuben der gleichen Sorte vom Billigtisch. Erzählte es Paulina, die gerade in meiner Wohnung angekommen war und erlebte einen Anfall von Tobsucht; Du bist zu blöd zum Einkaufen, der ermäßigte Preis gilt einheitlich, egal wo der Artikel liegt. Dabei schleuderte sie die Tuben im hohen Bogen durch meine Küche, trampelte wie ein unartiges Kind mit den Füßen, ihr hübsches Gesicht war krankhaft verzerrt, sie war außer sich vor Verachtung für den erbärmlichen Wicht der ihren Besuch nicht wert war. Wie immer war ich sprachlos, stand da wie ein begossener Pudel, meine Herrin hatte mit der Peitsche geknallt. Devot und voller Angst hob ich die Zahnpasta vom Boden auf und sagte: Welcome to my house. Sie war der Dompteur, ich war „Der dressierte Mann“, hier durften keine Irrtümer aufkommen, einer muss immer das Sagen haben. Eine elegante gut gekleidete Frau die kaum Make up, dafür aber die Männer benutzte wie der Bauer die Nutztiere. Nach der Peitsche wurde wieder Zuckerbrot gereicht, ich durfte sie entkleiden und ihren nackten Körper abküssen. „Venus im Pelz“ ohne Pelz. Ich habe diesen Roman von Sacher-Masoch nie gelesen, ich durfte ihn erleben. Paulina war wie eine Figur aus einem Buch, ich war auserwählt, stand ganz oben auf ihrer Liste, solange ich mitspielte ging das Spiel weiter. Im Fernsehen jagte ein Löwe eine Antilope, es gelang ihr ihn abzuschütteln, ich atmete auf. Die Löwin sah zu griff aber nicht ein. Ohne jedes Mitleid mit dem Opfer kritisierte Paulina das Weibchen; Warum hilft sie ihm nicht, warum lassen sie die Beute entkommen? Ich war die Beute, Paulina ließ mich nicht entkommen, eine Löwin ohne Mitleid. Sie spielte mit mir wie die Katze mit der Maus, wenn es langweilig wird beißt man ihr den Kopf ab. Natürlich ist ein Mann ohne Kopf keine Option, dieser Vergleich hinkt. Ich hinkte der Wahrheit hinterher, ein hilfloser Helfer der den armen Frauen helfen will ohne sich selbst helfen zu können. Ich brauchte Hilfe zur Selbsthilfe, war zu schwach dem grausamen Spiel ein Ende zu machen. Andererseits, war nicht alles nur ein Spiel? Ich kaufte mir das Buch: „Spiele der Erwachsenen“ fand mich aber dort nicht wieder. Besser ein Scheiß-Spiel als gar kein Spiel, ich hatte ja nie gute Karten.

                                                                                                                                  DER  TRAUM

 Ihre Besuche waren kurz aber nie langweilig, oft holte ich sie am Bahnhof Zoo vom Zug ab, gemeinsam gingen wir in die City Sauna wo wir uns kennen gelernt hatten, sie sparte dann den teuren Eintrittspreis, Peter zahlte alles. Ich begehrte sie wie am ersten Tag, die Nacktheit war ihr kostbarstes „ Kleidungsstück“ sie war die schönste Nackte in dieser Sauna und sie „gehörte“ mir. Tatsächlich gehörte sie keinem und allen, das sollte ich sehr schnell zu spüren bekommen. Unglücklicherweise traf sie einen alten Bekannten, das Wiedersehen verlief freudig und herzlich. Ein älterer Mann, offenbar ein Stammgast den ich jedoch nicht kannte, lief mir den Rang ab. Ich war eindeutig abgemeldet, eine alte Beziehung wurde gerade erneuert. Meine schöne Nackte saß neben ihrem nackten alten Freund im warmen Becken, zwei Vertraute die sich vertrauten. Mir platzte der Kragen, ich meldete Rechte an die ich nicht hatte, hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Lautstark wurde ich von ihr abgekanzelt, niemand hätte ihr Vorschriften zu machen, sie wäre nicht mein Eigentum. Damit war ihr Besuch bei mir für heute beendet, ich hatte meine Befugnisse überschritten und wurde in meine Grenzen verwiesen, dumm gelaufen. Ein Wechselbad der Gefühle, was hatte ich falsch gemacht, machte ich überhaupt je etwas richtig? In dieser Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum; Paulina ritt unbekleidet auf einem Löwen durch die Manege, der Dompteur knallte mit der Peitsche, schreckhaft zuckte das Raubtier zusammen und warf die Reiterin ab. Ich trat als Clown mit einem umgehängten Bauchladen auf und verkaufte Zahnpasta an das Zirkuspublikum. Wie ein braver Hund legte sich der Löwe in den Sand der Manege und zeigte sein mächtiges Gebiss. Das Gähnen war ansteckend auch die Frau öffnete den Mund, sie kniete am Boden und beobachtete den Dompteur. Der hatte die Peitsche abgelegt und sich aus meinem Bauchladen bedient. Das Tier kroch von hinten an Paulina heran und leckte ihre Fußsohlen. Der Dompteur näherte sich ihr von vorn, eine große Tube Zahnpasta trug er wie einen Phallus vor sich her und berührte damit ihren Mund. Langsam presste der Mann den Inhalt der Tube auf ihr Antlitz, bedeckte es über und über mit Zahncreme, sie duldete es mit geschlossenen Augen. Langsam erhob sich der Löwe, der Dompteur gab ihm ein Zeichen, zeigte in meine Richtung. Das mächtige Tier zerschmetterte mit einem Prankenhieb meinen Bauchladen und biss mir den Kopf ab. Ich erwachte in Schweiß gebadet, tastete mit beiden Händen nach meinem Kopf, er war noch da. Ein schrecklicher Alptraum den ich nicht zu deuten wusste. Paulina hatte ich wohl für immer verloren, meinen Kopf jedoch nicht.

 Sie meldete sich nicht, ich schien erlöst zu sein, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Einige Wochen später traf ich in der City-Sauna den Bekannten meiner Bekannten wieder und bat um ein Gespräch. Er fragte; Ein Duell auf schwere Säbel? Ich setzte mich zu ihm in das warme Becken, ein Gespräch von Mann zu Mann. Er war verheiratet, Paulina war eine willkommene Gespielin für einsame Ehemänner, kannte kein Tabu, brauchte immer Geld, es war wie ich vermutet hatte. Er verstand meine Abhängigkeit von dieser Frau nicht, redete mir gut zu, andere Mütter haben auch noch schöne Töchter und so weiter, das half mir nicht weiter. Wie soll man etwas Unerklärliches erklären, warum war Paula so wie sie war, warum war ich so ein Idiot?

 Hier in der City-Sauna hatte es angefangen, Paulina hatte es begonnen und beendet, sie nahm Geld aber sie war nicht käuflich. Mit der Eintrittskarte hatte ich Sie nicht gekauft, wer Frauen umwirbt hat „Werbungskosten“. Hier war der Schuss nach hinten los gegangen, ich hatte mein Sexobjekt der Konkurrenz zugeführt, eine Abwerbung erst ermöglicht. „Nichts ist unmöglich, Toyota“. Frauen die sich verkaufen kauft man nicht, man zahlt lediglich eine Leihgebühr und muss das Objekt schnellstens an den Besitzer (Zuhälter) zurückgeben. Paulina war keine Prostituierte, sie wechselte lediglich die Männer öfter als beispielsweise eine Ehefrau. Einen Besitzer gab es nicht, sie war als Dame ihr eigener Herr. Eine Ehefrau gehört ihrem Mann, er ist der rechtmäßige „Besitzer“. „Diese Frau gehört mir“ Western mit Barbara Stanwyck. Sie trägt sein „Brandzeichen“, ein goldenes Ringlein, eine beachtliche Investition bei den herrschenden Goldpreisen, Doch der Ring ist nur die Spitze des Eisbechers (auch Speiseeis wird inzwischen zu Höchstpreisen gehandelt) er ist nur das Symbol für unvorstellbare Summen über endlose Jahre. So gesehen war Paulina ein preiswertes Sonderangebot, eine Leihgattin ohne weitere Verpflichtungen gewesen. Hätte ich nicht wie ein eifersüchtiger Ehemann das Maul aufgerissen, wäre sie vermutlich wie geplant in meiner Wohnung gelandet und hätte dort ihre Dominanz zelebriert.

                                                                                                                                     DAS  LEBEN  IST  HART

Im Lied heißt es; „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, für Paulina hieß es; „Ich hab noch einen Peter in Berlin“, das würde wohl so bleiben. Wie immer sprach sie nie über die Vergangenheit, sie rief mich an und nahm ihren Platz in meinem Leben wieder ein. Wäre es denkbar dass sie älter und ruhiger werden könnte, würde der Mann in Bonn sie endlos ertragen können und wollen? Paulina trank nicht, wie die meisten Frauen versuchte auch sie mir den Stoff   zu verbieten, doch an dieser Stelle endete die Macht die sie über mich hatte. König Alkohol war mein Gebieter sie befand sich auf seinem Gebiet. Eines Abends als wir in „vollendeter Harmonie“ vor dem Fernseher saßen musste ich mich zwischen meiner Erzieherin und meinem „besten Freund“ entscheiden. Das Plätschern meines Bieres wenn es aus der Flasche ins Glas geschüttet wurde war meiner holden Besucherin unerträglich. Im gewohnten Befehlston wurde mir ihr Missfallen kund getan, das sollte gefälligst aufhören. „Aufhören“ ist ein Fremdwort für den Abhängigen, der sonst so duldsame Diener seiner Herrin verbat sich jede Einmischung in seine Trinkgewohnheiten; Dies ist meine Wohnung, du bist hier nur zu Gast und kannst gehen wenn mein Bier dich stört. An diesem Abend ging sie nicht, es ging wohl kein Zug mehr nach Bonn, es ging also auch anders. Ganz anders ging die Affäre weiter als sie mir anbot mit ihr Urlaub in Afrika zu machen; Ich fliege mit Neckermann nach Senegal, kommst du mit? Wir flogen getrennt, ich war unruhig, würde das funktionieren oder würde ich allein sein an einem Urlaubsort den ich nicht selbst gewählt hatte? Nach der Landung entwendeten Kofferträger mein Gepäck, trugen es wenige Meter zum Transferbus und verlangten fünf D-Mark. Jede noch so kleine Dienstleistung kostete in diesem Lande fünf Mark, hier hatten sogar die Bettler feste Preise. Wir trafen uns am Ort und bewohnten einen Bungalow im afrikanischen Stil. Ihr Freund in Bonn mochte keine Fernreisen, er ließ sie ziehen; „Freiheit die ich meine“. Sie hatte ihre Reise selbst bezahlt, ich war gut für Nebenkosten. Paulina war schön wie nie, meine Reise hatte sich gelohnt, das ungleiche Paar in Liebe vereint. Liebe ist: Wenn der eine Sie in Frieden ziehen lässt während der andere sich auf Krieg vorbereitet. Es gab keinen Krieg, Paulina hatte Urlaub und wollte ihn genießen. Tage in der Sonne, Nächte in der Bar, Sie war gelöst und heiter, beliebt bei jedermann, eine schillernde Persönlichkeit mit einem eher stillen Begleiter, ein gebückter Mann der gern Bier trank. Angetrunken machte er sich über einen Gast lustig, der sich plump an eine gut aussehende Frau mittleren Alters heran machte; „ Höre nicht auf ihn, das macht er bei jeder.“ Der Mann nahm eine drohende Haltung ein und verbat sich jeden Kommentar. „Willst du mir drohen, wer bist du denn?“ fragte der gebückte Peter herausfordernd. Grimmig erhob sich der Fremde und schlug ihm das Bier aus der Hand; „Ich bin wer, soll ich es dir beweisen?“ Meines Bieres beraubt verließ mich der angetrunkene Mut, ich suchte das Weite. Später erfuhr ich wer der Mann war, er gehörte zu einer Truppe von deutschen Zuhältern die in der Hotelbar jede Nacht zum Tage machten und den Laden aufmischten. „Im Urlaub bist du nicht allein, die Nachbarn könnten Schläger sein“. Paulina hatte davon nichts mitbekommen, es hätte ihr gefallen mich gedemütigt zu sehen. Eines Nachmittags lag ich unter ihr, ihre jungfräulichen Brüste schaukelten über meinem Gesicht, ich griff nach ihnen während Paulina meinen Geschlecht masturbierte um es sich einzuführen. Ich war ein hilfloser Käfer in Rückenlage, ein Gregor Samsa den man benutzen wollte. Von meiner Domina eingeschüchtert lachte ich ein verlegenes Lachen weil sich keine rechte Erektion einstellen wollte. Paulina herrschte mich an; „Der lacht“ rief sie erbost. „Du musst dich konzentrieren, ich muss mich auch konzentrieren“. Mein gekünsteltes Lachen wich der Einsicht in ihre Forderung, ich wurde ernst weil es ernst wurde. Der Koitus ist eine ernste Sache, da hörte bei ihr der Spaß auf. Zum Glück wuchs der Schlappschwanz doch noch zu einem brauchbaren Steiftier heran, der Nachmittag war gerettet. Es sollte nicht mehr viele solcher Nachmittage geben, ich war nur ein Reisebegleiter der alle Getränke und Nebenkosten zahlte, das nützliche Anhängsel einer weltoffenen emanzipierten Frau die von allen Zwängen befreit der Welt die Stirn bot und mich gelegentlich in die Rückenlage drängte. Ich erinnerte Zeiten in denen ich Frauen diesen Part zugewiesen hatte, “Wo Männer noch Männer sind“ mit Jerry Lewis und Dean Martin. War ich überhaupt ein Mann, hatte nicht meine Ex mich eine alte Tunte genannt? War ich nur ein altes Weib, gebückt, von Krankheit und Alter geplagt, das sich jedoch mit ausgesucht schicken Hemden in den schönsten Farben schmückte wie eine Tunte. Alle Frauen bewunderten meine Hemden, aber keine wollte mit mir schlafen. Paulina wollte mit einem richtigen Kerl schlafen, hatte ein Auge auf ein Prachtexemplar geworfen, ein deutscher Urlauber mit breiten Schultern und kraftvoller Figur, dem sie sich am Strand an den Hals warf. Mich hatte sie rechtzeitig zur Ordnung gerufen; „Komm mir da nicht in die Quere, ich will den haben“. Eine Frau die weiß was sie will bekommt es natürlich auch, ich kniff den Schwanz ein der andere führte ihn ein. Aber Paulina wäre nicht Paulina wenn sie mich nicht noch obendrein mit Details bedacht hätte; „Das war wirklich toll mit dem, er war so scharf auf meinen Körper, sein  Penis war unwahrscheinlich hart, sowas habe ich noch nie erlebt“. Ich kannte sie nun schon so lange aber sie setzte mich immer wieder neu in Erstaunen, weil sie sich über jedes normale Benehmen hinweg setzte, Dinge tat und sagte bei denen ich nie genau wusste woran ich bei ihr war. War ich jetzt ihr Beichtvater, ihr engster Vertrauter, ein Freund oder wollte sie mich einfach nur quälen? Immerhin wusste ich nun was sie erregte und wen sie begehrte während ich sie begehrte. Ich wusste nichts über den Mann, war er mit einer der anderen Frauen zusammen, hatte er heimlich mit Paulina geschlafen, würden sie es wieder tun? Ihr Bericht hatte mich erregt, ich wollte sie haben, sie wies mich unwillig ab, mein Penis war ihr wahrscheinlich nicht hart genug. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, ich machte ihr ein Angebot in harter Währung, sie war nicht käuflich aber bezahlbar. Ich zahlte bar und sie übernahm kokett die Rolle der Prostituierten. Ich war in ihrem Verein ein zahlendes Mitglied mit Glied, es drängte sich in ihren Schoß weil die Zeit drängte, hart genug um sich durchzusetzen, nicht hart genug um einen unvergesslichen Eindruck zu hinterlassen. Der Urlaub ging zu Ende, das Spiel wiederholte sich nicht, ich hatte einen harten Gegner, das Leben ist hart wenn der des Anderen härter ist.

                                                                                                                          ERINNERUNG

Ich saß in der ersten Reihe, auf dem Podium vor mir die Berliner Philharmoniker, sie erwarteten den Auftritt des Dirigenten. Herbert von Karajan trat auf, die Streicher klopften Beifall mit dem Geigenbogen auf das Notenpult. Der Maestro sprach kurz zu seinen Musikern, hob den Taktstock und der leere Konzertsaal war erfüllt vom Klang des berühmten Orchesters. Es gab kein Publikum, ich war allein man spielte nur für mich. Man übersah den Techniker in der ersten Reihe, kein Konzertbesucher ein Mitarbeiter der Mikrofone gestellt und Kabel für eine Aufnahme verlegt hatte. Die Teller der Bandmaschinen rotierten im Regieraum hinter der Glaswand wo Toningenieur und Tonmeister am Regiepult die Aufzeichnung überwachten. Bei  Unterbrechung der Aufnahme konnten sie mich auf das Podium schicken um Mikrofone auszuwechseln, ich war im Dienst. Ich diente der Kunst, die Kunst diente mir als Arbeitsplatz, mein „Fließband“ produzierte Musik, ich arbeitete wenn es stand, wenn es lief hatte ich Pause. Meine Pausen waren purer Kunstgenuss, ich liebte diesen Job.

Ich saß an der Hammond-Orgel, hatte die Transportsicherung gelöst, die Rotationslautsprecher angeschlossen  das Instrument über Trenntransformator an das Stromnetz angeschlossen gestartet und spielbereit gemacht. Ich hatte den Transport aller notwendigen Instrumente, Vibrafon, Schlagzeug, Konzertpauken in ein Tonstudio überwacht, unsere Big Band spielte vor einer Leinwand Filmmusik ein, die Orgel war noch nicht an der Reihe. Auf der Leinwand wiederholten sich die Szenen, noch wurde geprobt. Die Musik war jazzig, gebannt lauschte ich den fetzigen Klängen bis der kurze „Take“ endete. Statt der erwarteten Stille füllte der „fette“ Klang der Orgel das Studio, alles blickte auf mich, ich lag mit beiden Armen auf der Tastatur und wurde zur Zielscheibe eines riesigen Gelächters. Welch ein Glück dass ich bei Karajan nicht an der Orgel gesessen hatte. 

 Ich saß auf der Bühne im Sendesaal inmitten der BBC-Big Band, ein freundschaftlicher Gegenbesuch aus London, das Konzert hatte begonnen. Im Verlauf sollte ich ein Mikrofon umbauen wenn das Altsaxofon sein kurzes Solo hatte. Plötzlich war der Bassverstärker defekt, ich saß direkt nebenan, trennte das Gerät vom Netz und nahm Kontakt zu Technik-Kollegen auf, die einen neuen Verstärker heran schafften, ich brachte ihn zum spielen, das Fundament der Band war gerettet. Leider hatte ich meinen Umbau verpasst, der Toningenieur bekam das Solo nicht auf die Aufnahme und konnte mir das nicht verzeihen, ich hatte versagt.

Die Angst zu versagen plagte mich bei einem Jimmy Smith Konzert in der Deutschlandhalle, der Mann war ein Star an der Hammond Orgel, das Instrument klotzig und schwer, stand im Mittelpunkt des Konzertes, wir hatten es an den Veranstalter verliehen, ich hatte den Transport überwacht und war für die Funktion verantwortlich, ohne ein Fachmann zu sein. Ein hilfloser Helfer wenn das Ding mal den Dienst versagte, was mitunter passierte. Wenn bei Studioaufnahmen ein Instrument ausfällt behilft man sich mit dem Klavier oder einem anderen Tasteninstrument, kein Problem. Hier Lag der Fall anders, die riesige Halle war voller Fans die einen genialen Solisten an einem sehr speziellen Klangkörper erleben wollten, die rotierenden Lautsprecher in ihren Boxen erzeugten den unglaublichen Sound der sich größter Beliebtheit erfreute, diese Orgel musste heute funktionieren oder ich war „ein toter Mann“. Meine Gage für Aufbau und Anschluss war gering, das Risiko hoch. Ich tat was ich musste und konnte, jeder Handgriff stimmte aber der Angstschweiß ersetzte die Sauna. Ich saß auf der Holzbank, die in Kürze einen Weltstar tragen würde und startete das technische Wunder, Langsam sprang der Motor an, ich sprach ein Gebet. Gott sei Dank wurde es erhört, ich drückte einige Tasten nieder, da war er, der Hammond Sound. Beifall brandete auf, Jimmy Smith setzte sich an die Orgel und griff in die Tasten. Ich blieb in der Nähe der Bühne, war bereit die Orgel neu zu starten wenn es notwendig werden sollte, gab mich der Musik hin und erinnerte mich an das erste Konzert meiner Laufbahn. Hier am selben Ort hatte ich George Shearing erlebt und nach ihm viele andere berühmte Musiker, immer beruflich, immer ohne Eintrittskarte. Ich lebte mein Hobby, ich bekam es bezahlt. Hätte ich jedes Konzert meines Lebens an der Abendkasse bezahlen müssen hätte es mich ein „Vermögen“ gekostet. Natürlich gab ich viel Geld für Schallplatten aus, war vernarrt in Arrangeure wie Gil Evans, von dem ich eine Platte mit Autogramm geschenkt bekam als ich bei den Jazz Tagen in der Philharmonie die Band betreut hatte. Zum Geburtstag bekam ich von meiner Schwester unerwartet eine Platte geschenkt die ich anfangs nicht mochte, später aber zu lieben lernte: PORTUGESE SOUL mit der Thad Jones/Mel Lewis-Big Band und dem Solisten Jimmy Smith an der Hammond B 3 Orgel. Der Titel: AND I LOVE HER SO ist fest in meinem Kopf gespeichert, ich kenne das Arrangement auswendig, kann alles mitsingen, eine geile Nummer. Viele geile Nummern sind vergessen, ich erinnere kaum die Namen all der Frauen die ich fast so liebte wie: AND I LOVE HER SO. Bevor es zu dem denkwürdigen Geschenk kam musste meine kleine Schwester Mona sich viele meiner Platten anhören und fand zu Glück Gefallen daran. Ich schleppte sie ins Kino und zu Jazzkonzerten mit bezahlten Eintrittskarten, der Funk der CRUCADERS ließ auch bei ihr den Funken überspringen. Bei solche Anlässen konnte ich mich immer mit einer bildhübschen Begleiterin schmücken, sie trug ja kein Schild: ACHTUNG SCHWESTER an der Kleidung. Als Schmalfilmer hatte ich die Idee mit ihr eine Version von DIE SCHÖNE UND DAS BIEST drehen, die schöne Hauptdarstellerin hätte ich schon mal  gehabt. Ich selbst hätte gern das Biest gespielt, doch dazu kam es nie. Das bahnbrechende Werk würde heute in Fragmenten unter der der Überschrift: UNGEDREHTE MEISTERWERKE im Filmmuseum zu sehen sein. Mir dreht sich der Kopf wenn ich denke was ich alles nicht gedreht habe. Am Anfang habe ich jeden Pfennig umgedreht, später blieb alles ungedreht. Nach meiner Schwester hat sich jeder umgedreht, die war ein Hingucker. Viele hatten ein Auge auf sie geworfen ohne es jemals zurück zu bekommen, sie sammelte die Dinger wie DER AUGENSAMMLER im Krimi von Sebastian Fitzek, aber das führt jetzt zu weit. Vergessen sie diesen Unsinn, alle ihre Verehrer haben noch beide Augen im Kopf, großes Indianer-Ehrenwort.  Ein Indianer kennt keinen Schmerz, sein Ehrenwort ist absolut schmerzlos. Bei mir geht der Schmerz los sowie ich die Schmerztabletten absetze oder mich ins Ausland absetze, doch davon später. „Früher oder später lesen alle Leinitz Peter“.  Meine Schwester und ich, wir hatten mit der Gestaltung unseres weiteren Lebens zu tun; „Das Leben ist Kampf“. Wir kämpften an verschiedenen Fronten, das Schlachtfeld ist kein Streichelzoo. Mona hatte ein Kind bekommen, ein süßes Mädchen, es wurde zum Teil von der Oma aus dem Osten betreut, wir hatten unsere Mutter in den Westen geholt, ein denkwürdiger Tag als wir unsere schwerbeschädigte Mama an der Sektorengrenze in Empfang nahmen. „Wenn du noch eine Mutter hast“, als Taschenbuch für 3.95“ hatte sie selbst immer gern gewitzelt, immer ironisch, nie ganz ernst zu nehmen. Vom Leben gezeichnet trat sie in ein neues Leben ein; „LETS GO WEST“. Endlich war die ganze Familie im goldenen Westen angekommen wo auch nicht alles Gold ist was glänzt. Hier wimmelte es von Goldgräbern die bereits ihren Claim abgesteckt und mit dem richtigen Riecher eine goldene Nase verdient hatten, mit der man den Gestank des Kapitalismus nicht mehr riechen konnte; „Geld stinkt nicht“. Jeder wünschte sich eine solche Nase, sie wurde zum Schönheitsideal der Armen. Man trug sie als Schmuck an der Halskette, am Armband, am Ringfinger, später entwickelte sich daraus der Nasenring an dem die Goldnasen ihre Tanzbären durch die Manege zogen, die nach ihrer Pfeife tanzen mussten. „Immer der Nase nach“ sagten wir unserer Mutter und zeigten ihr die kleine Wohnung, ein ehemaliges Ladengeschäft mit Blick auf eine triste Straße in Schöneberg. Hier lebten „Stumpfnasen“ und Alkoholiker die das Trinken dem Riechen vorzogen. Unsere Mutter erhielt ihre kleine Rente nun in „Westgeld“, einer „Goldnasenwährung“ mit der man alles kaufen konnte außer einer goldenen Nase.     

                                                                                                                                        LOS  ANGELES

Immerhin hatte ich es bis nach Amerika geschafft, dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, hier war die goldene Nase einmal erfunden worden, unzählige Filmstars hatten den Abdruck ihrer Nasen im Boden vor einem Filmtheater hinterlassen, ihre schweineteuren Villen protzten hier selbstzufrieden vor sich hin, „Das Gold der Sierra Madre“ und „Der Mann mit dem goldenen Arm“ wurden hier gedreht. Hier drehte sich alles um Gold und Geld. Viele drehten einen Film nach dem anderen andere drehten durch. Durch meine Englischkenntnisse erhaschte ich das „Bonbon“ einer Dienstreise nach Amerika, so etwas kommt bei kleinen Leuten nur einmal im Leben vor. Ein Träumer in der Stadt seiner Träume, ein Filmfreak im Angesicht der Traumfabrik. Unsere international besetzte Big Band besetzte für einige Tage eines der Theater mit Proben für ein Gastkonzert mit deutschen Gesangssolisten. Beim Frühstück in meinem Hotel lernte ich „Sunny side up“ (Spiegeleier) kennen, im Bookshop kaufte ich das Onanie-Fachblatt: PLAYBOY, wurde von der Verkäuferin mit einer Mischung aus Mitleid und Verachtung angesehen. Der Kunde konnte sich das Hotel aber keine Frau leisten. Ich fühlte mich ertappt wie damals in Berlin als ich mit einer schwarzen Plastiktüte einen Sexshop verließ. Ein weibliches Kind, etwa 12 Jahre alt, rief mir nach: „Na Opa, wieder Sauereien gekauft“. Es ließ sich nicht verheimlichen, man sah mir den Selbstversorger an. Auch hier, wo das ferne Amerika so nah war wie nie zuvor, erkannte man das Monster mit den befleckten Händen, ein Versager der hinter verschlossenen Türen das unsagbare tat, dem das höchste Glück dieser Erde versagt blieb. Vor dem Hotel überquerte eine schlanke Schwarze die Straße, in hautengen Jeans, hohen Absätzen und wippenden Brüsten, ein Sexobjekt für gehobene Ansprüche, so nah und doch so fern. Mein Hosenwurm zuckte und wand sich in Qualen aber die Pflicht rief mich zur Probe ins Theater. Die Pflicht ist eine gern benutzte Ausrede, auch ohne sie hätte ich nie gewagt die schwarze Schönheit anzusprechen, gerade ihr ansprechendes Aussehen hinderte mich sie anzusprechen. Ich war schüchtern und ängstlich, so blieben mir am Ende nur die weißen Frauen im PLAYBOY. Wahrscheinlich würde ich sterben ohne je eine schwarze Frau geliebt oder gar im PLAYBOY gesehen zu haben, dachte ich damals. Viel „deutsche Amerikaner“ hatten unser Konzert besucht, unser nächster Auftritt fand in einer deutschen Siedlung statt, auch hier kamen unsere „Heimatklänge“ gut an. Für unser Team gab es Freibier ohne Ende, das Gastspiel wurde gebührend begossen. Zwischen den Auftritten flogen einige vom Team nach Las Vegas, das war mir leider nicht vergönnt, ich musste arbeiten. Es blieb aber Zeit für die Universal Studios und Disneyland. Privat arbeitete ich mit einer Super 8 Kamera und filmte alles was mir vor die Linse kam. Ein Ossi in Amerika, aber auch ein stark gebeugter „Bechterew“, ich war entsetzt als ich mich später auf der Leinwand  sah. Ich sah Graumanns Chinese Theater, die Abdrücke der Stars, die Sterne mit den berühmten Namen am Straßenboden, ich sah und ich filmte, ein filmender Fan in einer Stadt des Films, es war wie im Märchen, ich hatte es bis nach Hollywood geschafft.

                                                                                                                                      ACAPULCO

DER TEUFELSKERL ein „Film im Film – Film“ mit dem unvergesslichen Jean Paul Belmondo als erfolglosen Schriftsteller von Groschenheften in einer Doppelrolle. Er schreibt in einer armseligen Bruchbude „James Bond Parodien“, spielt dabei selbst den tollkühnen Agenten den ein unlösbarer Fall nach Mexiko führt. Begeistert hatte ich das rasante Schelmenstück im Kino gesehen und den Hubschrauberflug über ein fünf Sterne Hotel in Acapulco bewundert. Damals gab es noch keine Drohnen und keine „Die Welt von oben“ Filme wie sie heute jeden Tag im Fernsehen zu sehen sind. In einer einzigen Einstellung folgt die Kamera von oben dem offenen Wagen des Helden und überfliegt das luxuriöse PRINCESS MUNDO IMPERIAL das man so noch nie gesehen hatte. Traumfabrik und Kinoträume; „Mit 17 hat man noch Träume“. Der Film wurde 1973 gedreht, da war ich bereits 40 Jahre alt, träumte aber immer noch gern. „Träume kann man nicht verbieten, Träume werden einmal wahr“. Deutsches Liedgut. Auf den Spuren Belmondos machte ich Urlaub in Acapulco und besichtigte das Traumhotel. Noch nie hatte ich eine solche Anlage betreten war überwältigt von Architektur und Luxus. Ein kleiner „Neckermann“ in der Welt der Reichen und Schönen. Das störte mich nicht, ich bestellte mir ein sehr teures Bier und spielte den reichen Urlauber, mir ging es um den einzigartigen Moment meiner Anwesenheit in einer lebendigen Filmkulisse an einem Ort den ich nur aus Filmen kannte, der mir unerreichbar fern gewesen war. Nun saß ich hier und trank mir den Mut an mich hier Zuhause zu fühlen, was mir trefflich gelang. Ein Fremder lud mich zu einem Bier ein, er sah aus wie Belmondo, sprach aber deutsch, wahrscheinlich war er synchronisiert. Wir waren mitten in den Dreharbeiten zu seinem neuesten Film, die Kamera befand sich in einem Hubschrauber der über dem Pool kreiste, nun aber Kurs auf unsere Bar nahm. Wir zogen die Köpfe ein, mit ohrenbetäubendem Lärm überflog das Fluggerät unseren Standort, plötzlich wurde ich von meinem Barhocker gerissen hing an einem Stahlseil und schwebte über der Hotelanlage. „Fünf Sterne von oben“ hieß der Film in dem ich mitwirkte. Aus den Tiefen des Swimmingpools tauchte ein U-Boot auf, es eröffnete das Feuer auf den Helikopter an dem mein Leben hing. Ich erkannte den Regisseur Wolfgang Petersen an der Feuer speienden Bordkanone, pfeifend jagten die Geschosse an mir vorbei bis das Seil getroffen wurde. Mein Retter nahte, es war Belmondo als Supermann, er unterbrach meinen Senkrechtflug, ergriff mich mit starken Armen und flog mit mir davon. Der eisige Flugwind ließ mich schaudern, ich zog die Bettdecke hoch und erwachte in meinem billigen Neckermann-Hotel. Jeder Filmbesucher identifiziert sich mit seinem Helden auf der Leinwand; „Ich seh mir jeden Tag `nen Film mit Gary Cooper an, dann fühl ich hinterher mich immer wie ein Supermann“. Deutsches Liedgut. Deutsche Lieder sind gut, sie sagen meist die Wahrheit und erteilen Lebenshilfe für jene die suchen hoffen und träumen. Der Tagträumer sieht sich als Westernheld, der Nachtträumer sieht sich häufig als Verfolgter, beide sind ständig im Kino, ihr Leben ist ein Film ohne Happy End aber sie spielen die Hauptrolle. Manchmal spielen bekannte Stars in den Nachtträumen mit, natürlich nur in Nebenrollen, im Traum herrschen andere Gesetze. So teuer das Bier dort auch war, der Besuch im PRINCESS war es mir wert; „Weil ich es mir wert bin“ (Werbeslogan), viele Jahre später kaufte ich mir die DVD des Belmondo-Films, erneut identifizierte ich mich mit dem erfolglos schreibenden Helden als Helden seiner eigenen Fantasieprodukte und erlebte den unvergesslichen „Fünf Sterne von oben“- Flug noch einmal. Ich sah das wie für mich gemachte Werk auf meinem 56 Zoll Bildschirm und trank dazu das billigste Bier vom Supermarkt, ein halber Liter für 30 Cent. Viele werden den Film als typischen „Belmondo Klamauk“ abtun, für mich ist er ein Meilenstein der Filmgeschichte. Wie sein Held sitze ich im stillen Kämmerlein und schreibe an meinem „Film im Film – Leben“, ich erinnere jede Einstellung, jede Totale, jede „Amerikanische Nacht“, jede Nahaufnahme, jede Liebesszene, jede Filmmusik; Ein Leben für den Film. Nach meinem Traumurlaub in Acapulco flog ich nach Mexico City, eine beängstigend große Stadt, Berlin war ein friedliches Dorf gegen dieses Ungetüm. Ich fand Kneipen in denen das Bier billiger war als im PRINCESS, ging ins Museum, sah Werke von Diego Riviera und  besuchte einige Sehenswürdigkeiten und konnte wieder ein Urlaubsland auf meiner Liste abhaken. „Weil wir jung sind ist die Welt so schön“. DDR-Liedgut.

                                                                                                                             WUNDERLAND

Frank Zappa gastierte im Berliner Sportpalast, es gab einen Skandal das Konzert wurde abgebrochen, die Tontechnik von den Musikern beschimpft. „Musik erfreut des Menschen Herz“, Herzensfreude oder Lärmbelästigung, diese Frage stellte sich schon Wilhelm Busch:“Musik wird störend oft empfunden dieweil sie mit Geräusch verbunden“. An diesem Abend lernte ich den Kellner Franz kennen, er arbeitete im Restaurant des Hauses. Wir zogen in dieser Nacht um die Häuser, tranken Bier und machten Frauen an die mit uns tranken. Nicht jede die mit trinkt geht mit ins Bett, nicht jeder Versuch ist von Erfolg gekrönt, das ist das Gesetz der Anmache. Jedes Land hat andere Gesetze, das wusste schon der Marquis de Sade, aber auch Franz wusste von einem Wunderland ohne Alice und Märchenfiguren zu berichten. Märchenhaft waren hier die Arbeitsbedingungen für zugereiste Hosenwürmer, die in ihrer Heimat oft vergeblich zu ausgewachsenen Steiftieren mutierten und ihr Hosenheil in der Fremde suchen mussten. „In der Fremde sind wir Fremde, in der Heimat sind wir fremd, denn die Frauen in der Heimat reagieren oft verklemmt“.  Nun begab es sich zu der Zeit das riesige Donnervögel in ferne Länder flogen um die edelsten Teile allein reisender Männer einer sinnvollen Beschäftigung zuzuführen. „Der fliegende Schwanz“ sollte der verharmlosende Titel eines Buches sein an dem ich damals arbeitete. Angebot und Nachfrage regelten hier den Verkehr, der natürliche Geschlechtstrieb wurde nicht von abstrusen religiösen Forderungen: „Bis das der Tod euch scheidet“ oder kurzlebigen Eheverträgen eingeengt, es herrschte freie Marktwirtschaft. In den Medien des Heimatlandes war viel von „Ausbeutung“ die Rede, aber nicht die der prekären Unterschicht durch die unmoralische Oberschicht sondern eine weit schlimmere Form, die sexuelle Ausbeutung. Bettelarme Frauen aus der Unterschicht dieser Länder wurden hier von um Liebe bettelnden Männern aus der Unterschicht anderer Länder zur Nachtschicht gezwungen, soweit die „Lügenpresse“ ihres Landes, von der die Oberschicht glaubte das die Unterschicht ihr glaubte. Ich glaubte ja mein Leben lang an die Liebe wollte nicht an einen simplen Trick der Natur zum Zwecke der Fortpflanzung glauben. „Illusionen Illusionen sind das schönste was es gibt“. Deutsches Liedgut. Frauen waren wunderschöne Geschöpfe, zu schön um nur Suppe zu kochen und Windeln zu waschen. Ehe und Kinder waren der Tod der Liebe, unbegreiflich war mir der Kinderwunsch mancher Frauen, sie sehnten sich nach den anderen Umständen den Schmerzen der Geburt. „Grausamkeiten der Natur, das Kind versaut ihr die Figur“. Ich wusste nichts vom Leben, ich kannte nur Liebesromane Liebesfilme und Liebesschnulzen. Thailand war das Land der Liebe, Franz hatte mir eine Tür geöffnet. In der City Sauna lernte ich Bertold kennen, auch er berichtete von den unglaublichen Wundern im Land des Lächelns, so lernte ich Begriffe wie Pattaya, Phuket und Kho Samui kennen und rüstete mich für neue Aufgaben. Bei Neckerman hatte ich ein halbes Hotelzimmer in Pattaya gebucht, ich war zum ersten mal in Asien, alles war neu und aufregend, die jungen Frauen an der Rezeption waren bildschön, trugen lila Uniformen, ich war hingerissen von Architektur und Dekor verfiel dem Zauber des Landes, es fing gut an. Ich lernte Sigmund kennen, ein übergewichtiger Selfmademan aus dem Baugewerbe, mit dem ich das Zimmer zu teilen hatte, er meinte wir würden uns gut vertragen, müssten keine Einzelzimmer verlangen, das Hotel wäre ausgebucht. Wir bezogen unser Zimmer machten uns frisch und bekannt, ich zeigte ihm ein Foto von Rose aus Kenia und sprach von den hohen Bierpreisen die uns in Pattaya erwarteten. Gegenüber dem Hotel waren mehrere offene Bars, hier waren überall offene Bars, die Nacht war warm das Bier war bezahlbar meine Hauptsorge war mir genommen. Sigmund verhandelte mit Taxifahrern über eine Rundfahrt, bezahlte schließlich das zwanzigfache dessen was diese Tour normalerweise kostete wenn man ein Pick up Taxi für ein paar Pfennige genommen hätte. Wir fuhren durch eine unbekannte glitzernde Stadt voll pulsierendem Leben in schwüler Hitze der Nacht, überall waren Bars, überall waren Frauen, überall warteten sie auf uns. Der Fahrer hielt gegenüber einem hell beleuchtetem Gebäude mit der Aufschrift: SABAILAND und empfahl uns den Besuch einer „Bodymassage“. Es war mir überaus peinlich in ein solches Haus gedrängt zu werden aber Sigmund kannte keine Gnade. Man geleitete uns zu einem Tisch, ich bestellte Bier, mindestens zwei Dutzend junge Frauen saßen wie die Hühner auf den Stufen vor uns. Ich wurde von Sigmund genötigt mir ein Mädchen auszusuchen weigerte mich aber standhaft das perverse Spiel mitzumachen ich sah auch keine die mir gefallen hätte, alle trugen weite Gewänder, man konnte keine Figur erkennen. Das erschien eine sehr schlanke Schönheit, sie kam von einem Kunden zurück und wollte sich zu den anderen setzen. Sigmund hatte das Foto von Rose gesehen und bestellte die junge Dame für mich. Ich zierte mich wie die Zicke am Strick aber das Mädchen war zu schön um länger nein zu sagen. Man zeigte mir den Weg zum „Waschraum“ wo sie mich mit Verbeugung und Gebetshändchen begrüßte. Nach der Dusche landeten zwei einander völlig fremde Menschen nackt auf einer großen Luftmatratze wo die schmalen Hände des Mädchens Seifenschaum auf meinem Körper verteilten den sie dann mit ihrem Körper massierte. Während  ihre Scham Schritt in Schritt mein Geschlecht massierte fragte sie mich ob ich sie nach der Massage bumsen wolle? Ich fragte nach dem Preis, sie verlangte 1000 Baht. Ich kannte die Preise nicht und sagte nein. Noch nie hatte ich eine solche freizügige Massage erlebt, wer da an mir auf und ab fuhr war genau der Typ auf den ich abfuhr, selbst hier in Pattaya hätte ich eine Abfuhr erhalten wenn ich sie irgendwo angesprochen hätte, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es war tatsächlich ein Wunder was da mit mir geschah; „Wunder gibt es immer wieder“. Deutsches Liedgut. Ein so schönes Lied hatte ich noch nie zuvor gehört, ich hörte die Englein im Himmel singen als mein Steiftier von ihren jungfräulichen kleinen Brüsten liebkost wurde. Schließlich saßen wir uns im Schneidersitz gegenüber, der „Standhafte Zinnsoldat“ stand aufrecht vor der Versenkung in der er verschwinden sollte, schelmisch lächelnd stellte das liebe Kind die Frage aller Fragen; „Das ist die Frage aller Fragen, und du sollst mir die Antwort sagen“, Deutsches Liedgut. Ich hörte Stimmen, die des Standesbeamten drang an mein Ohr; „Wollen sie die hier anwesende Prostituierte sexuell missbrauchen, dann antworten sie mit ja“. „Yes“ sagte ich mit versagender Stimme, bis das der Tod uns scheidet, fügte ich stumm hinzu während das herzensgute Geschöpf mein pralles Glied in Obhut nahm. „So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag der dürfte nie vergehn“. Deutsches Liedgut. Lied gut, Glied gut, alles gut. Ich gab ihr 1000 plus Tip, jede Arbeit ist ihres Lohnes wert, die Bodymassage hatte Sigmund bezahlt, er hatte dafür gesorgt das ich am ersten Tag in Pattaya entjungfert wurde. Ich habe das schöne Kind nie wieder gesehen, sie wäre auf Dauer unbezahlbar gewesen; „Frauen kosten Geld, schöne Frauen kosten schönes Geld“.

 An den offenen Bars von „Fun City“ waren die Mädchen nicht so schön wie mein „Premiere-Girl“, es gab keine Body Massagen, aber der schüchterne Peter war überall willkommen und jede wollte mit ihm gehen. „Willst du mit mir gehn?“ Deutsches Liedgut. Sie kosteten nur halb so viel, blieben aber die ganze Nacht bei ihrem Kunden, ein Kundendienst der mir neu war. In Deutschland war es leicht ein leichtes Mädchen zu finden, aber schwer sie länger als 30 Minuten zu behalten. Viele halten eine Dirne für käuflich, das stimmt nicht, man kann sie nicht kaufen, nur ausleihen. Überall waren Bars, überall konnte man Mädchen für eine Nacht oder länger ausleihen, ein Paradies für Männer. Weit gefehlt, es gibt kein Paradies das auf Frauen basiert. Der liebste Kunde eines Leihmädchens ist der volltrunkene der während des Vorspiels in tiefen Schlaf fällt, er zahlt für ein „Vergnügen“ an das er sich nicht erinnern kann. Männer welche die Verweigerung für eine Domäne von Ehefrauen halten, werden im „Paradies“ eines besseren belehrt, wenn ein Barmädchen den Kunden ins Hotel begleitet, verlangt sie oft den Liebeslohn ohne Gegenleistung, das klingt unglaublich, wird aber immer wieder praktiziert. Wenn der Kunde fragt wofür sie denn das Geld verlange, antwortet sie gelangweilt; Weil du mich mitgenommen hast. Das alles war absolut neu für mich, wie jeder Anfänger hatte ich viel „Lehrgeld“ zu zahlen, man wird nicht ins Paradies hineingeboren, man muss es erobern. Die Naivität der Männer ist die „Geschäftsgrundlage“ der Frauen, schwanzgesteuert ist schon mancher gegen einen Baum gefahren. Gefahren der Liebe, Gefährten der Nacht, gefallene Mädchen, sie haben die Macht. Wenn die Männer sie ausziehen, haben die Frauen die Hosen an. Nun war ich also wo ich hin gehörte, ein schüchterner Mann, der (mit Recht) Angst vor Frauen hatte, musste hier nicht mehr gegen seine Scheu ankämpfen, hier machten die Frauen die Männer an.  Sigmund und ich, wir waren beide neu im Geschäft, er war clever und zupackend ich war ein warm duschendes Weichei. Er hatte mich schon am ersten Tag zu meinem Glück gezwungen, ohne ihn hätte ich ängstlich und abwartend mein Bier getrunken und wäre ohne Frau ins Bett gegangen. Wir gewöhnten uns aneinander, machten vieles gemeinsam, benutzten unser Zimmer abwechselnd für unsere „Liebesabenteuer“. Schließlich überwand ich meine Scham und wir waren zu viert im Doppelbett. Seine Freundin ermahnte mich nicht zu hastig zu koitieren; Langsam langsam, sagte sie in deutscher Sprache, so erhielt ich kostenlosen Unterricht von Profis und lernte worauf es ankam. Ich war ein Anfänger, in einem Alter in dem manch einer bereits aufgehört hat, ein „Greenhorn“, green und horny.

 Ich greife vor und schreibe Erfahrungen nieder die man nicht in drei Wochen Urlaub machen kann. Noch erschien das „Paradies“ uns paradiesisch, jedes Mädchen war bemüht um ihren Kunden, wollte ihn für die Dauer seines Urlaubs an Land ziehen um die nächsten Wochen sorglos zu überstehen, das waren keine Prostituierten wie wir sie kannten, das waren arme Mädchen vom Lande die sich hier ein leichteres Leben an der Seite eines „reichen“ Ausländers erhofften, eine Urlaubsbekanntschaft auf Dauer, von der man nur profitieren konnte. Kleinere Geschenke am Anfang, größere auf Dauer, es war durchaus üblich den verliebten älteren Mann um ein Goldgeschenk zu bitten, ein kostspieliges Geschenk das allen vorhergehenden die Krone aufsetzte. Jeder Thailänder der es zu etwas gebracht hatte trug hier sein Gold zur Schau, viele leichte Mädchen trugen „schweres“ Gold am Hals und an den Armen, man sah den Armen nicht an das sie arm dran waren. Damals war das Gold billiger als heute, aber ein Barmädchen war keine „billige Hure“. Nur Männer welche als „Butterfly“ bekannt waren kamen billiger davon, wer seine Begleitung nie länger als eine Nacht beanspruchte zahlte eine Leihgebühr an ihre Bar und einen Liebeslohn an seine „Eintagsfliege“. Die Crux war jedoch die häufige naive Verliebtheit der einfältigen Männer, wenn die Liebe ins Spiel kam konnte der „Liebeskasper“ nur verlieren, er wurde zum „Pussyclown“ der blind durch die Manege der käuflichen Liebe stolperte. Tatsächlich war der Ort ein riesiger Zirkus in dem weibliche Dompteure dressierte Männer vorführten. „Menschen Tiere Sensationen“ (Zirkuswerbung in meiner Jugend), hier wurden die Biertrinker an den Bars von Elefanten besucht und von giftigen Schlangen bedient, die sie für anschmiegsame zahme Haustiere hielten. Hier musste der Werbespruch neu geschrieben werden: „Menschen Biere Depressionen“.  Depressiv wie ich war, suchte auch ich am falschen Platz nach der Liebe meines Lebens, einer anschmiegsamen Asiatin der ich mein Herz und mein Geld zu Füssen legen wollte, zu Füssen ist immer gefährlich, es könnte darauf herum getrampelt werden. Ich konnte nicht allein sein, war immer auf der Suche nach einem fröhlichen unbeschwerten Mädchen das mir die Grillen vertreiben sollte. Das sollte mir zum Verhängnis werden, ich wusste ja noch nicht das jedes Barmädchen den Dienst am Kunden als ungeliebte Arbeit empfindet und nach einem anstrengenden Achtstundentag ihren wohlverdienten Feierabend im Kreise von Familie und Freunden oder gar ihrem Boyfriend oder Ehemann, verbringen will. Tatsächlich wäre es der Gipfel der Ausbeutung ein armes Mädchen vom Lande, welches aus der Not heraus sich dem Fremden anbietet, drei Wochen lang als Leibeigene ohne Freizeit und Urlaub zu missbrauchen, selbst wenn sie die meiste Zeit mit Fernsehen und schlafen im Hotel des Kunden verbringt. Mir schwebte eine solche Form von „Freiheitsberaubung“ vor, ich wollte die Geliebte täglich 24 Stunden an mich binden, wenn sie ging verfiel ich in Trauer und Schwermut, konnte nicht verstehen warum oder wohin sie ging. Nie kam sie pünktlich zurück, immer erst zwei drei Stunden nach der genannten Zeit. Ein häufig genannter Grund sich „von der Truppe“ zu entfernen, war das sogenannte Wäsche waschen, das sollte ein triftiger Grund sein den Mann den man liebte für Stunden allein zu lassen? Der arme Kerl hatte doch nur drei Wochen Urlaub, die er mit der Geliebten verbringen wollte. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, hier wurde mit gezinkten Karten gespielt, der Kunde hatte immer schlechte Karten. Verliebte Narren in aller Welt schicken jeden Monat Geld an das arme Mädchen und träumen davon das „Wunder der Liebe“ im nächsten Jahr fortzusetzen. Am Anfang kauften die Liebeskasper ihrer sanften Asiatin noch Goldgeschenke, später gelangten sie zu der Einsicht dass ein Haus der größte Liebesbeweis von allen sei.                                                                                                                                

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Ausbeutung, reiche Fürsten beuten arme Bauern aus, reiche Arbeitgeber beuten arme Arbeitnehmer aus, reiche Länder beuten arme Länder aus, reiche Sextouristen beuten arme Frauen aus. Es steht fest wer wen ausbeutet, ein Naturgesetz an dessen Gitterstäben schon Karl Marx vergebens gerüttelt hatte.

Was als Ausbeutung armer Frauen durch „reiche“ Männer begann hat sich im positiven Sinne entwickelt, hier erleben wir das Wunder vom umgedrehten Spieß, hier beuten erstmalig die Armen die Reichen aus. Natürlich sind es keine echten Reichen, es sind die Armen der reichen Länder die hier als reich gelten und es sind ausschließlich Männer die der Frau erst den Verstand und dann ihr Geld opfern. Arm und Reich sind faszinierende Gegensätze, sie fordern sich gegenseitig zum Klassenkampf heraus, jede Klasse bewundert die Eigenheiten der anderen; „Armut wird es immer geben, sie bereichert unser Leben“. In den Augen der Thailänder ist der „Farang“ ein reicher Ausländer der sich in eine jüngere Thailänderin verliebt, eine Leihgebühr bezahlt und wieder abreist. Ältere Männer die das Land lieben lernen, lernen nach und nach Gebühren in unterschiedlicher Höhe kennen, den Höhepunkt des „Geschäfts“ bildet der Kauf eines Hauses für die Geliebte, ein Geschenk das aus tiefstem Herzen kommt und absolut uneigennützig ist weil es auf den Namen der Frau lautet. Wenn dann noch ein Auto dazu kommt ist die Ausbeutung abgeschlossen.  Sigmund und ich waren Anfänger, wir wussten nichts von diesen Dingen, zahlten die tägliche Leihgebühr, Essen und Trinken plus kleine Geschenke, das Paradies im Anfangsstadium. Am Tag der Abreise wischten sich unsere Partnerinnen die nicht vorhandenen Tränen von den Wangen und spielten uns einen traurigen Abschied vor als der Bus sich in Bewegung setzte. Ein gelungener Urlaub ohne Depressionen lag hinter mir, ich hatte mein Zimmer mit einem guten Kumpel geteilt, hatte in „NA“ eine liebevolle Partnerin gefunden, ich würde wiederkommen.

                                                                                                                            SCHICKSAL

Der Manager unserer Big Band eröffnete in Berlin ein Jazzlokal, seine Musiker spielten dort, auch ich verdiente mir ein paar Mark nebenbei, stand an der Kasse und der Garderobe, war auch hier wieder ein Teil der geliebten Musik für die ich nicht mehr zahlte, im Gegenteil. Ich war ein Fan mit „Diplomatenpass“, hatte überall freien Eintritt. Hier traten auch viele Stars der Szene auf wenn sie in Berlin Konzerte gaben, die Jazz Galerie war der Nachfolger der berühmten „Badewanne“ in der ich als junger Mann den Jazzsänger gespielt hatte, nun spielte hier die Musik, ging die Post ab. Nach jeder Spätschicht im Funkhaus zog es mich in die Galerie, ein Kollege aus meiner Abteilung wollte mitkommen, er hatte keine Ahnung von Musik, war nur neugierig. Leider hatte unser Bandmanager gerade die falschen Leute mit der Führung seines Ladens beauftragt, eine gewaltbereite Truppe die eher für die Führung eines Bordells geeignet war, sie verwechselten sein Nachtlokal mit einem Rotlicht-Schuppen, hatten kein Feeling für Musiker Und Jazzfans, zogen den Kunsttempel in die Gosse. Mein Kollege ein Querkopf der hier ebenfalls falsch war geriet sehr schnell mit den rüden „Türstehern“ in Streit und wurde unter Anwendung von Gewalt hinausgeworfen. Es hatte keinen echten Grund für diese Behandlung gegeben, diese Leute waren einfach daran gewöhnt Gäste nach Belieben zu entfernen, sie kannten keine dramatischen Kurzschlusshandlungen, sollten aber nun eine kennen lernen. Während ich im Inneren des Musiktempels mein Bier zu Munde führte nahm mein empörter Kollege auf der Straße Anlauf, rannte auf das Fenster des Ladengeschäfts zu und trat die riesige Scheibe ein, kleine Ursache große Wirkung. Das Krachen und Splittern übertönte wie „Freejazz“ die drinnen dargebotene Musik und erschien vielen Jazzfans als zu modern. Erneut stürzten sich die Schläger auf ihr Opfer das gewagt hatte sich mit subtilen Mitteln zu wehren, ich bedauerte zutiefst den Mann hierher mitgenommen zu haben. Was lehrt uns das, nicht jede Anwendung von Gewalt stellt eine Endlösung dar. Mein Kollege, ein unberechenbarer Querdenker von dem mir ein älterer Spruch in Erinnerung geblieben ist. Im Fernsehen sah er dem harten Training von Artisten zu und sagte: „Es ist unglaublich was Menschen alles anstellen, nur um nicht arbeiten zu müssen“, kündigte später seinen bequemen Job in unserer Firma, es gab zu viele Vorgesetzte die ihm Anweisungen gaben. Tatsächlich hatten wir einen Traumjob, jeder Ingenieur trat uns höflich bittend gegenüber und ließ uns in Ruhe wenn die Arbeit getan war. Der Mann endete als Pförtner im Rathaus dort saß er seine Zeit ab und hatte weniger Vorgesetzte. Für mich ein Traumjob für ihn eine Zumutung, verschiedener können Menschen nicht sein, jeder Versuch einer Gleichmacherei ist der falsche Weg.

Was immer ich für sie war, niemals würde Paulina mich vergessen, sie rief mich an und erzählte mir vom Ende ihrer Beziehung in Bonn, der Mann hatte die Schnauze voll und warf sie aus seinem Haus. Eine Frau wie Sie konnte sich so etwas nicht bieten lassen, sie trat keine Scheiben ein, schnitt aber zum Abschied alle Federbetten auf und spielte Frau Holle. „Leise rieselt der Schnee“ war das Lied das sie ihm zum Abschied sang, auch hier ein subtiler Abgang mit Fantasie und nachhaltiger Wirkung. Schnell hatte sie einen neuen Fisch an der Angel, sie war sexy, hatte Charme und jeder Trottel meinte mit ihr das große Los gezogen zu haben. Der neue Mann durfte mit ihr Urlaub in Thailand machen, zur gleichen Zeit würde auch ich dort sein, wir wollten uns in Phuket treffen. Eine schicksalhafte Verabredung ohne sexuelle Motive, sie hatte ihren neuen Liebeskasper bei sich und ich würde meine neue Eroberung mitbringen. Wir hatten glückliche Tage in trauter Übereinstimmung verbracht, bald würde ich „die Frau meines Lebens“ wiedersehen. Kaum in Pattaya angekommen besuchte ich ihre Bar und wurde schmerzlich enttäuscht, sie war nicht da. Naiv glaubte ich den Worten ihrer Kolleginnen, sie sei auf dem Lande bei Papa Mama, käme aber bald wieder. Diesmal stand mir kein zupackender Sigmund zur Seite, allein wagte ich mich nicht in das SABAI LAND, direkt gegenüber vom Hotel, eine Body Massage wie beim ersten mal würde es kaum geben. Im Süden der Stadt traf ich auf der Straße ein aufregendes Exemplar das die Blicke aller Männer anzog und verfiel ihr mit Haut und Haar. Sie wollte mit mir gehen aber nicht in mein Hotel, sie hätte keine ID-Card dabei. Ich überredete sie mit dem Argument es gäbe einen Hintereingang. Gesagt getan, wir mieden den Haupteingang und ich missbrauchte das arme Kind den ganzen Nachmittag im Bett meines Hotels. Abends gingen wir in die Disco, ich hatte gleich am ersten Tag ins Schwarze getroffen, hier bahnte sich ein neues Liebesglück an und ließ mich den Verlust der Liebsten des Vorjahres vergessen. Ich tanzte verzückt mit der schönsten Frau des Abends und hielt mich für einen Glückspilz, das Leben war schön. Ich trank damals noch viel Bier ohne betrunken zu werden, Wieder im Hotel forderte sie mich auf mein Bier auszutrinken, das machte mit stutzig. Ich packte sie beim Arm schob sie zur Tür hinaus und fiel rücklings auf mein Bett. Ich erwachte mitten in der Nacht mit schweren Kopfschmerzen an Schlaf war nicht mehr zu denken, ich war den berüchtigten „KO-Tropfen“ zum Opfer gefallen. Alles Bargeld, einige Armbanduhren und alle Kofferschlüssel waren geklaut, der Verlust war gering, alle Wertsachen waren im Safe. An der Rezeption lieh ich mir Geld ging zu den Bars und trank Bier. Eine neue Erfahrung, die Dame hatte den ganzen Tag mit mir gespielt um mich in der Nacht zu betäuben. Eine Anfängerin, das erbeutete Geld war nicht der Rede wert, Ausländer sind ja reich, das weiß doch jedes Kind. Heute bin ich reich an Erfahrungen, die Fehler dieses Tages würde ich nicht noch einmal machen. Die Nachwirkungen der Droge waren verheerend, ich war tagelang krank, konnte nachts nicht schlafen, hatte Depressionen, war zu nichts zu gebrauchen. Eines Tages klopfte es an meiner Tür, schlaftrunken öffnete ich; Es war meine Liebste vom Vorjahr. Sie lächelte als sie meine Story hörte, nach dem Motto: „Dummheit muss bestraft werden“, „Mein Gott was sind die Männer dumm, wenn` Mädchen brav ist dreht sich keiner um, doch wenn sie frech ist sind sie gleich verliebt, weil es zu viele dumme Männer gibt“. Deutsches Liedgut, Cläre Waldorf. Frech trat sie mir entgegen als ich sie durch Zufall in Süd-Pattaya wieder sah, meine Giftmischerin mit den KO-Tropfen, umgeben von jungen Thai-Männern denen sie ein lockeres Leben finanzierte. Ich stellte sie zur Rede, sie stellte sich dumm, ich war der Dumme. Die Welt ist schlecht, aber man muss auch das Gute sehen, schließlich unterstützte sie mit ihren Raubzügen junge Männer die auch etwas vom Leben haben wollten. „Leben und leben lassen“ rufen wir den Ausgeraubten zu, es ist ja für einen guten Zweck und der heiligt die Mittel. Mittelpunkt meines Urlaubs war nun wieder „NA“ meine Liebste vom vergangenen Jahr, wir waren das ideale Paar, der Altersunterschied war gering, sie war 25 ich war 55. Ich hätte ihr Vater sein können, war ich aber nicht. Mein „Baby“ hatte etwas mehr Babyspeck am Körper als ich es gern gehabt hätte, man kann nicht alles haben. Ich war dankbar für ihre Jugend, sie war dankbar für die vielen Geschenke die ich ihr machte, obwohl ich damals noch kein Gold an die Frauen verschenkte. Noch immer stand ich am Anfang meiner Laufbahn als Sextourist kaufte Schuhe Jeans und coole Jacken und erntete Dank wie beim Erntedankfest. Zärtlichkeit und liebe Worte gaukelten mir die Liebe vor, man weiß ja dass viele Frauen ältere Männer lieben. Ich war ja nicht alt, nur ein wenig älter als mein „Baby“ – die paar Jahre, das macht doch nichts. Nichts würde es nicht machen aber Geld macht es. „NA“ hatte Gründe Pattaya zu meiden, davon ahnte ich natürlich nichts, sie begrüßte meinen Vorschlag nach Phuket zu fliegen und von dort aus Koh Samui zu besuchen. Gesagt getan, so trafen wir in Phuket auf Paulina, der ich diesmal nicht hilflos ausgeliefert war, ich hatte Na und sie hatte einen neuen Liebeskasper an ihrer Seite. Der Mann war eine graue Maus, ein Mann ohne Eigenschaften ein brauchbarer Trottel den man missbrauchen konnte. Meine junge Geliebte wollte sich nach dem Treffen mit Paulina aus Eifersucht nicht von mir missbrauchen lassen und missbrauchte den Abend für unsinnige Anschuldigungen. „Der Missbrauch ist ein alter Brauch, ich brauch dich miss und du mich auch“. Natürlich ist es ekelhaft wenn alte Männer junge Frauen missbrauchen aber man kann ja wegsehen. Warum hatte ich diese Reise gemacht, wollte ich Paulina oder Koh Samui sehen, ich hatte Na, sie war eifersüchtig, sie liebte mich das war offensichtlich, wozu ein Treffen mit Paulina und ihren neuen Schoßhund? Es blieb bei dem einen Treffen, man hatte sich nicht viel zu sagen, Na spielte die Betrogene, ich spielte die Sache herunter, Paulina spielte keine Rolle mehr, aber das Schicksal spielte mir einen Streich.

                                                                                               DES MEERES UND DER LIEBE WELLEN

Hauptsaison, unser Hotel war ausgebucht wir mussten ausziehen, fuhren mit dem Taxi zum Karon Beach, dort waren die Zimmer sehr teuer, wir fanden eines in einem Beach-Restaurant ohne Pool aber direkt am Meer, hatten ein romantisches Dinner in magisch beleuchteter Tropennacht, es war traumhaft schön. Eine schöne junge Frau und ein „reicher Farang“ eine Love Story wie aus dem Bilderbuch. Frauen sind jung und schön, Männer sind alt und reich, das reicht. Nach meinem Unfall mit den KO-Tropfen war ich wieder in der Rolle meines Lebens; Ein Playboy der sich aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben geboxt hatte, ich hielt die Frauen aus, die Frauen hielten mich aus, so ließ es sich aushalten. Nichts konnte unser Glück trüben, die Nacht gehörte uns. Na wollte meine deutsche Adresse haben, sie würde mich besuchen wenn sie einmal in Deutschland sein würde. Da war er wieder, der Stachel im Fleische der Glückseligkeit, der Argwohn der uns innewohnt, der nagende Zweifel der sich wie ein Wurm durch den Apfel des Glücks frisst. Ernüchtert setzte ich mein Bierglas ab und sagte ihr die Wahrheit auf den Kopf zu; „Du hast einen Deutschen der dich heiraten wird“. „Woher weißt du das“ fragte sie, aber es war nicht schwer zu erraten gewesen. Der kostbare Kelch des Glücks hatte einen Sprung bekommen, ich würde sie verlieren, ein jüngerer Mann mit mehr Geld würde sie heiraten, sie würden liebliche Kinder haben, wie ich sie mir niemals wünschen würde, ich wünschte ihr Glück. In dieser Nacht stach ich hemmungslos auf sie ein, ich wollte ihr weh tun wie sie mir weh getan hatte aber sie stöhnte vor Glück, die Liebe ist ein seltsames Spiel. Ihr Aufschrei übertönte das Rauschen des Meeres, Wellen des Glücks jagten durch ihren Körper auf dem ich entkräftet nieder sank. Vor dem Frühstück pflegte ich zu schwimmen, es gab keinen Pool das Meer war greifbar nah aber es gab hohe Wellen. Ich sah wie ein Schwimmer mit einem Kopfsprung in eine hohe Welle tauchte, machte mir Gedanken, ermahnte mich zur Vorsicht und ging ins Wasser. Nach 30 Minuten hatte ich wieder festen Boden unter den Füssen, Na war inzwischen im Wasser und spielte mit den Wellen. Ich blieb am Rand stehen, wendete mich zu ihr warnte sie vor einer besonders hohen Welle, die jedoch für sie keine Gefahr darstellte, im nächsten Augenblick jedoch mich bedrohte. Ich stand auf festem Boden wagte den Kopfsprung nicht, zum Nachdenken war keine Zeit mehr, die Welle erfasste mich mit unerwarteter Gewalt und schleuderte mich auf den Strand. Schwankend wie ein Betrunkener erhob ich mich, hatte Sehstörungen, Farben flackerten vor meinen Augen, ich taumelte ziellos hin und her, es dauerte eine Weile ehe meine Freundin den Ernst der Lage erkannte. Spaziergänger setzten mich in einen Liegestuhl, man war besorgt um mich, Na hielt meine Hand und fragte ob ich Schmerzen hätte. Ein Krankenwagen fuhr mich ins Hospital man machte Röntgenaufnahmen von meiner Wirbelsäule und wollte mir einen Gipsverband um den Hals legen. Na lag in einem zweiten Bett neben mir, wir blieben zwei Tage im Krankenhaus, ein Bruch konnte nicht gefunden werden. Ohne Gipsverband ging es zum Flughafen, ich glaubte nicht an einen Ernstfall. Wir flogen nach Bangkok, fuhren nach Pattaya, dem Ort an dem Na sich nicht aufhalten wollte, sie hatte ihrem künftigen Ehemann versprochen im Issan bei Mama Papa auf ihn zu warten. „Schau einer schönen Frau nicht zu tief in die Augen, denn was ihr Blick verspricht das hält sie nicht. Sie schaut den nächsten Mann genau so zärtlich an, doch all ihr zärtlich sein ist leider nur Schein“. Deutsches Liedgut. Lied gut, Realität erschütternd. Der schöne Schein ist hier der Geldschein, welcher Schein könnte schöner sein? Ich lebte in einer Scheinwelt in der der Schein nur zählte, wenn man viele davon zählte. All das zählte für mich nicht mehr, ich benötigte meine Scheine nun für die Rechnungen der Ärzte. Kurz nach Ankunft landete ich in der PIC-Clinik wo weitere Röntgenaufnahmen gemacht wurden, jedoch nur einer der Ärzte einen Bruch zweier Halswirbel diagnostizierte, der Rest des Teams wollte mich entlassen. Ich vertraute der Mehrheit, man glaubt was man hören möchte. Ich wurde entlassen, lag aber als Kranker im Hotelbett bis die Lähmungen einsetzten. Der erste Arzt hatte Recht behalten, er schickte mich im Krankenwagen in das Bumrumgrad-Krankenhaus in Bangkok. Vorher nahm Na Abschied von mir, wir wünschten uns gegenseitig Glück und haben uns nie wieder gesehen. In Bangkok untersuchte mich der Chefarzt, ich war ein interessanter Fall, er hielt meine Füße fest und ließ mich Strampeln, das ging noch, kein völlige Lähmung, das machte ihm Hoffnung. Ich werde sie operieren muss aber vorher nach Singapur, mir müssen zwei Löcher in ihren Kopf bohren um ihn zu fixieren. Das klang gut, wohl eine Art Piercing, aber das war damals noch nicht modern. Gesagt getan, man bohrte meine Schädeldecke an und verankerte eine Art Kopfhörer an dem ein Gewicht außerhalb des Bettes hing das den Kopf vom Körper wegzog. So verbrachte ich einige Tage und Nächte, ständig kümmerten sich viele Schwestern um mich, es herrschte kein Mangel an Personal. Am Tage des Eingriffs arbeitete ein Team von Ärzten an meiner Hüfte, man entnahm ein Stück Knochen welches vom zweiten Team in die gebrochenen Halswirbel eingesetzt wurde. Mit Draht umwickelt mit Plastik verschmiert wurde der Tatort wieder zugenäht – verdammt und zugenäht! Ich war naiv genug zu glauben, nach der Operation wieder laufen zu können, man fuhr mein Bett zur Krankengymnastik und meine Beine knickten ein, „Früher trank er Knickebein, heut knicken ihm die Beine ein“. Zeit der Tränen, ich sah mich für den Rest meiner Tage im Rollstuhl gedachte meiner Tanzkünste in der Disco von Mombasa und wollte mich umbringen. Es war nicht das erste mal dass ich vom Suizid träumte aber zum ersten mal hatte ich einen echten Grund. Wie immer wurde nichts daraus, ich lebte weiter und kämpfte gegen das Schicksal an, bis mir die Ärzte den Rückflug nach Deutschland nahe legten. Man besorgte einen Arzt der in Deutschland studiert hatte, er würde mich begleiten, ich hatte sein Ticket zu zahlen. Mit einer Plastikflasche am Bein einem Katheter in der Harnröhre saß ich im Flieger und trank mein erstes Bier nach langer Zeit. Der mit mir reisend Arzt leerte den Urinbehälter und dirigierte die Umsteigemanöver des Rollstuhlfahrers. „So fliegt er heim der Sextourist vom Schicksal hart ans Bein gepisst“. Die Schlagzeile in BILD hätte lauten können: „DAS ENDE DER GEIHEIT, IM ROLLSTUHL AUS THAILAND ZURÜCK“. BILD wusste nichts von meiner Heimkehr aber mich erwartete ein „großer Bahnhof“. Im Rollstuhl sitzend wurde ich in Berlin von Freunden und Kollegen empfangen, ich weinte hemmungslos. Das Waldkrankenhaus wurde meine nächste Station, auch dort besuchten mich viele Kollegen, ich war erstaunt über meine Beliebtheit. Man brachte mir sofort einen tragbaren Fernseher plus Kopfhörer, ich gab mich heiter und weinte wenn sie gingen. „Tränen lügen nicht“ Deutsches Liedgut. Wer querschnittsgelähmt im Krankenhaus liegt und den Rollstuhl für immer befürchten muss, begreift plötzlich den wahren Wert der Dinge, ich hätte alles dafür gegeben auf eigenen Beinen zum Kiosk auf dem Gelände gehen zu können um eine Bockwurst und ein Bier zu kaufen. Der deutsche Chefarzt wollte die Fremdkörper entfernen, das Material dürfe nicht im Körper verbleiben. Um es kurz zu machen, Draht und Plastik sind heute noch dort wo sie nach seiner Meinung nicht bleiben durften, Meine Wirbelsäule ist kein Schlussverkauf: „Alles muss raus“. Der Chefarzt wollte operieren aber die Röntgenbilder ergaben keine klare Antwort auf den kompletten „Durchbau“ meiner Halswirbel. Man schickte mich zu einer „Reha“ wo ich wieder laufen lernen sollte. Einen Tag vor Antritt der Reise besuchte mich meine Exfrau, brachte Geschenke und Bier mit, kam mit guten Absichten. Leider kam es zu einem verspäteten, völlig überflüssigen „Ehestreit“ der stundenlange Weinkrämpfe auslöste. Ich weinte während der Fahrt im angemieteten Auto, bei der Ankunft im Krankenhaus, geriet in Streit mit der diensttuenden Ärztin wie ich an Gehstützen laufend meine Urinprobe über meine Hosen goss. Man wollte mich nach Hause schicken wenn ich mich nicht einordnete. Ordnung muss sein, es war Absicht die Patienten zur Selbstbedienung am Frühstücksbuffet zu nötigen, wir sollten lernen trotz Gehstützen Kaffe und Speisen zu befördern. Ich begegnete vielen noch jungen Schlaganfall-Patienten, die die laufen und Geschirr tragen sollten, alle Manager die sich bei der Karriere zu viel zugemutet hatten. Während ich laufen lernte, lernte ich viele liebe Menschen kennen, es lernt der Mensch so lang er lebt. Meine Querschnittslähmung war ein Lernprozess, ich hatte Glück im Unglück und lernte wieder laufen. Ohne Gehstützen ging es nicht, aber es ging ohne Rollstuhl. Trotzdem brach ich bei der Heimkehr in meine Berliner Wohnung erneut in Tränen aus, gesund hatte ich sie verlassen, an Krücken kam ich zurück. Meine Nachbarin versuchte mich zu trösten, ich suchte Trost beim Bier. „Wenn es ihnen hilft“ hatte der Arzt im Waldkrankenhaus gesagt als er mich beim Bier trinken erwischte. Dort habe ich mich nie wieder gemeldet, ich wollte eine Entfernung der Fremdkörper meiner Wirbelsäule vermeiden. Zwei Jahre später, ich hatte wieder laufen gelernt, konsultierte ich einen Facharzt um das Material zu begutachten, er bescheinigte eine ausgezeichnete chirurgische Arbeit der Kollegen in Bangkok und wollte die Röntgenbilder in einem Fachblatt veröffentlichen, das Material könne im Körper bleiben. Ich fragte ihn ob ich wieder nach Thailand reisen dürfe, dem Ort des Geschehens, er hielt es für eine philosophische Frage und hatte keine Bedenken. Ein neues Spiel ein neues Glück, das Roulette meines Lebens drehte sich weiter, die Kugel rollte. 

                                                                                                                                EIN  NEUES  LEBEN

Ich konnte wieder laufen man wollte mich in den Arbeitsprozess eingliedern, viele Ärzte viele Untersuchungen, mein Chef drohte mir eine Stelle als Pförtner an, arbeitsfähig aber nicht mehr vielseitig verwendbar. Ich hatte meinen Job geliebt, den neuen würde ich hassen. Ich bezog eine Rente auf Zeit, die Uhr lief ab. Ich begann um meine endgültige Rente zu kämpfen, schrieb an die Direktoren der Landesversicherung und wurde schließlich erhört. Die Rentenzahlungen wurden fortgesetzt ich atmete auf. Ein arbeitsreiches Leben unter ständigen Schmerzen hatte nach dem Unfall ein Ende gefunden, nun begann ein neues Leben. „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, aber wie ist ein neues Leben ohne eine neue Liebe? Paulina rief mich an, sie hatte eine neue Liebe gefunden, weilte mit ihm in Berlin, wir trafen uns am Kurfürstendamm, immer wieder bezog sie mich in ihr Leben mit ein, stellte mir ihre Männer vor, wer oder was war ich in ihrem Leben, warum traf ich mich immer noch mit ihr, waren wir Freunde oder Komplizen, sie war und blieb ein Rätsel. Mein tragischer Unfall berührte sie wenig, eine Mitschuld konnte sie nicht entdecken, mein Schicksal lag nicht in ihrer Hand. Ihr Begleiter war ein gut aussehender Mann mit Geld, ich beglückwünschte sie zu ihrer Wahl. Der Neue ermöglichte ihr sogar den Besuch von Spielcasinos, sie war ein Glückskind. Eine außergewöhnliche Frau, eine Femme fatale, eine Figur wie aus einem Roman. Es war unsere letzte Begegnung. Zu meinem neuen Leben gehörte eine neue Liebe, ich wusste einen Ort an dem man Liebe kaufen konnte, ich hatte das Geld und die Freizeit, ich liebte die Wärme und das Licht der Tropen, die Palmen und die exotischen Blumen, die wohlmeinenden Lügen der Mädchen und Frauen; „Thailänder lügen nicht, sie erzählen dir nur was du hören möchtest“. In Deutschland konnte ein Mann eine Frau kaufen in dem er sie heiratete und einen Blanco-Scheck unterschrieb, er konnte dann seinen „Besitz“ aufzählen: Mein Haus mein Wagen meine Frau. In Thailand konnte er sich eine Frau ausleihen aber keinen Besitz aufzählen, „sein Haus“ lautete auf ihren Namen, sein Auto gehörte ihrer Familie, sie selbst gehörte einem anderen, war heimlich mit einem Thailänder verheiratet. Deutsche Frauen mussten in der Regel einige Jahre mit der Aufzählung warten: Mein Haus mein Auto mein geschiedener Mann. Es gab keine wesentlichen Unterschiede, außer dass die Thailänderin meist jünger war. Das traurigste Kapitel im Buch der Liebe ist der Altersunterschied, schon die vergessene Autorin des Pamphlets: „Der dressierte Mann“ Ester Vilar misstraute den fadenscheinigen Begründungen junger Frauen die sich unsterblich in alte Männer verliebten, wobei sein Geld natürlich gar keine Rolle spielte, sie stellte die Frage warum so wenige junge Frauen sich in arme alte Rentner verlieben. Arme alte Rentner verfügen einfach nicht über den Charme und die Persönlichkeit, sind nicht der Typ von dem die Frauen sagen; „Der könnte mir gefährlich werden“. Arme alte Rentner gehen am Stock oder am Rollator,      sie sind absolut ungefährlich. Die Gefahren gehen immer von reichen alten Männern aus die einen größeren Wagen fahren. Ich fuhr keinen Wagen, wirkte aber so gefährlich wie alle reichen alten Ausländer. Nur reich reichte aber nicht um die Herzen junger Mädchen zu erreichen, sie wollten sich an jungen Männern bereichern. Ich war wählerisch und wurde häufig abgewiesen, mein Geld war den Damen nicht jung genug. Hier begriff ich den Unterschied zwischen jungem und alten Geld, wenn man mit altem Geld zahlte war der Preis höher. Noch war ich nicht wirklich alt, aber ich ging gebückt und respektlose Mädchen machten sich über den Krüppel lustig. Die Arbeit an der Bar verdarb ihre gute Erziehung, sie verloren den Respekt vor dem Alter, ein alter Mann der sich um junge Frauen bemühte war keine Respektsperson sondern ein ungeliebter Kunde. Ich lief durch die Straßen wie „Falschgeld“, keine der jungen Frauen wollte mein altes Geld haben, es war genug junges Geld im Umlauf. Ich hatte es schwer eine Traumfrau zu finden; „Paradies mit kleinen Fehlern“.  Wir müssen alle Kompromisse machen, die Alten Männer wie die jungen Frauen, die begehrten Exemplare sind schnell vergriffen, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Ich wurde meistens bestraft wenn ich Kompromisse machte, einmal nahm ich aus Frust einen „Ladenhüter“ mit um dem Abend ein Ende zu machen, im Hotel verlangte die Dame dann Geld ohne jede Bereitschaft zum versprochenen Sex. Man ist dann sprachlos über so viel Frechheit, zahlt ein Trinkgeld und ist froh allein zu sein. Ein anderes mal überredete ich eine unwillige Barfrau mäßiger Schönheit mich zu begleiten und verlangte im Scherz keinen Sex, sie ging mit und nahm mein Versprechen wörtlich. Sie lag nackt neben mir, ich fummelte an ihrer Klitoris,“You hurt me“ sagte sie  und ich ließ erschreckt von ihr ab. Ich bat sie zu gehen wenn sie nicht „arbeiten“ wolle, sie sprang aus dem Bett zog sich an und streckte die Hand aus. „Wo für?“ fragte ich. „Weil du mich mitgenommen hast“. So einfach ist das, man geht mit ohne jede Bereitschaft und verlangt den vollen Preis. Ich war empört und weigerte mich zu zahlen, später gab ich in solchen Fällen den halben Preis um keinen Ärger zu bekommen. Erbost verließ sie mich, ich blieb frustriert zurück. Zwei Tage später ging ich abends an ihrer voll besetzten Bar vorbei, sie sprang auf und pöbelte hinter mir her; „Nobody want to fuck you, nobody want to fuck you, here in the whole Pattaya!“  Ich stieg die drei Stufen zu ihrer Bar hinauf und sagte; „I fuck every day ten times, because i have the money, and you are a very stupid girl“. Hier entlud sich der gerechte Zorn der gequälten Kreatur, rechtlose Frauen nahmen sich das Recht gegen eine ungerechte Welt aufzubegehren, eine Welt in der sie gezwungen wurden wildfremde hässliche alte Männer zu eskortieren, eine Vergewaltigung zu erwarten die der alte Sack nicht vollziehen wollte. Wer eine Frau kauft, kauft keinen Sack Kartoffeln auch wenn sie leblos wie ein solcher im Bett liegt. Hier kauft man ein lebendes Wesen, eine Frau mit Gefühlen, die von einem Traumprinzen träumt der sie erlösen wird wie Richard Gere in „Pretty women.“ Er soll gut aussehen und viel Geld haben, mehr verlangen diese armen Mädchen nicht vom Leben. Aber auch die alten Männer die sich an ihrer Bar ein Bier bestellen erwarten nicht viel vom Leben; Jung hübsch sexy würde schon reichen. Es gibt arme Mädchen und arme Männer, die einen warten auf Mr. Right die anderen sind Sklaven ihres Sexualtriebs und erwischen Miss Wrong. Die Welt ist schlecht aber wir sind die Guten, wir meinen es gut mit den Mädchen, wollen ihnen helfen, manche Typen behaupten tatsächlich, sie hätten hier eine soziale Aufgabe zu erfüllen. Viele der Mädchen sind asozial weil sie ihre Aufgabe nicht erfüllen wollen, sie brüskieren die Männer und hindern sie an der Erfüllung ihrer sozialen Aufgabe. Aber man soll nie aufgeben, es gibt böse Mädchen und es gibt gute Mädchen, suchet so werdet ihr finden. Ich suchte weiter und  fand in einer teuren A go go Bar ein zauberhaftes Geschöpf das meiner Werbung erlag, ich kaufte viele teure  „Lady-Drinks“ und wartete geduldig bis die „Mama San“ ihr den Besuch meines Hotels gestattete. In diesen Bars tanzen die Mädchen im Bikini oder gar nackt, sie müssen schnell wieder am Arbeitsplatz sein, hier ist nur ein „Shorttime“ möglich der jedoch sehr teuer ist. Wer Mercedes fahren will kann nicht nur VW bezahlen“ heißt es im Jargon. Sie hatte Geschmack war elegant gekleidet, ich hatte teuer aber gut eingekauft. Sie war auch nett, aber nicht nett genug, es reichte nicht für eine Erektion, der Kavalier zahlt und schweigt. „Das Leben ist schön aber teuer, man kann es auch billiger haben, nur ist es dann nicht mehr so schön“. Wenn der Mercedes nicht läuft, steigt man wieder auf VW um, der läuft und läuft und läuft. Bei mir lief nichts, genau wie die Mädchen an der Bar hatte ich eine zu hohe Erwartungshaltung, ich war und blieb ein Träumer der nicht gern „TRABI“ fuhr. Das trieb mich erneut in die Arme der eleganten „SUSI“ aus der A go go-Bar, es musste doch möglich sein bei dieser netten schlanken Schönheit einen Penis erectus zu erlangen. Susi war auch nackt eine Augenweide, sie stolzierte im Zimmer herum, verbarg sich schamhaft hinter der Gardine, war sich ihrer Wirkung bewusst, sie war nett aber nicht lieb, sie war ein heißes Gerät aber kühl bis ans Herz. Eine Erektion kann man nicht erzwingen, ein schlaffes Steiftier trägt seinen Namen zu Unrecht, Susi kannte nur potente Kunden; „Wenn das Geld im Kasten klingt, der Phallus aus der Hose springt“, Schlappschwänze waren ihr fremd und Oralverkehr als Opening war zu dieser Zeit in Pattaya noch verpönt. „Mein Mund ist doch keine Toilette“ sagte mal eine der Damen zu mir. Ich war nicht der Mann der so etwas forderte, also war ich einfach ein naiver Versager der sich wunderte warum es nicht ging. Obwohl schon mein Vater mir einen klugen Spruch auf den Lebensweg gegeben hatte: „Es gibt keine impotenten Männer, nur ungeschickte Frauen“. Susi war schön und sexy aber sie war ungeschickt. Wieder ein ungeschickter aber schweineteurer Abend. Männer sind Schweine, ungeschickte Frauen sind schweineteuer, wem das Schicksal eine geschickte schickt der hat Schwein gehabt. Ich schickte mich in mein Schicksal und Susi in ihre Bar zurück, dumm gelaufen. Das Drama der Ausbeutung, ich bekam keinen Gegenwert, wurde von Susi ausgebeutet, Sie wurde  von ihrer Bar ausgebeutet, immer ist einer des anderen Beute, es lebe die Ausbeutung, ohne sie kein Fortschritt.

                                                                                                                   CIRCUS  CAPITALE

Es gibt kein Paradies und keine heile Welt, es gibt nur die mit einem Fluch belegte Menschheit die auf einem ausgebeuteten Planeten einen Zirkus der Grausamkeiten errichtet hat in dem der Gutmensch als Pausenclown auftritt und Trostpflaster verteilt. Die Zuschauer bestaunen die Künste der Ausbeutung, mit immer neuen Tricks gelingt es den hochbezahlten Artisten die Menge in ihren Bann zu ziehen. Atemberaubende Spekulationen am Trapez werden ohne Netz vorgeführt, Kurse stürzen ab, Träume verenden im Sand der Manege. Kunstfertige Jongleure werfen Zahlen in die Höhe, fangen sie wieder auf um sie erneut nach oben zu schleudern, ein ständiges auf und ab das Armen Verluste und Reichen Profite bringt. Dompteure führen dressierte Anlieger vor, domestizierte Haustiere die auf Zuruf und Peitschenknall reagieren. Magier zersägen Schuldverschreibungen bei lebendigem Leibe und verkaufen die Extremitäten als kostbare Einzelstücke. Junge Mädchen im Bikini gehen mit Sammelbüchsen durch das Publikum fordern zu Spenden für Hedge-Fonds auf, jeder Spender bekommt einen flüchtigen Kuss auf die Wange und ist nun Teil der weltweiten Ausbeutung.

                                                                                                                    DAS  HÄSSLICHE  MÄDCHEN

Eines Abends erblickte der geile alte Mann im Getümmel der Bars ein hässliches Mädchen mit knabenhafter Figur, dünn wie Bulimie, flach wie ein Brett aber sie reizte ihn. „Errötend folgt er ihren Spuren durch all die Straßen voller Huren“. Sie lächelte als er die Verfolgung aufnahm und führte ihn zu  der Bar an der sie arbeitete, Soi 8 nah der Beach Road, sein Hotel lag direkt gegenüber man hatte kurze Wege. „Willst du mit mir gehn“. Deutsches Liedgut. Er zahlte den Auslösebetrag an ihre Bar und sie durfte mit ihm gehen. Hand in Hand betrat das ungleiche Paar das Hotel des Verführers, sie hätte seine Tochter sein können, war sie aber nicht. Die jungen Frauen an der Rezeption missbilligten seine Wahl, man hielt das „Opfer“ für minderjährig und deutete in der Zeichensprache Handschellen an. Bei allem Unglück in der Liebe hatte er jedoch immer Glück was das Alter seiner Eroberungen anging, alle waren alt genug um alten Männern gefällig zu sein. Sie war prüde erzogen, er durfte sie nicht nackt sehen, nach dem Duschen verhüllte das Badetuch den schmalen Körper und versteckte den nicht vorhandenen Busen vor den gierigen Blicken des alten Lüstlings. Meine Hand zittert, meiner Feder stehen die Haare zu Berge wenn ich sie in das Tintenfass tauche, ein würgender Ekel vor mir selbst nimmt mir die Atemluft wenn ich über diese abstoßenden Vorgänge berichte. Hier wurde ein unschuldiges Geschöpf, das einen Penis nur vom Hörensagen kannte und noch nie an einer Bar gearbeitet hatte für schnödes Geld an einen abstoßenden alten Knacker vermietet der das hauchdünne Wesen schamlos missbrauchen würde. Kokett stolzierte der Unschuldsengel vor dem ungeliebten Kunden auf und ab und genoss die Wirkung die ihr verhüllter Mädchenleib auf ihn hatte. Nackt saß der alte Knabe auf dem Rand des Bettes, sein Geschlechtsorgan zuckte wie ein gepeinigter Wurm der sich schmerzhaft dehnte. Schelmisch versuchte der erregte Mann ihr das Tuch zu entreißen, als es ihm gelang stand sie schamhaft zitternd die schmalen Hände schützend vor der Scham, vor dem zudringlichen Lustgreis dessen Glied furchterregend in die Höhe ragte. Hier geschah das Wunder der Erektion allein durch die kokette Verhüllung eines Nichts. Ihre Brust war die eines Knaben, ihre Scham war die eines Mädchens, sie war kein Ladyboy, sie war eine Frau oben ohne. Er zog sie auf das Bett und presste sein hartes Glied gegen ihren flachen Bauch bevor es sich zwischen ihre Schamlippen drängte. Sie spreizte die schmalen Schenkel und empfing den Fremdkörper wie einen guten alten Bekannten. Es  wurde dem Mann schwarz vor Augen als er tief in Sie hinein fuhr, ihr leises Stöhnen hieß ihn willkommen und ermunterte ihn den Vorgang wieder und wieder zu wiederholen. In dieser Zeit strebten alle Barmädchen ein Verhältnis von Dauer an, man kannte noch keinen Shorttime, es gab noch kein Handy, ich wollte „LU“ bei mir behalten bezahlte sie gut, verwöhnte sie mit Geschenken, glaubte sie wäre gern mit mir zusammen. Das glauben viele und sie wundern sich wenn die Dame plötzlich weg ist. „Ich verstehe das gar nicht, sie hatte es doch gut bei mir“, ist ein oft gehörter Spruch. Oft laufen die Frauen nur für ein paar Tage weg, sie müssen ihre „Batterien“ neu aufladen, die „Arbeit am Farang“ ist anstrengend, es gibt den Altersunterschied, die Sprachbarriere, ihre Kinder, die Familie, vielleicht sogar den thailändischen Freund oder Ehemann. Der „Farang“ kennt die Hintergründe nicht, er wünscht sich einen problemlosen Urlaub mit einer liebevollen Partnerin, die er großzügig bezahlt und beschenkt. Ein Freund von mir, er war zum ersten mal in Thailand, verliebte sich ziemlich schnell in eine Barfrau, sie waren immer beisammen und küssten sich wie die Turteltauben, ein Glück ohne Ende. Plötzlich war sie weg. Einfach weg, ohne ein Wort ohne Grund, der Mann verstand die Welt nicht mehr. Es trifft die verliebten Männer wie ein Keulenschlag, es gibt keine Erklärung für das plötzliche Verschwinden, ebenso plötzlich tauchen die Damen dann wieder auf und wundern sich ihrerseits wenn der Mann nun bockig wird. Mein Freund hatte Pech, sie kam nicht zurück, der Abgang war endgültig. Und doch stand sie eines Tages mit zwei kampfbereiten Freundinnen vor seiner Tür und forderte eine Nachzahlung. Der Mann war ein Geizhals (KINIAU) er hatte ihr zu wenig bezahlt. Eine der Freundinnen fuchtelte mit einem Messer vor seinem Gesicht herum, der Geizhals zahlte. So endete eine Liebe. Lu war nicht schön aber auch sie hatte andere Träume, sie war 27, hatte zwei Kinder,  von ihrem thailändischen Mann verlassen, war Sie in Pattaya an der Bar gelandet. Immerhin waren wir zwei ein paar Wochen zusammen und ich war verliebt in Sie. Noch immer zierte sie sich nackt vor mir zu posieren, noch immer spielten wir das Verhüllungsspiel, als ich ihr von einer kleinen Hautveränderung im Schritt erzählte. „Das habe ich auch“ sagte sie und weckte meine Neugier. Ihre prüde Erziehung verhinderte einen Blick auf ihre Schamgegend, es dauerte eine Weile ehe ich sie von der Notwendigkeit überzeugen konnte. Am Rande der Vagina hatte sich eine Beule von der Größe  einer kleinen Kirsche gebildet die mich beunruhigte und uns in das nahe Krankenhaus führte. Lu hatte eine verkapselte Syphilis die ihr Ehemann vom fremd gehen mitgebracht hatte, die Infektion bestand schon einige Jahre und musste dringend behandelt werden. Sie erhielt eine Spritze mit hoher Dosierung und erkrankte an der Wirkung. Die Ärzte ermahnten sie zu zwei weiteren Spritzen in Abständen von drei Monaten. Wir hatten geschützten Verkehr gehabt, ich war sauber. Offenbar bestand auch keine Ansteckungsgefahr, Sie arbeitete wieder an ihrer Bar. Eine Zeit lang holte ich sie bei Dienstbeginn dort für einen Shorttime ab und erlebte wie Sie schon früh am Nachmittag den ersten Longdrink in einem Zug hinunter kippte. Ich kannte sie als Nichttrinker und fragte warum? Ich muss mitmachen, alle Mädchen trinken, sonst bin ich Außenseiter. Auch Lu hatte mich viel mit meinen Depressionen allein gelassen, war stets später als versprochen zurück gekommen, auch sie träumte den Traum vom „ young handsome Man „ dem man sich für den halben Preis oder gar kostenlos hingeben konnte. Ich war modisch gekleidet gepflegt nett liebenswürdig verständnisvoll großzügig gebefreudig charmant witzig humorvoll – aber ich war von einer Krankheit verkrümmt und 30 Jahre älter als Sie. Dabei war Lu durchaus nicht der Typ auf den die jungen Playboys flogen, Sie war keine vollbusige Schönheitskönigin die man ganz vorn an der Bar plaziert um Männer anzulocken sondern eher der Ladenhüter, eine magersüchtige „Oben ohne Frau“ die mit ihren 27 Jahren hier schon als „alt“ abgestempelt war. Wenn ich sie bei Dienstbeginn für einen Shorttime von ihrer Bar abholte trank sie sich Mut an um den alten Sack ertragen zu können, war dann gut drauf, hatte sich den ungeliebten „Papa“ in kürzester Frist schön gesoffen. „Alkohol macht jung und schön“ wenn er von jungen Menschen im Angesicht des zahlungswilligen Alters konsumiert wird. Meine Falten glätteten sich wie von einem unsichtbaren Bügeleisen weg gebügelt, meine gekrümmte Haltung wurde als Verbeugung vor ihrer Jugend und Schönheit, auch sie wurde ja durch den Alkohol schöner, wahrgenommen, Sie empfing meinen alten Penis wie „Des Knaben Wunderhorn“. Ihre schlanken Beine umklammerten meinen verzweifelt wütenden Unterleib, ihre Fingernägel gruben sich in meinen Rücken, der Alkohol enthemmte das Opfer meiner besinnungslosen Gier, ich ritt den Parcours meines Lebens;“Reitet für Deutschland“ Spielfilm mit Willi Birgel. Wie schön dass der Alkohol mich in ihren Augen schön gemacht hatte, doch wie wollte sie so besoffen ihren Nachtdienst an der Bar durchstehen?. Dort mussten sich die Männer das hässliche Mädchen erst mal schön saufen bevor sie ihrem Charme erlagen. Offenbar liebte sie die Bar, sie hatte sich in einen gut aussehenden Engländer verliebt dem Sie nicht von der Seite wich. Ich tat ihm Leid als er meine Eifersucht bemerkte, ihm lag nichts an ihr er wollte nicht zwischen uns stehen. Er erzählte mir seine Eindrücke;“Man fühlt sich in Pattaya wie ein kleiner Junge im Süßwarengeschäft, erst kann man nicht genug bekommen, nach einer Woche ist man übersättigt“. Er war übersättigt, Lu bemühte sich vergeblich aber sie gab nicht auf. „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Ich war frustriert und irrte suchend durch die Gassen, wurde abgewiesen wenn ich mich bemühte, eine riesige Stadt voller Frauen; „But not for me“ US-Liedgut. Unabsichtlich kam ich an der Bar von Susi vorbei, sie stand in ihrer Schulmädchen-Uniform vor der Tür, hatte gerade etwas gegessen und zog mich sofort in das Innere ihrer Bar um mir einen Ladys-Drink aus dem Leib zu ziehen. Ein abgekartetes Spiel, sie wollte mit mir gehen, aber erst am Abend um 20:00 Uhr. Ich bezahlte die Leihgebühr an die Bar sofort und wollte um acht wiederkommen. Ich ging heim, schlief meinen ersten Rausch aus und war pünktlich wieder bei ihr. Nun hieß es Sie könne erst um neun mit mir gehen, es flossen wieder mehrere überteuerte Drinks, ich trank Bier und sah ihr beim Tanzen auf der Bühne zu. Die „Schulmädchen“ waren schon etwas älter aber das Kostüm sollte verbotene Früchte vorgaukeln. Um halb  zehn war ich schon wieder betrunken und drängte auf Einhaltung des „Vertrages“. Mama San eine ältere Frau im schwarzen Herrenanzug erklärte die Dame meines Herzens für unabkömmlich, sie müsse tanzen. Als ich laut wurde sagte sie drohend: „You talk too much, this is dangerous“. Dann ging sie zur Kasse und gab mir zerknüllte Geldscheine in die Hand, die „Auslöse“ die ich am Nachmittag voraus bezahlt hatte. Mit Susi hatte es nie eine Erektion gegeben, das hätte auch heute nicht geklappt, ich war ein Dummkopf, Dummheit muss bestraft werden.

                                                                                                                               BODO

Irgendwann zwischen meinen Reisen hatte es in Berlin ein Wiedersehen gegeben, in der Wohnung von Herbert dem Trompeter erzählte mir seine Freundin, die Sängerin Stella von einem Mann der in ihrem Bühnenstück Regie führte. Ich stutzte bei der Nennung seines Nachnamens, es wurde klar dass dieser Typ mein alter Intimfreund Bodo war. Ich beauftragte Stella, für die ich Liedertexte geschrieben hatte, ihrem Regisseur einen Gruß von ihrem Textdichter zu bestellen, was sie auch tat. Später berichtete Sie mir davon, Bodo kannte natürlich Ihren Textdichter nicht und fühlte sich belästigt. „Willst du denn nicht wissen wer mein Textdichter ist?“ fragte Sie ihn und nannte dann meinen Namen. „Und da ist er umgefallen.“ sagte Stella. Kurze Zeit später lagen wir uns in den Armen und begossen in einer Kneipe das Wiedersehen. Ihm war die große Karriere versagt geblieben, er arbeitete  freiberuflich als Choreograph und Entertainer, lebte in Berlin, wohnte sogar in meiner Nähe. Eine große Bereicherung unseres Lebens, wir sahen uns nun häufig und spendeten einander Trost. Sexuell völlig verschieden hatten wir viele Gemeinsamkeiten und keine Geheimnisse, waren echte aufopferungsvolle Freunde. Ich schrieb ihm unzählige Briefe aus Thailand, die er für mich aufbewahrte, ich wollte  über meine Abenteuer als Sextourist ein Buch schreiben. Dazu kam es nicht, es kam jedoch zu einer gemeinsamen Reise dorthin. Ich spendierte ihm den Flug weil ich Gutes tun wollte, es kam jedoch nichts Gutes dabei heraus. Er war mein bester Freund, ich glaubte ihn zu kennen, aber wen kennt man schon, die meisten kennen nicht mal sich selbst. Am Anfang ging alles gut aber bald gewannen die dunklen Mächte der Sexualität die Oberhand und Bodo war ihnen hilflos ausgeliefert. Meine kritischen Briefe hatte er amüsiert gelesen, ohne die geschilderten Gefahren ernst zu nehmen. Er liebte eher stabile Mannsbilder, die kleinwüchsigen Thais erschienen ihm ungefährlich, eine verhängnisvolle Fehleinschätzung. Bei den „Macho-Dancern“ in den Bars von „Boys Town“ zeigten auch Muskelmänner was sie hatten und setzten sich nach dem Auftritt zu uns. Ich als Hetero schied schnell aus und alles stürzte sich auf Bodo. Auch ich hatte die Gefahr unterschätzt, war an allem Unglück schuld, Bodo verliebte sich und wurde zum idealen Opfer. „Ich Macho du Opfer“. Zum Glück hatte Bodo nicht so viel Geld aber er war „Liebeskasper“ genug um in Zukunft jeden Monat einen Teil seiner Rente nach Thailand zu schicken.

                                                                                                                               PHUKET

 Den Täter zieht es an den Ort der Tat, mich zog es an den Ort des Unfalls, ich flog von Bangkok nach Phuket und traf dort Freunde aus der City Sauna in Berlin. Hier war alles teurer als in Pattaya, die Mädchen die Hotels das Essen. Der Shorttime setzte sich durch, das war die seelenlose Form der Prostitution; „Fasse dich kurz“ wie es früher an den Telefonzellen zu lesen war. Das war mir schon immer zu kurz gewesen und Pattaya war mir damals als Paradies erschienen, man machte eine Urlaubsbekanntschaft, ging ins Bett und blieb zusammen. Man schenkte keine Blumen und keine Ringe, man schenkte Geld weil das gebraucht wurde. „In Thailand schenkt man keine Blumen“, französischer Spielfilm zum Thema. Beim Bier ließ ich mich zu einem Shorttime überreden, die Mama San schwatzte mir ein taufrisches Mädchen auf, ich war unlustig, Sie wollte „arbeiten“. Eine „Unschuld vom Lande“ die schnell ihr erstes großes Geld verdienen wollte, mein Alter und mein Aussehen waren ihr egal. Tatsächlich war ich ihr erster Kunde, Sie fürchtete Komplikationen bei der Bezahlung, ich musste beide Gebühren; 300 für die Bar und 500 für Sie an die Bar im Voraus zahlen. Mit leuchtenden Augen sah sie der Geldübergabe zu, das erste „Bargeld“ das Sie an einer Bar verdiente. Sie war vollschlank, nicht mein Typ aber „In der Not fliegt der Teufel Holzklasse“. Sie war lieb zu dem alten Mann bei ihr war der Kunde noch König. Sie war eng gebaut aber „KY“ machte ein problemloses Eindringen möglich.  Bei einem extrem dünnen Mädchen war mir einmal der der Zugang versagt geblieben, ich hatte es ohne Gleitcreme versucht und war blutig gescheitert. Als erfahrener Sextourist führte ich nun immer „KY“ bei mir, man weiß ja nie…  Trotz erregendem Feeling blieb es bei dem einen mal, ich sah den engen Engel später mit einem jungen Mann auf dem „Motorbike“ mit dem sie zum Strand fuhr, also doch eine längere Bindung, aber jung musste man sein. „Weil wir jung sind ist die Welt so schön“. DDR-Liedgut. Sie winkte mir freudig lächelnd zu, ein Wiedersehen mit dem ersten Kunden. Inzwischen hatte ich „LEK“ kennen gelernt, sie war 25, ihr Kind lebte bei ihrer Tante in Bangkok. Natürlich war ich auch für Sie nicht die Erfüllung ihres Traumes, aber ein freundlicher angenehmer Kunde den sie als Langzeit-Partner akzeptierte. Sie blieb bei mir, ich war happy und verwöhnte Sie mit Geschenken. Ich musste nach Deutschland fliegen, wollte in zwei Monaten wiederkommen. Ich mietete ein billiges Zimmer, bezahlte für die ersten drei Monate, Nach der Renovierung sollte Lek dort einziehen und auf mich warten. Nach acht Wochen landete mein Flieger auf Phuket, würde Sie dort sein um mich abzuholen? Ich befürchtete das Schlimmste. Sie war dort, aber schon im Taxi erfuhr ich, sie hatte sich in einen jungen Deutschen verliebt. Das kommt vor, ich nahm es nicht so tragisch, sie war ja bei mir. Nach Ankunft in unserem bescheidenen Zimmer war sie nur widerwillig zum Sex bereit und als wir zum Essen gingen sprach sie nur von ihrer großen Liebe, dem jungen Deutschen der leider ständig fremd ging und enttäuscht zu ihr zurück kam. Er hatte sie frei gegeben und zum Airport geschickt, ich wäre der bessere Mann für Sie. Lek zeigte mir sein Auto seine Bar, schließlich stand der Angebetete sogar leibhaftig vor uns und schwärmte von Lek als dem besten Mädchen des Ortes. Sie liebte ihn sehr, er liebte sie um sich nach Enttäuschungen mit anderen Weibern bei ihr auszuweinen.  die Liebe ist ein seltsames Spiel. Ich liebte den Burschen gar nicht, er sollte sich entscheiden; Eine oder Alle. Es herrschte Alkoholverbot, ich bekam nirgends Bier, das war unangenehm. Kaum waren wir wieder im Zimmer da klopfte es an der Tür. Es war der Idiot der sie frei gegeben hatte, er nahm sie mir weg. Ich saß in der tristen Bude und hatte kein Bier. Nach langem Suchen fand ich eine Bar die Bier in Kaffeebechern verkaufte, und ertränkte meinen Kummer. Meine Wohnanlage beherbergte viele Barmädchen und Ladyboys, zwischen den Zimmern lag ein kleines Restaurant in dem ich verkatert mein Frühstück nahm. Plötzlich erschien Lek, der gewissenlose Kerl hatte sie zu mir zurück geschickt. Ich war erfreut sie wieder zu haben aber die Freude währte nicht lange, Sie könne nicht bei mir bleiben während ihr Playboy am Ort wäre. Sie verließ mich am selben Tag und ging zu ihrem Kind nach Bangkok. Frauen mit Liebeskummer haben es gut, sie haben ihre Kinder, da können sie sicher sein geliebt zu werden, sagt man so… Ich hatte keine Kinder und wurde nicht geliebt also befriedigte ich mich selbst und konnte viel Geld auf die Seite legen. Der „Selbstständige“, oft herablassend als „Wichser“ verschriene Mann liebt sein Geld mehr als er die Frauen liebt, sein Bankkonto sagt ihm das er das Richtige tut. Ohne Migräne und Me too lebt er sorglos und ohne Liebeskummer; „Onanie ist Sex mit jemand den ich liebe“. Woody Allen. Ohne Illusionen streifte ich durch die Gassen der Sünde; „Beneidenswert wer frei davon“.  Francois Villon. Ich war frei von der Sklaverei des Sex, dem ekelhaften Missbrauch der Entwässerungs-Organe, dem fieberhaften Penetrieren, der unverhüllten Agression des monströsen „Stand up Comedians“ der Ohne jeden Humor in die Privatsphäre der Frau eindringt, sie erniedrigt und beschmutzt. Ich respektierte die Frauen die sich dem entzogen in dem sie Frauen liebten. Von jedem Zwang befreit schlenderte ich durch die Lichter der Tropennacht, an den Bars nötigten die Mädchen ihre Gäste zum schnelleren Bier trinken und bettelten um den nächsten „Ladys-Drink“. Wenn eine Bar in einer verborgenen Seitenstraße liegt schickt die Mama San die Mädchen „An die Front“. An der Hauptstraße fallen sie über Fußgänger her und versuchen sie an ihre abgelegene Bar zu ziehen. Eine der Amazonen, einen Kopf kleiner als ich, umarmte mich, es war mir lästig und unangenehm, ich sah auf die Kleine herab und blickte in das lachende Gesicht einer bildschönen Frau. Ihr Anblick verschlug mir die Sprache, Sie war zu schön um wahr zu sein. Ich schlang die Arme um den schlanken Körper und fragte ob sie mit mir gehen wollte. Ja natürlich aber erst müsse sie mich an ihrer Bar abliefern. Ich hatte ihre Zusage, es wurde ein schöner Abend an ihrer Bar und eine schöne Nacht in meiner billigen Bruchbude, ein Hotel konnte ich mir in Phuket nicht leisten. „NUK“ wollte bei mir bleiben verlangte aber 1000 pro Tag und 300 Auslöse für ihre Bar. Am nächsten Abend verhandelten wir mit Mama San ich sprach von mehreren Monaten Verweildauer und bot 500 pro Tag, die Damen steckten die Köpfe zusammen und stimmten zu. Ein Wunder war geschehen ich hatte „Die schönste Frau der Welt“ erobert und ihren Preis halbiert. Nuk war 31 und hatte 3 Kinder, ihr Bauch hatte bei den Schwangerschaften schweren Schaden genommen, stark vernarbt kontrastierte er krass zu dem Gesicht eines Fotomodells. Sie hielt sich bereits für alt und hatte nichts gegen einen älteren Mann wie mich. Ein fröhliches Mädchen, immer gut drauf, blieb immer bei mir, lief niemals weg, wir hatten eine schöne Zeit. Ich kleidete Sie neu ein, sie war die Schönste, hatte die tollsten Klamotten, nur eine Kleinigkeit fehlte noch… GOLD.  Eine Frau ohne Goldschmuck war unvollständig gekleidet, ein Farang der seiner Geliebten kein Gold schenkte entsprach nicht den Regeln, ich musste noch viel lernen. Stolz präsentierte mein Liebling das neue Armband, wie durch Zufall landeten wir an der Sailorbar, hier hatte ich Lek kennen gelernt, sie war aus Bangkok zurück, arbeitete wieder hier, bediente uns mit ernstem Gesicht ohne jede Regung. Ihr meine Schönheitskönigin vorzuführen war kindisch und traurig, wahrscheinlich litt das arme Mädchen noch immer an gebrochenem Herzen. Ich hatte Nuk angeboten mit mir nach Deutschland zu fliegen, damals bekam man noch ohne Probleme ein Besuchervisum für drei Monate. Wir fuhren nach Bangkok und beauftragten ein Reisebüro mit der Beschaffung von Reisepass und Visum, alles lief nach unseren Wünschen, wir lebten sorglos und unbekümmert in den Tag hinein, das Leben war schön. Natürlich war das goldene Armband nicht billig gewesen, ich war ja kein reicher Mann sondern ein kleiner Rentner der zu Gold ein gestörtes Verhältnis hatte, aber wie sagte meine Oma immer: „Frauen kosten Geld, schöne Frauen kosten schönes Geld“. Wenn ich an all das schöne Geld denke das ich schönen Frauen auf dem Altar der Liebe geopfert habe wird mir schmerzhaft bewusst, ich war ein schöner Idiot. Nuk fuhr nach Bangkok und kam am Nachmittag mit Pass und Visum zurück, auch der Flug war schon bezahlt. Sie hatte aber auch eine unangenehme Nachricht für mich bereit: Wegen ihrer Kinder, der Schule und vielen Problemen könne sie nicht zum geplanten Datum mit mir fliegen, sie würde aber vier Wochen später nachkommen. Rums, das hatte gesessen, ein Schlag mit dem Holzhammer auf den Kopf des Liebeskaspers beendete den Traum vom Glück. Ich explodierte, sah rot und wollte den Pass vernichten. Nuk leugnete die Ankunft eines Kunden, ich glaubte ihr kein Wort und warf Sie raus. Ich durchsuchte ihre Sachen und fand tatsächlich einen Brief aus Deutschland in thailändischer Sprache aber die Daten von Ankunft und Rückreise des Mannes, Genau am Tag meiner Abreise würde er hier ankommen und vier Wochen bleiben. Das passte wie die Faust aufs Auge, ich hatte nichts anderes erwartet. Eine Barfrau hat viele Kunden, die Betreuung kann kurz oder lang erfolgen, bei einer Langzeitbetreuung überschneiden sich die Termine, man muss abwägen wem man den Vorzug gibt, aber sogar bei einer bevorstehenden Heirat will man den letzten Kunden vor der Ehe noch abkassieren, das hatte ich ja kurz vor meinem Unfall erlebt. Welchen Vorteil versprach sich Nuk von einer leicht durchschaubaren Lüge zugunsten des Briefkunden, Wahrscheinlich zahlte er 1000, ich nur 500 pro Tag, vielleicht kaufte Gold, er konnte in vier Wochen viel mehr ausgeben als ich in vielen Monaten. War er womöglich einer von den Narren die regelmäßig Geld schickten um das arme Ding vor Hunger und Not zu bewahren? Wie hoch meine Unkosten für Pass Visum und Ticket waren spielt in den Berechnungen von Nuk keine Rolle, wichtig sind nicht meine Ausgaben sondern ihre Einnahmen. Geschäft ist Geschäft und Ausbeutung ist Ausbeutung. Schwer zu verstehen warum man diesen Frauen immer wieder auf den Leim geht, vieles wiederholt sich mit derselben Frau, viele der alten Dummheiten werden mit neuen Frauen erneut gemacht. Welches Sprichwort welcher Liedertext gibt uns dafür eine Erklärung? „Die Welt will betrogen sein“. Ist das allgemein gültig oder ist der Prozentsatz der Masochisten unter den Männern höher als vermutet? Ist der von der Domina ausgepeitschte Mann nur das Symbol für alle anderen Sado/Maso-Erscheinungsformen. Ich hatte ein Machtwort gesprochen und meine geliebte Titelbild-Schönheit hinaus geworfen, ich war nicht der Hampelmann dieser Weiber, bei dem man nach Bedarf an der Strippe zieht. Aber ich war Alkoholiker und ich trank. Ich trank Tag und Nacht, konnte am Ende nicht mehr schlafen und suchte Hilfe bei einer mütterlichen Ärztin die Verständnis zeigte und mir Schlaftabletten verschrieb. Beim Bier erzählte ich einer Freundin von Nuk davon, auch sie versuchte mich zu trösten. Ich trank wenig, ging früh ins Bett, nahm zwei Schlaftabletten und schlief sofort ein. Am nächsten Morgen lag Nuk neben mir im Bett, wie war sie dort hingekommen? Da ich nichts erinnerte erzählte sie mir was in der Nacht geschehen war. Ihre Freundin hatte mich falsch verstanden und glaubte an Selbstmord. Nuk alarmierte den Ladyboy der direkt neben mir wohnte, er langte durch das Fenster, öffnete problemlos die Tür, man fand die Tabletten auf meinem Nachttisch, der kräftige Mann trug mich zur Taxe, man fuhr mich in das Krankenhaus wo man mir den Magen auspumpte. Ich hatte von all dem nichts gemerkt, glaubte Nuk würde bleiben aber sie ging. Ich belohnte den Ladyboy für seine Mühe bedankte mich für die „Lebensrettung“ und lebte weiter. Die Tage verbrachte ich am Strand, die Abende an den Bars, die Frauen interessierten mich nicht, ich hatte genug vom Sextourismus, die armen Männer taten mir Leid. Nuk war nirgends zu sehen, ich suchte nicht nach ihr, sollte sie andere Männer glücklich machen, ich hatte sie gehabt und das wars. Das wars dann aber doch nicht, Sie fand mich und bat um Verzeihung, wollte wie geplant mit mir nach Deutschland fliegen. Wenn man so wollte, hatte ich die Partie gewonnen, den anderen Bewerber aus dem Feld geschlagen. „Meine Nutte deine Nutte“.

                                                                                                          NUK  IN  BERLIN

Ihre Familie lebte in Bangkok, in glücklichen Tagen hatten wir sie dort schon einmal besucht, nun erschienen alle am Airport und ich durfte die Großfamilie bewirten. Zum Glück war Thai-Food und Bier damals dort noch billig, die Abschiedsparty bezahlbar.  Reiche Männer schmücken sich mit schönen Frauen die sie sich leisten können, arme Männer schmücken sich mit schönen Prostituierten die sie sich nicht leisten können. Aber wir trugen ja keine Schilder am Hals: „Käuflich“ und „Kunde“, es sah also aus als ob… So glaubte ich, es gehört aber nicht viel Scharfsinn dazu einen älteren Mann in Begleitung einer jungen Thailänderin richtig einzuschätzen. Nuk hatte sich für die erste große Reise ihres Lebens entschieden, eine Art „Müttergenesungswerk“, ihre Kinder blieben in der Obhut der Familie. Bei Ankunft in Berlin mussten wir auf das Rollfeld hinunter zum Bus, es war Ostersonntag und bitter kalt, wir zitterten um die Wette. Es gab keine Taxen am Airport wir mussten mit dem Bus zur U-Bahn, hatten kein Kleingeld für den Automaten, fuhren „schwarz“ durch die halbe Stadt, stiegen am Schöneberger Rathaus aus, es gab auch dort keine Taxen, wir zitterten weiter. Endlich kam eine Taxe, willkommen Zuhause. Später erzählte mir Nuk wie sie die Öffnung der Tür nach der Landung empfunden hatte; Als würde man Ihr einen Eimer voll Eiswasser über den Kopf gießen. Meine Wohnung war warm, die Nachbarin hatte die Gasheizung hoch gefahren und war sofort überwältigt vom Charme meiner Begleiterin, dem nach und nach alle meine Freunde erlagen. Nuk umarmte jeden, so wie sie mich bei der ersten Begegnung umarmt hatte, dem Zauber ihres Lächelns konnte sich keiner entziehen, Sie gewann alle Herzen im Sturm, warum sollte ich da noch über andere Kunden oder Terminschwierigkeiten nachdenken, Sie verzauberte jeden, so wie Sie mich verzauberte und glücklich machte. Die ideale Partnerin für einen „schwerlebigen“ Depressiven, eine gute Fee die mir Leichtigkeit und Lebensfreude schenkte. Es ging nicht nur um Sex, es ging um Harmonie und Zweisamkeit, eine schöne, liebenswerte Frau war Gast in meinem Haus, ich hatte eine Aufgabe, zeigte ihr meine Stadt, war Fremdenführer und ständiger Begleiter. Sie war fremd in der Stadt, hatte keine Freunde oder Kunden zu denen sie ausweichen konnte, da hatte ich Glück, es hätte auch anders kommen können. Trotz meiner bisherigen Erfahrungen lebte ich naiv und glücklich drei Monate lang mit einer Frau die scheinbar mir gehörte. Ich hatte kein Auto, wir fuhren jeden Tag mit dem BVG-Bus ins „Blaue“ bis zur Endstation, gingen dort spazieren, Nuk liebte Tiere, war glücklich wenn sie ein Pferd streicheln konnte, ich war glücklich wenn Sie mein Steiftier streichelte. Natürlich waren wir häufig Gast im Zoologischen Garten und im Tierpark, aber auch im Schloss in Potsdam,  auf dem Fernsehturm am Alex und sahen ein Ballett in der Oper für das meine Schwester, ebenso begeistert von meiner Besucherin wie alle anderen, uns Karten spendiert hatte. Es war Sommer, einer der schönsten meines Lebens, ich möchte ihn nicht missen. Nuk arbeitete für mich, sie behandelte meine Depressionen mit Erfolg, ich zahlte ihr den vereinbarten Tagessatz von 500 Baht, Sie würde nicht mit leeren Taschen aus ihrem Urlaub in Deutschland zurückkehren. Meine Freunde konnten das nicht begreifen, Sie machte drei Monate kostenlosen Urlaub, ich bezahlte das Ticket, Essen und Trinken, Geschenke für ihre Kinder und eine Tagesgage obendrauf. Wenn eine Barfrau einen Kunden betreut arbeitet sie für Geld „I work for money“, Urlaub kann Sie sich nicht leisten. Dagegen war nichts zu sagen so lange Sie ihren Vertrag mir gegenüber einhielt und nicht versuchte andere Kunden nebenbei zu betreuen. Unser Vertrag und Ihr Visum endeten nach drei Monaten, ich musste in Berlin bleiben und Geld für die Zukunft sparen, ich lebte bereits über meine Verhältnisse. Sie war jetzt frei für andere Kunden, wollte aber nach drei Monaten wieder zu mir kommen. Da haben wir es wieder, das Prinzip Hoffnung, warum glaubt der Kunde an die problemlose Fortsetzung einer „Scheinehe“, ohne Schein, nach drei Monaten Arbeit an den verschiedensten neuen  Barbesuchern, oder älteren Kunden mit älteren „Rechten“, wie stellt sich eine „Therapeutin“ wie Nuk auf jeden alten oder neuen Kunden ein? Der Sex mit Ihr war so aufregend nicht gewesen, natürlich hatte der deformierte Bauch den Schönheitssinn des depressiven Kunden in Berlin ein wenig gestört, „Nur der Schönheit weihte ich mein Leben“. Deutsches Liedgut. Ein bildschönes Gesicht, Konfektionsgröße 36, friedfertig, pflegeleicht, man kann alles verlangen aber nicht alles haben. Mein sexuelles Verlangen hatte nicht im Mittelpunkt des Arbeitsverhältnisses gestanden,  die überaus anpassungsfähige „ Therapeutin „ hatte viel Arbeit für wenig Geld geleistet, ein labiler Mann wie ich, angesiedelt zwischen „Weiberfeind“ und „Frauenversteher“ konnte sozusagen als „ Geheilt entlassen“ gelten. Am Tag der Abreise lernten wir am Flughafen ein Ehepaar kennen, das nach Bangkok flog, eine der „berüchtigten Mischehen“, die thailändische Ehefrau nahm Nuk sofort in die Arme, Sie musste nicht allein die weite Reise antreten. Ich war allein, wurde jedoch mit den nächsten drei Monaten gut fertig. Meine Freunde in der City Sauna und mein bester Freund Bodo, der Ballett-Tänzer bemerkten natürlich den Wandel der sich vollzogen hatte, ich war gelöst und heiter, lebte in der Illusion einer nahtlosen Fortsetzung der erfolgreichen Ehe auf Zeit, die mir so gut getan hatte. Es gab noch keinen Mobilfunk, Briefe hatten eine lange Laufzeit, ich musste sie mühsam und teuer übersetzen lassen aber es lief wie geplant, Nuk erhielt ihr Visum, der Tag ihrer Ankunft nahte. Mein Jugendfreund Rudolf, der Taxifahrer brachte mich zum Flughafen, dort konnte ich Nuk in die Arme schließen. Kaum in meiner Wohnung angekommen schrieb Sie zwei Briefe, an die Familie in Bangkok und an eine Freundin in England, die ich für sie abschickte. Natürlich gab mir der Brief nach England zu denken aber ich hielt es für unmöglich das er an einen Mann gerichtet sein könne. Kaum in Berlin angekommen, einen Kunden in England zu informieren und den Brief zur Beförderung mir zu übergeben, hielt ich für undenkbar, soweit geht die Frechheit nicht – meinte ich. In der thailändischen Sprache soll es das Wort: „Leihgattin“ geben, mein Glück war nur geliehen, das wusste ich wohl, aber ist nicht alles was wir zu besitzen glauben, nur geliehen? Es ist eine Frage der Zeit wie lange ich eine Leihgabe des Schicksals als Besitz empfinden kann, in meinem Fall hatte ich diese Frau für weitere drei Monate gebucht, es gab einen ungeschriebenen Vertrag der verschiedene Nutzung beinhaltete, ich konnte die Leihgabe als Gesellschafterin, Therapeutin oder Sexobjekt missbrauchen, es war ein seriöses Geschäft zwischen seriösen Partnern das jeder mit der Absicht den anderen zu übervorteilen abgeschlossen hatte.  Man könnte meinen es wäre eine Art Menschenhandel, in Wahrheit ist es der Handel mit Illusionen, ohne Illusionen würde sich der Kunde nicht auf das Geschäft einlassen. „Illusionen Illusionen sind das schönste was es gibt“. „Deutsches Liedgut“. Wenn ich ein Lotterielos kaufe, kaufe ich die Illusion Millionen zu gewinnen, wenn ich eine Frau kaufe, kaufe ich die Illusion ihr Herz zu gewinnen. „Ein Herz kann man nicht kaufen“. Deutsches Liedgut. Was ich gewinne sind letztlich Einsichten, was immer ich kaufe, ich werde verlieren. Diesmal hatte ich gewonnen, Nuk hatte den Weg zu mir zurück gefunden, sie liebte mich, ich war ein Kunde den man gern haben musste, Ich respektierte sie, ich verwöhnte sie, ich war einer von den guten, ein „Gutmensch“ wie das Schimpfwort sagt. Und wieder hatte sie begonnen; „Die schönste Zeit meines Lebens „ zweiter Teil. Alles war so schön wie beim ersten mal, wir waren vertraut wie ein altes Ehepaar, am Tage erkundeten wir die Stadt, am Abend saßen wir vor der „ Glotze „ ich erklärte Nuk die Handlung der deutschsprachigen Filme oder wir sahen thailändische Filme auf VHS. Meine Bilderbuchschönheit  sah zum anbeißen aus aber ich biss nicht an. „Die Ehe ist der Tod der Liebe“, „Fernsehn und Bier, die machen so schön müde“. Deutsches Liedgut. Es war eine Idylle, die fast ohne Sex auskam; „In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr“. Martin Luther. „Aber wehe wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe“. Wilhelm Busch. Wir standen noch am Anfang als das Ende nahte, es näherte sich in der Gestalt eines Blumenboten, der auf der Straße den Klingelknopf bediente. Ich wollte den Mann nicht in das Haus lassen, erwartete keine Blumen, er beteuerte die Richtigkeit von Namen und Anschrift, ich öffnete die Tür. Die von Fleurop gelieferten Blumen kamen aus England, ein Kärtchen übermittelte Grüße zum Geburtstag meiner Leihgattin – „Love, Fred“. Mir war kein Geburtstag bekannt, Nuk hatte wahrscheinlich mehrmals im Jahr Geburtstag. Meine Reaktion war filmreif, ich ging an die Decke wie das HB-Männchen im Werbefilm, erinnerte sofort den Brief den ich an die angebliche Freundin nach England geschickt hatte, ich wurde erneut für dumm verkauft, mein Vertrauen missbraucht, meine mühsam aufgebaute Idylle fahrlässig von einem englischen Liebeskasper torpediert, seine Blumen explodierten in meinem trauten Heim wie U-Bootgeschosse auf dem Trockenen. „Die Blumen des Bösen“. Baudelaire. Nuk war unschuldig, sie war die Traumfrau vieler Träumer, hatte lediglich einen Brief an ihre Freundin geschrieben, deren englischer Freund eigentlich Nuk liebte. Die Vielgeliebte stritt  alles ab und bereitete sich ein provisorisches Bett am Fussboden des ehemaligen Kinderzimmers, während ich mir ein Bier holte. In der Küche standen die Blumen im Wasser, ich warf sie zornig aus dem Fenster. Am nächsten Morgen rief ich meinen besten Freund an, schilderte ihm meine verzweifelte Lage, wusste nicht was ich tun sollte, Nuk war ja gerade erst in Berlin angekommen, sollte ich Sie nach Thailand zurückschicken? Bodo redete mir gut zu; „Was regst du dich auf, du weißt doch wo du Sie her hast“. Ich wurde ruhiger, er riet mir zu Versöhnung und Vergessen. So geschah es, und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie heute noch. Die Versöhnung war märchenhaft, meine kleine Mietwohnung knisterte vor Erotik als hätte man frische Holzscheite in den Kamin der Liebe geworfen, lodernde Flammen erhellten die dunklen Gedankengänge in denen ich gefangen war wie in einem Irrgarten ohne Ausgang. Was war geschehen, eine harmlose Blumensendung hatte wie eine Briefbombe gewirkt und zu Verletzungen am eifersüchtigen „Ehemann“ geführt ehe man es verhindern konnte. Wie war das möglich, waren nicht alle Tatbestände bekannt, wie konnte es zu einer solchen Überreaktion kommen? Unüberlegt hatte „Der englische Patient“, selbst im Glashaus sitzend, Steine auf mein Kartenhaus geworfen die es fast zum Einsturz gebracht hätten. Der Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen führt dazu das immer mehr Menschen im Glashaus oder im Kartenhaus wohnen in denen jede seelische Erschütterung einem Erdbeben gleich kommt, man nennt das: „Einstürzende Neubauten“. Die Einsturzgefahr war gebannt, „My house is my castle“, die schöne Prinzessin weilte auf meiner Burg;“ Heute ein König“. Ich trank das billigste Pils von ALDI und fühlte mich wie ein König. Im Märchen: „Der Prinz und die Dirne“ lässt der traurige König im ganzen Land nach einem armen aber immer fröhlichen Mädchen suchen welches die Zauberkraft der unbegrenzten Heiterkeit besitzt mit der Sie jeden Trauerkloß heilen kann. Der König hatte unbegrenzte Staatstrauer angesetzt, alle Fahnen und Penisse standen auf halbmast, seine Reiter suchten jeden Winkel im Land der Trauer ab und fanden schließlich das fröhliche Mädchen in einem armseligen Bordell in dem sie unglückliche Männer mit einer Oraltherapie glücklich machte. Wer depressiv rein ging kam entspannt und heiter heraus, Sie verfügte über die Zauberkraft der unbegrenzten Heiterkeit. Dem traurigen König war jedes Mittel recht, er fragte nicht nach Beruf und Stand, Hauptsache er stand. So stand also die Sache, Nuk verfügte über eine Zauberkraft, nach ihrer Therapie war alle Trauer wie weggeblasen, ein Märchen in dem Mundpropaganda die Trauerarbeit beendet. Es war Herbst, wir erhitzten uns in kalten Betten, Heizkissen reichten nicht aus sie zu erwärmen. Nuk liebte die kühlen Temperaturen, Sie nahm Urlaub von der unerträglichen Tropenhitze Bangkoks, wo Sie Schwindelanfälle und Ohnmachten erlitt, welche Taschendieben im Bus die Arbeit erleichtert hatten. In Berlin konnte Sie stundenlang ohne Übelkeit spazieren gehen, Sie fühlte sich wie neu geboren. Im Zoo wanderten wir auf einem dicken Teppich welker Blätter, Nuk wurde nicht müde sich für die Tiere zu begeistern, alle Erlebnisse trug sie in ein Buch ein, es war eine sorglose Wiederholung ihres ersten Besuches. Auf Ausflugsdampfern entdeckten wir die Seen der Stadt, trafen Bodo in einer Pizzeria und meine Schwester auf dem Trödelmarkt, das Leben war schön. Den ersten Schnee ihres Lebens sah Nuk als der Winter sich ankündigte und es Zeit für unseren Flug wurde.

                                                                                                                    SINGAPUR  BANGKOK  PATTAYA

Singapur ist schön aber teuer, an der Bar unseres Hotels zahlte ich für ein kleines Glas Bier neun DM, an einem Kiosk in der Stadt für eine Büchse Bier acht DM. Da bleibt einem das Bier im Halse stecken, es ist zu teuer zum runterschlucken. Nuk vertrug die Hitze nicht, Sie erlitt einen Schwächeanfall inmitten einer chinesischen Parkanlage die wir zu Fuß erkundeten. Am nächsten Tag schwebten wir per Seilbahn nach Sentosa wo ein frischer Wind vom Meer wehte. Hier konnten wir mit Bus und Kleinbahn das riesige Areal erobern und tolle Eindrücke sammeln. Nach drei Tagen flogen wir weiter nach Bangkok wo wir auch drei Tage blieben. Nuk besuchte ihre Familie dann ging es per Linienbus nach Pattaya. Das war ein Fehler, ich hätte in unserem Hotel einen großen amerikanischen Wagen für 1.500 Baht mieten können, dazu war ich zu geizig gewesen und zog mir im Bus beim Pinkeln in der winzigen Toilette eine Gehirnerschütterung zu als ich gegen die Decke geschleudert wurde. Wir wohnten in der Soi 8 und saßen nach dem Abendessen meist an den Bars gegenüber dem Hotel, ich war froh nicht am „Liebeskarussell“ teilnehmen zu müssen, hatte meine „Titelbildschönheit“ immer bei mir, „Diese Frau gehört mir“ mit Barbara Stanwyck. Besitzansprüche müssen bezahlt werden, wie es unter „Eheleuten“ üblich ist, wurde auch wieder Gold gekauft. Ich blätterte beim Juwelier in Süd-Pattaya die „Tausender“ auf die Glasplatte unter der das kostbare Edelmetall auf die törichten Fremden lauerte, wischte imaginäre Tränen von meinen Wangen, nur ein reicher Mann kann sich erlauben solche Scherze über Geld zu machen. Nuk belachte in gehobener Stimmung, die neue Kette am Hals, meine dummen Witze, auch wenn ich weder Haus noch Auto hatte, blieb ich doch der reiche Farang den Sie in mir sehen wollte. Ein „ Farang „ eine fremdländische „Langnase“ ist immer reich, sonst könnte er nicht nach Thailand fliegen und dort mit Geld um sich werfen, wie es betrunkene Spinner mitunter in den A gogo-Bars buchstäblich taten. Eine  Augenzeugin berichtete von einem Gast der Mengen von 1000 Baht-Scheinen in die Höhe warf um die sich dann leicht bekleideten Mädchen balgten; „Ein warmer Regen“, „Pennies from heaven“ war dagegen ein harmloses Kinderlied. Nuk opferte viel ihrer kostbaren Zeit für mich aber Sie musste an ihr „Geschäft“ denken. Wir sprachen nie über die Zukunft, hatten ja eine goldene Gegenwart. Es gab eine gerechte Arbeitsteilung; Ich kaufte das Gold und Sie trug es. Golden ging über dem Meer die Sonne unter, die neue Kette glitzerte am Halse einer schönen Frau die mein armseliges Leben bereicherte, wir saßen beim Kaffee auf einer kleinen Insel im Swimmingpool des Royal Cliff Hotels, ein teurer Laden der seinen kostspieligen Kaffee ohne Ansehen der Person servierte. Unterwürfig rührte das Personal unser Getränk, ich hatte Bedenken, fürchtete die Höhe der Rechnung. Nuk beruhigte mich mit den Worten: „Don`t worry, i have myFuniture“, dabei wog Sie die goldene Kette mit der Hand. Damals trug noch jeder sein Gold zur Schau, sein „Mobilar“ am Hals und die Preise in den 5 Sterne Hotels waren bezahlbar. Das ging so lange bis es Nuk zu ihrer Familie nach Bangkok zog und wir uns aus den Augen verloren. Das war traurig aber ich war frei für die nächste große Liebe. Die zierlichen „Sofapüppchen“ für die ich schwärmte, tanzten meist in den teuren A gogo Bars; „Schöne Frauen kosten schönes Geld“. Hier war der Shorttime die Regel, „Dauerfreundschaften“ unbezahlbar. In der „Little Horse Bar“ tanzte die kleine Kim, sie war nicht sehr hübsch aber hübsch jung und sehr schlank. Sie hatte keine Vorurteile gegen ältere Männer und freute sich jeden Abend wenn ich kam. Wenn ich kam ging das ins Kondom mit dem Sie mich äußerst sachkundig „ überrollte „. Sie machte das sozusagen mit links, während ich es kaum mit rechts schaffte. Eine Frau mit Erfahrung und Fingerfertigkeit die man ihrem Alter nicht zugetraut hatte. Wir hatten uns aneinander gewöhnt, als ich Sie mit zwei älteren lesbischen Frauen und vielen leeren Gläsern an der Bar vorfand. Die beiden Frauen boten mir höflich einen Hocker an aber Kim ließ mich abblitzen, die Damen zahlten mehr als ich. So endete eine Liebe. Bei ihrer bildschönen Kollegin Nit hatte ich nie eine Chance gehabt, sie bevorzugte jüngere Männer, war aber heute freundlich zu mir. Ich konnte mein Glück nicht fassen, Nit war nicht nur schön sondern auch sehr nett und liebevoll im Umgang mit mir und meinem Steiftier. Bald darauf feierte Kim in ihrer Bar Geburtstag und musste 18 Kerzen ausblasen, erst jetzt hatte Sie das vorschriftsmäßige Alter erreicht. Nit zählte mich zu ihren Kunden und begrüßte mich jeden Abend mit einer Umarmung, ich war glücklich wenn Kim einen Kunden hatte und Nit sie vertreten musste. Sie war eine Schönheit wie Nuk, war jünger und gab dem alten Mann das Gefühl in ihrem Schoss willkommen zu sein. Kim und Nit traten im Show-Teil des Abends auf, sie trugen Dienstmützen und offene Polizeihemden auf nackter Haut, die jungfräulichen Titten waren in voller Schönheit sichtbar. Mit hohen Absätzen und winzigem Slip holten die „Polizistinnen“ einen Mann aus dem Publikum dem sie, die Hände auf dem Rücken Handschellen anlegten. Sie öffneten seine Hose und förderten einen erigierten Phallus zu Tage den sie mit einer Feder streichelten und mit einzelnen Wassertropfen peinigten. Die Show ging ziemlich weit, bald würde die echte Polizei das unzüchtige Treiben verbieten und jeden Abend einen Beamten an der Bar postieren. Ich fühlte mich als Hahn im Korbe, beide Darstellerinnen, die da so erregend agierten, hatten sich jeder Uniform ledig, bereits intensiv mit meinem „Marterpfahl“ beschäftigt.

                                                                                                                SHORTTIME

 Im Little Horse verhinderte ein Polizist jede weitere Sex-Show dieser Art, er saß an der Bar und ließ das Auge des Gesetzes schweifen. Viele junge Männer waren bereit viel Geld für einen Shorttime mit Kim oder Nit zu zahlen, ich kam nicht mehr zum Zuge und suchte im „Dirty Dolls“ nach schmutzigen Puppen die sauber arbeiteten. In dieser A gogo war wenig los, der Laden war leer, die wenigen Mädchen tanzten lustlos auf dem Catwalk der silbernen Stangen, ich schlürfte gelangweilt mein Bier bis „NAM“ auftauchte. Freunde ermunterten mich ihr einen Drink zu kaufen, Sie war schlank und hatte ordentlich viel Busen im Oberteil. Nicht besonders hübsch aber auch nicht hässlich, eine gute Figur, ein liebes Mädel von dem ich mich angenommen fühlte. Ich war willkommen, eine schlanke Person, an der mir sogar die üppige Oberweite gefiel, saß im engen Bikini auf meinem Schoß, auch mein Hosenwurm zeigte Gefallen an ihr und machte sich deutlich bemerkbar. Angebot und Nachfrage, hier mangelte es an beidem, ein Glücksfall für das blitzsaubere Mädel und den schmutzigen Puppenspieler. Nam war 25 Jahre alt, hatte keine Kinder aber eine irre Figur, als Sie mir in Cordjeans und Pullover gegenüber stand um mit mir zu gehen sah Sie fast noch aufregender aus als vorher im Bikini.  Sie ging voraus, ich folgte ihr, starrte gebannt auf den kleinen Hintern den Sie wirkungsvoll vor mir her trug. Er stand im krassen Gegensatz zu ihrer Oberweite die fast den Pullover sprengte. Unverhüllt stand die üppige Pracht von ihren nackten Körper ab als ich das unkomplizierte Geschöpf unter der Dusche filmte. Ein Körper wie dieser schrie danach auf Video gebannt zu werden, Nam hatte nichts dagegen, fragte nur ob die Batterie genug Power hätte. Männer müssen das Objekt ihrer Begierde immer wieder fotografieren, es ist der verzweifelte Versuch etwas festzuhalten was ihnen entgleiten wird. Bei einem Shorttime war das Entgleiten vorprogrammiert, eingefrorene Erinnerungen in Form von Foto oder Video waren nicht vorgesehen, alle Rechte vorbehalten. Nam war ein liebes Mädchen, Sie hatte Mitleid mit den Männern, gestattete mir sogar Aufnahmen während des Verkehrs, auf denen jedoch nicht viel zu sehen war. Immerhin sah ich später wie liebevoll ihre Hände meinen Rücken streichelten während ich in ihrem Schoß arbeitete. Welche Prostituierte tut das? „Eindringlich“ forderte mein harter Stab die kampflose Überlassung fremder Gebiete, gewaltsam eroberten wir das neue Terrain und stießen ohne Gegenwehr bis ins Innere des Landes vor. Nam küsste mich liebevoll während der Erguss das Kondom befruchtete. Wie gute alte Freunde tranken wir noch ein Bier miteinander, “Verweile noch du bist so schön“, ich legte ein ordentliches Trinkgeld auf den vereinbarten Preis, Sie küßte mich zum Abschied; „See you tomorow“. Ein liebevoller Umgang mit dem Kunden erschwert diesem den Abschied und macht ihm das Leben schwer. Hat das Glück einmal zugeschlagen will man es festhalten, jeder Koitus ruft nach mehr; „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Der Shorttime ist ein Zeitvertrag mit absehbarem Ende, er befriedigt die Bedürfnisse der Teilnehmer in einem abgesteckten Zeitraum. Nach Entfernung des Gliedes aus der Scheide endet der Vertrag „Die Uhr ist abgelaufen“, Western mit Audy Murphy. Da geht sie hin, die Illusion, ein Mietvertrag ist kein Kaufvertrag, „Zeit ist Geld“. Unfähig sich zu binden ist man besser dran, die Dame soll gehen wenn die Arbeit getan ist, eine gewisse Gefühlsarmut schützt vor Torheiten wie Liebe und Ehe, „Beneidenswert wer frei davon“. Francois Villon. Wer kein Gold kauft und keine Kinder zeugt ist eine harte Nuss für die Frauen, ein Partisan, ein Einzelkämpfer, ein Spielverderber, zum Glück gibt es nur wenige dieser Verirrten. Für mich war der „Irrgarten der Liebe“ eine Falle aus der ich nicht entkommen konnte, jeden Abend zog es mich in die Dirty Dolls Bar zu meiner neuen Shorttime-Lady, ich zahlte unglaublich viel Geld für das kurze Glück, verzweifelt suchte ich jeden einzelnen Moment unserer Zweisamkeit per Video festzuhalten, filmte Nam im Pick up, fragte was Sie in meinem Hotel machen wolle? „I fuck you“ war die Antwort. Ihre unverstellte Sprache verstärkte mein Begehren, Sie hatte mich da wo Sie wollte. Sie nahm sich viel Zeit für mich, posierte nach beglückenden Intimitäten und wundervollen Orgasmen als Modell und Sängerin, niemals war sie in Eile oder Zeitdruck, unsere Abende waren kurz aber schön. Allerdings auch schön teuer, jeder Abend kostete etwa 2.500 Baht, ich konnte das nicht durchhalten und setzte ein paar Tage aus. Ich hatte mich daran gewöhnt meine Tage allein am Wong Amat Strand zu verbringen, die Händler drängten mir schon am frühen Nachmittag Bier auf, die Sonne tat mir gut, ich kam ohne eine Langzeitbeziehung aus, dachte kaum noch an Nuk, das war vorbei. Als ich am frühen Abend mein Hotel betrat folgte mir eine Frau dicht auf den Fersen, spielte wie ein Kind Verstecken und gab sich lachend zu erkennen; Es war Nuk. Mir stand der Sinn nach Nam, der teuren Gespielin meiner Abende, plötzlich und unerwartet trat mein „Goldstück“ wieder in mein Leben. Kaum war ich mit ihr in meinem Zimmer angekommen, klopfte es an der Tür, es war Nam, die ihren besten Kunden vermisste. Was denn nun? Plötzlich bewarben sich zwei tolle Frauen gleichzeitig um meine Gunst. Die Damen kamen ins Gespräch, Nam gab sich als mein Shorttime zu erkennen, Nuk pochte auf ältere Rechte. Wehmütig ließ ich Nam ziehen, leider kam es zu keinem flotten Dreier. Alle Männer sind Schweine, arme Schweine wenn das Geld nur für eine Frau reicht. Nuk wollte bei mir bleiben, kostete ohne jeden Zuschlag nur 500 pro Tag, das konnte ich mir leisten. Nuk vermutete einen einheimischen Geliebten den Nam finanzierte, Sie trug jeden Tag dieselbe  Kleidung, gab vermutlich ihr Geld für junge Männer aus. Eine Vermutung aber: „Nichts ist unmöglich“. Toyota. Nuk trug mein Gold, Nam trug die grüne Cordhose in der ich Sie kannte, was machte Sie falsch? Jeder lebt sein Leben auf seine Weise, was machte ich eigentlich falsch? Es gibt kein richtiges Leben im falschen, aber viele stecken im falschen Körper. Zwei Männer: Der eine „Hast du auch manchmal das Gefühl du steckst im falschen Körper?“ Der andere „Ja aber ich ziehe ihn dann auch sofort wieder raus“. Ich steckte oft im richtigen Körper aber ich konnte es mir nicht leisten. Für reiche Männer ist es normal eine teure Geliebte zu haben, bei armen Ehemännern reicht es nur für Frau und Kinder. Warum kaufte ich Gold, warum zahlte ich die Überpreise der teuersten Bars, warum übte ich Selbstbetrug statt Selbstbefriedigung, wie wollte ich Frieden finden wenn ich all mein Geld in die Abhängigkeit von Frauen investierte anstatt es für mein Alter zurückzulegen?

                                                                                                                    FAMILIE

Marcel Proust hatte auf der Suche nach der verlorenen Zeit nicht die Zeit gefunden dort zu suchen wo wir heute fündig werden. Auf der Suche nach Zeit sucht der moderne Mensch nach einem Fenster, nicht „Das Fenster zum Hof“ von Hitchcock, er sucht ein „Zeitfenster“, sollte sich aber nie zu weit hinauslehnen wenn er es gefunden hat, die Öffnungszeiten von Zeitfenstern sind oft kürzer als ein Shorttime. Nuk hatte bei all ihren Verpflichtungen ein Zeitfenster für mich geöffnet; „Die Fenster auf die Herzen auf“. Mit einem geschlossenen Fenster kann man keine offenen Türen einrennen. Chinesisches Sprichwort. Nur wer es sich leisten kann, kann Widerstand leisten, ich leistete keinen wenn er wieder stand. Auch in Zeiten von Leibeigenschaft und Willkür gab es Widerstand, viele Väter machten dem Fürsten das Recht der ersten Nacht streitig und beanspruchten es für sich. Ich leistete keinen Widerstand, war wieder in festen Händen, Nuk war zur rechten Zeit gekommen um mich vor weiteren Dummheiten zu bewahren. Bei geöffnetem Fenster war bald ihre ganze Familie ausgeflogen, wie die Vögel von Hitchcock besetzten sie das Dach meines Hotels wo der Pool in der Sonne glitzerte und wir mit den Wellen spielten. Sichtlich stolz auf seine schöne Tochter, lehnte der Vater im „Sonntagsanzug“ an der Brüstung, während die Frucht seiner Lenden im blauen Wasser Kühlung suchte. Es gab kaum Schatten in luftiger Höhe, wohin mit der Familie; Mutter Schwester Oma und den drei Kindern meiner Geliebten. Thailänder hassen die Sonne und lieben das Essen, ein schattiges Plätzchen im Restaurant ihrer Wahl lockerte die angespannte Stimmung auf. Familienbande banden Nuk an ihre Familie, ich war froh als ich die Bande los war. Die drei Kinder kamen mit der Schwester zu uns, ein Sonntag am Meer, ich erlebte Nuk als Mutter, eine Rolle in der ich Sie nicht kannte. Böse Zungen behaupteten es gäbe den Ehemann und Vater der Kinder, er würde sich im Hintergrund versteckt halten. „Ich weiß dass ich nichts weiß“. Zitat. „Wissen ist Macht“, nichts wissen macht nichts. Was war Ihre Familie für mich, ein ungeliebtes Anhängsel. Was war ich für Ihre Familie, ein Goldjunge, ein Fremder der die Tochter mit Schmuck behängte wie ein Ehemann den Christbaum zum Fest der Liebe. Für die Thailänder ist der Farang ein Geschenk des Himmels, er fällt buchstäblich vom Himmel, direkt in ihre Hände, ist weich wie Wachs, lässt sich in jede Form kneten und ausbeuten. Er kauft und bezahlt alles was im Angebot ist. Die Familie heißt jeden willkommen, sie ist so flexibel wie die „Männer mordende Tochter“, mit offenen Armen empfangen die Armen die „Reichen“, die sie respektieren und verachten, jedoch niemals lieben. Die Ehe ist eine Zweckgemeinschaft, jeder benutzt den Partner für seine Zwecke, wie sollte es bei einer Verbindung ohne Bindung anders sein. Der Zweck heiligt die Mittel, den Thailändern ist jedes Mittel recht. Bei aller gebotenen Vorsicht sind sie mir jedoch lieber als religiöse Eiferer, welche die Frau nicht als Einkommensquelle nutzen. Einmal mehr bewunderte ich Nuk, wenn Sie mir die immer heitere Therapeutin, ihren Kindern die treu sorgende Mutter, ihren Eltern die tüchtige Tochter und weitere Rollen spielte. Ich gönnte ihr die unbeschwerten Aufenthalte in Berlin, Sie hatte sich diese Ferien redlich verdient. Sie war ein Opfer der Umstände, eine starke Frau die sich keine Schwächen leisten konnte. Geld und Gold gab Sie an die Familie weiter, hier gab es weder Kindergeld noch Kranken oder Altersversicherung, nur Armut und Kampf ums Überleben. Nuk war hübsch aber nicht mehr jung, der Zahn der Zeit hatte schon ein Zeitfenster reserviert. Noch spielten wir unsere Rollen in „Die Schöne und das Biest“, ich war der verbiesterte arme Rentner in der Maske des reichen Ungeheuers, dem der Vater die schöne liebreizende Tochter als Opferlamm zugeführt hatte, wohl wissend dass „Sexueller Missbrauch“ das Schweigen der Lämmer missbrauchen würde. Heute schreien alle Lämmer: ME TOO und zeigen mit dem Finger auf die verdammten Biester, so werden die schönsten Märchen der Welt zu Schauergeschichten aus der Welt des Missbrauchs. Noch trug Nuk meine Goldgeschenke zur Schau, noch konnten wir ungestraft Kaffee im Luxus der teuren Hotels trinken, umgeben von Touristen der Oberschicht die dort für teures Geld wohnten und uns misstrauisch beäugten. Damals konnten sich arme Sextouristen noch solchen Selbstbetrug leisten, heute ist ein Kaffee hier nicht mehr bezahlbar, jedes Getränk kostet 500, alkoholische Getränke 1000 Baht. Es muss einen deutlich sichtbaren Unterschied zwischen den Klassen geben, Fabrikarbeiter und Postboten haben in den Oasen der Höhergestellten nichts zu suchen außer das weite. Der fliegende Schwanz soll in billigen Einzelzimmern mit Doppelbett und Straßenbars mit Doppelkorn bleiben, für ihn und seine mit Gold behängte Nutte ersetzen die Preise das Hausverbot.

                                                                                                                      FREUD  UND  NEID

Der kleine Mann fliegt in fremde Länder, kauft junge Frauen, beklagt die Geldgier ihrer Familie und ist selbst zerfressen vom Neid auf Fünf Sterne Gäste, die ihn um seine sexuelle Freiheit beneiden weil ihnen die Ehefrau im Nacken sitzt. Der Neid eine der sieben Todsünden, auch bekannt als: „Die glorreichen Sieben“, ist Mittelpunkt der „Neiddebatte“ in der man mit dem Recht des Stärkeren den Armen das Recht auf Neid absprechen will. Ein Kunstsammler der Millionen Euro für einen Picasso bezahlt, wird von Millionen Menschen nicht beneidet, weil sie Picasso gar nicht mögen. Der Mut zur Armut ist der Besitz der Besitzlosen. Viele haben keine Wand frei um ein Gemälde zu hängen, weil sie auf der Straße leben. Sigmund Freud hatte die Frauen um den Penisneid beneidet, der bald zu einer Domäne eifersüchtiger Männer wurde, die einander um das bessere Stück beneideten. Das berüchtigte „starke Stück“ war nicht immer so erfolgreich wie sein Ruf, kleinere Formate hatten oft die bessere Mundpropaganda. Am meisten beneidet der an Weib und Kind gekettete den fliegenden Penis um seine unbegrenzte Freiheit. Ob frei oder unfrei, jeder Penis besitzt ein Denkvermögen, er kann sich in jede Situation, jede Vagina hineindenken. Das Hirn, zum Denken ungeeignet versucht sich vergeblich in dieser Disziplin, so übernimmt der Penis häufig die schwere Aufgabe und steuert das schwankende Schiff durch die Klippen. Schwanzgesteuert bewegen sich die Männer durch die Stadt der Frauen, Sie sagen wo es lang geht dann stimmt die Richtung. Vielen werden alle Wünsche erfüllt, andere blicken neiderfüllt, am Abend sind die Bars überfüllt und die Männer abgefüllt. Wenn über ihrem Hotel die fünf Sterne leuchten schlendern gut betuchte Ehepaare durch schlecht beleuchtete Rotlichtgassen in denen Angebot und Nachfrage den Verkehr regeln wie die Ampel an der Kreuzung. Neben vielen Bars stehen Tische mit Billardkugeln die wie Barmädchen jederzeit gestoßen werden können. Manche sehen in der Billardkugel den Stein des Anstoßes und neiden den Mädchen das Stoßgebet. Hier ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, hier wird verliebt verlobt verheiratet geschieden, im Schnelldurchlauf angeboten, Scheide und Scheidung liegen nah beieinander. Argwöhnisch belauert die Ehefrau das Verhalten ihres Angetrauten, der neidisch das unzüchtige Geschehen an den Bars beobachtet und seinem Penis das Denken verbietet. Hilflos versucht das überforderte Hirn den Gefangenen unter Kontrolle zu halten, während dieser seinem Wunschdenken ausgeliefert ist. Wenn ein gefangener einem freien Penis die Freiheit neidet spricht man heute von Penisneid, der in dieser Form die Neiddebatte erneut anheizen wird weil die gefangene Mehrheit nun unbefangen „Mehr Zeit für Neid“ fordert. Auch der weit verbreitete Neid der Besitzenden auf die Freiheit der Armen muss hier in einem neuen Licht gesehen werden. Nuk hatte mich verlassen, wollte zur Familie und den Kindern, es gab keine weiteren gemeinsamen Pläne, ein jegliches hat seine Zeit. Ich blieb allein machte mich unabhängig von den „Verpflichtungen“ eines Sextouristen, schrieb lange Briefe an meinen engen Freund Bodo, sie waren der Beginn einer großen Leidenschaft. Das Schreiben wurde mir zum Zwang, ich berichtete über jede Kleinigkeit, jedes Erlebnis, hielt mich aber für zu unbegabt um Bücher zu schreiben. Ich war eine Leseratte gewesen, hatte ganze Bibliotheken leer gelesen, kannte alle großen Schriftsteller und bewunderte sie. Niemals hätte ich gewagt es ihnen gleich zu tun, ich war ungebildet, mein Deutsch war ungenügend, meine „Schreibe“ war unkontrolliert, ich schrieb wie mir der Schnabel gewachsen war, wem sollte ich das zumuten? Aber ich begann Gedichte zu schreiben, keine unverdaulichen Kunstwerke, zu denen man eine Gebrauchsanweisung benötigt, meine Vorbilder waren Ringelnatz Tucholsky Kästner Morgenstern usw. Hier glaubte ich anknüpfen zu können, Kleinkunst die meiner Fantasie Raum bot ohne hohe künstlerische Ansprüche zu stellen.

                                                                                                                              BLOW  JOB

 Langsam vollzog sich ein Wechsel, immer mehr Mädchen sprangen auf den Zug der Zeit, der in den Tunnel ihrer Mundhöhle glitt, wo ihn eine ungeübte Zunge vorsichtig abtastete. Wer früher, um die überstrapazierte Vagina zu entlasten, den Rest mit der Hand bewältigt hatte, lebte nun von der Hand in den Mund. Handarbeit war kein Gütesiegel sondern ein Armutszeugnis; „Alles mit deine Hände“ ( Tucholsky ). Es gab sogar Liebesdienerinnen die sich selbst als Fachkraft für einen guten Handjob bezeichneten. Ich für meinen Teil benötige für einen Handjob keine ausgebildete Fachkraft, ich verfüge über eine Naturbegabung die es mir ermöglicht die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und durch Reibung Wärme zu erzeugen. Am Ende einer solchen „Handlung“ wurde mir regelmäßig so warm ums Herz wie dem Ehemann in der Regel, ein Notbehelf der aus der Not eine Tugend machte wenn die Gattin noch keine mündliche Prüfung abgelegt hatte. Fortschrittliche Liebesdienerinnen wurden wegen ihrer Mundfertigkeit beneidet, sie machten den Kunden mit dem Mund fertig, „ich habe fertig“. Sie rissen das Geschäft an sich und konnten den Mund nicht voll genug bekommen, einigen war sogar anal banal. Jeder Ladyboy beobachtete mit Argwohn das Öffnen von Öffnungen die bisher ihnen vorbehalten waren, echte Frauen entwickelten sich zur echten Gefahr für eine echte Minderheit. Der Ladyboy ist kein Mann in Frauenkleidern sondern eine Frau im falschen Körper, bei ihr fühlt sich der Penis weder benachteiligt noch bevormundet, ihr ist jede Größe angenehm; „Es passt schon“, wie der Bayer sagt. Hier gibt es kein ungeschicktes hantieren, keine oralen Fehlleistungen oder Ermüdungserscheinungen, der Dienst am Kunden endet mit dem Brechreiz und der Entladung des malträtierten Gliedes, vorzeitiger Abbruch ist echten Frauen vorbehalten welche die Vagina noch immer für unersetzlich und die Onanie für eine primitive Ersatzhandlung minderbemittelter Männer halten. Nicht nur junge Mädchen, auch viele reife Frauen sind noch immer unmündig und lauschen mit zusammengepressten Lippen den Berichten von der Öffnung der Mundöffnung.  So schamhaft Sie ihre Scham unter dem Handtuch verbargen wenn es im Hotelzimmer des Kunden ernst werden sollte, so schamlos sangen Sie an ihrer Bar einen vulgären Text wenn: „We will rock you“ ertönte; „We will we will fuck you“ grölte ein Frauenchor und ließ zart besaitete Männer erröten. Leere Versprechungen ohne jeden sittlichen Ernst, Lust an der Provokation, lautstarke Ankündigung unbeabsichtigter Erfüllung. Neiderfüllt lauschte der glücklos suchende Mann den „Gute Nacht Geschichten“ derer die eine gute Nacht gehabt hatten. „Männer fordern ihre Rechte, niemals wieder schlechte Nächte“. Aber es gibt ihn, den guten Service, „Nur kein Neid“. Wieder versuchte ich mein Glück in einer teuren A gogo Bar bei einem wenig schönen Gesicht oberhalb einer Traumfigur die für den Bikini erfunden worden war. Ein göttlicher Bildhauer hatte hier eine lebende Skulptur geschaffen, zu schade für das Halbdunkel eines erotischen Bierschuppens in der Stadt der Sünde, zu schön für ein pandemiewürdiges Gesicht ohne Maske. Man kann nicht alles haben, zudem ist Schönheit vergänglich, ich wollte diesen Körper besitzen, ihn durchdringen mit all meiner Manneskraft, was scherte mich das Gesicht der Unbekannten. Ich wollte mein Gesicht nicht verlieren und hielt mein Versprechen am nächsten Abend um ihre Hand anzuhalten, die heute schon ein anderer Kunde in der Hand hielt. Ich hatte es in der Hand, ich hätte mein Versprechen brechen und ohne Experimente zechen können, vom Bier war ich noch nie enttäuscht worden. Mit unguten Gefühlen wagte ich den Schritt ins Abenteuer, teuer aber ohne jede Garantie für guten Service. Das Land des Lächelns erstarb auf ihrem Gesicht im selben Augenblick als ich die 500 Baht Auslöse bezahlt hatte, jemand hatte den Schalter umgelegt, das Lächeln abgeschaltet, das Geschäft war eingeleitet, der Kunde zahlungswillig, Freundlichkeiten konnte man sich sparen. Den Bikini-Body in enge Kleider gehüllt erschien sie an meinem Tisch, im Pick up Taxi ging es zu meinem Hotel, es lag im Norden, die Strecke erschien ihr zu lang; „Long way to Shorttime“, Zeit ist Geld. Sie plünderte, wie es üblich ist meinen Kühlschrank, trank Coke, knabberte Nüsse, sah fern, klopfte schließlich mit der flachen Hand das Bett auf dem sie saß, so fordert man Hunde auf. Ich verneinte, wies auf den Spiegel, vor dem ich mir einen Blow Job erwartete. „Ach du willst gar nicht bumsen? fragte Sie, merkwürdige Frage, ich dachte an ein Vorspiel mit vaginaler Fortsetzung. Sie war nackt, ich wollte uns beide im Spiegel sehen; „Der Schöne und das Biest“. Ich hatte die Regeln vergessen; Auf der Bühne konnte man nackt tanzen, im Hotelzimmer musste man sich schamhaft verhüllen. Sie hüllte sich in ein großes Badetuch, verbarg den wunderschönen Körper mit den spitzen Titten vor meinen gierigen Blicken und betrog mich um den teuer bezahlten Anblick. Bis zum Hals in trockenen Tüchern kniete Sie vor mir, öffnete den Mund und tat so als ob. Sie machte den Job ausgesprochen schlecht, mit einem Ladyboy wäre das nicht passiert. Nach wenigen Sekunden gab Sie Ihn frei und machte einen ungeschickten Hand Job, rubbelte mit harten Händen, führte Ihn kurz zu Munde um dann ganz von Ihm abzulassen. Ihr Unterkiefer war verrenkt, Sie bewegte ihn wie unter Schmerzen hin und her, benötigte offensichtlich einen Kieferchirurgen. Ich deutete eine vaginale Ersatzhandlung an und stieß auf empörte Ablehnung; „Nein, dafür ist Er zu groß“. Nach zwei ungeeigneten Öffnungen wagte ich nicht die anale Variante vorzuschlagen, auch hier wäre ich mit einem Ladyboy besser gefahren. Was lehrt uns das? Männer sind die besseren Frauen, Sie geben sich mehr Mühe die Rolle echt auszufüllen.

                                                                                                                        GEDICHTE

Meine sechs Monate waren abgelaufen, mein Geld war ausgegeben,   Ende April flog ich in den deutschen Sommer um Geld zu sparen für den Winter in Thailand. Hier fand ich dann erneut ein Zeitfenster zu dem ich das Geld hinauswerfen konnte welches sich durch das umdrehen von Pfennigen angesammelt hatte. Der Durst nach Bier war in Berlin mit den billigsten Sorten von Aldi zu stillen, wer nach Liebe hungerte, den trieb der Trieb in die Ferne. Ferne Länder, exotische Frauen, ein erfülltes Sexualleben, die Gaumenfreuden der thailändischen Küche, alles zu volkstümlichen Preisen, ein Tummelplatz für die Großmannssucht des kleinen Mannes. Trotzdem galt auch hier der alte Spruch meiner Großmutter: „Für wenig Geld gibt’s wenig Kuchen“. Kurzum, wer sechs Monate Kuchen wollte benötigte mehr „Kleingeld“ als ein Drei Wochen Urlauber. Hier saß ich nun, ein kleiner Rentner mit hohen Ansprüchen, auf Heimaturlaub. Ein Kämpfer an der Sexfront, ein Soldat der sein Bajonett wieder und wieder in den Unterleib des Gegners rammte, ohne die geringste Chance den Krieg zu gewinnen. Meine Heimat war die Heimat eines Heimatlosen, ich war ein Wanderer zwischen den Welten; „In der Fremde sind wir Fremde, in der Heimat sind wir fremd“. Meine Heimat war von Fremden überlaufen, ich war zum Feind übergelaufen, hatte mich den asiatischen Amazonen ergeben gegen deren weibliche Waffen mein aufgepflanztes Bajonett ein Kinderspielzeug war. Jeder Stoß war das verzweifelte Aufbegehren eines von kampfbereiten Frauen umzingelten Machos, dessen Angriffe ins Leere gingen. Ein Freund vermittelte mir die Bekanntschaft eines Verlegers der deutsche Bücher und Zeitungen in Pattaya vertrieb, er wollte ein Buch mit meinen Gedichten herausgeben, druckte einige in seinen Zeitungen ab. Viel Geld war damit nicht zu machen aber meine Eitelkeit war geweckt. In Berlin angekommen begann ich weitere Gedichte zu schreiben und träumte von einem Buch. Ich wollte kein Geld, ich wollte nicht berühmt werden, ich wollte meinen Namen auf einem Buch lesen, ich wollte Künstler sein. In Berlin blühte der Flieder der deutsche Sommer erhitzte die Gemüter, man stöhnte unter der „Tropenhitze“. Ich verbrachte die Tage auf dem Sonnendach der City Sauna, zog meine Bahnen im warmen Wasser des Pools, hatte gute Gespräche mit meinen Freunden. Hier lernte ich Udo kennen, ein Lehrer dem ich meine Gedichte zeigte, der mir Mut machte weiter zu schreiben. Er war kein „Oberlehrer“ der mich belehrte oder meine mangelhafte Schulbildung zur Sprache brachte, er war ein guter Mensch im besten Sinne, wir wurden enge Freunde. In meiner Kindheit waren Lehrer oft meine Feinde gewesen, ich war kein guter Schüler und die Prügelstrafe war kein guter Lehrmeister gewesen. Ich war erwachsen, ein lernbegieriger Autodidakt der sich die Literatur zum Freund gemacht hatte, ich war belesen und konnte bei vielen Themen mitreden, aus der grauen Maus war ein schillernder Schmetterling geworden. Ich schmetterte meine Pointen wie Tennisbälle über das Netz, ein Entertainer der es nicht auf die Bühne geschafft hatte. An den Wochenenden ging ich mit Bodo dem Tänzer zum Essen in verschiedene Restaurants, Er begutachtete meine Gedichte und bewunderte meine Briefe, Er war es der mir deutlich machte wie gut ich zu schreiben vermochte. Wir redeten ohne Pause, zwei fanatische Kunstliebhaber, Theater und Filmenthusiasten, mein inniger Jugendfreund war wieder in Berlin. Noch immer schickte er monatlich Geld an seinen Macho, den er bei der ersten Reise kennen und lieben gelernt hatte, in einigen Wochen würden wir erneut zusammen nach Thailand fliegen.

                                                                                                                        NERVENGIFT

Wir flogen mit Finn Air über Helsinki und landeten wohlbehalten in Bangkok. Bodo liebte mein Hotel wo ich mein eigenes Zimmer hatte, ich zahlte die Miete für ein ganzes Jahr voraus, hatte eigene Möbel und ein großes Fernsehgerät gekauft, verfügte über eine „Zweitwohnung“ in Pattaya wo ich dank billiger Preise und günstiger Wechselkurse den reichen Mann spielte. Wir waren zwei arme Rentner ohne jeden Besitz, hatten weder ein eigenes Haus noch einen Wagen, während der Liebhaber von Bodo in einem schweren SUV vorfuhr den er seinem Liebeskasper verdankte. Den erfolgreichen Sexobjekten geht es oft besser als den edlen Spendern, eine verkehrte Welt basierend auf trügerischen Gefühlen, die sogenannte „Liebe“ machts möglich. Bodo war Wachs in den Händen seines Ausbeuters, ich hatte Schuldgefühle wenn ich das gekaufte Glück meines Freundes sah, es war der Fehler meines Lebens gewesen ihn hier her zu schleppen und den Löwen als Futter vorzuwerfen. Ich war selbst das Opfer meiner Torheiten, aber es war mein Leben, nicht das meines Freundes. Ich sprach meinen Verleger präsentierte ihm die neuesten Gedichte, er lehnte bedauernd ab, es würde kein Buch geben. Die Russen kommen! Russische Touristen überschwemmten Thailand und Pattaya, plötzlich gab es überall russische Speisekarten, alle Geschäfte stellten sich auf die neuen Eroberer ein aber es kamen immer weniger Deutsche. Mein Verleger bot deutsche Schriften an, seine Umsätze gingen zurück, ein Gedichtband lohnte sich nicht mehr. Ich wollte das Buch auf eigene Kosten drucken lassen, nur hundert Exemplare für meine Freunde, Er meinte tausend wären auch nicht viel teurer, mit meiner Beteiligung würden seine Mitarbeiter das Buch fertigstellen. Gesagt getan, seine Leute kamen oft in mein Hotel, ich musste Korrektur lesen, das Buch wurde bebildert, ich zahlte ihm 1.000 DM die ich prompt verlor weil er in Scheidung lebte, aus Angst vor seiner Frau den Laden dicht machte und untertauchte. Meine Gedichte waren regelmäßig in seiner Zeitung erschienen, ein Buch hat es nie gegeben. Bodo tingelte in Berlin an kleinen Kabarettbühnen, Kunst geht nach Brot, und flog nach drei Wochen wieder heim. Genug des bösen Spiels vom armen „reichen“ Kunden der im SUV zum Airport gefahren wurde. Zum Abschied gab das Opfer seinem Sexobjekt alles Geld, es kam von Herzen. Es kam zum Desaster als er am Schalter erfuhr dass seine Maschine bereits am vergangenen Tag um 0:25 in aller Frühe abgeflogen war. Diese Uhrzeit wurde später von den Airlines mit dem Hinweis: Check in um 23: Uhr am Tag davor, versehen. Dieses Versehen war schon vielen Passagieren zum Verhängnis geworden. Der nächste Flieger ging 24 Stunden später, man buchte meinen Freund um und er verbrachte die ganze Zeit ohne Geld am Airport. Ein böses Ende und ein böses Omen, er war zu arm und zu alt um noch einmal nach Thailand zu fliegen, er war zu verliebt um seine monatlichen Zahlungen einzustellen. Darüber darf man sich nicht lustig machen, es ist tragisch was die sogenannte Liebe den Menschen antut. Die Liebe, egal auf welchem Boden sie wächst, ist ähnlich dem Alkohol ein schweres Nervengift das nicht unter das Betäubungsmittel-Gesetz fällt, es wird kostenlos per Luftpost von einem gewissen Amor verbreitet dessen Pfeile immer ins schwarze treffen, wo sie enorme Schäden anrichten. Man wird ohne eigenes Zutun „angefixt“ und leidet fortgesetzt an schweren Vergiftungserscheinungen. Das vom Pfeil getroffene Opfer verfällt der Sucht, kann ohne die tägliche Dosis nicht mehr leben, stürzt sich in Schulden, verliert jeden Bezug zur Realität. Eine Heilung erscheint nur durch Heirat und Ehe möglich, die Methode ist teuer aber wirksam, die Liebe stirbt ab, der Patient ist geheilt.

                                                                                                                              SCHULD  UND  STRAFE – HIMMEL  UND  HÖLLE

In Schweden ist der Verkauf von Liebe verboten, bestraft werden aber nicht die Anbieter sondern die Kunden. Egal, Hauptsache es wird bestraft. Es sollte viel mehr Verbote und viel mehr Strafen geben, man sollte alles verbieten was für den Bürger unzumutbar ist, erlaubt sollten nur lebenswichtige Regungen wie Gier Habsucht Hass Neid und Niedertracht sein, alles andere entspricht nicht der Natur des Menschen. Begriffe wie Mitleid Nächstenliebe Respekt und Gerechtigkeit sind Einflüsterungen von Religion und Verdummungs-Industrie, hier hat der Nürnberger Trichter ganze Arbeit geleistet, ein Zwitterwesen geschaffen das durch Verleugnung der eigenen Natur verkrüppelt wurde. Der moderne Mensch ist zerbissen von Gewissensbissen, der Bissen bleibt ihm im Halse stecken wenn er tote Tiere zu Munde führt. Weltliteratur wird umgeschrieben weil Negerkönige Zigeunerschnitzel essen, der Roman: „Venus im Pelz“ heißt nun: „Venus im Kunstpelz“. Man hat Ihm ein „Gewissen“ eingeredet, Ihn zum Sünder und Schuldigen gestempelt, zerknirscht windet Er sich am Boden, erdrückt von der Last der Vorwürfe die Ihn zum Bewacher seiner selbst machen. Merke: „Es gibt keine Schuld, es gibt nur Schuldzuweisungen und Schuldgefühle“. Jede natürliche menschliche Regung wird dem Teufel angedichtet, einer Kunstfigur des religiösen Kabaretts, eine Art „Hellboy“ des Mittelalters, dem man mit: „Go to hell“ einen erloschenen Vulkan zugewiesen hatte, der später sogenannten „Sündern“ als bezahlbarer Wohnraum diente. Die Hölle ist heute mit teuren Eigentumswohnungen zugepflastert, sie dienen als Spekulationsobjekt gut betuchten Tuchhändlern bei denen alles in trockenen Tüchern ist. Man hat dem Viertel einen nostalgischen Namen: „Heaven in the Hell“ gegeben. Höllenqualen erleiden nur Wohnungssuchende die weder Himmel noch Hölle bezahlen können. Wer kein Geld für Miete hat kann sich gern ein eigenes Haus kaufen, ein erfolgreiches Modell aus Amerika weist hier neue Wege. Die Hölle war ein Unrechtsstaat der seinen Bürgern Feuer unterm Arsch machte, was wiederum die Propaganda der Lügenpresse befeuerte. Die massenhafte „Republikflucht“ der Höllenbürger in das gelobte Land des real existierenden Kapitalismus brachte nun allen den Himmel auf Erden. Vergessen war „Der rote Zar“ und seine Vasallen in den Zweigstellen der Hölle, vergessen die Stasi, der Bananenmangel und die billigen Mieten, es war ja nicht alles schlecht. Viele Höllenbürger himmelten den Himmel an und hielten die BRD für einen „Platz des himmlischen Friedens“ andere fühlten sich verraten und verkauft weil man ihnen Ramsch verkauft und die Hölle verramscht hatte. „Hölle wo ist dein Sieg“. Nach der friedlichen Auflösung der Hölle, unter der Parole: „Wir sind die Sünder“, nannte man die ungebetenen Zuwanderer nur noch „Höllies“ und zahlte ihnen weniger Lohn. Vor der Erfindung des Höllenfeuers war es leichter eine Frau als ein Feuer anzumachen, heute befeuert jede Anmache die ME TO – Bewegung und das Feuer ist eröffnet. Ab heute wird zurückgeschossen. Ich will jetzt nicht der Vermummung das Wort reden; „Keine Chance dem Mummenschanz“. Aber ist nicht jedes aufreizende Kleidungsstück eine sexuelle Belästigung für den Mann. Ich hasse Zwang, wurde jedoch mein Leben lang durch Abbildungen halb nackter Frauen zur Onanie gezwungen. Hiermit fordere ich alle Männer, die jemals durch freizügige Darstellungen zu gesundheitsschädlichen Handlungen am eigenen Leib genötigt wurden, dies unverzüglich dem „Amt für neue Sittsamkeit“ zu melden, eine Einrichtung die im Zuge der Neuen Normalität geschaffen wurde. Ein Paradoxon das eben dieses Amt die Onanie als „Liebe ohne Maske“ dem Volkskörper nahe legt. Bei herkömmlicher Ausübung von Sexualität sollte bevorzugt der Mann die Frau von hinten angehen um die Gefahr des „Face to Face“ zu minimieren. Gleichberechtigten Frauen wird die Nutzung eines Dildo empfohlen, der ihnen den männlichen Part ermöglicht.

                                                                                                                         SCHÜTTELREIME

Enttäuschende Erlebnisse mit lustlosen Prostituierten verleideten mir den Betrieb mit dem Trieb und trieben mich hinaus in andere Länder. „Andere Länder andere Sitten andere Frauen andere Titten“. Ein Sextourist aus Östereich brachte es auf den Punkt als er das Verhalten der Barmädchen in Prozenten beschrieb, wenn sie dem Kunden die Bereitschaft zur erwarteten Dienstleistung vorgaukelten. Jeden Abend nahm er Urlaub von der Ehe und ließ seine Frau allein im Hotel zurück, eine der wenigen Ehefrauen die ihrem Mann den unbändigen Trieb und seine Befriedigung gestatten, den „Hund“ an langer Leine laufen lassen. Sie gehörte nicht zu den Verblendeten, die ihr Leben lang einer Utopie anhängen und dem Gatten einen Keuschheitsgürtel anlegen. Männer müssen den Gürtel enger schnallen wenn sie vor dem Altar ja und Amen gesagt haben, „Gesagt ist gesagt“. Einmal fragte ich die Ehefrau indiskret nach den Aktivitäten ihres Mannes, sie antwortete milde mit einer Gegenfrage: „Soll ich ihn mal fragen?“ Jeden Abend bestieg unser Mann sein Motorbike, suchte die Bars nach einer Begleiterin ab, er hatte seine Erfahrungen erfahren und nannte mir das Ergebnis: An der Bar 100 %  auf dem Motorrad 50 %  im Hotel 0 %. Ein frei laufender läufiger Hund ist oft ein armer Hund. Nicht jede Schnalle eignet sich als Erfüllungsgehilfe unerfüllter Eheträume, nicht jedes Luder lässt sich pudern. „Wenn ich auch zu den Ludern passe, glaub nicht dass ich mich pudern lasse“. Weitere Schüttelreime passen nicht hierher aber es juckt mich in den Fingern sie aufzuschreiben; DER SAFT DER SAGE, Siegfried trank mit Hagen Saft, und sprach, der schmeckt ja sagenhaft. RITUALE DER WILDHEIT, Die Wölfe an dem Pudel rissen, er sollte mit dem Rudel pissen. Vieles gehört nicht hierher, ich schreibe alles nieder was mir in den Sinn kommt, besonders gern den Unsinn, der ist mir von allen Sinnen der liebste. Der Liebste meiner Ehefrau hatte meinem Leben einen neuen Sinn gegeben, „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, Sie hatte sich neu verliebt, ich hatte ein neues Leben begonnen; „Wenn du mit ihr am Ende bist, versuch es mal als Sextourist“. Während Sie sich in die Tristesse der Geliebten eines verheirateten Mannes begab, begab ich mich in die unbegrenzte sexuelle Freiheit. „Der Weg ins Freie“ mit Christina Söderbaum. Wer ist denn das? Nie gehört. Das ist der Generationenkonflikt;  Die Alten kennen nur unbekannte Filmstars. Es kommt noch schlimmer, wir kennen überhaupt keine alten Rockstars, weil es zu unserer Zeit gar keinen Rock gab. Wir hingen an Mutters Rock und hörten Zarah Leander, die Generation der Leandertaler. Ich bin hoffnungslos von gestern, das bemerkte ich heute Morgen als ich in den Spiegel sah. „Spieglein Spieglein an der Wand, ich fliege in ein andres Land“.

                                                                                                                          PHILIPPINES

An den unzähligen Bars von Pattaya wird Bier getrunken und geflirtet, in der Soi 6 geht es um Sex, hier hört man weniger Klagen, es geht schneller zur Sache. Leider war der schnelle Sex nie meine Sache gewesen, ich kannte die Straße der Sünde nur vom Hörensagen. Ausgerechnet hier bot ein Reisebüro Trips zu den Philippinen an, man warb unverblümt mit billigeren Preisen für Bier und Mädchen, alle sprachen Englisch, alle waren katholisch, ein gelobtes Land. Ich buchte eine Woche Angeles City, ein wesentlich kleineres Pattaya für Arme. In meinem Hotel in der Soi 8 wohnte ein Typ den ich aus Berlin kannte, er war mit einer Thai verheiratet, wir hatten uns beim Spaziergang am Wannsee getroffen als ich mit Nuk unterwegs war. Seine Frau weilte in ihrem Dorf, er war allein in Pattaya und nutzte es aus, auch einer ohne Keuschheitsgürtel. Als er von meinen Plänen hörte schloss er sich spontan an und buchte ebenfalls eine Woche Angeles. Ich dachte es wäre besser zu zweit ein neues Land zu entdecken und hatte nichts dagegen. Er entpuppte sich aber gleich nach der Landung in Manila als Nervensäge. Die Firma Wagmann betrieb zwei Hotels, eines in Manila das zweite in Angeles, zwischen den beiden Häusern verkehrte eine Buslinie, wegen Flugverspätung verpassten wir den Bus nach Angeles. Eine Übernachtung kostete 50 Dollar, eine Taxe etwas weniger, mein Begleiter weigerte sich seinen Anteil zu zahlen, er hatte inclusive Transfer bezahlt, die neue Situation interessierte ihn nicht. Ich war erbost, übernahm die Taxe und bat ihn zu schweigen. Er quatschte munter weiter von seinem Recht auf Transfer und kostete mich meine letzten Nerven, ein unerträglicher Typ. Die Nacht brach an, wir fuhren zwei Stunden durch die Dunkelheit und erreichten um 23:00 Uhr das Wagmann-Hotel in Angeles. Im Restaurant konnte ich endlich beim Bier entspannen und wurde sofort von einer Kellnerin umworben die mit mir ins Bett wollte. Am nächsten Tag entdeckte ich die hoffnungslose Tristesse von Angeles City, einer Stadt ohne Höhepunkte, es gab nur eine Straße in der das Rotlicht regierte, hier waren die Bars geschlossene Läden mit Türstehern, es gab keine offenen Straßenbars wie in Pattaya. Drinnen tanzten die Mädchen im Bikini auf dem Laufsteg, sie waren nicht besonders hübsch und interessierten sich nicht für einen alten Mann wie mich, ich bereute die Reise. Und doch erwischte ich am ersten Abend ein kleines Sofapüppchen mit tiefer Stimme und schlanker Taille, nicht blutjung aber eine hübsche Frau. Das Glück war mir hold und im Bett ging die Post ab wie lange nicht mehr. Von Shorttime war keine Rede, Sie blieb über Nacht und ich nahm mein Frühstück an der Seite einer schönen Frau. Der Berliner belästigte uns kurz, ich war froh als er ging. Verliebt turtelte ich mit meiner Eroberung und versprach Sie am Abend wieder zu holen. Die triste Stadt wurde ein wenig schöner, die Liebe vernebelte meinen Blick. Am Abend war die Freude groß, Sie hatte mich erwartet, ich war gekommen. In der Nacht zuvor war ich auch gekommen aber nicht ins Kondom, das hatte Sie mir vor Geilheit vom Glied gezogen, Sie wollte mich richtig fühlen. Bodenloser Leichtsinn, ich verstand die Welt nicht mehr. Offenbar nahm Sie die Pille, nahm aber das Kondom nicht ernst. Es gab noch kein Aids, sie liebte Ihn ohne „Regenmantel“. Aber auch Sie hatte noch nie einen Penis geküsst, ihr genügte der vaginale Kontakt, ihr jungfräulicher Mund begnügte sich mit meiner Zunge.  In ihrer Bar steppte der Bär, die Lautsprecher machten ihrem Namen alle Ehre, auch wir mussten laut sprechen wenn wir; „I love you“ sagten. Sie war hübsch, Sie war kleinwüchsig und schlank, Sie liebte mich, ich war glücklich. „Glück und Glas, wie leicht bricht das“. Im Hotel gab es einen Streit, es schien als wolle Sie sich verweigern, wie ich das nur zu gut von Pattaya kannte, das beruhte aber auf einem Missverständnis. Sie war sofort beleidigt, zog sich an und ging. Ich kannte Sie noch nicht, ihre Flucht war mir unverständlich, mein Glück lag in Scherben, ich gab auf und flog zurück nach Bangkok. In Pattaya schrieb ich ihr einen Brief weil ich Sie nicht vergessen konnte, Sie antwortete und bat mich zu kommen. Verliebte Leute machen dumme Sachen, in Büchern und Filmen verfolgt man aufgeregt die Irrwege der Liebenden bis zum Happy End, Ende gut alles gut. Ich flog nach Manila, schaffte den Bus nach Angeles und wir lagen uns in den Armen. Sie wollte bei mir bleiben, ich musste Sie freikaufen. Ich zahlte einige hundert DM an den Besitzer ihrer Bar, in der wir anschließend, im Kreise ihrer Freundinnen den Kauf feierten. „Augen auf beim Frauenkauf“, ich kannte meine neue Liebe noch nicht, aber ich erfuhr während der Feier dass Sie zum weglaufen tendierte, ihre beste Freundin mahnte Sie, diesmal nicht davonzulaufen. Wir liebten uns ohne Kondom, für mein Steiftier war es wie nackt baden in verbotenen Gewässern, ich fühlte Sie, Sie fühlte mich, wir hatten unsere Orgasmen zur gleichen Zeit, einer schrie lauter als der andere, eigentlich sollte die Überschrift: „Schreie der Lust“ heißen. Das macht Lust auf die Philippinen zu reisen, oder?

                                                                                                                SCHREIE  DER  LUST

Wenn Sunny schrie hielt ich mich für jung, Männer sind dankbar wenn Frauen danke sagen. Ich war 60, sah aber jünger aus, Sunny war 29, auch Sie sah jünger aus. Es ist ja bekannt dass viele Frauen ältere Männer lieben, die haben mehr Geld und sind dankbarer als jugendliche Schönlinge, denen aber auch Sunny nicht abgeneigt war. Damit war sie nicht allein, viele Barmädchen besuchten wenn ein Zeitfenster offen stand ein Etablissement in dem gut gebaute Männer auf dem Laufsteg tanzten und kauften sich dort einen Macho-Dancer. Sie bezahlten junge Männer die sich verkauften mit dem Geld alter Männer denen sie sich verkauft hatten, ihre Lustschreie bewiesen dass das Geld nicht zum Fenster hinausgeworfen war. All das schreit zum Himmel, doch der stellt sich taub. Von Zeit zu Zeit musste Sunny sich um ihr Kind kümmern, Sie hatte keine Schwangerschaftstreifen auf den flachen Bauch aber einen kleinen Jungen den ihre Schwester beaufsichtigte. Mädchen haben Träume, Frauen haben Kinder und keine Träume mehr. Wieder eine meiner unbewiesenen Behauptungen, wir glauben zu wissen, wissen aber nicht woran wir glauben sollen. Gleichwohl glaubte ich den aus der Not geborenen Notlügen meiner Geliebten und schenkte ihr mein Vertrauen. Natürlich schenkte ich ihr auch viel Geld um das Kind zu ernähren und die Miete zu bezahlen. Das Geld war ihr wichtiger als mein Vertrauen denn sie war katholisch und vertraute auf Gott. Täglich fuhr sie mit der Sammeltaxe hinunter nach Downtown um in der Kirche die versprochenen Kerzen zu spenden. Die Taxen waren bunt geschmückt und trugen die Aufschrift: „Jesus liebt dich“. Da waren wir schon zwei, denn ich liebte Sie auch. Auch ihr Ehemann, Sie war ja verheiratet, hatte Sie geliebt, ihr kleiner Sohn war ein Kind der Liebe, doch die ist bekanntlich vergänglich, der Musiker war dem Überangebot musikliebender Frauen zum Opfer gefallen. Er lebte und liebte in Angeles, während ich seine Frau liebte. „Was schert mich Weib was schert mich Kind, sie sollen betteln wenn sie hungrig sind“ (scherzhaft als preiswerter Haarschnitt innerhalb der Familie bezeichnet, Kalauer.) Sunny musste nicht betteln, sie war ja eine Frau bei der die Männer um Liebe bettelten, sie lehnte es ab sich einen Macho-Dancer zu kaufen, für dieses merkwürdige Hobby hatte Sie kein Geld übrig, Sie verachtete dieses Verhalten, fand es erniedrigend für einen Mann zu zahlen. Ich fand es erniedrigend für eine Frau zu zahlen, war jedoch den Gesetzen des Marktes ausgeliefert. Männer und Frauen sind Teil der asozialen Marktwirtschaft, bei jungen Frauen ist der Marktwert höher als bei älteren mit Verfallsdatum. Männer stellen die zahlende Kundschaft, ältere müssen höhere Preise zahlen. Schreie der Lust sind nicht im Preis inbegriffen, viele Frauen finden ihren Job nicht lustig. Sunny hatte einen finanziellen und einen Lustgewinn wenn mein nacktes Glied sich eingliederte,“ Welcome to  Heaven on Earth“. Ein Aufenthalt im Himmel stellt immer nur einen Kurzurlaub dar, deshalb die Sehnsucht der Menschen, nach dem Tode für immer dort Urlaub zu machen. Vorerst begnügt man sich mit der kurzen Variante und freut sich auf den nächsten Urlaub. Der Penis erkundet den Himmel als Vorhut, die Vorhaut wird dabei gänzlich zurückgezogen und kommt erst zurück wenn der Eindringling zurückgezogen wird. Wenn Sunny schrie hörte ich die Engel im Himmel singen, im günstigsten Fall wird der Schrei den Höhepunkt der Zeugung darstellen, die mit dem ersten Schrei des Neugeborenen ihre Vollendung feiert, ein Schrei der Unlust, das Neugeborene ahnt dass jetzt der Ärger losgeht.

                                                                                                                   DAS  WEGLAUFEN

Auf los geht’s los, für viele hoffnungslos, die wenigsten werden mit goldenem Löffel im Mund geboren, der Blechlöffel den sie am Ende ihrer Tage abzugeben haben bleibt ihnen oft im Halse stecken wenn das Schicksal ihnen die Kehle abschnürt. „Denn die Verhältnisse, die sind nicht so“ Brecht. Sunny war ein Opfer der Verhältnisse, als Kind musste sie arbeiten, durfte nicht zur Schule gehen, wurde wenig geliebt und viel geschlagen. Im Alter von 12 Jahren ging sie nach Manila, arbeitete im Haushalt, wurde misshandelt und vom Hausherrn vergewaltigt. Sie floh, irrte hungrig durch die Millionenstadt, eine mitleidige Frau nahm sich ihrer an, ihre Schwestern holten Sie nach Angeles City und sorgten für Sie. Hier gab es amerikanische Soldaten, einen Flughafen und ein Nachtleben. Die Schwestern lebten mit Amerikanern zusammen, Sunny war noch zu jung für diesen Strohhalm. Wie viele junge Mädchen träumte Sie von einer Zukunft als Sängerin, verfügte sogar über Stimme und Talent, Sie sang unermüdlich Karaoke, lernte einen Musiker kennen der Sie im Alter von 16 Jahren schwängerte. Ihre Schwestern missbilligten die Verbindung mit einem Filipino, drängten aber, der Kirche und der Leute wegen zur Heirat. Damit war das Schicksal des armen Mädchens besiegelt, Sie heiratete den Musiker, der einer brotlosen Kunst huldigte, es gab zu wenig bezahlte Auftritte. Wer arbeiten will, muss ins Ausland, viele begabte Musiker spielen in Bangkok und Pattaya. Sie stand mit ihm auf der Bühne, sang in seiner Band und bekam jedes Jahr ein weiteres Kind. „Mit 17 hat man noch Träume“, mit Kindern ist der Traum aus. Man lebte in Armut, Sie war Hausfrau und Mutter, ihr Mann schlief mit der neuen Sängerin, die er sogar mit nach Haus brachte. Mit ihr trat er ein Engagement im Ausland an, Sunny sang vor ihren fünf Kindern. Als der Pinatubo ausbrach lebte Sie mit ihnen in der Nähe des Vulkans, war schwer erkrankt und dem Tode nahe. Während dunkle Wolken den Tag zur Nacht machten und der schwarze Regen Dächer zum Einsturz brachte, kämpfte die junge Mutter mittellos und ohne ärztliche Hilfe um ihr Leben. Sie versprach  täglich Kerzen zu spenden, im Falle ihrer Rettung. Ihre Gebete wurden erhört, den Kindern blieb die Mutter erhalten, das Elend ging weiter. Sunny war eine zierliche kleinwüchsige Frau mit einem starken Willen, eine Kämpfernatur, wenn nicht Sängerin, wäre Sie gern Polizist oder Soldat, am liebsten wohl ein Mann geworden, nicht verwunderlich bei ihrem Schicksal. Sie legte ein männliches Auftreten an den Tag, eine kampfbereite Amazone, bereit es mit jedem aufzunehmen. Aber das Kind war bereits in den Brunnen gefallen, die Kinder waren ihr in den Schoss gefallen, Sie kämpfte gegen Windmühlen, befand sich im Räderwerk der Mühlen des Schicksals wie Chaplin in: „Moderne Zeiten“. Einem Naturgesetz zum Opfer gefallen; „Sex macht schwanger, Sex ernährt die Brut“. Ich bin ein bekennender Gegner des Sex, er macht die Menschen zu Sklaven, unglückliche Wesen, Männer wie Frauen, er führt zu Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Überbevölkerung und Hungersnot. Die Abschaffung der Sexualität würde mit einem Schlage die meisten Probleme lösen und die Menschheit von einer Knechtschaft befreien in der sie seit dem Sündenfall schmachtet. Sunnys hübsches Gesicht war gezeichnet von den Spuren ihres Leidensweges, der zierliche Körper war der eines jungen Mädchens, ihr Antlitz war verhärmt und ließ Sie älter erscheinen. Teenager nässen angeblich ein wenn sie Sänger anhimmeln, auch Sunnys Ehemann hatte den Zulauf um den Künstler beneidet werden. Musik ist der Schlüssel zum Herzen der Frauen, so führte der wiederholte Ehebruch zum Bruch der Ehe und Sunny lief davon. Sie ließ die Kinder wo sie waren und verschwand. Es dauerte Wochen ehe der Ehemann ihr Versteck fand und Sie zurückholte. Das Weglaufen vor Problemen ersetzt hier häufig Aussprache und Klärung, Sunny machte es zu ihrer Waffe, der einzigen die Sie hatte. Sie tat etwas was die meisten Mütter weder ihren Kindern noch ihrem Herzen zumuten wollen. Soviel über das Weglaufen auf den Philippinen, aber auch bei uns sollte es dringend eine Frauenhaus-Versicherung geben, es könnten auch Wohnraumspekulanten enteignet werden, der Staat sollte nicht nur die Ehe sondern Mütter und Kinder schützen. „Jeder Mann ist jedes Kindes Vater“ hat eine berühmte Feministin gesagt. Der Staat braucht Kinder; Arbeiter Polizisten Soldaten nötiger als Spekulanten, der Schutz sollte in der richtigen Reihenfolge erfolgen. Spekulanten und leer stehende Wohnungen sind der Durchlauferhitzer der Volksseele, ein Staat der das Vegetieren unter Brücken toleriert weil dort selbst Wohnungslose ein Dach über dem Kopf haben, erfüllt seine Pflichten schlecht, er sollte auch seinen Bürgern keine Pflichten (Wehrpflicht) auferlegen. Sunny hatte mir nur von einem Kind gesprochen, musste dann aber mit der Wahrheit herausrücken, ich kaufte eine Waschmaschine und ein Fernsehgerät, betrat erstmalig die Bruchbude in der Sie mit vier Kindern hauste, das fünfte Kind lebte bei der Schwiegermutter. Freudig begrüßte die Kinderschar den neuen Freund der Mutter, ein Wohltäter der ihnen die bunten Bilder des TV ins Haus brachte. Die Bude war dunkel, überall hing Wäsche, es roch nach Urin, die Parteien wohnten dicht an dicht in je einem Zimmer, kein Ort für eine Home-Story in „Schöner Wohnen“. Wenn irgendetwas schief lief, lief Sunny davon, zu ihren Freundinnen in der Bar oder zu ihren Kindern im Armenviertel. Oft wusste ich nicht was schief gelaufen war aber es dauerte mindestens drei Tage ehe Sie zu mir zurück kam. Wenn etwas mit den Kindern schief lief schlug Sie mit harten Gegenständen auf sie ein, Sie war als Kind geschlagen worden und gab es an ihre Kinder weiter bis ihr der Zusammenhang bewusst wurde. Von da an lief Sie weg ohne die Kinder zu schlagen. Hätte Sie mich geschlagen, wäre ich weggelaufen, das wusste Sie, also lief Sie weg. Oft kam Sie nach einigen Tagen weinend zurück, hatte Angst gehabt mich zu verlieren, war aber machtlos gegen das Weglaufen. Laut meiner Bibel: „Grundformen der Angst“ ist der depressive Charakter am besten für eine Partnerschaft dieser Art geeignet, ich war bemüht ihre innere Not zu verstehen (Frauenversteher) und akzeptierte ihr Verhalten als krankhaftes Kindheitstrauma. Der Depressive versteht den Leidenden weil er selbst leidet. Das Weglaufen gehörte zu unserer Beziehung, ich wusste nicht wann Sie weg lief aber ich wusste dass Sie wiederkam. Sie wusste dass ich wiederkam wenn ich für ein paar Monate nach Deutschland flog, ich wusste nicht bei welchem Mann Sie kam ehe ich wiederkam. Immerhin kam ich inzwischen oral, Sie hatte in meiner Abwesenheit ihre Scheu überwunden und einen guten Lehrmeister gehabt. Merke: Wenn ein Sextourist die feste Freundin betrügt wird sie rasend vor Eifersucht, umgekehrt geht sie nur ihrem Beruf nach und bildet sich weiter.

                                                                                                              MÄNNER  UND  FRAUEN

„Man kann mit einer Frau nicht von Mann zu Mann reden“, Mann bemüht sich die Frauen zu verstehen aber sie sprechen eine andere Sprache. Überall kann man Englisch und Französisch lernen, „Weiblich“ wird kaum angeboten. Zu meiner Freundin Silvia sagte ich; „Ich gebe mir alle Mühe mich in die Frauen hinein zu versetzen aber ich war noch nie selbst eine Frau“. Sie tröstete mich mit den Worten; „Im nächsten Leben“. Mein Vater hatte keinen Mutterwitz, den brachte meine Mutter in die Ehe ein, er ist meine Muttersprache. Wortspiele sind Kleinkunst, die ich als großartig empfinde, jeder der mit Sprache arbeitet oder spielt, tut es so gut er kann. Alles ist wertvoll, auch die billigen Witze sind mir lieb und teuer, den brüllenden Lacher mitleidig belächeln, hebt das Selbstwertgefühl. Als ich jung war schickte ich meine pubertären Schreibversuche an den Schriftsteller Hans Reimann, dessen Wortspiele mich begeisterten; „Selbstverständlich passt die Faust aufs Auge, sehen sie hier, er holte aus und schlug seinem Gegenüber die Faust aufs Auge“. Reimann war ein Schelm, ich liebte seine Bücher, er war jedoch kein Hermann Hesse, an dessen Brust sich der Leser ausweinen konnte. Hilfe suchende Menschen die von Gott keine Antwort erhalten, wenden sich oft an den Schriftsteller ihrer Wahl, hat er doch in seinen Werken bewiesen dass er den Durchblick hat. Hesse beantwortete jeden Brief in selbstloser Güte, dazu hatte Reimann keine Zeit, ich erhielt keine Antwort. Jahre später, nach seinem Schlaganfall schickte seine Frau meine Machwerke zurück, sie hatte Mitleid mit den Lesern ihres Mannes, die es ihm gleich tun wollten. Der Schreibzwang ist eine Manie wie der Waschzwang, eine Art Gehirnwäsche die man sich selbst antut, nach dem Verkaufs-Motto: „Alles muss raus!“ Ich tobte mich in meinen Briefen aus und hatte in Bodo einen dankbaren Leser, der mir auch ein Talent zum Schreiben bescheinigte. Bodo war introvertiert und Menschenscheu, meine Briefe aus Thailand waren eine willkommene Abwechslung in seinem abgeschotteten Rentnerdasein. Natürlich interessierten ihn meine Weibergeschichten nicht wirklich, meine Halbwelt war nicht seine Welt. Als ich ihn da hinein zog lief er in sein Unglück, meine Briefe waren nur Unterhaltung nicht Warnung gewesen.

                                                                                                        GLOBALISIERUNG

„Arme wird es immer geben, sie bereichern unser Leben“. Dunkelhäutige Frauen nähen weiße Hemden für weiße alte Männer, ein malerisches Bild wenn geschickte dunkle Hände den weißen Stoff unter der flinken Nadel hindurch bewegen, der Motor seinen Techno-Beat hämmert als würde man mit Stoff im Kopf in einem Club nach Art der Untoten die Kunst des Tanzes persiflieren. Hier tanzen schlanke Finger über den Stoff, die nach der Pfeife des Vorarbeiters tanzen. In den Köpfen der jungen Frauen tanzen die Gedanken, sie träumen von einem besseren Leben, „Der Stoff aus dem die Träume sind“. Die Schönheit der Arbeit bleibt ihnen verborgen, sie verleugnen die Magie des Augenblicks zugunsten einer Traumwelt die nicht von dieser Welt ist. Von Malern wie Adolf Menzel in prächtige Bilder gesetzt, von Dichtern in Liedern besungen, wurde die Arbeit vom Dünkel des Unsichtbaren befreit und ihre Schönheit auch denen vermittelt die nichts damit zu tun hatten. Heute weiß jeder dass Arbeit adelt, man rückte jedoch von der Behauptung ab dass sie frei mache. Gleichwohl ist Freiheit die Grundlage der freien Marktwirtschaft, jeder hat die Freiheit seine Haut zu Markte zu tragen. Überhöhte Forderungen der Gewerkschaften schafften ein Klima der Beschaffungskriminalität, jeder beschaffte sich die Löhne die er wollte. Das wollte sich kein Unternehmer bieten lassen, man begann die Produktion auszulagern. Stoffe wurden nach Übersee verschifft und kamen als Hemden zurück. Dieses hin und her führte später zu einem weiteren hin und her, zu dem billige Arbeitskräfte ohne Produktion von Waren benötigt wurden. Wenn Handarbeit zu einsam, der Dienst am Kunden zu teuer ist, beginnt auch der Arbeitnehmer bei der Betrachtung seiner Bedürfnisse global zu denken. Hier wurde der Markt um ein weiteres Angebot erweitert, die Dienstleistung in den Vordergrund gerückt, nicht nur Produktion, auch Prostitution sollte den Kunden befriedigen. „Ein bisschen Frieden“. Deutsches Liedgut. „Gehe hin in Frieden“ dabei sollte es doch „Komme raus in Frieden“ heißen. Was immer dabei raus kommt, man freut sich wenn man kommt. Die Prostituierte freut sich wenn man schnell kommt, wer schnell kommt kann gerne wiederkommen, wer gar nicht kommt, kommt uns nicht mehr ins Haus. Ein Kunde der nicht kommt ist eine Quälerei für sich und andere, wer macht schon gern Überstunden? „Hab Dank für die Stunden die ich heut bei dir gefunden“. Deutsches Liedgut. Der Beruf der Prostituierten hat einen schlechten Ruf, folgt sie doch dem Ruf des Geldes. Hier stoßen wir auf zwei Triebfedern die das Stoßen anstoßen, die Gier nach Sex und die Gier nach Geld gehen hier eine unselige Allianz ein welche auch die Allianz nicht versichert. Es gibt keine Versicherung für einen Verkehrsunfall dieser Art; Wenn eine Frau aus dem Bett fällt, bei dem Versuch einem Kind auszuweichen. Sunny nahm inzwischen die Pille, ein bisschen spät nach fünf Kindern. Sie wollte mich heiraten, es störte Sie nicht dass Sie noch verheiratet war, das könne man mit Beamtenbestechung regeln, meinte Sie. Selbst der edelste Gutmensch kann keine Frau mit fünf Kindern heiraten, es war gut so wie es war, ihre Lustschreie waren echt und oral war normal. Ich tauschte meine DM zu einem guten Kurs in Peso und konnte meine kleine Großfamilie gut ernähren, Sunny musste kein Geld an die Eltern schicken, wie es in Thailand üblich ist, mein Geld reichte, ich konnte alle Verpflichtungen bezahlen. In Deutschland hielt ich mich kaum noch auf, wir lebten wie ein Ehepaar. Das Leben in Angeles war trist, es gab wenig Höhepunkte, allerdings sehr gute Musiker und Sänger in den Clubs die wir besuchten. Ein Visum für Deutschland wurde ohne Angabe von Gründen abgelehnt, wahrscheinlich aus gutem Grund. Man muss dem Schicksal dankbar sein wenn eine Behörde das Schlimmste verhindert. Die Tristesse von Angeles wollte ich nicht endlos ertragen, wir beantragten ein Visum für Thailand, es wurde erteilt. Für die Kinder plus Kindermädchen musste Geld deponiert werden, die Mutter flog mit Daddy Pieter für drei Monate nach Thailand. So dachten wir, aber es kam anders. Am Airport in Manila gaben wir unser Gepäck auf und schritten zu Passkontrolle. Der Beamte verweigerte ihr die Ausreise, fragte mich wohin ich mein Opfer verschleppen wollte; Sie können reisen, die Frau nicht. Wir protestierten, Pass und Visum waren in Ordnung, unser Gepäck aufgegeben, er schickte uns zu seinem Vorgesetzten, der hinter der Absperrung stand. Der reagierte grob, meinte aber Sunny könne ausreisen. Zurück zum Beamten, der wollte das vom Vorgesetzten schriftlich, der weigerte sich. Wir befanden uns hinter der Absperrung, Sunny meinte wir sollten einfach weitergehen.

                                                                                                                     SUNNY  IN  PATTAYA

Sunny war nicht so ängstlich wie ich, für Sie war ein Mann ein Gegner, ein Polizist nur ein bestechlicher Beamter, Sie war ein „Soldat“, zum kämpfen geboren, das hatte Sie in meinem Hotel bewiesen als es zu einem handfesten Streit mit meinem Zimmernachbarn gekommen war. Der Mann war ein Ire, sauf und rauflustig, ich hatte ihn mir zum Feind gemacht als ich sein TV zu laut fand. Ein paar Tage später stand er betrunken am Eingang als wir heim kamen, beschimpfte erst mich dann Sunny, folgte uns, klopfte an meine Tür, ich öffnete und hatte direkt seine Faust im Gesicht, die Nase blutete. Sunny suchte nach einem Knüppel, eine Eisenstange wäre ihr recht gewesen um dem Angreifer die Knie zu zertrümmern, eine Furie, Mordlust in den Augen. Im Kühlschrank fand sie eine Flasche Coca Cola, das war keine geeignete Waffe im Kampf David gegen Goliath, Sie war ein Zwerg gegen einen Riesen, auch mit einem Regenschirm schlug Sie ins Leere. Seine Freundin zog ihn ins Zimmer, Sunny wollte Geld von mir um die Polizei zu holen, tatsächlich wollte Sie eine Gruppe von Schlägern holen, die den irren Iren fertig machen sollten. Statt Ordnungsmacht und Unterwelt kam der Manager des Hotels, wir bekamen ein anderes Zimmer und mussten für diese Nacht nicht zahlen. Gegen den Faustkämpfer wurde nichts unternommen, er war Stammgast mit Daueraufenthalt und hohen Umsätzen an der Hotelbar. Sunny drohte; wenn der uns noch einmal belästigt, verlässt er die Philippinen nicht lebend. Wir verließen die Philippinen lebend und flogen in ein neues Leben. Ich hatte Angst man könne uns in letzter Minute aus dem Flieger holen, aber so wichtig war unsere Ausreise dann doch nicht. Jeder Mensch liebt seine Heimat, egal wie erbärmlich sein Leben dort ist. Die Bürger der DDR liebten ihre Heimat, der Staat war unvollkommen und überholungsbedürftig aber sie nannten ihn liebevoll; „Unsere Republik“. Sunny war bettelarm, Sie besaß nichts als die Liebe zur Heimat. Thailand war anders aber nicht besser, das konnte ihr Stolz nicht zulassen. Wenn im Rotlicht von Bangkok und Pattaya nackt getanzt wurde fand Sie das empörend, ohne zu wissen dass vor ihrer Zeit auch in Manila und Angeles nackt getanzt wurde. Um Nahrung bettelnde Mönche waren in ihren Augen arbeitsscheue Schmarotzer. Der berüchtigte Diktator Marcos war ein guter Mann gewesen weil unter seiner Herrschaft Milch und Reis subventioniert waren. In Deutschland ist alles subventioniert aber nur für Zuwanderer, dort sagt keiner liebevoll; „Unsere Republik“. Sunny würde sofort Kindergeld bekommen, das wollte Sie gar nicht glauben. Das würde Marcos weit übertreffen, Merkel ist besser als Marcos, trotzdem schreien alle; Merkel muss weg! Marcos ist weg aber das macht die Welt auch nicht besser, der größte Feind des Menschen ist der Mensch, und der bleibt. Sunny lernte mein Hotel kennen, ich dem mich jeder kannte, seit Jahren saß ich nach dem Schwimmen dort an meinem Frühstückstisch und schrieb Briefe an Bodo, jeder Gast kannte mich nur als „The Writer“, alle dachten ich schreibe an einem Buch, aber die Zeit war dafür noch nicht reif. Als reifer Mann von 78 Jahren machte ich mich an diese Aufgabe, als ich gestrandet in Thailand fest hing und die Geißel der Pandemie unser Leben um neue Erfahrungen bereicherte. „Viren wird es immer geben, sie bereichern unser Leben“. So reich wie diesmal wurden wir vom Schicksal noch nie beschenkt, aber ich schweife ab. Sunny war eifersüchtig auf jeden, jeder Mitarbeiter, jeder Gast, jeder alte Freund war ihr Feind, ihr Verhalten war krankhaft und führte auch hier zu den bekannten Überreaktionen, Sie lief weg. Sie war fremd im Land, wohin wollte Sie gehen? Sie wollte nicht, Sie musste gehen, egal wohin. Zum Glück kam Sie am Abend zurück, lief nach Öffnung der Tür wortlos auf den Balkon und lieferte sich den Moskitos aus. Mücken und Menschen sind Blutsverwandte, jeder spendet freiwillig für den guten Zweck, der Mensch hat zu viel, die Mücke zu wenig, sie ist nicht der Feind des Menschen, sie sucht nur Nahrung. So sah es schon Buddha als er die leere Mücke in seine Lehre aufnahm. Jede volle Mücke ergibt einen unschönen Blutfleck wenn sie ermordet wird, fast alle Menschen haben Blut an den Händen. Buddha hätte nie eine Mücke gegessen, weder blutig noch well done. Sunny holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank, verschwand erneut um hinter den Vorhängen ihren Gedanken nachzuhängen. Was denkt ein kranker Mensch, der sich in der Fremde seiner einzigen Waffe beraubt sieht, wohin soll er laufen wenn er wegläuft? Sunny legte sich ins Bett und zog die Decke über den Kopf, Sie war weg. Am nächsten Tag begann ihre Frühschicht, Sie lief weg, das Ritual dauerte an. Später erfuhr ich, Sie wollte am Strand schlafen um nicht heim kommen zu müssen. Ich warnte Sie; Man wird deinen Goldschmuck stehlen und dich vergewaltigen, du darfst mich ignorieren aber dein Bett steht hier. Sie war zwar dumm, aber so dumm denn doch nicht. Ein armes Ding, es tat mir in der Seele weh sie leiden zu sehen. Der Depressive versteht die Leiden anderer weil er selbst leidet. Nach drei Tagen normalisierte sich ihr Verhalten und wir kämpften gemeinsam gegen unsere Dämonen. Schwer nachzuvollziehen waren ihre Eifersuchtsszenen wegen derer ich verlassen wurde, Sie jedoch Kontakt suchende Männer nicht abwies. Es kam wohl zu keinen „Geschäften“ aber Sie tat, was Sie mir zum Vorwurf machte. Mit einem Freund aus Berlin besuchten wir ein A gogo Bar, Sunny wollte scheinbar Eindrücke sammeln und sich über Nackttänzerinnen aufregen. Das war die Ausnahme, die Polizei hatte eine offene Hand für solche Fälle. Ich tat was man dort tut, schaute mir die Mädchen an und wurde sofort von meiner Liebsten beschimpft, die alsbald zur Waffe griff und davon lief. Während ich verlassen mit meinem Freund am Wong Amat Strand lagerte, ließ meine empörte Sunny sich auf der Beach Road von Farangs ansprechen, die Sie für freischaffend hielten. Merke: Männer sind Schweine, Frauen sind unschuldig.

                                                                                                                        MISSBRAUCH

Ich arbeite ehrenamtlich für ein Müttergenesungswerk, missbrauche aber zur Befriedigung meiner niederen Instinkte das Vertrauen der mir anvertrauten Mütter, die ich dann sexuell missbrauche. Die Globalisierung hat dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, Männer brauchen den Missbrauch, keine Miss ist vor diesem Brauch sicher. Einerseits überliefertes Brauchtum, andererseits Belästigung und Übergriff auf die Persönlichkeitsrechte der Frau. „Nein ist nein!“ diese Sprache versteht im Tierleben jedes Männchen und lässt das Weibchen in Ruhe. Hier ist noch der natürliche Respekt vor dem anderen Geschlecht erhalten geblieben, der beim Menschen verloren gegangen ist. Hinzu kommen ekelhafte Sexualpraktiken, die von den Tieren mit:“Typisch Mensch“ kommentiert werden. Hier geht der Erfindergeist des Menschen häufig weit über das Notwendige hinaus. Abartige Spielereien, völlig unnötig für die Fortpflanzung der Art, werden den Weibchen von dominanten Männchen zugemutet, beim sogenannten Blow Job ist der einzige Reiz der Brechreiz. Wenn der überwunden ist wird er jedoch vom Weibchen als Bereicherung seiner Möglichkeiten wahrgenommen: „ Von neuen Schuhen bekomme ich immer Blasen. Antwort: Bei mir genau umgekehrt, vom Blasen bekomme ich immer neue Schuhe“. Die 69 ist eine magische Zahl, wenn man sie zu „Eins und Eins sind Zwei“ hinzu rechnet ergeben sich neue Höhepunkte menschlichen Zusammenlebens. Missbrauch und Missachtung gehen Hand in Hand, wer Menschen missachtet achtet nicht auf den Schaden den er anrichtet, schon das Sprichwort sagt: „Durch Schaden wird man klug“. Das Opfer wird also durch jede Missachtung klüger, während Versicherungen ärmer werden. Wer die Warnung vor Alkoholmissbrauch missachtet fügt ihnen schweren Schaden zu, durch den auch sie zwangsläufig klüger werden. Wer Alkohol missbraucht ist oft zum Missbrauch von Frauen nicht mehr fähig, das befähigt die Prostituierte zur Abfertigung mehrerer Kunden. Sie missbraucht das Alkohol-Koma des einen zur Befriedigung des anderen, missachtet die Hilflosigkeit des Betäubten und kassiert für eine vorgetäuschte Dienstleistung. Der Dienst am Kunden wird häufig durch eine Missachtung des Kunden ersetzt, ein Produkt des Überangebots von Kunden. Seit Jahren reisen aus aller Herren Länder Herren an, denen ein Wurm in der Hose hängt, der seinen Träumen nachhängt. Bei den Damen des Gewerbes entsteht dadurch der Eindruck, sie wären für die sexuelle Befriedigung der ganzen Welt verantwortlich. Wer möchte eine solche Verantwortung übernehmen, Überarbeitung und Zusammenbruch sind die Folge. Sie träumen nachts von Geistern in der Gestalt männlicher Geschlechtsorgane, die sich unter weißen Tüchern aufrichten und eine enorme Größe annehmen. Im Arbeitsleben setzt sich die Bedrohung fort, jeder Kunde ist ein Geist der sie mit einem Zauberstab verhexen will, eine psychische Belastung ohnegleichen. Oft missachten die Frauen die schwerwiegenden Folgen ständigen Missbrauchs, die im Extremfall zur unsachgemäßen Amputation des männlichen Gliedes führen kann. Gegen die Fürsorge ihres Staates, der Sie vor der Prostitution im Ausland schützen wollte, hatte ich die junge Mutter der Prostitution im Inland entzogen und Sie nach Thailand, in das berüchtigte Pattaya verschleppt, einer Brutstätte von Unmoral und Sünde, einem Ort hemmungsloser Fleischeslust vor dem sich Veganer in aller Welt bekreuzigen. Ihnen blutet das Herz wenn sie ein blutiges Steak auf dem Teller sehen, sie geben ihr Herzblut für die Utopie des Friedens, sie wollen mit den Tieren in Frieden leben weil sie es mit den Menschen nicht können. Wer über den Tellerrand hinaus sieht, sieht oft das Fleisch der Frau als Nachtisch, ein Dessert von ungeahnter Süße. Die Frau wird nicht als Nahrung aufgenommen, auch wenn man Sie zum Fressen gern hat und der Hunger nach Liebe durch sie gesättigt wird.  Der Genuss von Frauen produziert also kein Übergewicht, nur der finanzielle Aufwand fällt ins Gewicht. Frauen genießen den Genuss den sie Männern bereiten, genüsslich lassen sie sich vom Mann als Naschwerk vernaschen und sind stolz auf ihr Werk. „Naschkatze“ und Pussycat, sind für einander bestimmt. Sunny und ich, wir waren für einander bestimmt, ich naschte an ihrer Katze, Ihr mundete mein Gegenstück. Ein Stück weit verschwand es wie ein Nahrungsmittel, wurde jedoch unversehrt wieder frei gegeben und erneut verschlungen, ein Spiel an dem auch die Zunge Anteil hatte, eine Marter der ich hilflos ausgeliefert war. Mein Marterpfahl erduldete täglich erbarmungslose Misshandlungen dieser Art, der mir innewohnende Masochist verlangte nach immer neuen Vergewaltigungen, oft verschwand er bis zur Gänze in den Abgründen ihres Unterleibs um wie ein Kumpel unter Tage zu schuften. Oft erbrach er sich in der Enge des Stollens, erblickte völlig erschöpft und in Schweiß gebadet das Tageslicht. Im Licht des Tages leuchteten die tropischen Blumen und das üppige Grün der großformatigen Blätter, lebensmüde Libellen „standen“ dicht über der Oberfläche des Wassers, sie riskierten einen feuchten Tod im Pool, schaukelten reglos auf den Wellen wenn sich ihr Schicksal erfüllt hatte. Ich nahm die Sache in die Hand, fischte die Ertrunkenen aus dem Wasser und sprach ein Gebet. Lautlos wiegten sich die Palmen im Wind, flitzten die Eichhörnchen von Balkon zu Balkon, wenn ich meine Bahnen im warmen Wasser des Pools zog. Noch immer erfüllte ich meine selbstgestellte Aufgabe, mein tägliches Schwimmen diente der Erhaltung meiner Beweglichkeit und wirkte der fortschreitenden Verkrümmung der Wirbelsäule entgegen. Sunny war eine gute Schwimmerin aber Sie bevorzugte das Meer, Sie „duldete“ mein Schwimmen im Pool des Hotels wenn ich meine Pflicht ohne Gespräche mit anderen Gästen erfüllte, beobachtete mich jedoch argwöhnisch vom Balkon. Sie war auf jeden eifersüchtig der in meine Nähe kam, jedes „Fehlverhalten“ von mir konnte ein Weglaufen provozieren. Sie war krank, aber das konnte ich ihr nicht sagen, Sie hätte es nicht verstanden. Das Leben mit ihr war eine ständige Geduldsprobe aber ich hing an ihr wie der Süchtige an der Nadel. Ich hatte das „Spießruten laufen“ an den Bars gegen eine feste Beziehung eingetauscht, ich war nicht allein, Sunny war immer bei mir, ich hatte keine Depressionen, aber ich hatte eine psychisch kranke Frau an meiner Seite, die ständig den starken Mann spielen musste.

                                                                                                              SCHULDGEFÜHLE

Auf Frauen fixiert die das Image junger Mädchen unbedacht zur Schau trugen, hatte ich Schuldgefühle und verurteilte mein tun, weil es nicht den Regeln entsprach. Die Regeln regeln das Zusammenleben und schützen die Schutzlosen. Schutzlos waren sie den Übergriffen ihrer Väter ausgeliefert gewesen, die das Recht der ersten Nacht für sich einforderten, während ich den Mutterschutz auf meine Fahnen geschrieben hatte, ich bin der Gute. Jeder Mensch braucht seine Schuld, wie unter Waschzwang wäscht er seine Hände in „Unschuld“, einem teuren aber hoch wirksamen Handwaschmittel, in der Politik unentbehrlich, in jedem Seifenspender vorhanden. Sunny war eine reife Frau mit der Figur eines Teenagers, oft drehte sie sich mit erhobenen Armen vor dem Spiegel und bewunderte ihre tadellose Figur; „Sieh mal wie ich aussehe, kein Mensch glaubt mir meine fünf Kinder“. So glaubte auch eine Touristin, in ihr eine Minderjährige zu sehen als wir an einem Regentag ein fremdes Hotel betraten. Fassungslos schlug sie die Hände vor dem Mund zusammen als wir die Anlage betraten. Sie saß mit zwei Männern im offenen Restaurant, der Regen hatte alle Gäste vertrieben. Zu weit entfernt um das verhärmte Gesicht einer vielfachen Mutter mit leidvoller Vergangenheit zu erkennen, sah sie nur den alten Mann und das „Kind“ an seiner Seite. Blankes Entsetzen spiegelte sich auf ihrem Gesicht, zum ersten mal in ihrem Leben sah sie leibhaftig was sie sonst nur gelesen hatte, ich war der „Leibhaftige“, ein“ Kinderschänder“ der sich in aller Öffentlichkeit mit seinem Opfer zeigte. Sunny war 30, ich war 60, also nur geringfügig älter, das konnte die arme Frau in ihrer Gewissensnot nicht wissen, sollte sie mich gleich anzeigen oder das Ende des tropischen Regens abwarten, der mir womöglich die Schuld vom Leibe wusch. Es gibt Dinge, die wäscht einem kein Regen ab, der Missbrauch von Müttern wird nicht bestraft, alte Männer dürfen gern junge Frauen lieben wenn sie über das nötige Kleingeld verfügen, dennoch klebt ein Hauch von Schuld an ihrem Geschlechtsteil, einem Wurm der sich rücksichtslos über die Grenzen des guten Geschmacks hinwegsetzt und nicht danach fragt ob er ihr schmeckt. Als Philosoph habe ich die Schuld abgeschafft, als Kleinbürger habe ich sie verinnerlicht. Wie andere Leute an Gott glauben, glaube ich an meine Schuld. Nur wer schuldig ist kann von seiner Schuld befreit werden, ohne Schuldbewusstsein kein Sein. „Ich bin schuldig also bin ich“. Es wimmelt von Befreiern, die Religion weist zu und befreit von der Zuweisung, die Psychologie weist nach und arbeitet am Freispruch. Die Schuld lastet auf unseren Schultern wie die Pyramide der Artisten auf dem Untermann. Der Mensch ist ein Untermann, ohne Schuld kommt er nicht nach oben, mit Schuld ist er mitschuldig und geht unter. Die Schuld ist schuld am Untergang der Menschheit, daran will dann keiner schuld gewesen sein. Männer sind schuld wenn jungen Mädchen die Unschuld verloren geht, Frauen sind schuld wenn Männer sich schuldig machen.

                                                                                                   DU  SOLLST  DIR  KEIN  BILD  MACHEN

Im MINI SIAM machte ich Fotos von Sunny wie ich sie vorher von allen anderen Frauen gemacht hatte, Männer sind süchtig Frauen abzubilden, Mädchen halten mit dem Selfie ihre Jugend fest, Mütter nehmen bevorzugt ihre Kinder auf. Der Mann ist Jäger und Sammler, er jagt das Wild und schießt dann unzählige Fotos, die er hortet bis die Liebe erlischt und ein neuer Stern seiner Anziehungskraft erliegt. Er liegt vor ihr am Boden, besteigt eine Leiter, fotografiert und filmt sie bevor er sie besteigt, sucht vor und nachher immer neue Blickwinkel, seine Kamera dringt in jeden Winkel ihres nackten Körpers ein, fixiert ihre Brüste, ein Geschlechtsmerkmal von nur vorübergehender Zweckmäßigkeit als Behälter für Muttermilch. Er schießt Foto um Foto, zermürbt das Weibchen, nötigt es zu immer neuen Posen, raubt ihr die Seele, erinnert sie immer neu an die Vergänglichkeit von Jugend und Schönheit, Attribute die ständig in Auflösung begriffen, Prozesse die unabwendbar und endgültig sind. „Der Zahn der Zeit“, ein berühmtes Gemälde, das kürzlich bei einer Versteigerung Millionen brachte, zeigt eine zahnlose Alte die ihr künstliches Gebiss als Diadem auf dem greisenhaften Haupt trägt, der leere Mund leicht geöffnet, deutet das unergründliche Lächeln einer gealterten Mona Lisa an, ein Lächeln das früher die endlose Reihe fotografierender Männer belächelt hatte. Heute würde man Männer belächeln die in fanatischer Manier alte Frauen aufnehmen würden. Würden Sie Fotos alter Frauen in ihre Sammlung junger Frauen aufnehmen? Im Hier und Heute, bei Sonne und Blitzlicht wurde Bild um Bild belichtet, posierte die junge Mutter vor den Miniaturbauten thailändischer Kultur, den majestätischen Gärten von NONG NOCH und vielen anderen Attraktionen. Natürlich dachte Sie bei allen Urlaubsaktivitäten an ihre Kinder, die daran nicht teilhaben konnten. Sie sah sich als Rabenmutter, die im verachteten Ausland als Hostess arbeiten musste während den Kindern die Mutter fehlte. Ihnen fehlte auch das periodische Weglaufen der Mutter und die Wiedersehensfreude bei ihrer Rückkehr. Nach drei Monaten kehrten wir zurück und jeder kehrte vor seiner Tür. Ein kleines Wortspiel ohne Bedeutung. Sunny bedeutete mir viel, ich bedeutete viel Geld. Das Geld liegt nicht auf der Straße aber der Knüppel liegt beim Hund. Bei der Einreise bemängelte der Beamte das Fehlen des Ausreisestempels, Sunny stellte sich dumm, der Fall war erledigt. Ihre Kinder erhielten Geschenke, bewunderten die Fotos, küssten die Mutter, bedankten sich bei Daddy Pieter, dem „ Retter der Mütter „  dem Wohltäter der Armen. Ein armer Rentner der eine harte Währung und ein weiches Herz hatte. Tief im Herzen trägt der Mensch ein Bild, auf keinem Fotopapier, keinem Dia, keinem Handy gespeichert, mit glühendem Stempel in seine Seele eingebrannt, Triebfeder eines Gefühls, stärker als Liebe und andere Torheiten. Ein Bild, wertvoller als sündhaft teure Gemälde, das an keiner Wand hängt aber jeden Rahmen sprengt; DAS FEINDBILD. Es ist der Wegweiser für den Hass, der unserem Leben Sinn gibt, den viele vergeblich suchen. Wir sind auf der Welt um unsere Feinde zu hassen. „Liebe ist vergänglich, Hass ist lebenslänglich“. Oft fügt das Ende einer Liebe dem Hass ein neues Feindbild hinzu, häufig hasst man die Frau schon vorher weil man sie liebt. Eher krankhaft ist der Selbsthass, ähnlich unbefriedigend wie die Selbstbefriedigung. Wer sich selbst befriedigt hasst die Frauen weil sie ihm das Recht auf natürliche Befriedigung verweigern. Vergewaltigung in der Ehe befeuert den Hass der Ehefrau, es kommt zur Anzeige, die das Ende anzeigt. Wohin mit all den Fotos aus glücklichen Tagen, Zeugnisse einer wunderbaren Liebe, Belege und Beweise für Gefühle die einmal das höchste der Gefühle gewesen waren. Es gibt kein zurück, die Liebe entwickelt sich weiter, am Ende wird sie abgewickelt wie die DDR. Vom Wickelkind bis zur Abwicklung begleiten Fotos unseren Weg, fotografiert der Mann die Neue; „eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Früher wurde jedes Foto entwickelt, heute wird es bearbeitet, verfälscht, geschönt, gedruckt, es gehört zu den Print Medien und lügt wie gedruckt, es hat sich weiterentwickelt. Der Mensch entwickelt sich weiter, der Hass bleibt. Ein Feindbild kann man nicht entsorgen, dafür sorgen die Lügen der Medien und die Wahrheiten der Verschwörungstheorien. Zu den Feindbildern von Sunnys Ehemann gehörten die Schwulen, sie hatten ihm nichts getan aber er hasste und verprügelte sie. Ein braver Hetero, der ein blutjunges Mädchen geschwängert, nach dem fünften Kind im Elend allein gelassen und in die Prostitution getrieben hatte. Sunny muss ihn gehasst haben, er hat ihr den Traum von der Sängerin  und jede Hoffnung für ihr weiteres Leben genommen, verantwortungslos aber nicht schwul und kinderlos. Immer wieder hört man von einer lebensuntüchtigen Minderheit, diese bedauernswerten Menschen können nicht hassen, unverbesserlich hängen sie einem fatalen Irrglauben an, sie glauben an das Gute im Menschen. Sie stehen außerhalb der Gemeinschaft, können den zur Kriegsführung unabdingbaren Hass auf fremde Völker nicht mittragen, behaupten sogar alle Menschen zu lieben, was einer krankhaften Selbstverleugnung gleichkommt. Mit „Liebe deinen Nächsten“ ist immer nur der am nächsten stehende gemeint, niemals der Fremde der in der Fremde bleiben sollte. Diese Traumtänzer unterwandern die auf Hass basierende Volksgemeinschaft, die sich ungeniert im Internet austobt wo der Mensch sein darf was er ist. „Nehmen sie die Menschen wie sie sind, es gibt keine anderen“. Adenauer. Sie sind egoistisch wenn sie lieben, schadenfreudig wenn sie lachen, hinterhältig wenn sie lächeln, grausam wenn sie hassen, bedauernswert wenn sie weinen. Sie tun mir leid wenn sie lieben, hassen und weinen, ich bemühe mich sie zu lieben; „Alles verstehen heißt alles verzeihen“. Ich habe Mitleid mit ihnen, sie sind arm dran. „Besser arm dran als Arm ab“. Möge der Hass auch Triumphe feiern, das Feindbild in BILD erscheinen, ich liebe das Leben und hasse den Hass, „Hasse mal ne Mark?“ Man muss dem Hass mit Liebe begegnen, Hass macht krank.

                                                                                                    DIE  SÜNDEN  DES  FLEISCHES

Heute ist die Sünde des Fleisches eine andere als in früheren Zeiten, wer heute noch Fleisch isst betreibt Unzucht mit der Aufzucht zum Zwecke der Ermordung und Verwertung. Der Mensch schlachtet seine Gegner auf  Schlachtfeldern, seine Tiere in Schlachthäusern, nutzt jedoch nur deren Fleisch. Schlachtfelder sind unproduktiv, Schlachthäuser werden es sein wenn wir dem Ruf folgen; „Vegetarier aller Länder vereinigt euch“. Der Sextourist vereinigt sich mit Frauen aller Länder, warum sollte er sich nicht mit vegetarischen Frauen vereinigen? Sie nehmen das Fleisch des Mannes nicht in den Mund. Noch zerfleischen sich Gegner und Befürworter, noch immer ist der geile Bock der Sündenbock. Häufig wird er zum Gärtner gemacht, der Gemüse anbaut weil er auf Fleisch keinen Bock hat. Nun begab es sich zu der Zeit als christliche Seefahrer das Füllhorn ihrer Religion über den Inseln ausgossen und den Ureinwohnern nahe brachten was ihnen fern lag. Meist ging es um Tauschhandel, man gab die Glaubenslehre und nahm die Bodenschätze. Im dunklen Erdteil wurden Kreuzfahrten angeboten, all inclusive; Essen Trinken Schläge Zwangsarbeit. Halbherzig nahmen die Wilden einige Angebote an, danach war alles nur noch halb so wild. Die Missionare hatten allerlei Sünden im Gepäck, so gelangte auch die Sünde des Fleisches  auf die Philippinen. Früher wurde ohne Kopulationserlaubnis am Partner gearbeitet, erst die Religion brachte die Befreiung von der freien Liebe.  Der Bürgermeister von Manila befreite die Stadt von der Prostitution, die käufliche Liebe wanderte nach Angeles ab, wo sie weiterhin der Kirche ein Dorn im Auge war. Jeder der einmal einen Dorn im Auge hatte, versteht den Abwehrmechanismus, der Körper wehrt sich gegen den Fremdkörper wie der Körper einer Frau gegen einen fremden Eindringling. Eindringlich warnte die Stimme der Kirche vor den Sünden des Fleisches, wie sie in der verrufenen Stadt praktiziert wurden. Jeden Abend lief im Fernsehen die Sendung: „Angeles after dark“, die das unaussprechliche zur Sprache brachte. Diese Kampagnen führten dazu daß Bürgermeister und Polizeichef gemeinsam die Türen einiger Bars mit Brettern vernagelten, Bilder die TV und Presse bereicherten. Wahrscheinlich hatten die Betreiber der Bars nicht genug gezahlt. Nur ein kleiner Teil des schmutzigen Geschäfts war mit Brettern vernagelt, in Angeles wurde weiter genagelt. Ich hatte mit all dem Schmutz nichts zu schaffen, ich besuchte keine Bars, ich sorgte für die Kinder, entlastete den Vater und nagelte seine Frau. Natürlich lebten wir in Sünde; „Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib“. Seine Anweisungen erhält der Mensch immer von oben, in diesem Fall von ganz oben. Von ganz oben kommt auch die Anweisung; „Du sollst nicht töten“, sie soll aber weder in einer Kaserne noch in einem Schlachthaus an der Wand hängen. Oft weiß der Mensch bei allen Anweisungen nicht was er soll und was er nicht soll. Das war in der DDR einfacher, da sollte er einfach sein Soll erfüllen. Fleisch war da kein Thema, es war im Angebot oder nicht. Sunny erfüllte ihr Soll, ihr schmeckte auch mein Fleisch, das tat Sie mit wollüstigem Stöhnen kund, Sie hatte auch die mündliche Prüfung bestanden, oral war normal.

                                                                                               TRAUMREISEN

Wer je im Fernsehen das Traumschiff oder das Traumhotel gesehen hat, hat neben den Pseudoproblemen der vom Schicksal schwer getroffenen Traumreisenden auch Strände und Architektur dieser „Edelsteine in HD“ gesehen und kann sich die Traumwelten vorstellen in denen ich mich überwiegend bewegte. Ich liebe die Sonne, die Blumen, die Palmen, das blendende Licht der Tropen, den Luxus, die überbordenden Buffets der großen Hotels. Ich liebe die Filmkunst, aber auch die Kunst den Kitsch in umwerfend schöne Bilder zu verpacken und habe die meisten „Machwerke“ dieser Art mit Genuss und diebischer Freude am überdrehten Drehbuch gesehen. „Schöner als die Wirklichkeit“ erschienen mir oft die leuchtenden Farben auf dem 65 Zoll-Bildschirm meines Geräts, wo ich sie per Einstellung und Bier verstärken konnte. Während der Arbeit an diesem Buch habe ich das Traumhotel, Malediven gesehen, ein Traum in Türkis, schöner als die Wirklichkeit, wie ich sie zurzeit in einem billigen Hotel in Pattaya erdulde. Natürlich habe ich immer in billigen Hotels gewohnt, Luxus war stets die Ausnahme gewesen. Immer hatte ich Frau und Kinder zu ernähren; „Alle Männer sind aller Kinder Väter“. Zu meinem Glück hatten andere Männer sie gezeugt, ich war immer ein „Daddy Pieter“ mit Zeitvertrag. Mein Vertrag mit Sunny lief weiter, sie lief weiter weg, kam jedoch stets zurück. „Komm zurück, ich warte auf dich denn du bist für mich, all mein Glück“. Deutsches Liedgut. Einmal, Sie blieb länger als drei Tage weg, erlag ich dem Zauber fremder Titten, Instrumente der Verlockung, so schön und jungfräulich wurden sie mir ein einer Bar dargeboten, zum greifen nah, die Trägerin schlank wie ein Modell, wollte mit mir gehen, ihre Augen waren fehlerhaft justiert, ein „Silberblick“, wie man früher sagte. Ich küsste die Wunderschönen Brüste, meine Zunge liebkoste die kleinen harten Warzen, als das liebe Mädel nackt in meinem Bett gastierte und die schmalen Schenkel in die Höhe streckte. Der Augenblick der Wahrheit, wenn der erregte Wurm seinen Weg ins Innere sucht und findet, die Natur über den Menschen triumphiert, der Unterleib des Mannes wie ein programmierter Roboter am vorgelegten Objekt arbeitet bis die Fertigung im Hirn das Mannes explosionsartig endet. Die Kontrahenten lösten sich voneinander, standen unter der Dusche, tranken ein Bier miteinander, ich zahlte den Einfuhrzoll und bedankte mich für die Mitarbeit. Einen Tag später kam Sunny zurück, fand ein intimes Kleidungsstück, welches mein Besuch möglicherweise absichtlich vergessen hatte um unangemeldet wiederzukommen, und lief sofort wieder weg. Merke: Das Weglaufen der Frau ist kein Freibrief für „Ehebruch“ des Mannes. Wir hatten einen ungeschriebenen Vertrag, der mich benachteiligte, aber er bestand weiter. Wenn ich für drei Monate nach Deutschland flog befand sich genug Geld auf dem gemeinsamen Bankkonto in Angeles, würde es reichen oder würde Sunny, wie es üblich war, mich mit anderen Männern betrügen? Ich wusste es nicht, wollte es nicht wissen, das Konto war leer, der Goldschmuck befand sich auf der Pfandleihe wenn ich wiederkam. Dafür war Sunny treu wie Gold gewesen, behauptete Sie und beschuldigte mich des „Ehebruchs“, da es ihrer Meinung nach eine Sexpartnerin in Deutschland geben müsse. Dafür hatte ich in Berlin weder Zeit noch Geld, besuchte täglich die City Sauna, traf dort alle meine Freunde, genoss das Schwimmen bei garantiert 32 Grad Wassertemperatur und das FKK-Sonnenbad auf der grünen Dachterrasse. An Wochenenden traf ich meinen lieben Freund Bodo bei Speis und Trank in den Restaurants der Stadt, wir sprachen über Filme und Schauspieler, er erzählte von seinen Auftritten in Berliner Nachlokalen. Arztbesuche, Behördengänge, Reisevorbereitungen aller Art füllten meine Tage, abends füllte ich mich mit Bier und fühlte mich wie in den Tropen. Wenn mir mit Traumschiff und Traumhotel zu bunt wurden ging ich zu Bett und träumte von meinen Traumreisen. Tatsächlich träumte ich meist das Gegenteil, immer reiste ich zurück in die Vergangenheit desolater Wohnverhältnisse im Umfeld meiner lebensuntüchtigen Mutter. Längst verstorben, geisterte sie durch marode Wohnzimmer, wo Löcher im Mauerwerk mit Tapeten kaschiert waren und Schranktüren ins Freie führten. Noch immer gab es kein Entkommen aus den Elendsbehausungen meiner Nachkriegsjugend, die hier wie fantasievolle Entwürfe meines Idols Salvador Dali wirkten, der diese „Traumwohnungen“ extra für mich in Szene gesetzt zu haben schien. Bereit den Traum als traurige Realität, Beweis lebenslanger Armut anzunehmen, gab es gleichwohl Protest und Widerspruch im Denken des Schläfers, der die kunstvolle Inszenierung durchschaute und auf Beendigung des surrealen Traumes drängte. Das Erwachen bestätigte die vage Vermutung einer anderen Realität, sie zeigte meine bürgerliche Mietwohnung in Berlin oder respektable Hotelzimmer gehobener Qualität zu bezahlbaren Preisen in Asien. Mitunter erwachte ich im Liegesitz eines Fliegers der mich von A. nach B. brachte; Asien – Berlin, oder umgekehrt. Heute hier, morgen dort, so verging mein Leben wie im Fluge. Ich flog von B. nach A. und landete in Manila. Abholer durften den Airport nicht betreten, ich verließ das Gebäude und wurde stürmisch von einem schlanken Frauenzimmer umarmt, es war die beste Freundin meiner Freundin, Sunny war mit Begleitschutz erschienen. Wir mussten zu dritt in einem Zimmer übernachten, es war spät, der Bus ging erst am nächsten Morgen. Ich genierte mich vor der Begleiterin und fiel im Badezimmer über Sunny her, zwei nackte Hunde auf hartem Fliesenboden, meine Knie schmerzten tagelang. Wir hätten es zu dritt im Bett machen können, ihre Freundin hätte etwas dazu verdienen können aber Sunny war eifersüchtig und verstand keinen Spaß. Stattdessen musste ich der Freundin Geld leihen, was nie zurückgezahlt wurde, zum Glück verstand ich Spaß. Ich hatte die Taschen voller Geld, der Spaß konnte beginnen. Schon an den Nachmittagen musste ich mir die Tristesse von Angeles City schön saufen, Flaschenbier auf Holzbänken vor Imbiss-Buden, billige Speisen auf offener Straße während Sunny ihre Kinder besuchte, der Spaß hielt sich in Grenzen. Es war egoistisch von mir, den Kindern die Mutter zu entführen aber die Trennung musste sein. Wir flogen nach Bangkok und bezogen mein altes Zimmer in Pattaya. Die Deutsche Mark war eine starke Währung, das Leben war billig in Pattaya, wir lebten in einem Paradies, ich war „reich“ und mobil. Erstaunlich was ich zu dieser Zeit alles finanzieren konnte, es ging uns gut. Sunny war eine zerrissene Persönlichkeit, Sie hielt sich für eine Rabenmutter, hatte Schuldgefühle konnte keine echte Freude empfinden, lehnte alles Unbekannte ab, machte auch mir das Leben schwer und lief weg wenn Sie die Nerven verlor. Nur ein depressiver Gutmensch wie ich, konnte diese explosive Mischung über Jahre ertragen, ich hatte Mitleid und konnte ihr in keiner Weise helfen. Ich benutzte Sie und gab ihr Geld, viel Geld, in etwa acht Jahren waren es mehrere Millionen Peso, während der Monatsverdienst eines Arbeiters etwa 3.000 Peso betrug. Man sollte die Selbstkritik nicht zu weit treiben, das Wort „benutzt“ hätte ich nicht benutzen sollen, es wird einfach zu oft benutzt. Frauen fühlen sich oft „benutzt“, wenn es um die Nutzung der Vagina durch außen Stehende geht, es klingt dann immer wie „beschmutzt“. Leider werden durch die angeborene Brutalität des Mannes, in unbotmäßiger Weise die Gefühle dieser engelhaften Wesen verletzt, die angetreten sind himmlische Rosen zu flechten. „Ehret die Frauen, sie flechten und weben, himmlische Rosen ins irdische Leben“. Meine Generation ist gehalten sich an solche Sprüche zu halten, wir haben sie mit der Muttermilch…  die hat man geschluckt, es gab ja nichts anderes. Die Ehe ist eine Interessengemeinschaft; Hilfst du mir – helf ich dir. Auch eine „Wilde Ehe“ mit einer wilden Sunny war ein gegenseitiges Geben und Nehmen. „Was nutzt ein Mensch der keinen Nutzen bringt, er ist ein Nichtsnutz“. Ich wollte kein Nichtsnutz sein und hatte die Nutzungsrechte an meine kleine Sexy Mama abgegeben, Sie benutzte die Gelegenheit, ohne dass ich mich benutzt fühlte, so geschah alles zu „Nutz und Frommen“ der Beteiligten, dem Ungläubigen und der Frommen. Wir liebten uns mit Hingabe, einer Gabe Gottes, die dahin ist wenn der „Goldesel“ sich verausgabt hat. In Pattaya kaufte der Esel den Goldschmuck, in Angeles musste er ihn bei der Pfandleihe auslösen wenn er, aus Deutschland kommend den Dienst antrat. „Die drei Lieblingstiere der Frauen; Nerz, Jaguar und Esel, er muss die ersten beiden bezahlen“. Ein alter Witz, aus einer Zeit als Nerzmäntel im Sportwagen getragen wurden und man den Tierschutz noch an der Leine führte. Heute wird der Mensch an der Leine geführt und der Nerz erobert sich den Stadtpark zurück. Wieder eroberte im Hier und Heute eine weitere Folge von Das Traumhotel, Myanmar, von 2013 mein Herz, angekündigt mit Christian Kohlund als „männliche Mutter Theresa“ des TV-Hotelgewerbes. Tatsächlich ein Traumhotel mit malerischen Sonnenuntergängen vor einem mit Blumen bedeckten See inmitten der Anlage, umwerfende Bilder von einzigartiger Schönheit, garniert mit zwei Liebesgeschichten, die sogar recht hübsch inszeniert und gespielt waren. Nicht zuletzt wegen der beliebten Argumente junger Frauen die reiche Männer heiraten. Unter anderem; „Es geht mir nicht ums Geld, ich habe selbst genug“. Hört, hört!  „Genug ist nicht genug“ möchte man sprechen. Ähnlich geringschätzig äußerten sich schlichte Lohnempfänger zum Thema Geld als eine Mark noch eine Mark war. Eine mehr oder weniger, spielte angeblich keine Rolle; „Eine Mark mehr, eine Mark weniger“ lautete der der Spruch derer, die angeblich genug davon hatten. Mein Spruch lautet; „Geld kann man nie genug haben“. Genug der Sprüche, Zeit ist Geld. Man spart viel Geld wenn man sich das Traumhotel per TV reinzieht, ein visueller Joint, rauche, staune; Gute Laune. Der Hauptdarsteller spielt in jeder Folge den „Direktor Gutmensch“, das tut dem Zuschauer gut und dem Schauspieler auch, ein Glückspilz dieser Kohlund, ich beneide ihn um dieses Traum-Engagement. Ich schreibe dieses Buch in Thailand, breite meine Vergangenheit vor mir und dem Leser aus, sitze in einem kleinen, abgeschiedenen Hotel und erinnere die Traumhotels meines Lebens. Doch nun weiter im Text. Der Nerz diente als Vorlage zum Buch: „Venus im Pelz“, zu einer Zeit als ich noch ein Hund war. Ich war ein Underdog, ein armer Hund, dem der Goldesel nicht in die Wiege gelegt worden war. Meine Wiege stand in einer Berliner Kellerwohnung, ich war zur falschen Zeit am falschen Ort geboren worden. Nach jedem Schluck Bier biss ich die Zähne zusammen und mein Hirn repetierte das Motto meines Lebens: „Jeder ist seines Glückes Schmied – und seines Unglücks Ambos“. So schmiedete mich ein hartes Schicksal zu dem was ich wurde; Ein Goldesel, ein Weichei und ein harter Hund, wenn es um mein Steiftier ging. Nun ging es um den Aufenthalt in Thailand, wir benötigten ein Visum und mussten ausreisen.

                                                                                                                          BALI

 Unser Hotel auf Bali war ein Traum, ein Werbeangebot von THAI AIRLINE ab Bangkok, drei Übernachtungen im BINTANG BALI HOTEL, die ich um zwei Nächte verlängerte. Ein Fünf Sterne Hotel am Meer, eine Nobelhütte, in die ich billiges Flaschenbier aus dem Supermarkt schmuggeln musste um mich reich zu trinken. Sunny hatte noch nie etwas von Inflation gehört, staunend verglich Sie die enormen Mengen indonesischer Rupiah die wir gekauft hatten, mit thailändischen Baht, deren Wert Sie kannte. Eine Flasche Bier kostete im Supermarkt über tausend Rupiah, im Hotel unbezahlbar. Ich buchte einen Ausflug mit Folklore-Tanzgruppe unter freiem Himmel. Dramatisch und packend mit erstaunlicher Mimik, untermalt vom Gesang des am Boden hockenden Männerchors agierten die Künstler in berauschenden Kostümen, weitaus fesselnder als die Tänzerinnen in Thailand mit ihren Slow Motion Darbietungen. Sunny konnte den höheren Unterhaltungswert nicht erkennen, ihr Feindbild stand immer schon vorher fest. Auch die Naturschönheiten des Landes waren nicht anders als die ihrer Heimat, für Sie waren diese „Traumreisen“, wie wir Touristen sie empfanden, nur Orte deren Menschen ihr fremd und unheimlich waren. „Perlen vor die Säue“, könnte man sagen, mit Sicherheit würde meine Philippina auch Deutschland ablehnen, wenn es ihr nicht zuvorgekommen wäre.  Sehr junge, unreife Menschen agieren oft als Verkaufspersonal in Modegeschäften, sie betrachten den Laden als Spielwiese für Dummheit und Respektlosigkeit und die Kunden als Witzfiguren. Scheinbar ist ein älterer Mensch in einem Modegeschäft schon ein Witz an sich, der Heiterkeit und Spott herausfordert. Wenn aber ein junger Mensch, der dort offenbar Lohn für seine „Arbeit“ erwartet, sich über Behinderte lustig macht, unfähig seinen hemmungslosen Lachanfall zu stoppen, hätte er eine schallende Ohrfeige verdient und zu meiner Zeit auch erhalten. Diese alten Zeiten wollten wir nicht am Leben erhalten und erhalten nun was wir verdient haben. Tatsächlich bin ich in dieser Art schon mehrfach verlacht worden, fassungslos steht man dieser Entwicklung gegenüber. Meine Schwester wollte ihrem geliebten Bruder einen modischen Pulli schenken, ein Textilgeschäft am Kurfürstendamm in Berlin diente uns als Fundgrube, als es erstmalig passierte. Ich zog einen Pullover über und wurde von einem männlichen Lehrling, hemmungslos verlacht. Für Erwachsene ist die offensichtliche Komik nicht erkennbar, nur die Arroganz der Jugend hat hier den richtigen Durchblick. Unbewusst lachen die unfertigen Geschöpfe über ihre eigene Dummheit, nichts kann einen derartigen Ausbruch verhindern oder beenden, man lacht sich buchstäblich tot. Wer also schweren Schaden an seiner Gesundheit erlitten hat, einen Schwerbeschädigten-Ausweis besitzt, kann mit seinem Schaden schadenfrohe Menschen froh machen. „Schadenfreude ist die reinste Freude“ sagt das Sprichwort. Der Schadenfreudige fügt dem Beschädigten keinen Schaden zu, der hat ihn ja schon. Ausgerechnet auf Bali sollte mir das unerwartete Gelächter einer sehr jungen Balinesin erneut um die Ohren fliegen, wieder war es ein kleiner Modeladen, eine „Boutique“, in der ältere Krummbuckel wie ich, fehl am Platze wenn nicht gar unerwünscht waren. Auch diese junge Dame gab sich hemmungslos dem Vergnügen hin, einen Kunden, den sie als unzumutbar empfand, als Lachnummer einzustufen. Ein alter, gebeugter Mann in Begleitung einer sehr jungen Frau, man sah Sunny, ihr wirkliches Alter und ihre fünf Kinder nicht an, ein Paar das nicht zum begrenzten Vorstellungsvermögen dieser unbedarften „Verkaufsperson“ passen wollte. Die junge Frau an meiner Seite gab dem armen Ding den Rest, ein Lachkrampf schüttelte ihren Körper, ihr Gesicht färbte sich rot, sie wollte sich tot lachen. „Wer früher stirbt ist länger tot“. Der Erstickungstod als unmittelbare Folge von unkontrollierten Lachkrämpfen ist unter geistig zurückgebliebenen Jugendlichen keine Seltenheit. Schadenfreude kann also auch Schaden anrichten, meine Diagnose lautet: „Dachschaden“. Was lehrt uns dieser peinliche Vorfall auf einer Trauminsel wie Bali; Natürliche Regungen wie Spott und Häme sind nicht an einzelne Länder gebunden, das einfache, unkomplizierte Gemüt lässt sich durch Ethik und Moral nicht bevormunden, unverbildetes, naturbelassenes Denken, ein angeborener Sinn für Frohsinn bricht sich Bahn und überwindet alle Grenzen. „Wer lachen will muss fröhlich sein“.

PUBERTÄT  MIT  TODESFOLGE

Das Verlachen ist die harmloseste Form der Missachtung, es gibt genügend Beispiele steigender Verrohung der Gesellschaft, sie geht mit dem Verlust von Glauben und Respekt einher, kein Respekt vor Gott, kein Respekt vor der christlichen Lehre, kein Respekt vor dem Mitmenschen, nur noch Dünkel und Selbstüberschätzung, sprich: Dummheit, gepaart mit Sadismus und Brutalität. Die brutalen Auswüchse von Machtmissbrauch im Namen eines höheren Wesens, wie Inquisition und Hexenverbrennung haben mich zum Gegner gemacht, aber ohne das Gebot der Nächstenliebe bleibt uns nur der Nächstenhass, die Verhöhnung, Beleidigung, Beschädigung des Nächsten der gerade am nächsten, also in der Schusslinie steht. In „Kampf der Kulturen“ von Samuel Huntington lesen wir vom Erstarken der Religionen in aller Welt; „Näher mein Gott zu dir“. Der Mensch lernt wieder Respekt, die Kirche missbraucht wieder ihre Macht. Die Ohnmächtigen missbrauchen ihre Freiheit, der Missbrauch von Waffen ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel wenn der verbale Hass nicht mehr die gewünschte Befriedigung bringt. Sie dünken sich allmächtig wenn sie Amok laufen, Herren über Leben und Tod, Kinder des Todes, Selbstmord mit der Lizenz zu Töten, Pubertät mit Todesfolge.

WARE  LIEBE

Der Mangel an Respekt ist eine gute Voraussetzung für eine kurze aber Aufsehen erregende Karriere als Amokläufer, der Mangel an Geld verhindert eine lange und befriedigende Karriere als Sextourist. Eine Bank auszurauben wäre also sinnvoller als ein früher Tod ohne Geld. Wollen wir das nicht vertiefen, über Geld spricht man nicht, das hat man. Als Sextourist hatte man es bevor man ausgeraubt wurde. Zeit für ein Wort über Prostitution, ein Thema dass ich bisher vernachlässigt habe. Hier  lacht nicht der unbewaffnet pubertierende Teenager, hier lacht das Herz armer alter Männer, die ein reiches Leben hatten. Verstehen wir uns Recht, ich rede nicht von Zwangsprostitution und Sklaverei, ich rede von freien Entscheidungen und schnellem Geld. Sagen wir mal so: Die Prostitution ist ein notwendiges Übel wie die Demokratie und andere stolze Errungenschaften der Menschheit, wie das Geld, die Banken, das Schwert, die Streitaxt, das Fallbeil, die Börse und die Bombe. Vor der Erfindung des Geldes gab es den Tauschhandel, mit Nahrungsmitteln und Tieren, der Bauer gab der Magd ein Huhn wenn er an ihre Maus wollte, dem Nachbarn ein Rind und drei Ziegen wenn er dessen Tochter „kaufen“ wollte. Weder die Magd noch die Tochter wurden dadurch zur Ware, es ging um den Austausch von „Lebensmitteln“, es ging um lebenswichtige Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Kopulieren. Es ist absurd menschliche Grundbedürfnisse unter Strafe zu stellen, Frauen und Männer zu Verbrechern zu stempeln, die lediglich einen Tauschhandel tätigen. Tatsächlich waren „Kompensationsgeschäfte“ im Jahre 1947 verboten, hatte die Volkspolizei meine Waren, bei Bauern auf dem Lande getauschte Lebensmittel beschlagnahmt, zu dieser Zeit waren Hunger und Essen strafbar. Der Staat verfügt willkürlich was wann erlaubt oder verboten ist, Geschlechtsverkehr ist also strafbar wenn er zum Verkauf steht und nicht ausdrücklich von Staat und Kirche genehmigt wurde. Ich liebe den Staat und die Kirche, zwei Institutionen die nur mein Bestes wollen, sie wollen mich zum Besten halten, mich für dumm verkaufen. Für dumm verkauft werden allerdings die Kunden der cleveren Verkäuferinnen, „Augen auf beim Frauenkauf“. Hier ist alles erlaubt was nicht verboten ist, erlaubt ist was gefällt. Es gefällt den Männern sich zum Narren zu machen, die Frau mit guten Gaben zu überhäufen; ein Haus, ein Auto, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Sie sind die Würze des Lebens, verwandeln Missmut in gewinnendes Lächeln und gelangweilte Schönheiten in leidenschaftliche Sexpartnerinnen, die auf ältere Männer stehen. Die edlen Teile  älterer Männer stehen in Bereitschaft um das beste Stück ein Stück weit in das beste Stück der Frau zu versenken. Ironie der Natur, die hier grundverschiedene Funktionen in einem Stück angesiedelt hat, wobei der denkende Mensch durchaus in der Lage ist sich auf eine Art der Nutzung zu konzentrieren ohne dass ihm die zweite Möglichkeit in den Sinn käme. Selten denkt er beim Pinkeln an den Koitus oder beim Stuhlgang an Analverkehr. Dennoch sollte man beim Denken stets bedenken dass die Gedanken frei sind. So denken Frauen beim Geschlechtsverkehr zwar nicht ans Wasser lassen, wohl aber an materielle Vorteile oder an einen anderen Mann, sie schließen ja nicht ohne Grund dabei die Augen. Wahrscheinlich dachte Sunny auch an einen anderen Mann, ich kannte ihren Geschmack, Sie stand auf junge muskulöse Männer, war aber bereits zu alt dafür. Gutaussehende Machos lassen sich von Frauen bezahlen, Angebot und Nachfrage. Meine Jugendliebe Annemarie mochte es gar nicht wenn ich Sie von hinten nahm, Sie legte Wert darauf mein Gesicht zu sehen wenn ich angespannt in ihr arbeitete. Allerdings war ich damals ein hübscher Junge von 22 Jahren gewesen. „Schön war die Zeit“. Deutsches Liedgut. Lied gut, Zeit dahin… „Dahin, dahin. Möchte ich mit dir, o mein Geliebter, ziehen“. Aus der Oper MIGNON. Sunny zog mit mir wohin ich wollte, ich war der Boss. Über Jahre vermied Sie es meinen Namen zu nennen, in ihrem Beruf überaus praktisch, jeder Kunde hieß Boss, man konnte sich nie verplappern. Alle Widrigkeiten dieser Art nahm ich in Kauf, eingedenk der weisen Worte meines besten Freundes Bodo; „Du weißt doch wo du Sie her hast“. Hierher passt auch der Spruch; „Man kann ein Mädchen aus einer Bar nehmen, aber man kann die Bar nicht aus ihrem Kopf nehmen“. Was bei der Zusammenarbeit mit Annemarie noch schön und machbar gewesen war, sollte sich im Alter als Sex von gestern erweisen, die Damen denen ich zu nahe trat hatten den Blick für andere Dinge frei. So blieb ihnen der Anblick des alten Kerls erspart, wenn der Orgasmus sein Gesicht verzerrte und die Falten vertiefte. Man kopuliert nach Art der Hunde, das Männchen wedelt mit dem Schwanz und bespringt das Weibchen ohne Gruß und Kuss. Das Weibchen erduldet den  Angriff, eine Art Körperverletzung mit Befruchtungsfolge, mit stoischem Gleichmut, als wolle es sagen;“Can‚t help it“. Hunde sprechen kein Englisch, sie biedern sich dem Menschen ohne Worte an. „Es ist noch von keinem Hund bekannt was er denkt wenn er die Hand seines Herrn leckt“. Nestroy. Der Mensch leckt seinem Vorgesetzten den A….  er will nicht leben wie ein Hund.

DIE  DREI  WÜNSCHE

Das Leben ist kein Wunschkonzert aber ohne Wunschdenken kein Leben. Jeder Mensch lebt für eine Idee, eine politische, eine religiöse, eine politisch-religiöse, er glaubt an Gott, an den Führer oder an den gottgesandten Führer. Der Mensch braucht Führung und Verführung, ein Blinder ohne Blindenhund. Er tastet sich durchs Leben, überall eckt er an und stößt sich wund. Ab einem gewissen Alter beginnt er zu denken und überschreitet dabei die Grenze des Erlaubten. Wie gut dass es die gute Fee gibt, die Erfinderin des Wunschdenkens, sie ist die erste die ihn zum positiven Denken ermuntert, also denkt er sich die Erde als eine Kugel aus Knete, die sich nach seinen Bedürfnissen formen lässt. Jeder hat bei seiner Geburt drei Wünsche frei, wünschenswert das Richtige zu wünschen. Alle Menschen sind gleich, ein häufig als  Wahrheit verkaufter Wunschtraum, der jedem die gleichen Chancen einräumt wie wir es von einer Währungsreform kennen. Alle beginnen bei null, Ihr Wunsch ist mir Befehl. Die Menschen sind überwiegend dumm, die wenigen Klugen fallen nicht ins Gewicht. Die Dummen wünschen sich Liebe, bescheidenen Wohlstand und Glück, die Klugen wünschen sich Rücksichtslosigkeit, Willensstärke und Macht. „Wer das Falsche wünscht den bestraft das Leben“. An das Wunschdenken gewöhnt, glauben die meisten Menschen weitere Wünsche frei zu haben und wundern sich wenn die Erfüllung ausbleibt.  Man könnte meinen ich hätte das Falsche gewünscht aber ich hatte Glück und musste nie zum Militär, ein größeres Glück kann es nicht geben, wenn man bedenkt dass dort zuweilen scharf geschossen wird. Man übt an einer Zielscheibe und wird dann als eine solche missbraucht. Diese Art von Missbrauch ist mit dem von mir praktizierten in keiner Weise zu vergleichen, ich missbrauche die Frauen, Sie missbrauchen meine Gutmütigkeit. Sie machen mich glücklich, ich beglücke Sie mit Geld. Durch meinen bescheidenen Wohlstand gelangen Sie zu bescheidenem Wohlstand, wir nennen es Liebe.  Sunny wünschte sich sehnlichst einen Lotteriegewinn, war sich jedoch nicht bewusst dass ich ihr Lotteriegewinn war, keine Lotterie der Welt hätte ihr so viele Millionen Peso beschert wie Sie bei mir gewonnen hatte. Sie konnte nicht rechnen, womöglich konnte Sie nicht einmal lesen und Schreiben, ich habe es nie erfahren, erst heute denke ich darüber nach, Sie war wirklich arm dran. Eines Tages war ich dran, ich sollte ihr ein Haus kaufen. Ich war entsetzt, das überstieg meine Möglichkeiten, in meiner Familie gab es keinen Hausbesitz, meine Eltern waren froh wenn sie die Miete zahlen konnten, ich war froh dass ich die meine zahlen konnte. In Pattaya war es üblich der Dame des Herzens ein Haus zu kaufen, dieser Kelch war bisher an mir vorüber gegangen, die meisten meiner Liebschaften hatten bereits ein Haus aus früheren Beziehungen. Ein richtiges Haus, nach unseren Vorstellungen kostete zu dieser Zeit etwa 100.000.- DM. So viel Geld hatte ich noch nie auf einem Haufen gesehen, ich hatte etwa 30.000.-  DM. Erspartes auf der „Hohen Kante“, ein armer Mann, der hier als reich verkannt wurde. Wieder hatte ich Glück, mein dritter Wunsch war in Erfüllung gegangen, Sunny wollte ein „Armenhaus“ kaufen; ohne Grundbesitz illegal erbaut, flache Steinbauten mit Wellblechdach, vier Einzelzimmer mit separaten Eingängen, von denen Sie zwei oder drei hätte vermieten können. Es gab Wasser und Elektrizität, ein komfortables Heim für die Ärmsten der Armen, zum Preis von 7.000.- DM. Darüber konnte man reden, so viel konnte ich aufbringen. Gesagt getan, ich war zahlungsfähig, Sunny wurde Hausbesitzerin. Auch Sie hatte sich Liebe, Wohlstand und Glück gewünscht und Glück gehabt.

                                                                                                 DIE  BLUMEN  DES  BÖSEN

    In meiner Jugend fragte ich meine Mutter warum bei einer Heirat die Frau meist jünger sei als der Mann. Sie erzählte mir etwas vom schnelleren „Verblühen“ der Frau, offenbar ein Naturgesetz, das den Mann zwingt die Blütezeit wahrzunehmen. Die Frau ist die schönste Blume von allen, sie erblüht in der Jugend zu voller Schönheit, man muss sie pflücken bevor es zu spät ist. Der richtige Zeitpunkt ist von höchster Wichtigkeit, Männer entwickeln ein Gespür für Frauenschönheit, sie wissen um die Verderblichkeit kostbarer Pflanzen, kennen Höhepunkt und Überschreitung, achten stets auf Frischesiegel und Verfallsdatum. Schnittblumen welken natürlich schneller, frisch geschnitten kommen sie auf den festlich geschmückten Tisch der Ehe wo sie alsbald zu welken beginnen. Jeder der einmal eine welkende Frau gesehen hat bedauert zutiefst die Vergänglichkeit aller irdischen Schönheit.  Männer sind eine Art zeitlosen Unkrauts auf der Wiese Gottes, eher unschön als schön, von wenigen Ausnahmen, Alain Delon und anderen Schönlingen der Leinwand, einmal abgesehen. Sie sind es, von denen blühende und welkende Frauen träumen, an die sie mit geschlossenen Augen denken, während sie vom zeitlosen Unkraut missbraucht werden. Während das männliche Unkraut ins Kraut schießt, Männer schießen für ihr Leben gern, werden Frauen gern als „Die Blumen des Bösen“ bezeichnet, sie sind oft schöner als die schönste Blume aber  sie gehören zu den giftigen Pflanzen die den Männern im Land des Lächelns ins Herz gepflanzt werden. Frei schaffende „Orchideen“ stehen in Pattaya an der Beach Road in voller Blüte, alte Hasen unter den alten Männern nehmen diesen Wildwuchs nicht mit in ihr Hotel, wenn ihnen etwas aufsteigt steigen sie ab in eine Absteige um einen Beischlafdiebstahl zu verhindern. So wie es unter alten Männern böse Onkels gibt, gibt es unter jungen Frauen böse Mädchen. Wenn alte Hasen einen Betthasen suchen, sind sie sich der Gefahr bewusst die von jeder Frau ausgeht, fatal wenn man einer Feme fatale ins Netz geht, die spinnenartig nach dem Akt das Männchen frisst. So mancher Mann wollte die „Blume seines Lebens“ vor Liebe auffressen, vom Gegenteil wird weniger gesprochen. Die Fleisch fressende Pflanze scheint einem Horrorfilm entsprungen, und doch wurde mancher Mann von den Schulden aufgefressen, die er für sie gemacht hatte.  Männer sind begeisterte Blumenpflücker, sie brechen jede Blume die am Wegesrand steht und brechen damit das Versprechen welches sie der vorangegangenen Blume gegeben hatten. In dem bekannten Gedicht von Goethe bricht der Knabe ein morgenschönes Röslein auf der Heiden, das auch morgen noch schön gewesen wäre wenn er es nicht gebrochen hätte. Merke; Wer ein unschuldiges Röslein bricht, bricht ihm das Herz und leitet den Prozess des Welkens ein. Dem Brechen der Rose folgt der Ehebruch und das jämmerliche Schenken von Blumen, betrogene Ehefrauen bezeichnen solche scheinheiligen Liebesgaben als die wahren Blumen des Bösen. Frauen sehen vieles anders und wollen nicht auf ihre Schönheit reduziert werden, die blumigen Vergleiche pusten sie weg wie Pusteblumen. Frauen sind vor allem klüger als Männer, beim Umgang mit ihnen ist meist der Mann der Dumme. Jedes Lebewesen besitzt Waffen gegen seine natürlichen Feinde, wie auch der Mensch. Männer und Frauen sind natürliche Feinde, die ihre Waffen einsetzen müssen um sich zu verteidigen, Blumen sind nur primitive Hilfsmittel denen das Böse in die Schuhe geschoben wird.

                                                                                                                                MALAYSIA

Sunny hatte ihre Blütezeit überschritten aber Sie träumte von jungen Männern. Ich sah es an ihren Blicken und ihrem Verhalten wenn Sie von ihnen angemacht wurde. Das passierte nicht alle Tage, ihre Figur wirkte jung, ihr Gesicht zeigte Spuren vergangener Schönheit. Sie hatte ihre Möglichkeiten verspielt, die unschuldige Verliebtheit ihrer Jugend hatte ihr fünf Kinder beschert, das bestimmte den weiteren Lebensweg. Sie war verurteilt an der Seite eines alten Mannes die Welt zu entdecken, bereiste mit ihm fremde Länder ohne sich daran zu erfreuen. Sie hasste alles Fremde, war unfähig Freude zu empfinden, erduldete was ihr aufgedrängt wurde. Wir benötigten ein neues Visum für Thailand und flogen nach Penang. Zwei Tage benötigten wir für die Abwicklung unserer Visa, entdeckten Georgetown, soweit das in kurzer Zeit möglich war. Nach drei Tagen ging es weiter nach Langkawi wo wir zwei Wochen blieben. Ein schöner Aufenthalt auf einer Trauminsel für mich, eine Art Gefängnis für meine psychisch kranke Freundin, die von der Schönheit der Landschaft kaum berührt wurde, Sie war auf einer tropischen Insel aufgewachsen, alles was für mich von überwältigender Schönheit war, war für Sie nur ein Abbild ihrer  freudlosen Kindheit in hoffnungsloser Armut, mit Schlägen traktiert, ungeliebt und zu keiner Liebe fähig. Stets hatte ich meine Depressionen bejammert, wir waren beide davon betroffen, doch Sie war ein hoffnungsloser Fall. Immer versuchte ich Sie aufzuheitern aber ich kam nicht zu ihr durch. Bei allem Verständnis für ihre Probleme konnte ich ihr tatsächlich nur mit Geld helfen, Sie lebte wie hinter einer Mauer, gefangen in Schwermut, aufgeladen mit Wut und Hass gegen ihre feindliche Umwelt, Kampfbereit züchtigte Sie ihre Kinder und tat ihnen das gleiche Schicksal an welches ihr geschehen war. Wir waren ein tragisches Paar in einem tropischen Paradies, ich liebte Sie, war aber unfähig ihr zu helfen. „Froh erwache jeden Morgen…“, ein Spruch der mein Leben begleitete, traf bei Sunny in keiner Weise zu, Sie erwachte stets mit versteinertem Gesicht, unerreichbar verschlossen, gab Sie mechanische Antworten auf hilflose Fragen. In Angeles City suchte Sie Hilfe im Gebet und fuhr zur Kirche in die Altstadt um dort Frieden zu finden. Auf unseren Reisen fehlte ihr diese Möglichkeit, Sie war gefangen in Depressionen, weit schlimmer als es bei meinen Verstimmungen der Fall war. Ob Indonesien oder Malaysia, ob Bali oder Langkawi, ihr inneres Leid begleitete Sie, egal wohin Sie ging. Unser Hotel lag in der Nähe des Hafens, es gab keinen Strand und keinen Swimmingpool, ich hatte es in Pattaya zusammen mit dem Flug gebucht. Wir wohnten oberhalb eines Steinmonuments das einen riesigen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen darstellte, vielleicht symbolisierte es den Traum vom Fliegen, der sich für mich längst erfüllt hatte. Ich flog so oft ich wollte von einem Land zum anderen, ich war frei wie ein Vogel. Aber der Mensch ist kein Vogel, er schleppt Gepäck und die schwere Last der Gedanken mit sich herum, sie begleiten ihn ein Leben lang, mag er fliegen wohin er will, er wird niemals frei sein. Unter unserem Fenster lag der steinerne, im Flug erstarrte Vogel, das Zimmer war einfach, der Kühlschrank war leer. Das war merkwürdig, ich konnte es mir nicht erklären erst später erfuhr ich, Langkawi war zollfreies Gebiet, das Bier im Supermarkt war spottbillig. Eine Taxe fuhr uns tagsüber zum Strand, wir schwammen im Meer und besuchten ein großes Aquarium, wo wir uns unter die einheimische Bevölkerung mischten. Das Taxi fuhr uns früh und spät am Meer entlang, ein überwältigender Anblick. Hinter dem großen Vogel lag der malerische Ort mit vielen einladenden Restaurants, wo wir am Abend wie die Fürsten speisten. Alles war magisch beleuchtet, eine romantische Urlaubskulisse wie im Film. Nach dem Essen erstiegen wir die Anhöhe und wandelten unter Palmen bis hinauf zu unserem Hotel. Nach vierzehn Tagen bestiegen wir einen dieser modernen Vögel, geschaffen um dem Menschen das Fliegen zu ermöglichen, ein fliegendes Transportmittel, ein Airbus der uns nach Kuala Lumpur flog. Leider hatte ich diese Stadt nicht als Besuchsziel geplant, ich probierte am Airport mein erstes Paneng Curry, dann flogen wir zurück nach Bangkok.

                                                                                                                                          HONGKONG

In Pattaya setzten wir unsere seltsame „Ehe“ fort; Eifersuchtsanfälle, Weglauf-Pausen, Tage des Schweigens, es gibt nichts schöneres als ein Leben zu zweit; Er erträgt Sie, Sie erträgt ihn, Mitleid und Abhängigkeit sind der brüchige Kitt der zusammen hält was nicht zusammen gehört. Ich war in festen Händen, musste nicht Spießruten laufen an den Beer-Bars, hatte täglich Sex, der für beide befriedigend war. Sunny verweigerte nie die „Ehelichen Pflichten“, ihren Kindern ging es gut, sie hatten immer satt zu essen, es gab keine Not, ihre Mutter „arbeitete“ im Ausland. Die Jahre vergingen, Sunny war bei den Kindern wenn ich für drei Monate in Deutschland war, oder von dort nach Angeles kam. Die Tristesse des Ortes trieb uns wieder nach Thailand, doch Sunny erhielt kein Visum für drei Monate mehr. Ein Monat musste genügen, es folgte ein Visa-Trip nach Hongkong, die falsche Wahl, hier lernte ich weitere Variationen ihrer Psychischen Krankheit kennen. Sie konnte die chinesischen Touristen, die zu Tausenden Pattaya heimsuchten, nicht leiden, man starrte uns an wie Tiere im Zoo wenn wir im Biergarten der Band lauschten. Die unbedarften Schlitzaugen blieben vor unserem Tisch stehen und glotzten uns an wie das siebente Weltwunder, eine kleinwüchsige Prostituierte und ein alter Mann, der ihr Vater sein könnte, das gab es scheinbar in China nicht. Sunny war eine Kämpferin, sie hatte keinen Respekt vor diesen wundersamen Menschen, die in wenigen Urlaubstagen durch Pattaya geschleust wurden, weder Zeit noch Geld hatten, aber Menschen wie Tiere bestaunten. Sie stand auf, beschimpfte sie in englischer Sprache und verbat sich die Glotzerei. Ausgerechnet Hongkong hatte ich ihr vorgeschlagen und Sie hatte zugestimmt ohne nachzudenken. Sie hasste die Chinesen, was wollte Sie in Hongkong? Sie war dort von Anfang an fehl am Platz, von Feinden umzingelt, sträubte Sie sich gegen eine riesige Stadt voll von Chinesen, wo war sie hingeraten? Wie konnte ich ihr diese Quälerei antun? Ihr krankhafter Hass überschattete den ganzen Aufenthalt, es war furchtbar. Die Wolkenkratzer imponierten ihr nicht, das gab es auch in Bangkok und Manila. Die U-Bahn war keine bauliche Sensation sondern ein unterirdisches Gefängnis dem Sie zu entrinnen suchte. Der französische Cirque de Soleil gastierte in der Stadt, ich wollte ihr etwas Gutes tun und kaufte teure Karten. Sie war mäßig beeindruckt aber stark missgelaunt, Hongkong war die falsche Wahl. Ich schleppte mein Opfer in einen riesigen Vergnügungspark mit unglaublichen Attraktionen, alles vergeblich. Auch hier wurde Sie von Chinesen angestarrt und pöbelte wie ein Droschkenkutscher. Am Ende drehte Sie in gewohnter Weise durch und lief weg. Sie kam natürlich zurück und unser Rückflug fand in eisigem Schweigen statt. An diesem Punkt angekommen glaubte ich unsere Verbindung am Ende, aber Sie fand bei der Ankunft in Bangkok wieder zu sich selbst und das traurige Spiel ging weiter. Immerhin sollte dies die letzte Reise in andere Länder gewesen sein, etwas ähnliches wollte ich mir nicht noch einmal antun. Hongkong hatte ich viele Jahre vorher schon einmal allein besucht, ich hatte das Ziel nicht für mich ausgesucht, Sunny sollte ein Stück weit die große weite Welt entdecken, ihren Horizont erweitern, alles was sich naive Männer so für ihren Liebling vorstellen. Mein Liebling war eine kranke Frau, der jeder Horizont suspekt war. Wie große Teile der Menschheit hielt sie Hass für den Sinn des Lebens.

                                                                                                                                  I  WORK  HANS

Der normal arbeitende Mann versteht unter dem Begriff „Arbeit“ die Tätigkeit die er auszuführen hat um Geld zu verdienen, das er gegebenenfalls für Prostituierte ausgibt, die ihrerseits ihre Tätigkeit als Arbeit bezeichnen. Tatsächlich machen sie diesen „Job“ um Geld zu verdienen, ähnlich wie ein Schauspieler der seine Tätigkeit als Arbeit versteht, wenn er dem Publikum eine Realität vorgaukelt die natürlich nur Spiel und Darstellung ist. Die Prostituierte ist eine Schauspielerin die der Kundschaft Realität vorspielt die selbstverständlich nur gespielt ist. Bei Langzeitbeziehungen ist schauspielerisches Können unerlässlich, der Arbeitsaufwand übersteigt den des Schauspielers allerdings beträchtlich. Die Rolle der liebenden Frau ist ein Vollzeitjob, gespielt in der Realität eines 24 Stundentages. Nie schließt sich der Vorhang, nie ist das Stück beendet, nie geht das Publikum nachhause, der Langzeitkunde erwartet eine never ending Story, er will ganztags bespielt werden, Spielfreude und darstellerisches Können sind gefragt, er will der Aktrice ihre Rolle glauben können, die Darbietung soll echt wirken, soll unter die Haut gehen. Das Stück trägt den Titel: „Sie liebt mich“. Thailändische Liebesdienerinnen; „I work for Money“ sprechen von Arbeit wenn sie von einem Kunden erzählen; „I work Hans, i stay Hotel him“ oder „I work Robert on Airport, him go home“. In den Augen von Hans und Robert ist ein sorgloser Urlaub, den die Frau mit einem Kunden wie ihm verbringt keine Arbeit, Arbeit sieht anders aus. Für die Frau sieht Liebe anders aus, sie hätte gern einen jüngeren attraktiven Mann, kann sich den aber nicht leisten. Von Liebe kann man nicht leben, man muss sie verkaufen. Die Prostituierte ist eine begabte Schauspielerin mit vollem Körpereinsatz, eindringlich fordert der Kunde sein „Recht“, die körperliche Vereinigung stellt den Höhepunkt seines Wunschdenkens dar, Sie liebt ihn wirklich. Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert, die Entlohnung ist unterschiedlich hoch, es kommt darauf an mit welcher Arbeit der Mann sein Geld verdient hat. Es gibt viele Arten von Arbeit, wer hart arbeitet verdient oft weniger als der weniger hart arbeitende Mann. Frauen verdienen weniger als Männer, können aber durch Männer mehr verdienen. In jedem Fall bringt die Arbeit am Mann mehr ein als Arbeit. Wenn Sie Glück hat erwischt Sie einen Mann der mit wenig Arbeit viel Geld verdient hat, dann hat sich die Mühe gelohnt. Im Märchen gibt es den naiven „Hans im Glück“, in der märchenhaften kleinen Welt des großen Glücks tauscht Hans sein schwer verdientes Geld in die „Liebe“ einer Schauspielerin, am Ende hat Sie alles und er nichts. Prostitution ist ein Job wie jeder andere nur „aufreibender“. Er erfordert Talent, Ausdauer und Hingabe, einer der wenigen Frauenberufe mit überdurchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten, aber man muss auch viel „einstecken“ können.

                                                                                                                    AN  DER  HEIMATFRONT

Sunny sollte ihren verzweifelten Kampf gegen mich und alle anderen nun an der Heimatfront führen, wir machten keine Reisen in andere Länder, entdeckten die Schönheit der Philippinen. Das war oft teurer als meine Wahlheimat Thailand, vor allem die Hotels. Schlechte Qualität zu hohen Preisen aber ich hatte keine Wahl. Ein befreundeter Gast aus meinem Hotel in Angeles, er machte eine Menge Geld mit Importen aus China, nahm uns mit nach Puerto Galera. Wir fuhren mit dem Bus nach Manila, von dort ging der nächste Bus an die See, eine Fähre brachte uns zum White Beach. Unser Hotel lag am Strand, der Pool versteckte sich weit hinten, wo wir ein rustikales Zimmer fanden. Während ich im Wasser war kochte Sunny das Frühstück und wir speisten auf der schmalen Terrasse. Die Zimmer lagen etwas erhöht, darüber war das Dach in dem sich nachts die Katzen balgten. Meine Partnerin fühlte sich wohler im eigenen Lande, die Menschen sprachen Tagalog, es waren keine Feinde. Ich gewöhnte mich an die neue Umgebung, wir wanderten täglich am White Beach entlang zu einem kleineren Strand an dem Privathäuser standen. Hier lagerten wir auf dem Sandboden und speisten in den kleinen Restaurants, ein ruhiges Plätzchen ohne viele Menschen. Auf halbem Weg dorthin fanden wir schließlich ein billiges Zimmer in einem Gasthaus und wechselten die Unterkunft. Welch ein Unterschied zu dem traurigen Leben in Angeles City, wir hatten ein kleines Paradies gefunden und Sunny verhielt sich ruhig. Ihre Stimmungen schwankten jedoch wie gewohnt, abrupt wurde Sie schweigsam und abweisend, nur bis zum Weglaufen dauerte es etwas länger. Sie bat mich um Geld und verließ mich ohne sichtbaren Grund. Nach zwei Wochen kam Sie in Begleitung einer Freundin zurück und wollte unser Verhältnis beenden. Ich stellte ihr frei zu gehen, gab ihr das restliche Geld für ihre geleisteten Dienste und Sie blieb. Die Freundin kehrte nach einer Übernachtung allein nach Angeles zurück, natürlich bezahlte ich ihre Unkosten. Einige Wochen später hatte Sie Sehnsucht nach ihren Kindern, wir reisten zusammen und ich fand mich im trostlosen Angeles wieder. Wir blieben auf der Hauptinsel Luzon und reisten per Bus oder Privattaxi ans Meer, wo wir unterschiedlich lange an verschiedenen Orten verweilten bis auch hier das Weglaufen sich durchsetzte. Sie ließ mich an einem völlig fremden Ort einfach sitzen, Sie musste weg, egal was aus mir wurde. Ich mietete eine Taxe, fürchtete mich vor dem unbekannten Fahrer, der mich aber nach vier Stunden Fahrt heil in Angeles ablieferte. Ich fand ein Hotel und Sunny zog mit mir dort ein. Sunny war in der Nähe ihrer Kinder, die langsam begannen ein Eigenleben zu führen, die älteste Tochter war im gefährlichen Alter, sie schlich sich nachts aus dem Haus um Sex mit ihrem Freund zu haben, ein guter Anfang um später als Prostituierte in einer Bar zu landen. Anstatt ihr die Pille zu besorgen verprügelte Sunny sie. Darauf lief die Tochter weg und lebte mit ihrem Freund zusammen. Natürlich bekam sie bald ein Kind, natürlich hielt die junge Liebe nicht lange an, natürlich versöhnten sich Mutter und Tochter, natürlich kam sie mit ihrem Kind reumütig zu ihrer Mutter zurück, natürlich übernahm Sunny die Rolle der liebevollen Oma. Mir schien der Weg der Tochter vorgezeichnet; nach weiteren Irrwegen würde sie früher oder später in einer Bar landen, würde dort Männer wie mich treffen, die für ihr Kind zahlen würden, denn: „Alle Männer sind aller Kinder Väter“. Irgendeiner muss immer zahlen, ich zahlte für meine „Wilde Ehe“ mit Sunny in wenigen Jahren mehrere Millionen Peso, gemessen am Verdienst eines einfachen Arbeiters war das für die meisten Menschen des Landes eine Art Hauptgewinn in der Lotterie von dem jeder nur träumen konnte. Ein Traum der nie in Erfüllung geht, für Sunny war er in Erfüllung gegangen ohne dass Sie es bemerkt hatte. Ich war der Hauptgewinn gegen den Sie ankämpfte, dem Sie periodisch davonlief, stets bereit auf ihn zu verzichten um wieder für ihre Kinder zu hungern, wie Sie es vorher oft tun musste wenn es nichts zu essen gab. Seit es Daddy Pieter gab, gab es genug zu essen, Sunny wurde langsam dick weil Sie aus Frust zu viel Süßigkeiten aß. In Angeles lief Sie wieder einmal weg, ich war am Ende meiner Kräfte und besuchte Sie in der bescheidenen Wohnstatt, die ich für Sie gekauft hatte. Ihre Kinder wagten nicht mit mir zu reden, Sie war nicht ansprechbar, behandelte mich wie einen Fremden, ich war zu früh gekommen. Ich wurde böse und ging um das grausame Spiel zu beenden. Sie kam mir zuvor und entwendete in meinem Hotel das Bankbuch. Eine gesunde Reaktion, die man einer psychisch Kranken gar nicht zugetraut hatte. Nach langen inneren Kämpfen buchte ich meinen Flug um und reiste ab. Kaum in Berlin angekommen erhielt ich ihren Anruf, Sie war nach Abschluss ihrer „Verkrampfung“ wie gewohnt zu mir zurück gekommen und hatte erstmalig den Schock meiner Abreise erlebt. Sie war wie ausgewechselt, bedauerte den Diebstahl des Bankbuches, hatte die Hälfte des Kontos abgehoben und wollte mir das Buch zusenden. Unser Verhältnis schien beendet, wir wünschten uns Glück und legten auf. Ich war frei, eine schwere Last war von meinen Schultern genommen, keine kranke Frau, keine hungrigen Kinder, keine Flüge nach Manila, mochte Sie mein restliches Guthaben aufbrauchen und in Ruhe einen neuen Mann suchen, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

                                                                                                                        DER  WEG  INS  FREIE

Frauen helfen bei der Bewältigung von Problemen die man ohne Sie nicht hätte. Ein Befreiungsschlag, oft geplant, endlich vollzogen. „Der Weg ins Freie“ mit Christina Söderbaum. Wer ist denn das? Ein Filmstar der Nazizeit, die „Reichs-Wasserleiche“ genannt, weil sie den Freitod im Wasser wählte. Rein optisch ein schöner Tod; „La Mer“ oder „Die Moldau“ als Klangteppich unterlegt. Früher versank die tragische Heldin stumm in den schwarzen Fluten, heute begleitet die Kamera sie unter die Oberfläche und sinkt im Zeitraffer mit ihr bis auf den Grund der Meeres wo sie auf einem Trampolin landet der sie wieder hoch schleudert. Andere Zeiten andere Leichen. Ich nahm mir nicht das Leben, ich nahm mir die Freiheit zu gehen, immer mehr Männer fordern gleiche Rechte. Sunny ging wann immer Sie wollte, nun wollte ich die Gleichberechtigung. Mein ganzes Leben lang hatte ich mit dem Selbstmord kokettiert, Depressionen und „Weltschmerz“, ein vergessenes Wort, das jedoch die Verzweiflung an einer unheilbar kranken Welt beschreibt wie wir sie heute sehen, hatten mir den Suizid als Lösung vorgegaukelt. Ich wollte mir jedoch nie aus Liebe das Leben nehmen, das schien mir kein ausreichender Grund zu sein. Es war Sommer in Berlin, freudig begrüßten mich alle Stammgäste der City Sauna, mein Schwimmen fand wieder über den Dächern Berlins statt, ich hatte viel zu erzählen. Hier lernte ich einen sanftmütigen Lehrer kennen der im Gespräch gern mal einem Marienkäfer das Leben rettete, ein Gutmensch im guten Sinne des Wortes, immer bereit zu helfen, verständnisvoll und mitfühlend, ein Glücksfall, wir sollten enge Freunde werden. Mein Jugendfreund Bodo zahlte weiter seine freiwilligen Raten an eine verlorene Liebe in Thailand, einer der vielen Liebeskasper die nicht loslassen können, panische Angst vor dem Ende einer Verbindung haben, die nur in ihrem Kopf existiert. Nie wieder würde er nach Thailand reisen, nie würde er  den Geliebten wiedersehen den er jeden Monat bezahlte als wären es Alimente eines Heterosexuellen für seine Kinder. Vergeblich suchte ich ihm die krankhaften Wohltaten auszureden, konnte jedoch seine unheilbare Verliebtheit verstehen, ich zahlte weit höhere Beträge, hatte aber zumindest den Sex um den es ja eigentlich geht. Ich hatte nie Geld geschickt, meine Gespielinnen bekamen es bar auf die Hand, so sparte ich wenigstens hohe Gebühren. Letztendlich war ich jedoch der gleiche Kasper, unfähig ein letztes Wort zu sprechen was längst fällig gewesen wäre. Das letzte Wort war nun meine Abreise gewesen, ich glaubte endlich frei zu sein. Langjährige Beziehungen sind aber nicht mit einem Donnerschlag zu Ende, die Beteiligten waren zu lange aufeinander fixiert gewesen, hatten Tisch und Bett geteilt, waren abhängig voneinander. Sunny war abhängig von meinem Geld, Sie würde mich nicht einfach gehen lassen, damit musste ich rechnen. Es dauerte erstaunlich lange bevor sie wieder bei mir anklopfte, einige Monate vergingen, dann begann das flehentliche Bitten per Telefon: Bitte komm zurück, ich gehe mit dir wohin du willst. Mir ging es gut, ich konnte ohne Sie leben, hatte nie bei ihr angerufen, aber ich war noch nicht endgültig geheilt, die Erinnerungen an schöne Stunden an Zärtlichkeiten und Liebesbeweise waren noch im Kopf des Liebeskaspers vorhanden, Ich wollte glauben was unglaubwürdig war und wurde schwach. Der Winter stand vor der Tür, ich flog nach Manila, holte Sie in Angeles ab und flog mit ihr nach Bangkok. Offenbar hatte Sie ein Verhältnis mit einem jüngeren Filipino gehabt, der ihr das letzte Geld aus der Tasche gezogen hatte, ihren Goldschmuck hatte die Pfandleihe kassiert, nach dem Verlust hatte sie einen Metallschrank geboxt und sich die Hände blutig geschlagen. Das passte zu ihr, kein Hirn aber harte Fäuste. Sie war älter und dicker geworden, trank Alkohol und naschte Gummibärchen. Ihre Tochter hatte das zweite Kind bekommen, ich durfte Geld für Kinderkleidung locker machen. Sie hatte Sehnsucht nach ihren Enkeln und wollte nach drei Wochen Pattaya bereits die Rückreise antreten. Sie machte sich keine Mühe um mich, verbrachte die Tage leidend und trinkend im Bett, wollte heim nach Angeles. Nach quälenden zwei Monaten verließ Sie mich für immer, so endete eine Liebe.

                                                                                                                                    DAS  LEIDEN

Das Leiden der jungen Mutter und die Leiden des alten Peter erinnerten an „Die Leiden des jungen Werther“, hier wurde dem Liebesleid ein unvergängliches Denkmal gesetzt, das nur von Earth Wind and Fire: „After the Love has gone“ übertroffen wurde. Ein König der Leid zufügt ist eine weitere Figur des großen Goethe: „Mein Vater mein Vater jetzt fasst er mich an, Erlkönig hat mir ein Leid getan“. Der pädophile König berührte den Knaben unsittlich, der Autor berührte Leidensfähigkeit und Mitleid des Lesers, der durch den Leidensweg des Knaben in Mitleidenschaft gezogen war. Ungerührt berührte Erlkönig weiter das in den Armen des Vaters fiebernde Kind ohne dass es im Leid getan hätte, er kannte keine Berührungsängste. Nacht und Wind waren die einzigen Zeugen der widernatürlichen, eines Königs unwürdigen Berührungen, die Wegbegleiter von Vater und Sohn waren. Wenn wir die beiden auf ihrem Weg begleiten, leiden wir mit ihnen, wenn sich Müh und Not auf den Tod des Kindes reimen, kann sich jeder einen Reim auf die Unsittlichkeit der Monarchie machen und nie wieder König Pilsner trinken. „Erst tun wir Leid, dann tut es uns leid“. Das wir dir noch Leid tun, rufen wir jedem zu der uns ein Leid antut und keiner will sich das selbst antun. „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Wie fügt es sich da, das wir anderen gern ein Leid zufügen um uns selbst eine Freude zu machen. Kinderleicht, man sollte schon im Kindesalter beginnen anderen Leid zuzufügen um sich der Schadenfreude zu erfreuen; „Jung gefreut nie gereut“. „Des einen Leid ist des anderen Freud“. Freud ist für den Leidenden eine Vaterfigur, der Übervater des Überichs, der Überflieger des Unterbewusstseins, der Beichtvater der Gottlosen. „Mitgeteiltes Leid ist doppeltes Leid“. Wer durch zugefügtes Leid Schaden nimmt entwickelt oft ein hohes Potential an Klugheit; „Durch Schaden wird man klug“. Viele wachen eifersüchtig über das Leid das sie sich selbst zufügen; „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft“. Mitleid mit Leidgeprüften sollte man einer Prüfung unterziehen, warum mitleiden wenn der Leidende sein Leiden als Genussmittel versteht. Gerade ältere Menschen sollten den Rat befolgen; „Genieße das Leid, wie schnell rinnt die Zeit“. „Wer früher stirbt ist länger tot“, dann haben die Leidtragenden das Leid zu tragen. Leser leiden unter der überbordenden Spielfreude mancher Autoren, die das Leiden zur Freude und die Sprache zum Spiel machen, ein Scheiß-Spiel an dem nur sie selbst Freude haben. Es sind leidensgestörte Individuen denen das mitleidlose Beschreiben von Leid zur freudschen Fehlleistung wird. Die Fehlleistung ist der häufigste Fehler der Leistungsgesellschafft, die Leistung belohnt und Ziele verfehlt. Das Leiden ist Hauptbestandteil der Liebe, ohne Liebe kein Leid ohne Leid kein Liebeskummer;“Die Liebe kommt die Liebe geht, zum Leiden ist es nie zu spät“. „Was wir heut allein erleiden, droht für morgen dann uns beiden“. Die wilde Ehe ist eine Leidensgemeinschaft, „Geteiltes Leid ist halb so wild“. Die vor Gott und den Menschen geschlossene Ehe ist eine geschlossene Gesellschaft für zwei und mehr Personen, die sich alle eingeengt und in der Familie gefangen fühlen, eine Freiheitsberaubung die unsagbares Leid hervorruft das sich nur auf Ruf hervor wagt. „Wer wagt gewinnt“. Wieder gewinnt das Leid und der Sieger ist Freud. „Freude schöner Götterfunken“ als „Funk“, dargeboten von den CRUSADERS, lässt den Funken überspringen wie den Karnevalsprinzen über das Funkenmariechen.

                                                                                               GRÜNES  LICHT  IM  ROTLICHTVIERTEL

In meinem Hotel in Pattaya gab es viele deutsche Stammgäste, einer davon war Otto, ein Waisenkind mit Ödipuskomplex, der nur mit älteren Frauen konnte. Beneidenswert, diese Damen sind dankbarer und billiger. Er war seit Jahren mit einer vollschlanken Thailänderin zusammen, die sich auf seine Kosten elegant kleidete und eine gute Hausfrau war. Der Sex war sanft entschlafen, man kannte sich zu lange, Sie wusch seine Wäsche, auf seinem Balkon flatterten die Hemden im warmen Wind der Tropen. Sie schaute Seifenopern während er sich an den Bars von anderen Matronen einseifen ließ. Er flirtete gern mit älteren Damen des Gewerbes, die sich dankbar für sein Interesse zeigten. Wir zogen zusammen durch die sündigen Gassen, rechts und links flankiert von offenen Bars die keine Wünsche offen ließen. Für ein Handgeld nahm ein leichtes Mädchen deine Hand und legte eine schwere Brust hinein, die man kneten und abwägen konnte. Otto konnte nicht widerstehen, oft konnte sein müdes Glied wieder stehen wenn die „Mutterbrust“ und ihr Schicksal in seinen Händen lag. Es lag an ihm die mütterliche Dirne in eine Absteige zu verbringen um mit ihr ein paar schöne Stunden zu verbringen. „Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino“. So lautete die Werbung für eine längst vergessene Einrichtung in der ich mich in ihrer Blütezeit eingerichtet hatte. Otto spendierte teure Ladies Drinks, gab Trinkgeld, nahm aber nie eine mit. Er wurde nicht müde alte Damen zu verschaukeln. „Komm auf die Schaukel Luise“ Hans Albers, frühes Kino.  Müde vom Bier trinken lag ich dann schon lange im Bett, weil mich seine platonischen Besuche in „Altersheimen“ langweilten. Das nahm er mir übel aber es tat unserer Freundschaft keinen Abbruch. Wir kamen uns nie in die Quere, ich liebte die Jungen, er die Alten. Wir hatten viel Spaß miteinander, ohne die Damen für unzüchtige Handlungen zu engagieren. Wir waren Freunde, zogen gemeinsam durch das Rotlicht und machten das Nachtleben zu unserem Tagewerk. Hier waren junge Frauen am Werk denen es zum Nacktleben geworden war, sie brachten nackt Leben in die Bude wenn sie schlangenartig an der silbernen Stange klebten um ihren Leib zu versilbern. Andere waren züchtig gekleidet, trugen aber keinen Slip unter dem Minirock. Maxirock dröhnte aus den Lautsprechern, es war ohrenbetäubend aber es war Musik, spätere Generationen sollten einmal Besseres zu hören bekommen, Techno sollte ihnen die Melodie und das Mitsingen ersparen aber den Beat einhämmern bis sie wissen wo der Hammer hängt. Wenn der Hammer in der Hose hängt ist man bemüht ihn moralisch aufzurichten, ein langbeiniges Geschöpf stieg mit hohen Absätzen auf unseren winzigen runden Tisch, ohne unsere Biergläser zu berühren. Es war berührend der jungen Dame unter den Rock zu schauen, wo man die Kreditkarte mühelos durch den nackten Schlitz ziehen konnte, so witzelte Otto. Eine pausierende Tänzerin im Seidenkimono trat am mich heran und fragte ob ich sie noch kenne. Sie war älter geworden und entsprach nicht mehr dem Typ des jungen Mädchens, dem der bedauernswerte alte Trottel nachlief wie ein läufiger Hund. Es war eine alte Bekannte des alten Mannes, wir waren einmal ein Shorttime-Paar gewesen, doch das war lange her. Ich kannte ihren Kreditkartenschlitz, Sie kannte meinen Hosenwurm, hatte ihm oft den Regenmantel übergezogen. Ich fand es überzogen alte Zeiten aufleben zu lassen in denen ich ihren Körper und Sie mein Geld geliebt hatte, mir stand weder der Sinn noch der Penis nach Auffrischung vergangener Gemeinsamkeiten, wir hatten nichts mehr gemein. Es war gemein von mir Sie abzuweisen aber Sie war Kummer gewöhnt. „Die Liebe kommt die Liebe geht, es kommt drauf an ob Er noch steht“. Er stand nicht aber er zuckte als wir wenig später in der Babyface Bar ein letztes Bier tranken, ich war wie elektrisiert als ich den Engel meiner alten Tage erblickte, spontan sprang ich auf, lief zur kreisrunden Bühne und reichte dem zauberhaften Wesen ein kleines Trinkgeld. Es war ein geringe Summe, nur fünfzig Baht aber die junge Frau schenkte mir ein Lächeln das fünfhundert Baht wert gewesen wäre. Nach ihrer Tanzrunde begrüßte Sie einige Gäste, ich konnte mein Glück nicht fassen als Sie darauf an unseren Tisch kam. Otto verfolgte die Szene aufmerksam und gespannt, für ihn war diese Kindfrau viel zu jung, er schätzte ihr Alter auf etwa zwanzig, Sie sah aber weit jünger aus. Tatsächlich war dieser Teenager siebenundzwanzig Jahre alt und mit allen Wassern gewaschen. Ich war für Sie ein alter Mann in lilafarbener Hose und Hemd, gut gekleidet, Sie hielt mich für reich. Auch ich sah jünger aus, hatte aber die siebzig bereits überschritten, welch ein unverhofftes Glücksgefühl, von diesem stets lächelnden Engel akzeptiert zu werden. Wer ein Leben lang abgewiesen und plötzlich angenommen wird, bei einem Altersunterschied von über vierzig Jahren, ist auch sofort bereit höchste Preise für ein spätes Glück zu zahlen, allein der Auslösebetrag lag bei fünfhundert Baht, Der Engel würde mindestens eintausend pro Tag verlangen, all das steigerte nur mein Verlangen mit ihr in den siebenten Himmel der Liebe zu fliegen, koste es was es wolle. Sie trank mexikanischen Schnaps und bedauerte nicht mit mir gehen zu können, ich müsse ein paar Tage Geduld haben, sie habe ihre kritischen Tage. Kritisch hörte ich ihr zu, mein erträumtes Glück zerschellte an faulen Ausreden wie die Flaschenpost eines Trinkers am Felsen des Alkoholverbots. Otto tröstete mich, er glaubte ihrem unschuldigen Augenaufschlag, nicht immer sind die ominösen Tage das Lügengewebe einer hinterhältigen Spinne, die nur Spiderman besiegen könnte. Zwei Tage sollte ich Geduld üben und erst am dritten Tag das Ende ihrer Tage  mit ihr feiern. Mit gemischten Gefühlen hörte ich die frohe Botschaft von der bevorstehenden Abreise des anderen Kunden und dem beglückenden Versprechen nach dem Ende ihrer Tage ihre Tage mit mir zu verbringen. Otto riet mir ab Sie vor Ablauf der genannten Frist zu belästigen und auch ich wollte mir den Anblick des anderen Kunden ersparen der an den kritischen Tagen die Nächte mit ihr verbringen würde. Würde ich mit Würde altern, würde ich von solchen Torheiten Abstand nehmen und den Anstand wahren, stattdessen feierte ich nach zwei zergrübelten Tagen und Nächten den Einstand in der Babyface Bar wo mein gefallener Engel mir um den Hals fiel. Mancher Mann über siebzig legt sich den Strick um den Hals, mir legten sich die schlanken Arme eines erfahrenen Teenagers von siebenundzwanzig Lenzen um den Hals; „Veronika der Lenz ist da“. So verstrickte ich mich auch ohne Strick immer tiefer im fein gewebten Spinnennetz einer erfahrenen Frau die am Webstuhl der Liebe ganze Arbeit leistete; „Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben“. Mit Pattana im Bett war ich wie auf Rosen gebettet, sie webte mich in einen Kokon aus dem es kein Entkommen gab, bezeichnete mein Steiftier als Icecream und schleckte es ab wie das Gelati eines italienischen Meisters der kalten Kunst. Mein hart gefrorenes Speiseeis schmolz unter ihrer heißen Zunge und ließ sich bereitwillig von ihrem Rachen verschlingen das mir die Sinne vergingen. Oral war längst normal, die Zeit war nicht spurlos an den keuschen Mädchen meiner Anfänge vorbeigegangen. Früher erschien ihnen das Blasen als Blasphemie, heute danken sie Gott für ein mundgerechtes Format. Früher mussten Frauen den Mund halten, heute halten sie ihn mit dem Mund.

                                                                                                             DER  VERLUST  DES  HERRN

Wer hätte das gedacht, ein Spätzünder, der im Alter von 21 Jahren den ersten Geschlechtsverkehr hatte, ein unentdecktes Talent, das seit Jahren nur mit „Fräulein Faust“ verkehrte, in sich gekehrt alles verkehrt machte, sollte als Lustgreis noch einmal zur Höchstform auflaufen weil die blühende Jugend eines engelhaften Wesens das schlaffe Anhängsel täglich neu durchblutete und ihm eine mannhafte Form gab. Eine leicht verfettete, wenig schöne Frau mittleren Alters, auch eine Arbeiterin der Faust, Sie arbeitete als Melkerin und hatte täglich Anhängsel zu masturbieren, die wie kleine Penisse in ihren kräftigen Händen lagen, hatte eines Tages meinen wesentlich größeren Penis in der Hand dem Sie die Milch des Jünglings abforderte. Das orale Zeitalter lag in ferner Zukunft, noch war Handarbeit ein Markenzeichen, auch die Melkmaschine stand nicht jedem Bauern zur Verfügung wenn Er stand. Meiner stand nach kurzer Masturbation am Rande des Abgrunds, der ihn verschlingen würde wie eine Fleischfressende Pflanze ihr Opfer. Ich war das Opfer einer reifen Frau welche die Zeit der Reife dieses unschuldigen Knaben ausnutzte um ihn sich einzuverleiben. Sie hatte nichts gemein mit einer blutjungen Pier Angeli, einer Italienerin die eigentlich den Nachnamen Pierangeli trug und von Hollywood entdeckt worden war, ein Schwarm des jungfräulichen Jünglings, der Sie im dunklen Kinosaal anhimmelte weil er nicht wagte junge Mädchen auf heller Straße anzusprechen. Die wesentlich ältere Melkerin hatte kein ansprechendes Äußeres, bot ihm aber ihre inneren Werte an. So verschwand sein unschuldiger Phallus  im Inneren ihres ausgehungerten Unterleibs wo er sich wie ein Halbstarker austobte. Nach einem explosionsartigen Höhepunkt fand sich das ungleiche Paar in einem Meer von Körpersäften schwimmend, die das ramponierte Bett überflutet hatten, was die Melkerin trocken kommentierte; „Das hatten wir aber beide dringend nötig.“ Sie nötigte mich ein Geldgeschenk anzunehmen, so lernte ich die käufliche Liebe kennen. „Ein Herz kann man nicht kaufen“. Deutsches Liedgut. Sie war bereit den süßen Bengel zu finanzieren, der ja arm wie eine Maus ohne Kirche war. Ohne Kirche war er, als bei ihm auch die Verbindung zu Gott durchtrennt worden war, wie ein Telefonkabel in einem amerikanischen Gangsterfilm, oft hatte er ihn angerufen aber die Leitung war tot. Als ich 145.- Reichsmark Kirchensteuer nachzahlen sollte, die in der gottlosen DDR nicht zusammen mit der Lohnsteuer eingezogen wurde, erklärte ich dem Kirchenmann die Situation einer schwerbeschädigten Alkoholikerin ohne Ehemann und ohne Einkommen, die sich mühte ihre zwei Kinder zu ernähren. Wir waren Hungerkünstler ohne Publikum, hatten nie ein Care Paket oder Nahrungsmittel von der Kirche erhalten, keiner kümmerte sich um uns. Stattdessen stand der Vorwurf der Steuerhinterziehung im Raum, ich schuldete den Vertretern Gottes auf Erden etwa so viel wie ich in einem Monat als Verkaufslehrling in einer Lebensmittel-Filiale der Konsumgenossenschaft verdiente, im Jahre des Herrn 1948. „Austreten“ hatte ich bisher immer als Bezeichnung für „Wasser abschlagen“ gehalten, von dem, kleinen Verdienst konnte ich nichts abtreten also musste ich aus der Kirche austreten. Diesen Wunsch konnte mir der liebe Gott nicht abschlagen, zumal er mit der Arbeit seiner Leute selbst nicht einverstanden war. Sein Ärger mit dem Personal hatte bereits zu Zeiten Erich Kästners den Höhepunkt erreicht, als dieser in einem Gedicht den Kirchenaustritt Gottes  verkündet hatte. In der Sowjetunion war Gott bereits abgeschafft, dort betete man erst Lenin dann Stalin an, Ersatzgötter die mehr und mehr im Kommen waren. Dieser Verlust des Herrn führte zu  Demokratien in denen alles erlaubt ist, mit Ausnahme dessen was verboten ist. An der Spitze stehen die neuen Götter, Personenkult ist Kult. Wen soll man anbeten, es sind so viele. „Großer Gott“ rief so mancher, als ein Kunstmaler sich der schwarzen Kunst bemächtigte und sie braun einfärbte. Die deutschen Arbeitslosen verkauften ihre Seele, gaben ihr Seelenheil für „ Heil Hitler und Sieg heil „ und wähnten sich im Glück. „Hans im Glück“, das unsterbliche Märchen vom Tauschhandel, mit dem man sich manche Enttäuschung einhandelt. Hans gab sein Gold für Tiere her, er träumte von Massentierhaltung und hemmungslosem Fleischkonsum mit dem er unermesslich reich werden wollte. Die Deutschen hatten einen schlechten Tausch gemacht, sie beteten einen Heilsbringer an der heilloses Unheil über sie brachte. Unheilbar krank liefen sie Amok und schossen wild um sich. Um sich ein Bild vom Ende zu machen sehe man die entsprechenden Filme an, zurzeit eine Serie die im zerstörten Berlin von 1946 spielt: „Shadowplay, Schatten der Mörder“. Meine Heimatstadt ist reich an Vergangenheit, das dritte Reich war nur einer von vielen Höhepunkten. Über allen Reichen steht das Himmelreich, das erreichen wir erst wenn wir allen irdischen Teufeln für immer entronnen sind. „Auf Erden gibt es arm und reich, im Himmelreich sind alle gleich“. Nicht gleich, erst nach dem Tode. Totgesagte leben länger,  im Himmel existiert „Der real existierende Sozialismus“, man muss nur sterben um seiner teilhaftig zu werden. Alle Engel reden sich mit „Genosse Engel“ an und für Chinesen gibt es einen „Platz des himmlischen Friedens“. Es herrscht Religionsfreiheit, wer will kann Mao Tsetung anbeten. Jeder der auf Erden an der Verwirklichung des Sozialismus gearbeitet hatte, hatte es nicht für möglich gehalten diese von allen geliebte Utopie im Himmel vorzufinden. Nur die Süchtigen waren überzeugte Anhänger dessen gewesen was sich nun in voller sozialistischer Pracht vor ihnen entfaltete. Die Abhängigen hatten ihr Leben lang „Opium fürs Volk“ konsumiert, eine harte Droge, die sich inzwischen langsam den Markt zurückerobert hat. „Seit wann?“ hatte Karl Marx nach seiner Ankunft ungläubig gefragt, während Engels sich zu den Engeln gesellte, die ihn mit „Genosse Engels“ anredeten. „Schon immer !“ antwortete ihm der Parteivorsitzende, ein gewisser Herr Gott. „Herrgottnochmal, sag das nochmal“ hatte Marx ausgerufen, dann wurde er über Lautsprecher ausgerufen. Abends gab es einen Empfang zu Ehren der Vorkämpfer die sich vergeblich bemüht hatten „Den Himmel auf Erden“ durchzusetzen, „Hier geht alles seinen sozialistischen Gang“ sagte Honecker als er die Genossen begrüßte, „Vorwärts immer rückwärts nimmer“.

                                                                                                  SOZIALE  MARKTWIRTSCHAFT

Der Himmel ist ein riesiger Markt, hier leben alle die nicht mehr leben nach dem Motto: „Leben und leben lassen“. Wer sein Leben lassen musste ist hier keineswegs von allen guten Geistern verlassen, hier regelt der Geist des Sozialismus den Markt und nicht umgekehrt. Hier war alles im Preis inbegriffen, man gab sein Leben und bekam ein „Tischlein deck dich“ als Begrüßungsgeschenk. Es gab ein „All you can eat-Buffet“ und das kostenlose Kaufhaus: „Umsonst ist der Tod“, das jeden Kaufrausch befriedigte. Das Leben im Himmel war himmlisch, alle waren gleich, jeder war sein eigener „Hans im Glück“. Manche fanden ihr Glück im Hans aber alle waren glücklich. Alle waren weiß gekleidet und bewegten sich vor einer weißen Wolkenwand hinter der manche  die Hölle vermutete. Von Wolke zu Wolke waren weiße Spruchbänder gespannt, die rote Parolen in den farblosen Alltag brachten; „Engel aller Himmel vereinigt Euch“ „Vom Himmel lernen heißt siegen lernen“ „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“ „Der Himmel ist nie ausverkauft“. Honecker, der ehemalige König der DDR, war bekannt für das Wiederkäuen alter Parolen; „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf“ schwadronierte er vor den Altmeistern Marx und Engels, die sein Auftreten als peinlich empfanden.  Milde belächelt vom Himmelskönig, der seine Partei;“ SED H – SOZIALISTISCHE EINHEITSPARTEI DES HIMMELS „ weise aber mit eiserner Hand durch die Wirren aller Klassenkämpfe im Reich der Wolken, geführt hatte. Immer wieder hatten die „Höllenhunde“ seines erbitterten Gegners ihn angekläfft um „Das Kapital des Teufels“ in die Wolkenbank zu schleusen und den Gottesstaat zu unterwandern. Der Himmelsdollar war eine Art Spielgeld, mit dem man kostenlos bezahlen konnte was für alle Himmelsbürger frei verfügbar war. „Bezahlbare Wohnungen“ waren hier unbezahlbares Eigentum des Volkes, alle Wolkenhäuser waren mit; „VEB – Volkseigene Behausung“ beschriftet. Hier musste kein Obdachloser die Wohnungsnot unter Brücken überbrücken, die Soziale Marktwirtschaft hatte den Wohnungsmarkt als Werk des Teufels erkannt und ihn in den Höllenschlund geschleudert. Der Himmel war ein demokratisches Gemeinwesen, eine Gemeinheit war die weiterhin verschleppte Gleichstellung der Frau, vereinzelt gab es sogar Spruchbänder mit frauenfeindlichen Parolen; „Frauen sind keine Engel“, die auf deutsches Liedgut zurück gingen. Die himmlische Leitung hatte über Jahrhunderte mit der irdischen Kirche zusammen gearbeitet, das rächte sich nun, als die Emanzipation der Frau auf Erden schneller fort schritt als der Fortschritt im Himmel. Noch immer geisterte der Ritt auf dem Besen und die Frau als Hexe, durch die Köpfe verwirrter Geister, die sogar im real existierenden Sozialismus jeder Verschwörungstheorie Satans Glauben schenkten, die ihnen als eine Art schmerzhafter Fersensporn auf den Fersen war, eine satanische Ferse. Gegen die himmlische Langeweile waren Pseudoarbeitsplätze geschaffen worden, wo Frauen immerhin gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wurde. Der Himmelsdollar war eine Scheinwährung, es gab nur Scheine keine Münzen und man bezahlte einander nur zum Schein. Für die meisten Engel war es eine liebe Gewohnheit, wenn auch der Ernst des Lebens nicht mehr im Spiel war. Jeder verfügte über ein bedingungsloses Grundeinkommen, für das es keinen vernünftigen Grund aber eine soziale Begründung gab. Geld war ein Relikt aus dem Mittelalter der Neuzeit, ein alter Brauch, der nicht mehr gebraucht wurde. Auf der Erde wurden alte Scheine unbrauchbar gemacht, während der Druck neuer Scheine unbezahlbar geworden war und man insgeheim die Abschaffung des Geldes betrieb. Man wollte den Menschen das Liebste nehmen, ältere ersehnten den Tod weil im Himmel noch Geld in Umlauf war. Solche geheimen Wahrheiten über die Himmelsmacht sickerten durch obwohl die Kirche den Himmel weiterhin unrealistisch darstellte. Ihrer Meinung nach hatte der Herr des Himmels die stets als Segen propagierte Gleichheit zu weit getrieben, ein Sieg des Sozialismus war nie im Sinne des Klerus gewesen. Inwiefern die Nahtoderfahrungen von Augenzeugen ausreichend sind, die tatsächlichen Zustände im Himmel zu beschreiben sei dahingestellt, sie decken sich aber mit Aussagen von Scheintoten die nach ihrer Rückkehr einen Himmelsdollarschein als Beweis vorlegten.

                                                                                    AUGEN  AUF  BEIM  FRAUENKAUF

Ich beneidete Otto um seinen Defekt, nur ältere Frauen lieben zu können, mein Defekt war anderer Art, ich konnte nur jüngere lieben, ein unangemessenes Verlangen, Gegenliebe konnte ich von denen nicht verlangen. Bei Pattana stieß ich auf Gegenliebe, sie küsste mich bei jeder Gelegenheit, sogar während der Fahrt auf dem Pick up Taxi, in Gegenwart junger thailändischer Fahrgäste, die mit ungläubigem Staunen das unzüchtige Benehmen dieses leichten Mädchens verfolgten. Der Austausch von Liebesbeweisen dieser Art war in der Öffentlichkeit verpönt, Patty setzte sich über die guten Sitten hinweg, das musste „Liebe“ sein. Für Sie war ich eine Vaterfigur mit gut bezahltem „Inzest“, Sie war mir eine  gehorsame „Tochter“, die ihren Daddy liebte. Für mich war Sie jedoch viel mehr, Sie war die letzte große Liebe meines Lebens, ein Schelm wer böses dabei denkt. Sie gab mir alles was sich ein Mann nur wünschen kann, ich hatte eine Perle im Heuhaufen gefunden. Echte Perlen sind echt teuer, da braucht ein alter Mann Geld wie Heu. Endlich erlöst von der unglücklichen Liebe zu einer gemütskranken Mutter von fünf Kindern, an die sich der depressive alte Kerl so viele Jahre geklammert hatte, begann ein neues Leben, ein spätes Glück das leider mit sehr hohen Kosten verbunden war. Patty hatte keine Kinder, die schlanke Figur eines Teenagers, die Erfahrung einer langjährigen Prostituierten, das heitere Wesen eines Engels und sie hatte sehr genaue Vorstellungen von der Höhe ihrer Gage. Sie blieb Tag und Nacht bei mir, las mir jeden Wunsch von den Augen ab und verlangte pro Tag 2.000 Baht, zu einer Zeit als an den Beer Bars 200.- „Auslöse“ und 500.- Baht Gage für das Mädchen pro Nacht die Regel war. Die Babyface Bar war keine normale Bar, hier kostete allein die Auslöse 500.- , die Damen verlangten 1.500 für einen Shorttime und 2.000.- pro Nacht. Patty war also nicht zu teuer wenn sie 24 Stunden bei mir blieb. Mir blieb nichts anderes übrig als die „normalen Preise“ zu zahlen, die ich mir auf Dauer nicht leisten konnte. „Das Leben ist schön aber teuer, man kann es auch billiger haben, dann aber nichtmehr so schön“. Meine unschuldige Dirne hatte die schönsten jungfräulichen Brüste der Welt, an denen ich wie ein Verdurstender saugte, ohne die Milch zu erhalten, die ihnen den Namen gab. In der Landessprache haben Milch und Brust dasselbe Wort: „Nom“, liebevoll fragte meine Angebetete: „Do you like my Milk?“ (Gefällt dir meine Brust?) Ich liebte ihre Brüste, den flachen Bauch, die nackte Pussy, eine Scham ohne Schamhaare, Patty war ein unkompliziertes Geschöpf ohne Schamgefühle.  Die Mädchen in Thailand werden dazu erzogen die Eltern im Alter zu versorgen, es gibt keine Altersrente und kein Sozialamt, es gibt nur die Familie. Wenn sie als Prostituierte viel Geld verdienen steigen die Ansprüche von Mama Papa, Bruder und Schwester ins uferlose, weil man jeden Farang für einen Millionär hält. Der Farang, der Ausländer, den alle „Falang“ nennen weil man das „R“ als „L“ spricht, ist ein Geschenk des Himmels und ersetzt hier den Sozialstaat deutscher Prägung, der so viele Zuwanderer anzieht. Wer als Langzeittourist oder Resident nach Thailand zuwandert wird mit Wünschen und Forderungen konfrontiert die seine Möglichkeiten mitunter weit übersteigen. Das Übersteigen eines einheimischen Frauenzimmers ist also immer auch eine soziale Aufgabe die hohe Sozialabgaben fordert. Nach guter alter Tradition kauft oder baut der „Falang“ seiner Angebeteten ein Haus, was gibt es schöneres als ein Dach über dem Kopf wenn die Sonne brennt oder die Regenzeit beginnt. Patty hatte ihr Haus bereits selbst finanziert, sie verdiente in der Saison etwa 80.000.- Baht pro Monat in ihrer Bar, ihr Vater leitete die Bauarbeiten, das traute Heim für die alten Tage seiner Tochter war fast fertiggestellt, ich zahlte Vorschuss wenn er Geld für Material und Arbeiter benötigte. Bruder und Schwester benötigten ebenfalls Geld, man war krank, arbeitslos oder nur arbeitsscheu, scheute sich aber nicht die kleinste und jüngste Schwester, die sich im Rotlicht von Pattaya sonnte, abzuzocken. Patty hatte diese Unsitte oft beklagt, wollte nicht begreifen warum alles Geld immer nur von ihr kommen musste. Hier schien täglich die Sonne, ich schien der reiche Mann vom Dienst zu sein, ich musste Patty vom Dienst in ihrer Bar freikaufen. Sie liebte es bei mir zu sein, ihre Zuneigung war echt wie Gold, ihr Gold war echt wie meine Zuneigung zu ihr. Ihr Haus und ihr Gold hatten bereits andere Männer bezahlt, ich zahlte nur noch die jämmerlichen Restkosten. Der Betreiber der Bar war ein Farang, ehrsame Geschäftsleute sollte man nicht Zuhälter nennen, der bereit war sein hübsches „Zirkuspferdchen“ an einen irregeleiteten Liebeskasper zu verkaufen, zu vermieten, er setzte den Preis für 30 Tage von 15.000.- auf 10.000.- Baht herab, gab ihr jedoch Instruktionen in der Landessprache, die ich nicht verstand. Die Summe war sofort in bar zu zahlen, bei Verzögerung erhöhte sich der Preis. Um Geld zu holen musste ich per Taxe die ganze Stadt umfahren, in der ein Musikfestival alle Straßen blockierte. In meinem Hotelsafe war Bargeld, ich fuhr zurück und bezahlte den Zuhälter, der seinem Pferdchen Anweisungen gegeben hatte, einen „Ehestreit“ anzufangen und mir davonzulaufen, sie wurde schließlich in ihrer Bar gebraucht. Mein Geld wäre verloren, die Unterwelt hätte gesiegt. Seine Rechnung ging nicht auf, mein Pferdchen lief nicht davon, es siegte die „Liebe“. In Deutschland musste ich jeden Pfennig umdrehen um Geld zu sparen, dabei verwandelte er sich eines Tages in einen Cent und die Mark in einen Euro.“ Eine neue Währung ist wie ein neues Leben“. Deutsches Liedgut, leicht abgewandelt. Dieser Schachzug war ein Zug der ins Ungewisse fuhr, er fuhr mir in alle Glieder und mein Glied sollte den Wechsel zu spüren bekommen. Ich fiel in „Altersarmut“, und konnte mir den Playboy der ich einmal war nicht mehr leisten, meine kleine Welt der käuflichen Liebe brach zusammen wie ein Kartenhaus im Sog des Staubsaugers bei der großen Reinigung. Aber das Leben ging weiter, ich musste mein kleines Glück festhalten, dem Sog standhalten, wollte ich nicht wie ein Staubkorn im silbernen Rohr des gewaltigen Geräts verschwinden und für immer verlieren was mir ein gütiges Schicksal geschenkt hatte. Mein Geschenk des Schicksals kostete mich 60.000.- plus 10.000.- für den Zuhälter der Babyface-Bar, plus etwa 30.ooo.- für Essen Trinken Geschenke; Kleidung Schmuck, das waren 100.000.- Baht, bei einem Kurs von 50 Baht pro Euro waren das 2.000.- Euro pro Monat. 1.600.- Euro Rente reichten  nicht aus, ich hatte nur wenig Erspartes, ein kleiner Rentner ohne Haus und Wagen. Mein Luxusweibchen verlangte im Falle einer Heirat eine Million Baht Brautgeld für ihre Eltern, für 20.000.- Euro hätte Sie ihre Jugend dem alten Mann geopfert. „Aber wehe wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe“ Wilhelm Busch. Es wäre ein Ende mit Schrecken geworden, aber noch standen wir am Anfang. Mein Flug war gebucht, wir hatten nur diesen einen Monat miteinander, in dieser Zeit war ich glücklich wie Hans im Glück, jeden Tag wurde die körperliche Vereinigung vor dem Spiegel oral eingeleitet und von der Videokamera festgehalten, meine Partnerin war sich für nichts zu schade, machte alles mit was andere verweigert hätten, Sie war teuer aber Sie war ihr Geld wert, ich hatte im ganzen Leben keine Frau wie Sie. Man kann einen Mann restlos glücklich machen wenn man es nur will. Sie wollte und konnte es, ich hatte nie geglaubt so etwas je zu erleben und war bereit die größte und letzte Dummheit meines Lebens zu begehen. Ich musste Sie heiraten um Sie nicht jeden Tag neu bezahlen zu müssen, wollte ihr die Million Brautgeld zahlen, allerdings nur die Hälfte an die Eltern, die andere Hälfte an Sie. Ich erzählte ihr nichts von diesen Plänen, es war ein gewagtes Spiel auf das ich mich einlassen wollte, ich sah jedoch keinen anderen Weg. Wir hatten eine wunderschöne Zeit, ich beschenkte Sie mit den modernsten Klamotten, jeder neue Tag war eine neue Modenschau, ich war der Modeschöpfer, Sie mein liebstes Modell, ich betete Sie an. Unser gemeinsames Glück wurde von einem meiner Bekannten empfindlich gestört als ich diesen zum Essen einlud und er sich zum Erzieher meines zauberhaften Modepüppchens machte. Im deutschen Restaurant: BEI  HUGO erregte Sie allgemeines Aufsehen, alle Kerle starrten wie hypnotisiert auf das hübsche Modell an meiner Seite, das missfiel dem „Moralisten und Tugendwächter“, der eine ungeschminkte graue Maus an seiner Seite hatte um die sich keiner kümmerte. Er begann mein Mädchen zu beschimpfen weil sie es gewagt hatte sich hübsch anzuziehen, Sie trug all die schönen Sachen die ich für Sie gekauft hatte und genoss die Aufmerksamkeit der Männer.  Ein unschuldiges Vergnügen das man jeder Frau gönnen sollte, Jugend und Schönheit sind ein vergängliches Gut. Der  Mann, den ich für einen Freund gehalten hatte, pöbelte unverdrossen weiter, er bezeichnete meine Freundin als „overdressed“ und redete sich um Kopf und Kragen. Ein größenwahnsinniger Kleinbürger, heutzutage leider ein alltägliches Phänomen. Die Stimmung war im Eimer, der Abend misslungen, ich wollte die „Freundschaft“ beenden;“Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde“. Patty nahm der armen Irren nicht ernst, Sie war eine emanzipierte Frau und eine ehrbare Dirne. Im Gegensatz zu Sunny hatte Sie keine Kinder, benötigte kein Visum für andere Länder, ich musste keine Flugreisen, keine teuren Hotels bezahlen, lebte mit ihr im Paradies der billigen Preise und günstigen Wechselkurse, ein großes Buffet im Pattaya Garden Hotel kostete 0.99.- Baht, das waren ganze zwei Euro für „All you can eat“. Ich konnte meinen Engel bezahlen, aber wie lange konnte ich das durchhalten? „Kommt Zeit kommt Rad“ sagte der Türke, der für ein Fahrrad sparte. Ich flog nach Berlin und sparte so viel Geld als ich konnte, nach zwei Monaten würde ich wieder in Pattaya sein und meine Liebste in den Armen halten, so war es ausgemacht als wir uns trennten und Sie wieder in ihrer Bar arbeitete.

                                                                             EHE  MAN  EHEMANN  WIRD                                                                                        

 Zwei Monate genügten um meine pubertären Träume zu beenden und die Frau meiner Träume zum Wunschtraum eines anderen Mannes  zu machen. Sie bediente einen Kunden der auf der Durchreise war und nach Amerika zurück musste, Sie glaubte ihn nie wieder zu sehen aber der arme Mann hatte sich verliebt und machte ihr einen Heiratsantrag. Bei seinem zweiten Besuch lag er ihr zu Füssen und flehte Sie an ihm die Höhe der Summe zu nennen, die er ihr jeden Monat schicken wollte wenn Sie die Arbeit an der Bar beenden und auf ihn warten würde. Würde Sie auf ihn warten, es würde ein Jahr dauern ehe die Ehe realisiert werden würde. Der Ehewütige war zum Zeitpunkt seines Antrags noch verheiratet. Offenbar störte das weder ihn noch seine zukünftige Frau, wo ein Wille ist, ist ein Weg. „Frisch gewagt und frohgemut, nichts tut so gut wie Heiratswut“. Patty die Vielbegehrte hatte schon viele Anträge bekommen, einige Männer hatten ihr jeden Monat Geld überwiesen, waren aber wieder abgesprungen und hatten die Zahlungen eingestellt. Sie hielt nicht viel von diesen Versprechungen und wollte den gut bezahlten Job in der Babyface Bar nicht aufgeben aber diesmal lockte Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „nichts ist unmöglich, Toyota“.  Der Mann war keine gute Partie, aber das konnte Sie nicht überblicken, die hier aufgeführten Einzelheiten habe auch ich erst sehr viel später erfahren. Seine dritte Ehe mit einer Thailänderin, die er in Amerika kennen gelernt hatte, war zerbrochen, seine Frau mit zwei Kindern nach Thailand geflüchtet, er war in Pattaya um sie zurück zu holen. Sie weigerte sich, übergab ihm jedoch die Kinder um frei zu sein für ein Leben als Prostituierte. Eine amerikanische Hausfrau wollte sich in Thailand prostituieren, eine thailändische Prostituierte wollte in Amerika Hausfrau werden. Unternehmungslustigen Frauen steht die Welt offen, wer sich verbessern will hat freie Berufswahl. Frauen wechseln den Beruf, Männer wechseln die Ehefrauen. Robert, genannt Bob, musste sich also erst mal scheiden lassen, das würde viel Geld kosten, er hatte keins, seine Frau hatte ihn nicht ohne Grund verlassen. Er war 49 Jahre alt, also mindestens 20 Jahre jünger als ich, aber auch 22 Jahre älter als Patty, warum wollte Sie diesen armen Mann heiraten? Wahrscheinlich weil er ihr Amerika in rosigen Farben geschildert und seine Armut verheimlicht hatte. Er wohnte zur Miete, ohne eigenes Haus, hatte kein Geld auf der Bank, war ein einfacher Lohnarbeiter, erhielt aber eine monatliche Rente von  1.000.- Dollar. Diese Summe wollte er jeden Monat nach Thailand überweisen, Patty hatte ihm ihren Preis für das lange Warten auf die Heirat genannt, Sie verlangte 40.000.- Baht pro Monat und er hatte ja gesagt. Die erste Überweisung sollte in einem Monat erfolgen, früher hatte er kein Geld zur Verfügung. Noch während meines Aufenthalts in Berlin hatte ich einen Brief von Patty bekommen, in dem Sie mir die Neuigkeiten schilderte, mit dem Schlußsatz: „I hope you understand“. Ich hatte Sie an einen Anderen verloren, würde Sie aber bald in Pattaya wiedersehen. Als ich dort mein Hotel betrat übergab mir die Dame am Empfang eine Plastiktüte mit Toilettenartikeln und einem weiteren Brief; Sie war abgereist. Ich begann hemmungslos zu weinen und wälzte mich schlaflos auf meinem Hotelbett, mein spätes Glück hatte ein frühes Ende gefunden. Ich kann nur jeden warnen sich zu verlieben, man erleidet Höllenqualen wenn die Liebe zu früh endet, wenn sich die geliebte Frau einem Anderen zuwendet, weil man zu alt, zu arm, zu hässlich ist, um Sie für immer an sich binden zu können. Von einer Million Baht Brautgeld war offenbar bei dem jüngeren Mann keine Rede mehr, die würde Sie wohl in monatlichen Raten bekommen. Von nun an telefonierte ich täglich mit Patty, die in ihrem neu erbauten Haus auf dem Grundstück der Eltern ihren vorgezogenen Ruhestand ertragen musste. Ein tristes Leben ohne das rotierende Karussell ihrer Bar, auf dem Sie ihr Lächeln und ihre Haut zu Markte getragen hatte, ohne die gierigen Blicke geiler Männer im Konsumrausch, potentielle Kunden, die einen unerbittlichen Quälgeist in der Hose trugen, der sie zu Opfern der lasziv tanzenden Frauen machte. All das lag hinter ihr wie ein böser Traum, vor ihr lag eine traumhafte Zukunft im fernen Amerika. Kurz nach der Abreise des bettelarmen Traumprinzen war Patty gestürzt, hatte einen Schneidezahn verloren und konnte nicht arbeiten. Alkohol im Dienst fördert den Umsatz, macht Männer leichtsinnig und leichte Mädchen leicht betrunken, ein Arbeitsunfall der Folgen haben sollte. Am Telefon erzählte Sie Bob von ihrem Pech, er bat Sie sofort zu kündigen, die erste Rate schickte er früher als geplant, das ermöglichte ihr den sofortigen Ausstieg, Sie kündigte und fuhr nach Haus zu den Eltern. So kam es zu dem denkwürdigen Tag an dem ich voller Erwartung anreiste ohne erwartet zu werden. Patty telefonierte täglich mit Bob, mit mir und sicherlich mit vielen anderen Kunden die ihre Kündigung bedauerten und ihre Stimme hören wollten. Die geliebte Stimme hatte den Beruf gewechselt, war jetzt Telefonistin ihres eigenen Call Centers, allerdings ohne „Telefonsex“. Eine von allen begehrte Sexbombe ohne Sex, eine Pussy im Leerstand, ich verstand die Welt nicht mehr. Hier wurde eine einmalige Begabung von einem anmaßenden Heiratsschwindler aus dem Verkehr gezogen, ein unglaubliches Talent lahmgelegt, eine begnadete Prostituierte mit einem bedingungslosen Grundeinkommen korrumpiert und der aufopferungsvollen Arbeit am männlichen Sexualorgan entzogen. Viele litten an Entzugserscheinungen, ich selbst konnte ohne meine Droge nicht mehr leben, wie ein Verdurstender am letzten Tropfen Wasser, hing ich an den öffentlicher Fernsprechern, ich hatte noch kein Handy, ich saugte die Worte des geliebten Wesens auf wie ein trockener Schwamm, oder ein trockener Alkoholiker den ersten Schluck Bier nach Jahren der Enthaltsamkeit. Ihre glockenhelle Stimme läutete zur heiligen Messe der Anbetung, ich bat mit gefalteten Händen um die Gnade ihrer Rückkehr, dem Ende aller Höllenqualen die der Leibhaftige aus Amerika über mich gebracht hatte. Jeden Monat konnte Patty 40.000.- Baht abheben, das überstieg alles bisher da gewesene. Frühere Liebeskasper hatten ihr, zu einer Zeit als Sie noch in der Soi 8 an einer Beer Bar arbeitete und 1.000.- pro Nacht verlangte, 10.000.- bis 20.000.- geschickt, ehe sie vernünftig wurden und die Zahlungen einstellten. Dies geschah während ein einfacher Arbeiter mit 2.000.- bis 3.000.- Baht pro Monat eine Familie ernähren musste. Sie selbst hatte früher Hemden genäht und pro Nachtschicht 100.- Baht verdient. Bob hielt sein Versprechen, er überwies jeden Monat etwa 1.000.- Dollar, er war also doch ein reicher Mann. Jeden Monat konnte er diese enorme Summe erübrigen, so sah „Armut“ in Amerika aus, wo das Geld vom Himmel fiel wie in dem Song: „Pennies from Heaven“. Von dem was da fiel, fiel viel für das arme Mädchen vom Lande ab, Amerika ließ keinen im Regen stehen, es war ein Paradies von dem alle Träumer träumten. Patty träumte ihren Traum, ich träumte davon Sie zurück zu gewinnen und bot ihr die alte Gage von vorher an. Neben den 40.000.- von Bob, winkten 60.000.- von Peter, dann hätte Sie 100.000.- pro Monat. Ich war erstaunt als sie ablehnte, was niemand abgelehnt hätte, angeblich wollte Sie Bob nicht betrügen.

                                                                        DIE  EHRBARE  DIRNE

Eine ehrbare Dirne, es war nicht üblich die feuchte Pussy trocken zu legen, nur weil man einem naiven Kasper ein nicht ernst zu nehmendes Versprechen gegeben hatte. Es ist verzeihlich an Gott zu glauben, „Religion ist heilbar“, einer anschaffenden Bardame zu glauben ist folgenschwerer Leichtsinn. Bob war da in etwas hinein gestolpert das er weder überblicken, noch steuern konnte, er zahlte für eine Fata Morgana und für das zweifelhafte Glück die geliebte Stimme zu hören. Dieses „Glück“ durfte ich kostenlos erleben, auch ich redete täglich mit der Dame die ich einmal hatte, er sprach jeden Tag mit der Dame die er einmal haben würde. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, wie würdelos ist das Betteln um Liebe am Telefon? Wir waren Bettelmönche, lebten enthaltsam, masturbierten im stillen Kämmerlein, Bob in Amerika, ich im sogenannten „Sexparadies“ wo fast alle Frauen käuflich waren. In Amerika waren Frauen unverkäuflich, man musste sie heiraten, ihnen Haus, Auto und Kinder schenken, wer das nicht konnte war finanziell und sexuell impotent, ein Versager, ein Looser, ein Wichser. Vor langer Zeit hatte ich mich in einem Bookstore in Pattaya mit einem Amerikaner über thailändische Frauen,   unterhalten, ihren Charme, ihre Lügen, ihre Geldgier. Der Mann, er musste es wissen, entschuldigte die Fehler der Frauen des Landes und erklärte mir das Wesen amerikanischer Frauen; „Die amerikanische Frau ist die schlimmste der Welt“, eine Aussage die von der Rockmusik bestätigt wird: „American Woman, stay away fron me“ ( Lenny Kravitz ). Warum hassen viele Männer die Schwulen? Sie meiden Eheverträge und schwängern keine Frauen. Bob hatte drei mal geheiratet, er kannte es nicht anders, wollte über die vierte Brücke gehen, „Über sieben Brücken musst du gehn“. Deutsches Liedgut. Lied gut, Aussichten schlecht. „Über diese Brücke würde ich nicht gehen“, eine oft benutzte Redewendung, ein gesundes Misstrauen schützt hier vor Überschreitungen. Beide hatten wir eine lange Wartezeit zu überbrücken, keiner wusste genau ob und wann er die Geliebte wiedersehen würde, bis dahin hatte Bob Glück gehabt, Patty hielt ihr Versprechen, weigerte sich sogar weiteres Geld von mir anzunehmen. Treu wie Gold, das Sie an Hals, Armen und Bauchnabel trug, am Finger trug sie ein Geschenk von mir, einen Siegelring, das „P“ konnte Peter aber auch Patty heißen, eine wohlhabende Frau, die der Mann aus Amerika mit etwas Ausdauer am Ende wohl haben würde. Bob war nie vorher in Thailand gewesen, er kannte die ungeschriebenen Gesetze von Pattaya nicht, er musste keinen Goldschmuck und kein Haus kaufen, das hatten alles schon andere Männer getan. Er musste nicht mit einer Million Baht die Eltern bezahlen, eine Summe die mir wie ein Mühlrad im Kopfe herum ging, er tat was er konnte, brachte persönliche Opfer, sparte das Geld vom Munde ab und schickte es nach Thailand, wo es als sichtbarer Wohlstand bald vor dem neu gebauten Haus stand und die Nachbarn vor Neid erblassen ließ. Es war der Wunsch des Herrn Papa gewesen ein Auto zu kaufen, Patty war eine brave Tochter, sein Wunsch war ihr Befehl. Stolz schilderte Sie ihrem Traumprinzen die chromglänzende Schönheit der kostspieligen Neuanschaffung und brach damit den ersten großen „Ehestreit“ vom Zaun. Wenige Monate waren vergangen, schon kriselte es zwischen den zukünftigen Partnern einer glücklichen Zukunft. Sie gab sein Geld mit vollen Händen aus, Er fuhr in Amerika eine schrottreife Karre und konnte sich kein neues Auto leisten. „Wenn du meinst, dann muss ich wohl wieder in der Bar arbeiten“ drohte die treu wartende Braut dem zornigen Geldgeber. Er gab klein bei, ermahnte Sie aber zur Sparsamkeit, bei seinem nächsten Besuch könne er kein Geld mitbringen. Das trieb Sie in meine Arme, Sie erhörte mein Flehen, forderte aber statt 60.000.- nun 70.000.- Baht pro Monat, wohl wissend dass ich das Geld für die Bar sparte. Die Besitzer hatten gewechselt, Sie gehörte nun einem Privatmann, der alle Rechte erworben hatte. Hätte ich Sie rechtzeitig für eine Million gekauft und aus der Bar genommen, hätte Sie den Amerikaner nie getroffen und würde mir gehören. Natürlich akzeptierte ich den Preis und bezahlte was verlangt wurde. Patty tat nun doch was alle tun, Sie betrog ihren geliebten Bob indem Sie ihrem geliebten Peter das Jawort auf Zeit gab. Gab es ein größeres Glück als das meine, meine große Liebe zog wieder bei mir ein, mein Hotelzimmer wurde wieder zum Liebesnest, ich hörte die geliebte Stimme nicht mehr am Telefon, sie erklang life wenn mein Sexobjekt unter meinen fordernden Stößen winselte und beim Orgasmus meinen Namen schrie. Es erhöhte den Reiz des Verbotenen wenn wir beim Sex über Bob sprachen und bedauerten dass er nicht dabei sein konnte. Manchmal täuschte Sie seine Anwesenheit vor, blickte in seine Richtung während ich in Sie hineinfuhr; „Sorry Bob, i love you, Peter is just a Customer“. Ich glaube Sie meinte es ehrlich, Sie liebte diesen Amerikaner mehr als mich, küsste mich jedoch mit derselben Inbrunst wie in der Zeit davor. Er war immer dabei, mal nannte Sie seinen, mal meinen Namen, ich gewöhnte mich an seine Anwesenheit, aber er musste nicht zusehen wenn ich „seine Frau“ missbrauchte. Ich fragte Sie nach der Größe seines Geschlechtsteils, Sie musste zugeben dass ich das kleinere Glied hatte und seines Sie stärker erregte. Ich war bereit dem Irrglauben Glauben zu schenken, der Größenunterschied schien hier eine Entscheidung zu Gunsten des Amerikaners herbeigeführt zu haben, neben dem Eheversprechen und der Grundrente war es wohl doch das stärkere Format das den Endsieg davon getragen hatte. Wieder hatte Amerika Deutschland besiegt, sie hatten die größere Militärmacht und die größeren Geschlechtsteile. Afroamerikaner hatten ja schon immer mehr in der Hose, das gehörte zum Allgemeinwissen, nun waren es sogar die weißen Schwänze, die für eine große Nation standen. Das große Glied ihres Verlobten bereitete Schmerzen, die jedoch ihre Erregung steigerten und dem Orgasmus förderlich waren. So sehen es Männer, die sich und ihr bestes Stück für das Größte halten, der Penis ist eine Waffe mit der man Frauen bekämpft und besiegt. „Lassen wir ihn in dem Gauben“ sagen die Frauen und füttern ihn weiter mit Fehlinformationen die ihren Zwecken dienlich sind. Mir bereitete es Befriedigung wenn ich Patty mit meinem „kleinen“ Glied befriedigen und David, den besser proportionierten Goliath besiegen konnte. Ich zahlte mehr als er, aber ich hatte auch mehr davon. Patty hatte auch mehr davon, Sie konnte nun die Raten für den SUV Pick-up bezahlen und Geld zur Bank tragen, eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Noch ahnte der Betrogene nicht was hinter seinem Rücken vor sich ging, er konnte nicht wissen was er selbst angeschoben hatte.

                                                                               MAX  UND  MORITZ

Bevor Bob sich zwischen uns und in ihre Muschi drängte, als ich noch „Die Millionen des Harlekin“( ein Ballett von Riccardo Drigo )    auf den Spieltisch des Casinos werfen wollte um die Frau meines Lebens zu gewinnen, hatten andere es bereits versucht. Im Tierreich kämpfen die Männchen um die Weibchen, im Menschenreich ist es ein Kampf zwischen Arm und Reich, Jugend und Alter. Ein alter Mann kann nicht mehr kämpfen, ein junger Mann wird ihm das junge Weibchen streitig machen und ihn wegbeißen. Naturgesetze kann man nicht außer Kraft setzen. Die Schwäche des Alters muss der Kraft der Jugend weichen, wenn nicht das Geld die Stärke des Alters ist. Thomas, ein durch geknallter Tischler aus Hamburg, der noch alle Finger an der Hand aber nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, war im mittleren Alter und lechzte nach „Frischfleisch, das er sich jeden Abend an einer anderen Bar besorgte. Er wohnte in meinem Hotel und wir verkehrten freundschaftlich miteinander. Er sah recht gut aus und konnte an den Bars wählen, obwohl er nicht mehr zu den begehrten jungen Burschen zählte. Aber die waren knapp, und ein gewisser Altersunterschied war akzeptabel für die jungen Mädchen. Eines von ihnen verliebte sich in Tommy, ein Mann ohne Respekt und Anstand, der sich die süße Maus kaperte und sie fortan als seine Sklavin behandelte.  NIT war gerade 18 Jahre alt und noch neu in der Stadt der Sünde, er war wohl der erste Farang ihres jungen Lebens, dem sie sich voll hin gab, der aber ihrer Liebe unwürdig war. Er hatte Sie an einer Beer Bar in der Soi Naklua aufgegabelt, wo die Mädchen zu volkstümlichen Preisen an den Mann gebracht wurden, war also viel billiger als Patty. Sie war immer bei ihm, himmelte ihn an und erntete Undank. An täglichen Wechsel gewöhnt und nicht bindungsfähig, hatte er Sie nach ein paar Wochen endgültig satt und jagte Sie zum Teufel. Der gehörnte Unhold nahm die Schutz suchende arme Seele mit der Vertrauen einflößenden Hinterhältigkeit des Fachmanns bei sich auf, um sich alsbald ihrer für immer zu bemächtigen. Von der Liebe enttäuscht, wurde das unschuldige Kind zum Werkzeug des Bösen, der ihre Jugend für seine Zwecke missbrauchte. Ein Paradies für Männer, ein Hort der freien Liebe, in Wahrheit gebietet der Fürst der Hölle über das amoralische Geschehen an diesem finsteren Ort, wo er die armen Seelen von Männern und Frauen in satanische Rollenspiele zwingt, ihnen Liebe vorgaukelt, wo nur nacktes Gewinnstreben zu nackten Begegnungen der dritten Art führt. Ständig landen neue Raumschiffe mit Außerirdischen an dieser Stelle der Erde, wo rotes Leuchten den größten Rotlichtbezirk dieses Planeten anzeigt. Diese Aliens, von den dort wohnhaften Menschen als „FARANGS“ bezeichnet, überschwemmen wie ein zerstörerisches Hochwasser weite Teile des Landes, unterwandern Sitten und Gebräuche, benehmen sich unsittlich und gebrauchen dabei die Frauen des Landes als Strandgut ihres Strandurlaubs. Äußerlich wirken diese Wesen vom anderen Stern wie normale Menschen, tragen aber die Nase hoch, dieses unnatürlich lange Organ, das ihre Gesichter entstellt und sie als Fremde ausweist. Der Höllenfürst flößte dem jungen Mädchen Alkohol ein und führte ihr einen gutaussehenden jungen Mann zu, der Nächste den Sie lieben sollte, ein Akt der Nächstenliebe, wie der Teufel sagte. Es war Teufelswerk diesen schönen jungen Mann aus dem Hut zu zaubern, wie konnte das sein, bei dem Überangebot alter Männer, die hier den Jungbrunnen suchten den es auf ihrem Planeten nicht gab. „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, der neue Mann war jünger und schöner als der arrogante Vierzigjährige, der Sie wie ein lästiges Insekt behandelt hatte. Sie hatte dem Teufel ihre Seele verkauft, er hatte ihr eine neue Liebe gegeben, ein direkter Anschluss, ein teuflischer Zufall. Teuflische Zufälle hatten dazu geführt dass der arrogante Tommy nur noch Nieten gezogen hatte, die Damen mochten ihn nicht, er erhielt Körbe, wurde von den jungen Mädchen abgelehnt oder schlecht behandelt, bereute die kleine NIT so leichtfertig davon gejagt zu haben. Zu spät, das hübsche Kind hatte innerhalb kurzer Zeit ein neues Glück gefunden, der junge Mann liebte und respektierte Sie, wollte ein Haus kaufen und das liebe Ding heiraten. An ihrer Bar wurde er unfreiwillig Zeuge leidenschaftlicher Küsse, die einem anderen Mann galten, Ihre Zunge gehörte ihm nicht mehr, das ganze Mädchen gehörte ihm nicht mehr, seine Arroganz musste den Verlust einer echten Perle verkraften. Nun war  guter Rat teuer, aber die Gelegenheit günstig, Tommy entschied sich spontan mir meine große Liebe abzujagen. Er sah Sie täglich in unserem Hotel, ein zierliches Sofapüppchen wie seine entschwundene NIT, den alten Mann an ihrer Seite musste man nicht für voll nehmen, es würde ein leichtes sein dem alten Kerl die junge Frau auszuspannen, da war er sich sicher. Patty lächelte ihn bei jeder Begegnung an, Sie konnte nicht anders, Sie hatte nur diesen einen Gesichtsausdruck wenn Sie sich unter Menschen bewegte. Ein schönes Lächeln, aber wie in Stein gemeißelt, eine undurchdringliche Maske, das personifizierte „Land des Lächelns“. Es irritierte mich zuweilen, aber ein Lächeln ist schöner als die tausend anderen Gesichter der Frauen. Sunny hatte selten gelächelt, Pattys Maske war angenehmer. Tommy machte es sich zur Herzensangelegenheit Sie mir abzujagen, fragte mich nach dem Namen ihrer Bar, wartete auf das Ende meiner „ Spielzeit „. Ich schwieg zur Bar, sagte ihm dass Sie sehr teuer wäre, das schreckte ihn nicht. Ich sagte ihm dass ich Sie heiraten würde, das glaubte er nicht. Ich warnte ihn vor Zudringlichkeiten, das störte ihn nicht. Er hatte sich mit einem anderen Sextouristen zusammen getan, der bei den Mädchen einen sehr schlechten Ruf hatte, er behandelte die Damen des Gewerbes wie den letzten Dreck, ein übler Bursche, Scheinbar passten die Beiden gut zusammen. Nach dem Essen am günstigen Pattaya Garden Buffet trat dieser Fiesling an meine Patty heran, überholte und ignorierte mich auf dem Heimweg in unverschämter Manier, als sei ich nicht vorhanden und mein Mädchen Freiwild. Tommy und er waren deutlich jünger als ich, offenbar sollte hier Faustrecht gelten, den alten Mann konnte man ungestraft provozieren, seine Liebe zu dieser Nutte missachten. Er versperrte uns den Weg, baute sich vor meinem Mädchen auf, fragte Sie blöd und einfallslos; „How are you?“ erhielt aber keine Antwort. „Sie gehört mir, verschwinde du Arschloch!“ fauchte ich ihn an, was von den beiden „Draufgängern“ mit Hohngelächter beantwortet wurde. Tommy verspottete meine Verliebtheit; „Pattaya hat jede Menge Frauen, er liebt nur die Eine“. Eine fragwürdige Feststellung, wenn die Stadt voller Frauen war, warum wollte er dann unbedingt meine haben? Ich habe mich niemals für Frauen geschlagen, aber hier ging es um die rücksichtslose Missachtung meiner Person, ein alter Mann war kein ernst zu nehmender Gegner, er hatte kein Recht auf eine so junge Frau, die selbstverständlich ihnen zu stand. Ich kochte vor Wut, wollte dem zudringlichen Übelmann mit einem Schlagring die Zähne aus schlagen oder ihn von einheimischen Auftragskillern eliminieren lassen, begnügte mich jedoch mit Drohungen dieser Art, die ich am Frühstückstisch meines Hotels einem Freund des hinterhältigen Duos mitteilte, der meine Gewaltfantasien überbringen würde. Mein gerechter Zorn beindruckte den „Briefträger“, meine Hasstiraden wurden an den Mann gebracht. Bei mir steht Respekt an erster Stelle, ich respektiere jeden Menschen, seine Persönlichkeit, seine Verletzbarkeit, das Leben ist hart genug, mein Mitmensch braucht Anerkennung, Achtung, Toleranz und Güte; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Wie wir wissen ist der Mensch weder edel noch gut, er ist ein bösartiger Sadist, lässt keine Gelegenheit aus, den Schwächeren zu mobben und zu peinigen. Es ist wenig hilfreich das zu beklagen; „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“.  Gutes tut gut, aber ein anderer Spruch hebt warnend den Zeigefinger; „Tue Gutes und dir wird Böses widerfahren“. Ich habe immer nur Gutes getan und konnte den Dank aller Menschen erleben die mit mir am „Tanz des Lebens“ teilnahmen. Hier hatte ich es mit bösen Buben a la Wilhelm Busch zu tun; „Max und Moritz diese Beiden wollten sich am Unglück weiden, wollten ohne sich zu schämen mir das Allerliebste nehmen, hatten Böses ausgeheckt, ohne jeglichen Respekt“. Die frohe Botschaft von Schlagring und Meuchelmord hatten Sie erhalten, hielten sich nun in respektvoller Entfernung. „Max“ wagte nicht meine Patty direkt anzusprechen, „Moritz“ hatte ich mordlüstern von oben bis unten gemustert als ich ihn auf der Straße sah, auch er schien mich zu respektieren, sein freches Mundwerk blieb geschlossen. Der liebe Gott sieht alles, zuweilen straft er sofort; „Max“ erlitt im Hotel einen Herzinfarkt, wurde per Krankenwagen abgeholt, ich habe weder ihn noch „Moritz“ je wieder gesehen.

                                                                                                UNSCHULD

Moritz war eine Sau, die in Pattaya die Sau raus lassen wollte, ein wirklich übler Bursche, der bei mir buchstäblich Übelkeit erregte. Abgrundtiefer Hass stand in meinen Augen als ich ihn zufällig auf der Straße sah; „Wenn Blicke töten könnten“. Blicke allein hätten bei einer tätlichen Auseinandersetzung nicht gereicht, einen Faustkampf hätte ich nicht gewinnen können. Als Halbwüchsiger wurde ich einmal von Spielgefährten gezwungen Boxhandschuhe anzuziehen und mich dem Kampf zu stellen. Nach kurzem Schlagwechsel blutete meine Nase, ich beeilte mich dieses „Symbol der Männlichkeit“ abzustreifen, Schläge waren nicht meine Stärke, mit Worten konnte ich besser umgehen. Tragisch dass ich in der Schule nie richtig Deutsch gelernt hatte, Grammatik fällt mir heut noch schwer. Ich war nie ein richtiger Mann, aber zu einem richtigen Schwulen hat es auch nicht gereicht. Wer nicht an vorderster Front steht wird Sympathiesant und Mitläufer, ich empörte mich über die gängige Diskriminierung der Homosexuellen und die primitiven Witze, die von den „Herren der Schöpfung“ verbreitet wurden, die qualitativ guten Witze erzählte ich weiter, ein Sympathiesant ist auch nur ein Mensch. „Für einen guten Gag verkaufe ich meine Großmutter“ sagte einmal ein Komiker, schließlich ist jeder gute Witz, jede Pointe, jeder Lacher ein böser Seitenhieb gegen die handelnden Figuren. Wir lachen immer auf Kosten der Anderen, es trifft ja nicht uns. Es ist also immer das Prinzip Schadenfreude, christliche Nächstenliebe ist nur ein von der Kirche verordnetes Mäntelchen das wir uns umhängen um unsere Hände in „UNSCHULD“ zu waschen, dem berühmten Handwaschmittel das wir alle kennen; „Mag die Hand auch schuldig sein, UNSCHULD wäscht sie wieder rein“. Mit dieser Werbung sind wir aufgewachsen, dieses Produkt entzog der katholischen Beichte viele Anhänger, bald stand es in jedem Haushalt, es war die Seife die alle einseifte, bis sie wegen angeblicher Hautschäden verboten wurde. In Angeles City tanzte so manche Unschuld als „Cherry-Girl“ auf dem Catwalk der Sünde, Leute wie Max und Moritz konnten hier unberührtes „Frischfleisch“ als sündhaft teure Delikatesse kaufen. Eine Entjungferung gegen Aufpreis wurde sogar in einem amerikanischen Film thematisiert, eine unerhörte Schamlosigkeit in einem prüden Land, ich war fassungslos als ich das sah. Nichts für mich, ich liebte es „Well done“ also unblutig und schätzte die erfahrene Jugend, die ihre Lehrzeit abgeschlossen hatte. Patty wirkte jung und unschuldig, hatte jedoch ihre „Meisterprüfung“ auch mündlich bestanden. Ihr Verlobter hatte ihr jede Berufsausübung untersagt, das war die Bedingung für die „Bedingungslose Grundrente“ die er aus eigener Tasche bezahlte. Ich bezahlte ihr eine Zweitrente für ihre Anwesenheit als Hostess eines alten Mannes, der Sie als Vorleseserin von Grimms Märchen engagiert hatte. Meine Zeit mit ihr war märchenhaft, Sie las mir die geheimsten Wünsche von den Augen ab, spielte für mich das Rotkäppchen, während ich als böser Wolf im Bett lag. „Großmutter warum hast du so einen langen Schwanz?“ fragte Sie den Wolf , der Sie ins Bett zog und ihren Mund mit Küssen versiegelte. Als Schneewittchen erzählte Sie mir von den winzigen Geschlechtsteilen der sieben Zwerge, von denen nicht ein einziger Sie zu befriedigen wusste. Aber auch ihrem Verlobten konnte Sie Märchen erzählen, Sie lag als Dornröschen in tiefem Schlummer, aber ein amerikanischer Märchenprinz würde  Sie wach küssen und auf sein Schloss entführen. Bob besaß nur ein Vorhängeschloss aber er zahlte die Grundrente.

                                                                                        MÄRCHEN

Der Philosoph Thomas Morus, ein Vorläufer von Karl Max hatte in seinem Entwurf einer sozialistischen Utopie, mit dem Titel: „UTOPIA“ verlangt, dass alle Märchen zugunsten des erträumten Staatswesens umgeschrieben werden müssen, eine Forderung die heute eine Selbstverständlichkeit ist. Alle neuen Märchen tragen ohnehin den Stempel der Zensur, das Märchen von der Demokratie ist eines der schönsten der Weltgeschichte, man kennt es in jedem Land der Erde, es beschreibt wie es zu freien Wahlen, freiem Walfang und freien Freiern kam. Es war einmal ein Königreich, dort war der König reich und das Volk arm, Gott schützte die Armen, die Kirche schützte die Reichen. Sie waren die Würdigen, die Armen waren die Unwürdigen, mit ihnen zu sprechen war unter der Würde der Würdigen. Die Diener des Herrn wurden mit Hochwürden angeredet, höhere Würden waren kaum noch möglich. Der König, Herrscherich von Gottes Gnaden, ein despotischer Despot verfügte über unbegrenzte Macht, die er grenzenlos missbrauchte, ein Missbrauch der damals durchaus Brauch war. Das Volk lehnte die Willkür des Königs ab, der eine Ehe des wunderschönen Prinzen Sieghelm von den sieben Brücken, mit der hässlichen Kunigunde vom Donnerstag erzwingen wollte. Sieghelm liebte jedoch von ganzem Herzen die morgenschöne Esmeralda von Gestern, einer Frau von heute, die auch morgen noch schön sein würde. Diese engelhafte Maid, uneheliche Tochter der alleinerziehenden Magd Beate vom Lande, trug den Adel ihrer niederen Herkunft mit dem unbändigen  Stolz der Besitzlosen und wurde vom Volk wie eine Heilige verehrt. Als es im Amt für Ordnung und Sitte aktenkundig wurde dass der Prinz ein verbotenes Verhältnis zu  einer Unwürdigen unterhielt ließ der König das Mädchen in den Kerker werfen, der von einem menschenähnlichen Drachen bewacht wurde. Alle Drachen im Land waren Königstreu und standen im Dienst der Krone. Das Volk schrie nach Brot, während Esmeralda bei Wasser und Brot ihr Auskommen hatte. Im Knast lernte Sie über Klopfzeichen einen Mithäftling kennen, einen Unwürdigen, der es einmal zu Amt und Würden bringen und als Graf von Monte Christo bekannt werden sollte. Während das Volk am Hungertuch nagte, nagte der König an festlicher Tafel die Knochen köstlicher Nagetiere ab und nässte die adlige Zunge mit edlen Weinen. Der Wochenmarkt war in den Krallen der asozialen Marktwirtschaft, Lebensmittel waren so teuer wie guter Rat. „Hunger ist der beste Koch“ lautete die zynische Parole die der unwürdige König den Unwürdigen ins Poesie Album geschrieben hatte. Der König war verhasst, der schöne Prinz und seine Schöne waren beliebt, man ersehnte einen Wechsel. Das Volk hatte den Hunger satt, mit der Parole: „Wir sind das Volk“ gingen die Unwürdigen auf die Straße und in diese Geschichte ein, die einmal Geschichte machen sollte. Im fairen Zweikampf besiegte der Prinz den Bewacher seiner unwürdigen Geliebten und hielt dem Drachen das Messer an die Kehle. Es war der Sohn von Drachula, dem der gutherzige Prinz das Leben schenkte, worauf der grimmige Warlord in das unerhörte Geschehen eingriff und König Herrscherich angriff. Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt, formierte eine „Rote Garde“ von ausgewählten Drachen die im Sommer das Winterpalais des Königs stürmten, der entkam durch eine Hintertür die der Autor ihm offen gelassen hatte. Vom Volke abgesetzt, hatte er sich alsbald ins Ausland abgesetzt, wo man ihn mit offenen Armen umarmt hatte.  Der Prinz umarmte das schöne Mädchen aus dem Volke, bald würde die Königin seines Herzens die Königin des Landes sein. Bei aller Liebe zum königlichen Paar wählte das Volk jedoch die Demokratie, von der man wahre Wunderdinge erzählte. So wurde die Braut des Prinzen zur „Königin der Herzen“, ein Adelstitel der vom Volk vergeben wurde. Der Sturz der Monarchie war der Grund für das Grundgesetz, das der Prinz, zusammen mit den sieben Waisen, kluge Männer, die ohne Eltern, Handy und Fußball die Jugend in der Schule verbracht hatten, in tagelanger Nachtarbeit verfasste.  Drachula, dem das Volk den Sieg verdankte, stellte sich zur Wahl und wurde mit 99,5 % der Stimmen zum Diktator des neuen Staatswesens gewählt. In einem Festakt wurde den Unwürdigen ihre Würde zurück gegeben und für unantastbar erklärt. Das wussten die freien Bürger zu würdigen, sie ließen hunderte von Drachen steigen die mit dem Abbild von Drachen bedruckt waren. „Freies Land in Drachenhand“ lautete die von Drachula heraus gegebene Parole. Seit dieser Zeit sind alle Menschen wahlberechtigte freie Bürger, in demokratischen Ländern die von Drachen beherrscht werden.

                                                                              LIEBE  UND  GELD

 Patty verfügte über ein monatliches Einkommen von 110.000.- Baht, etwa 2.400.- Dollar, träumte aber von monatlich 1.000.- Dollar als Putzfrau im „ Paradies Amerika „.  Als Ehefrau des bettelarmen Bob wären ihre „Liebesdienste“ unbezahlte „Eheliche Pflichten“, das arme Ding konnte wahrlich nicht rechnen. Sie schlug alle wohlmeinenden Warnungen in den Wind, ließ sich auf ein Abenteuer ein das sich nicht rechnete. Einer ihrer Kunden, ein verheirateter Mann aus Frankfurt, er sah gut aus, war leider schon vergeben, warnte Sie vor dem armen Amerikaner, lieber sollte Sie den alten Peter heiraten, eine bessere Partie. Zum Glück, muss man sagen, blieb die Verblendete bei ihrer Wahl, die „Monatliche Rente“ verlieh dem Auserwählten einen glamourösen Heiligenschein, wer so viel Geld schickte konnte nicht arm sein. Ich war der Lückenbüßer, durfte die unglückliche Liebe ausleben bis zur Stunde Null. Verzweifelt suchte ich nach einem Ausweg, wollte Sie so lange wie möglich behalten, ihr aber einen Mann mit Geld vermitteln, der ihr eine Putzfrau bezahlen konnte. Aber wo sollte ich einen wohlhabenden Mann finden, wer in meiner Umgebung hatte wirklich Geld? In meinem Hotel wohnte ein Mann der mit einem Millionär befreundet war, der sammelte Luxus Limousinen, fuhr bei Besuchen im Ferrari vor, ein echtes Schnäppchen für heiratswillige Damen des Gewerbes. Leider war der Goldfisch schwul, keine Chance für Patty, hier schöpften junge Männer den Rahm ab. Wie sehr hätte ich ihr eine gute Partie wie diese gewünscht, Sie war die ideale Kurtisane, konnte alte Männer glücklich machen. Ihr „eingefrorenes“ Lächeln ließ keine Depressionen aufkommen, ein angeborener Gesichtsausdruck der Heiterkeit und Zuversicht signalisierte, ein „Schulmädchen“ mit abgeschlossener Meisterprüfung, die ideale Gespielin reicher alter Männer, zu schade um als Putzfrau im „Land der Lügen“ zu enden. Nie war ihr ein oraler Neustart zu viel wenn mein Steiftier vaginal zum Schlappschwanz wurde und einen Kick benötigte. Von jeder anderen Frau wäre dieser wiederholte Wechsel der Öffnungen abgelehnt worden, Jede brave Hausfrau, jede abgebrühte Prostituierte hätte längst aufgegeben, den armen alten Mann auf ein nächstes mal vertröstet. Nicht so meine tapfere Partnerin, die mit unermüdlicher Ausdauer den abgeschlafften Gesellen in Hochform brachte bis der Zeiger wieder nach oben zeigte. Ich bewunderte Gleichmut und Zungenfertigkeit, Pflichtbewusstsein und Arbeitseifer einer kämpferischen Frau, die niemals aufgab. Dieses brave Menschenkind aus der Unterschicht sollte sich in die Oberschicht hoch vögeln und ihr einmaliges Talent nicht an Unwürdige vergeuden. Wenn nach mehrmaligen Neustarts mein Steiftier sich endlich vaginal übergeben, der Orgasmus mich wie eine Dampfwalze überrollt hatte, übernahm meine unermüdliche Partnerin die Rolle eines Ringrichters nach dem Boxkampf, ergriff mein Handgelenk, streckte meine Rechte in Siegerpose nach oben;“Hurra, wir haben gewonnen, Peter ist gekommen!“ Ihr Humor war das Sahnehäubchen auf der Süßspeise die ich grade vernascht hatte, ein Kuss besiegelte den fairen Zweikampf. Der schwule Fabrikbesitzer sammelte keine Luxuskarossen mehr, es machte ihm Spaß Siedlungen zu bauen, sein Freund aus Jugendtagen zeigte uns eine Bungalowanlage die fast fertig war, mit Marmorböden und Ledersesseln, er selbst bewohnte kostenlos eines der geräumigen Häuser, Geld spielte keine Rolle. Ungerührt besah Patty den Reichtum, ihr reichte die monatliche Rente und die strahlende Zukunft im gelobten Land. Einige Jahre später hörte ich vom Tod des unermesslich reichen Mannes, geerbt hatten seine ehemaligen Liebhaber, der deutsche Freund musste seinen kostenlosen Bungalow sofort räumen. In dem Zusammenhang fällt mir eine ähnliche Erbschaft ein, in meiner City Sauna gab es  eine vollschlanke Frau die mit einem älteren Mann verheiratet war, der schon lange dem Sex entsagt hatte. Sie war erst 42 Jahre alt und flirtete mit einem groß gewachsenen, arbeitslosen Facharbeiter der einige Jahre jünger war. Wir alle waren Stammgäste, die jeden Tag auf der Terrasse in der Sonne lagen, eine Gruppe von Sonnenanbetern, jeder kannte jeden. Die Beiden wurden ein unzertrennliches Paar mit unbegrenzter Freizeit, der Ehemann duldete die Beziehung, seine Frau war noch jung. Tagsüber war er im Büro und verwaltete seinen umfangreichen Hausbesitz, während seine Frau mit ihrem Liebhaber in der Stadt unterwegs war. Abends war Sie wieder brave Hausfrau und liebende Gattin. Eine jahrelange Beziehung, man verreiste sogar zu dritt. Julia war glücklich mit ihrem Hans-Georg und dem Ehemann Alfred, der irgendwann verstarb. Aber auch Sie blieb vom Schicksal nicht verschont, bald darauf erkrankte Sie unheilbar. Sie heiratete ihren Liebhaber, er erbte das gesamte Vermögen. Ich habe nie etwas geerbt, mein schwer verdientes Geld für leichte Mädchen ausgegeben und nur wenig sparen können. Goldschmuck wurde stets an Frauen verschenkt, ich selbst habe nie teuren Schmuck getragen. Für ein gutes Altersheim in Deutschland oder Thailand wird es kaum reichen, alt werden ist teurer als jung bleiben.

                                                                                  HÖHEPUNKTE

Patty strebte eine Karriere als Putzfrau an, wollte den gut bezahlten Job als Prostituierte an den Nagel hängen und Nägel mit Köpfen machen. Ehrbare Berufe; Die Eine macht den Dreck weg, die Andere macht Männer glücklich. Man kann es auch anders sehen; Die Putzfrau sorgt für Sauberkeit, die Prostituierte macht die Drecksarbeit. Warum? Weil alle Männer Dreck am Stecken haben. Der heilige Akt der Befruchtung wird durch Kondome und Verhütungsmittel schamlos zweckentfremdet, zu einer sinnentleerten Farce, bei der sich der Mann ohne jeden Sinn entleert und die Gebärmutter leer ausgeht. Der Eisprung wird zu einem Sprung ins Leere, Schuldgefühle der Kontrahenten sind die Folge. Schuldgefühle waren uns fremd, wir taten es ohne Verhütungsmittel und Patty wünschte sich ein Kind, das ihr bis dahin versagt geblieben war. Inzwischen war Sie 29 Jahre alt und die Uhr tickte. Sie war eine Frau im besten Alter, ich war ein Alter im besten Sinne. Während mir die Sinne schwanden blieb Patty häufig von einem Orgasmus verschont, „Ich komme selten“ sagte Sie schlicht und ohne Bedauern. Ich bedauerte sehr wohl im Tal der Lust kein Echo von den Gipfeln der Berge zu bekommen nach dem wir schwindelerregende Höhen erklommen hatten. Es war ein Fest der Sinne wenn die Seltenheit in einer Ausnahme gipfelte und die gellenden Schreie des Opfers meine Trommelfelle zum Klirren brachten. Mal um mal rief Sie verzweifelt meinen Namen, es klang wie der Hilferuf einer Nichtschwimmerin, die im Meer der Lust zu ertrinken drohte. Ich liebe Musik, die Klassik, den Jazz, das weite Feld der Klänge, die überwältigende Macht der Töne, und doch waren die Hilferufe eines gemarterten Wesens, dem ich dies zugefügt hatte, die schönste Musik meines Lebens. Eine Komposition die nur für mich erklang, nicht notiert, auf keinem Medium gespeichert, vergänglich, nicht beliebig abrufbar, ein musikalisches Kleinod dessen schrille Dissonanzen an Jazz erinnerten, die leiser wurden als hätte der Toningenieur langsam den Regler herunter gezogen. In der Regel verzichteten wir auf Sex, hier regelte die Natur den Verkehr und rot bedeutete; Keine Einfahrt. Hier zahlte ich den vollen Tagespreis, ohne die angemietete Vagina voll ausnutzen zu können, vor diesem Betriebsausfall hatte Patty mich am Anfang unserer „Liebesbeziehung“ bewahrt, als sie den Beginn derselben hinauszögerte. Inzwischen waren wir in ein Stadium getreten in dem Geld keine Rolle spielte, schließlich zahlte der Amerikaner ohne jede Nutzung. Auf der Warteliste stand sein Name allerdings ganz oben, jede Eintragung war gebührenpflichtig. Meine Warteliste war kürzer, schon nach wenigen Tagen konnte ich meine Arbeit an der „Werkbank“ wieder aufnehmen und die Gebühr abarbeiten. Eine Art Tennis oder Golf, die Mitgliedsbeiträge sind erheblich, die Nutzung der Anlage stellt ein Privileg dar. Theoretisch konnte jeder hergelaufene Sextourist die Anlage kurzzeitig nutzen, auch prekäre Schichten leisteten sich mitunter den Luxus mondäner Spielflächen, mussten aber schnell begreifen das hier nur potente Spieler den Markt beherrschten. „Frauen sind teuer, schöne Frauen sind schön teuer“. „Jeder wie ihm schön“, wie eine gute Bekannte in neuem Deutsch gerne sagte. Seit Patty keine Hemden mehr nähte hatten viele „Customer“ ihre Hemden bei ihr abgelegt um sich zu ihr zu legen oder ihr das Herz zu Füßen zu legen. So mancher hätte Sie gern geheiratet, hatte aber bereits einer Anderen sein Jawort gegeben und sich damit seine Zukunft verbaut. Diese Typen hielten sich in Pattaya eine Zweitfrau oder ein Sortiment, einen begehbaren Harem im teuren Süden der Stadt. Gut verdienende Proletarier, die Taschen voller Geld, spielten hier die Rolle ihres Lebens.

                                                                           HAREM  FÜR  ARME

Patty hatte mit „Ramon“ einen Stammkunden aus England, der mehrmals im Jahr in Bangkok landete um seinen „Harem auf Zeit“ zu inspizieren. Patty war die „Lieblingsfrau des „Sultans“, er zahlte eine Reservierung, tobte sich in allen teuren Etablissements aus, kam aber jeden Abend zu ihr um sein müdes Haupt an ihrer Schulter zu betten. In allen Betten unterwegs, mit der Favoritin im „Ehebett“. Alle Männer schätzen die Vorzüge der Ehe, sind aber gegen „Käfighaltung“. Ramon, Patty nannte ihn „Lamon“, legte Wert auf Qualität, verkehrte nur in teuren Agogo-Bars, wo der kleine Mann die Puppen tanzen lässt. Er war ausgezogen ausgezogene Mädchen zu taxieren, die hier in einem typischen Frauenberuf ihrer Berufung nachgingen. „Viele sind berufen, wenige sind auserwählt“. Natürlich hatten sich auch Männer emanzipiert um den Frauen ihre Domäne streitig zu machen, eine kleine Stadt innerhalb der großen Stadt; „Boys Town“, bot Agogo-Bars, auf deren Bühnen feminine wie maskuline „Tänzer“ den Kunden auf der Nase herum tanzten. Viele Männer neideten den Frauen diese überbezahlte Berufssparte, die Bars zahlten 30.000.- im Monat plus Leistungszuschlag, wenn das Sexobjekt alle „Rahmenbedingungen“ erfüllte. 50 „Lady-Drinks“ und 20 „ Auslösungen „ waren Pflicht, wer das Soll nicht erfüllte musste mit Abzügen rechnen. Patty hatte das am Anfang unserer „Love-Story“ erleben müssen, Sie hatte die Erwartungen ihres Arbeitgebers nicht erfüllt, war mir nach der Zahlung der 10.000.- Baht nicht davon gelaufen, hatte an ihrem Arbeitsplatz keinen weiteren Umsatz an Getränken erwirtschaftet und wurde bestraft. Zum Zahltag hatte Sie mich in ihre Bar mitgenommen, ich kannte die Gepflogenheiten noch nicht, war erstaunt als Sie traurig an meinen Tisch zurück kam. Sie hatte mir die Treue gehalten, ihre Bar vernachlässigt und war bestraft worden. Ihr Arbeitsverhältnis bestand weiter, ihr Gehalt wurde gekürzt. Ramon, hatte also zu seiner Zeit das „Vorkaufsrecht“ auf die vielbegehrte Patty, sein Rettungsanker nach den Enttäuschungen des entfesselten Nachtlebens, wenn süße Früchte sich als saurer Apfel entpuppten. Die erste Milch hatte er dann bereits bei einem mehr oder weniger gelungenen Shorttime vergossen, nun wollte er den Rest der Nacht mit seiner Lieblingsfrau verbringen, die den „abgemolkenen Stier“ bei den Hörnern packen würde. Liebevoll brachte diese „Des Knaben Wunderhorn“ wieder in Form, richtete das angeschlagene Ego wieder auf und rang ihm weitere Portionen Milch ab. Patty gab jedem das Gefühl ein Engel in der Hölle der Nacht zu sein, eine selbstlose Krankenschwester, die angeschlagenen Helden des Rotlichts erste Hilfe leistete, wenn die harten Faustschläge weiblicher Gegner das Selbstbewusstsein demoliert hatten. Nun begab es sich zu der Zeit als der stolze Spanier aus England erneut im Trüben fischen wollte, in einem seichten Gewässer das für seinen Fischreichtum bekannt war, Fischer aus aller Welt reisten mit ihren Ruten an um hier den Fang ihres Lebens zu machen. Ramon reservierte den besten Fisch als köstliche Nachspeise und benutzte seine Rute als Wünschelrute. Patty erkrankte ohne sich krank zu melden, fiebrig und kraftlos bewegte Sie sich auf der Drehbühne des „Babyface“, ein mitleidiger Gast zahlte ihre Auslöse und schickte das kranke Kind heim. Natürlich erhoffte sich der Wohltäter Wohltaten nach ihrer Genesung. Am nächsten Tag wohlauf, am Abend auf der Bühne, machte Sie dem Helfer in der Not schöne Augen, wartete aber auf Ramon. Nach vergeblichem Warten gab Sie dem Drängen des Gutmenschen nach und ging mit ihm. Am Ausgang lief Sie Ramon in die Arme, der entsetzt über ihre Untreue den Tränen nahe war. „Im Harem sitzen heulend die Eunuchen, die Lieblingsfrau des Sultans ist entflohn“. Deutsches Liedgut. „Zu spät“ fertigte Sie ihn ab und entfernte sich mit dem Anderen. Ramon ließ nicht locker, Ihr Handy klingelte als Sie die Kleider zum Duschen ablegte. Der gutmütige Freier verstand die Welt nicht mehr als Sie sich nach dem Gespräch wieder anzog und ihm den Auslösebetrag zurück gab. Das ist der Fluch des Fortschritts, ohne Mobilfone wäre dieser arme Mann der glücklichste Mann von Pattaya gewesen, eine Erfindung des Teufels hatte ihm den Fisch von der Angel gerissen, die Traumfrau ging, ein gebrochener Mann blieb zurück. Der Sextourist sucht das Paradies und findet die Hölle. Ramon hielt Patty für sein Eigentum, er konnte Sie jederzeit anrufen, egal mit welchem Kunden Sie gerade im Bett lag, er diktierte die Abläufe. So auch jetzt als Sie mit mir im Bett lag und es ihr um die „Wurst“ ging. Als die Glocke den Koitus einläutete läutete ihr Handy und der selbsternannte Besitzer einer Prostituierten, die grad in meine Wurst beißen wollte, aber eigentlich einem Amerikaner gehörte, war am drahtlosen Draht. Bei mir ging es um die Wurst, sie verlor spontan Gewicht und Form, schrumpfte zu einem formlosen etwas, das sich nie von diesem Schock erholen würde. Ein gerechter Zorn stieg in mir auf wie eine Rakete in Cap Canaveral, ich unterbrach die romantische Plauderei, entriss Patty das Telefon und brüllte erregt in das unschuldige Gerät;“ Die Dame ist berufstätig, hier warten die Kunden „ Ungerührt holte meine Bettgenossin ihr Handy zurück und der englische Patient fragte naiv; „Ist er jetzt böse?“. Ich war mehr als böse, mir war alles vergangen, Patty bemühte sich vergeblich um die Wurst, die Luft war raus, dieser Ballon würde heute nicht mehr aufsteigen, ich glaubte nicht an die Wiedergeburt der toten Hose. Es war die Spezialität des Anrufers, die Erektionen Anderer im Keim zu ersticken, er bestimmte wann seine Lieblingsfrau der Allgemeinheit zur Verfügung stand, egal wem“ Er „ gerade stand. So stand es also um meine Liebe, Patty stand zwischen zwei Männern, ich stand dazwischen und hatte einen schweren Stand. Warum hatte  dieser Mann so viele Freiheiten, zahlte er so hohe Gagen wenn er im Lande war, oder schickte er etwa auch Geld? Schwer vorstellbar, inzwischen wusste er von ihren Heiratsplänen, auch er würde Sie aufgeben müssen. Manche Dinge werden wir nie erfahren, für einen eifersüchtigen Mann muss eine solche Frau die Hölle sein. Angeblich hatte ich mich mit der Situation abgefunden, ich war ein Kunde unter vielen; „denn eine schöne Frau gehört dir nie allein“. Deutsches Liedgut. Wann ist ein Lied gut? Wenn die Musik ins Ohr geht, und der Text zu Herzen. Im Moment gehörte Patty mir, Ramon war in England, Bill war in Amerika, ich war mit ihr im Bett. Ich erinnerte die weisen Worte meines Vaters; „Es gibt keine impotenten Männer, nur ungeschickte Frauen“. Patty war geschickt, es gelang ihr meinem Steiftier den Namen zurück zu geben und es sich einzuverleiben. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, aber sogar ein Orgasmus war mir möglich gewesen. „Nichts ist unmöglich: Toyota“. Ihr war es unmöglich gewesen einen Höhepunkt zu erleiden, aber Sie hatte gute Arbeit geleistet. Kaum hatte mein Glied den geliebten Körper verlassen, ruhte ermattet und geschrumpft auf ihrem Oberschenkel, küsste ich dankbar den Mund meiner nackten Partnerin, ertönte der liebliche Klang ihres Handys, erkundigte sich der englische Spanner nach Einzelheiten und dem Erfolg unserer Bemühungen. Eine unfassbare Frechheit, zwei Minuten früher hätte er meinen Orgasmus versaut. Was geht in solchen Leuten vor, holen die sich bei solchen Telefonaten einen runter, oder geilen sie sich an ihrer Macht auf, Anderen den Höhepunkt zu zertrümmern. Patty nahm das alles gelassen hin, beantwortete seine indiskreten Fragen als hätte er das Recht, mittels dieser Erfindung des Teufels, bei jedem ihrer sexuellen Akte dabei zu sein. Eine perverse Sau, ein gut zahlender Kunde, mit dem Sie zwanglos plauderte während ich fassungslos neben ihr lag. Solchen Leuten fehlt ein entscheidender Charakterzug, der sie zu wertvollen Menschen machen würde; Respekt vor der Persönlichkeit und den Empfindungen anderer Menschen. Ich respektiere meine Leser und mache mir Gedanken um meine überbordende Fantasie und den Pegasus, der so häufig mit mir durch geht, darf ich Ihnen verehrter Leser alle meine Verrücktheiten, Wortspiele, gereimte Ungereimtheiten, meine manierierte Schreibweise zumuten, können oder wollen Sie mir noch folgen, dann lesen Sie auch noch folgendes:

                                                                      INSEKTEN  IN  SEKTEN

In Sekten werden keine Insekten geduldet, sie könnten vom Glauben ablenken. Das Gebet verbietet jegliche Störung, eine Fliege auf der Stirn, eine Mücke auf dem Arm, eine Ameise auf der Hand, der Störfaktor liegt auf der Hand. Jedes Insekt wird in Sekt ertränkt, das ermöglicht den Tod im Rausch. Beneidenswert, Sekttrinker mit Nahtoderfahrung äußerten sich positiv, hätten allerdings den Tod doppelt gesehen. Empfehlenswert der Tatsachenbericht: „Im Rausch des Todes“ von Gottfried Sterbeleicht. (Spiegel-Bestseller). Vermehrte Sektenbildung als Folge von Glaubensverlusten führte zum Aussterben von Insekten. Vielen fielen die Verluste am Anfang nicht auf, erst der Tod der „Biene Maja“ rüttelte am Tiefschlaf der eingeschläferten Menschen. Schulkinder gingen jeden Montag auf die Straßen, mit Spruchbändern wie; „Monday for Honey“, „We start the week to stop the Krieg“ oder; „Das ist nicht fair, how can you dare?“. Jede Sekte füllte die Leere mit einer neuen Lehre, die Menschen begannen das Unglaubliche zu glauben, sogar die „Lügenpresse“ erschien ihnen wieder glaubwürdig weil alle Zeitungen im Besitz der Sekten waren. Sektenfeindliche Sektierer stellten den Glauben als Werk des Teufels dar und hoben den Unglauben in den Himmel, kaum zu glauben. Vorbei die Zeiten friedlicher Annäherung, wieder standen sich Himmel und Hölle unversöhnlich gegenüber, die Einen propagierten den Kaufrausch, die Anderen den Alkoholrausch, wobei die Anhäufung von Besitztümern dem „Kater“ überlegen ist. Im Gegensatz zu Buddha, der die Mücke als harmloses Insekt auf Nahrungssuche begriff, nicht als blutsaugenden Vampir mit Malariakompetenz, sahen die Sekten jedes Eindringen von Insekten als Hausfriedensbruch. Viele Mitglieder konnten keiner Fliege was zuleide tun, ihnen verband man die Augen wenn professionelle Fliegenfänger ihrer Arbeit im Gebetshaus nachgingen. In viele Sekten gingen auch die Uhren nach, man predigte Werte von gestern um schon heute ein schöneres morgen zu erlangen. Bei dem Wort „erlangen fällt mir ein hübscher Vers ein: „Zwei Mädchen gingen durch das Korn, nicht weit entfernt von Kühlungsborn. Sie waren bei Erlangen, auch schon durch das Korn gegangen“. So tiefsinnig und hochgeistig das Werk auch sein mag, es bleiben doch Fragen offen; Warum gehen diese Mädchen ständig durch das Korn, warum gehen sie nicht durch die Höhen und Tiefen des Lebens, oder gar durch die Hölle? Warum stellt der Dichter das Korn wiederholt in den Vordergrund?  „Das Korn“ symbolisiert die Nahrung und das Leben, während „Der Korn“ den Rausch symbolisiert, den das Insekt in Sekt findet.

                                                                                     AMERIKA  RUFT

 Amerika ein Land mit stolzer Vergangenheit; Genozid, Sklaverei, Kapitalismus, Rassismus, kriegslüstern und schwer bewaffnet, ein Land der Träume; Wohlstand für alle, „Vom Tellerwäscher zum Obdachlosen“, „Vom Spekulanten zum Milliardär, ein Land in dem Prostitution verboten, Liebesheirat und Putzfrau erlaubt ist. „Erlaubt ist was gefällt“. Würde Patty dieses Land gefallen oder würde Sie in Ohnmacht fallen wenn Sie es näher kennen lernte. Sie war einem Mann auf den Leim gegangen, der vom Blitz der Liebe getroffen mit der Wurst nach der Speckseite, mit der Ehe nach der sexuellen Grundversorgung geworfen und ins Schwarze getroffen hatte. Seine vierte Ehe sollte ihm bringen was die anderen drei ihm versagt hatten weil er versagt hatte. Als eine Art „Sandmännchen“ hatte er der Erwählten Sand in die Augen gestreut, der nun festklebte und die Sicht behinderte. Finanziell impotent, sexuell leistungsfähig, verfügte er über eine reizvolle Mischung, der Frauen gemeinhin hilflos ausgeliefert sind, welche mitfühlende Frau kann bei diesen Vorzügen widerstehen; „Ja da muss man sich doch einfach hinlegen, ja da kann man doch nicht kalt und herzlos sein“. Brecht/Weil. Der rechte Mann zur rechten Zeit,  eine Lichtgestalt im Dunkel des Rotlichts, er konnte nicht bar zahlen aber in Raten, er konnte nicht heiraten aber die Ehe versprechen. Ein armer Mann in der Stadt der Frauen, ein Ausländer, ärmer als der ärmste Thailänder aber das glaubt ja keiner. In Pattaya ist jeder Farang ein Millionär, wer nach Thailand reisen, im Hotel wohnen, Frauen kaufen kann, kann nicht arm sein. Es war mir ein Bedürfnis diesen Mann zu unterstützen in dem ich seiner Verlobten eine fürstliche Gage zahlte, er würde es brauchen, allein die Scheidung würde ein Vermögen kosten, die dritte Frau würde eine hohe Abfindung verlangen, zumal sie seine neuen Heiratspläne kannte. Patty wusste nichts von solchen profanen Dingen, er schickte 40.000.- pro Monat, sie zahlte das Auto für Papa ab, Peter zahlte 70.000.-, die Welt war in Ordnung. Die Begegnung unterschiedlicher Geschlechtsteile kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden, es ist unklug und unverzeihlich als Frau mit einem armen Mann zu schlafen, der unfähig ist die Folgen zu tragen. In blinder Unvernunft paaren sich in den ärmsten Ländern die Ärmsten der Armen in dem traurigen Bemühen das bestehende Elend zu vervielfältigen. So fruchtbar die Menschheit, so furchtbar die Folgen.  Der unheilvolle Trieb, maskiert als sogenannte „Liebe“ treibt sie einander in die Arme, die Arme hat es dann auszutragen. „Liebe Brot der Armen“ (Filmtitel). „Von Liebe kann man nicht leben“ (Sprichwort). Das Mutterglück ist jeder Frau zu gönnen, es setzt aber auch Glück bei der Wahl des Partners voraus, in tiefster Armut bedeutet die falsche Wahl; „Glück im Unglück“. Wenn eine junge Frau hübsch ist und die Kunst der Verführung beherrscht sollte sie die finanzielle Potenz der sexuellen vorziehen. Das Vermögen auf der Bank ist wichtiger als das „Stehvermögen“ in der Hose. Nach vielen Jahren traf ich eine alte Freundin, Sie besitzt ein Restaurant und mehrere Häuser, Sie hatte in der Jugend die richtige Wahl getroffen. Die Wahl des Partners ist für eine Frau wichtiger als die Wahl eines Politikers, in dieser Beziehung hatten die Frauen schon immer das Wahlrecht. Patty hatte die Wahl, ich hätte alles getan um Sie an den Mann zu bringen, an den richtigen Mann. Auch nur ein Wunschtraum, wie wollte ich einen Bewerber kontrollieren, ich kannte keine reichen Männer, denen ich Sie zuführen konnte, auch ich war nur ein armer Mann, mir fehlten die Möglichkeiten einer erfolgreichen Vermittlung und Sie hatte ihre Wahl bereits getroffen. Die Leichtfertigkeit des Amerikaners war nicht zu überbieten, die Höhe der Summe die er jeden Monat überwies überstieg alles bisher dagewesene, warum sollte Sie diesem Wohltäter misstrauen? „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ das wusste schon Lenin, aber den kannte Sie nicht. Sie kannte viele Männer, den Amerikaner sollte Sie noch kennen lernen. Kein schlechter Mensch, kein Betrüger, er betrog nur sich selbst, überschätzte seine Möglichkeiten, hatte mindestens zwei Kinder zu ernähren, lebte von der Hand in den Mund, wollte seine Hand gegen ihren Mund tauschen. Oft wollen Männer Frauen zum Altar führen, die mehr als Essen und Trinken zu Munde führen.

                                                          DER  SINN  DES  LEBENS

Die Natur entstand nicht durch Zeugung, doch unerbittlich fordert sie die Zeugung von allen Lebewesen. Männchen und Weibchen wurden geschaffen um Nachwuchs zu zeugen; „Gehet hin und mehret euch“. Die Geschlechter finden Gefallen aneinander und fallen über einander her, von der Kontaktaufnahme bis zum Beckenkontakt ist es oft nur ein kurzer Schritt. Die Fortpflanzungsorgane befinden sich im Schritt, Vorbehalte und Verbote werden überschritten, am Ende des Tages ist man sich ein Stück weit näher gekommen. Der Natur ist es gleichgültig ob die Kontrahenten minderjährig oder minderbemittelt, volltrunken oder voll verantwortlich sind, wichtig ist allein die Fortpflanzung, nur sie garantiert die Bezahlung der Schulden durch nachfolgende Generationen. Die väterliche Vorsorge von Mutter Natur bewahrt das Menschengeschlecht vor dem Alkoholkater nach einem durchzechten Leben. Die Schulden von heute sind der Sinn des Lebens von morgen, die Sinnlosigkeit des Daseins weicht einem positiven Wandel, Dankbarkeit und Pflichterfüllung sind die Tugenden einer neuen Zeit. Für eine Frau besteht der Sinn des Lebens in der Wahrnehmung ihrer Aufgabe; Hingabe Befruchtung Austragung Geburt und wieder Hingabe. Patty hatte alles versucht um schwanger zu werden aber die Natur hatte Sie auf die Warteliste gesetzt. Von Herzen wünschte Sie sich ein schönes Kind von einem schönen Mann, Sie dachte dabei nicht unbedingt an die Ehe, wollte die von der Natur gestellte Aufgabe erfüllen und das ersehnte Mutterglück erfahren. Im Falle einer Ehe mit mir (Kaufpreis eine Million Baht) hatte Sie gefragt ob ich ein Kind wolle. Das war vor dem Amerikaner, ich wollte Sie, also wollte ich ein Kind, erhoffte jedoch ihre Unfruchtbarkeit. Immer wieder hört man von Männern die in die Rolle der Frau schlüpfen, keine Transvestiten, die sich mit Kleidern zufrieden geben, richtige Kerle die sich ein Kind wünschen. Ich hatte diesen Wunsch nie, mir genügte stets das vorgaukeln ehrlichen Bemühens. Der Kinderwunsch ist die Triebfeder weiblicher Hingabe, die Verhütung ist der Kampf des Mannes gegen den Sinn des Lebens.

                                                                 DER  VERWUNSCHENE WUNSCH

In einem fernen Land, bewohnt von schönen und weniger schönen Menschen, die ihr prächtiges dunkles Haar gern mit Hilfe von Bleichmitteln aufhellten um den fremdartigen Bleichgesichtern ähnlich zu sehen, die ihre spitzen Nasen in die Angelegenheiten der Flachnasen steckten um das bunte, vielfältige Leben der Eingeborenen zu verflachen, lebte vor langer Zeit ein wunderschöner junger Prinz in der Gestalt eines alten gebeugten Mannes, von einer wunderschönen jungen Fee verzaubert weil er ihren Heiratsantrag abgelehnt hatte. Er ernährte sich von Kartoffeln während die Bewohner des Landes ein weißes Korn verzehrten das sie „Khao“ nannten, „Gin Khao“ nannten sie das Essen, ihre liebste Beschäftigung, jeder Einzelne war ein Feinschmecker. Hier waren die Frauen anschmiegsam und genügsam, für eine Schale Reis, einen Apfel und ein Ei machten sie Liebe mit fremden Männern denen die Heimat zu kalt und die Frauen zu teuer waren. In Siam gab es weder Winter noch Schnee, hier blühte das ganze Jahr die Natur und das Geschäft mit der Liebe. Fremdartige Bäume, Palmen genannt, wiegten sich im warmen Wind, den das blaue Meer ins grüne Land schickte, wo unbekannte Blumen verschwenderisch leuchtende Farben zur Schau stellten. Ein himmelblauer Himmel, der keine Wolken duldete, diente tropischen Vögeln als Tummelplatz für Höhenflüge. Höhenflüge von Männern führten oft zu Abstürzen wenn sie, wie Ikarus, der Sonne zu nahe kamen. Merke; Der Mensch kann nicht fliegen, er wird geflogen. Zu den Gepflogenheiten der angeflogenen Männer gehörte die Angewohnheit im Zeitfenster ihres Jahresurlaubs das Geld aus dem Fenster zu werfen und zu beobachten wie es „Vom Winde verweht“ wurde. Geblendet vom Anblick weiblicher Schönheit war auch der junge Prinz in die gestellte Falle gelaufen als ihm die zutiefst verletzte Fee drei Wünsche frei stellte wenn er eine Impfung gegen Dummheit akzeptieren würde. Dumm genug nahm er alle Angebote an ohne nach dem Kleingedruckten zu fragen. Als erstes wollte er so reich sein wie Bill Gates, als zweites wünschte er sich Unsterblichkeit, als drittes; ewige Jugend. Alle Wünsche wurden erfüllt, er würde ewig jung sein, aber im Körper eines alten Mannes. Was lehrt uns das, traue keiner Frau die du abgewiesen hast, ihre Rache wird furchtbar sein. Wehmütig betrachtete der innerlich junge Prinz alte Fotos die sein jugendliches Aussehen konserviert hatten, der Zauber der auf ihm lag wich nur wenn jemand unter ihm lag der noch reinen Herzens war. Der Verlust der Unschuld ist selten die Schuld der Frau, meist ist der Mann der Urheber ihrer späteren Schuldgefühle, er lässt sie beschmutzt im Regen stehen, soll der sie doch reinwaschen. Alle leichten Mädchen stöhnten unter der Schuld und ihren Schulden, nur eine der erfahrenen Prostituierten hatte sich ein reines Herz bewahrt als sie die Annahme der Schuld verweigerte und ihre Unschuld für die erste Liebe aufbewahrte. Es war dies eine ehemalige Näherin die nun an ihrer Karriere als „Leihgattin“ strickte und sich unsterblich in den unsterblichen Prinzen verliebte. Alsbald erkannte dieses Kind der Arbeiterklasse, dem in einem sozialistischen Staat der Titel: „Verdiente Liebesdienerin des Volkes“ zugestanden hätte, den Adel seiner hohen Geburt, der seine niederen Instinkte hinreichend überdeckte, und die innere Schönheit seiner maskierten Altersarmut. Inzwischen war der Prinz arm wie Bill Gates, der sein Vermögen bei der Impfkrise verloren hatte und suchte zum Osterfest einen Betthasen zum Eiersuchen. Folgerichtig erlag der alte Mann mit dem jungen Herzen in aller Kürze dem unschuldigen Reiz ihrer jugendlichen Schönheit und schämte sich unzüchtiger Gedanken beim Anblick ihrer nur halb bedeckten Milchorgane die ihn lieblich anlächelten. Es war Liebe auf den ersten Blick, ihre jungfräulichen Brüste sehnten sich nach den zärtlichen Händen dieses fremden Mannes, dessen begehrliche Blicke auf ihnen hafteten wie Haftschalen auf Augäpfeln. Errötend folgte die ehrbare Dirne dem jugendlichen alten Prinzen auf sein Schloss, ein prächtiges Hotel der Mittelklasse, mit einem Doppelbett  für doppelten Spaß. Es geht die Mär vom Schutz der schwachen Frau durch Mut und Kraft eines heldenhaften Mannes, in Wahrheit werden starke Frauen von schwachen Männern überwältigt, die eine Schwäche für schwache Frauen haben. Tatsächlich gibt es immer wieder fatale Übergriffe schwachsinniger Kraftprotze, die weit über normale häusliche Gewalt hinaus gehen, doch die haben in einem echten Märchen nichts zu suchen. Auch dort gibt es natürlich das angriffslustige Sexualorgan des Mannes welches defloriert und penetriert wenn Schluss mit lustig ist. Früher wurde dann im Film abgeblendet, man nahm Rücksicht auf zarte Gemüter denen die nackte Wahrheit über die Liebe einen Schock versetzte. Im Märchen pflegt man diese alte Kunst der Filmkunst; ein langsamer Schwenk auf unschuldige Möbel oder Landschaften, noch heute, Diskretion ist hier Ehrensache, die handelnden Figuren sind Wesen ohne Unterleib, eine ausführliche Beschreibung schmutziger Einzelheiten wäre politisch nicht korrekt. Kurt Tucholsky hat den elenden Wurm aus dunkler Hose befreit, der sonst nur in Pinkelpausen das Licht der Welt erblickte, sich jedoch zum respektablen Steiftier aufrichten konnte wenn Not am Mann war. Der frivole Dichter machte den Hosenwurm zu einer bösen Kunstfigur, die er mit Hunger Not und Sturm auf eine Stufe stellte; Tatsächlich gehört dieser unscheinbare Wurm zu den realen Bedrohungen die jedem Menschen zum Verhängnis werden können, sogar dem Träger selbst. Der Wurm des alten Mannes zeigte ein erstaunliches Stehvermögen, er attackierte das liebe Mädel mit der Kraft ewiger Jugend, die sich im Körper des Lustgreises verborgen hielt, und dem lieblichen Opfer das letzte abverlangte. Märchenhafte Orgasmen rasten wie entfesselte Blitze durch den gepeinigten Leib der reinen Seele und verstärkten die Bande der Liebe, die Sie an den jugendlichen Alten ketteten. Die Aufhebung des Fluchs war nicht von der Unversehrtheit der Pussy abhängig, es ging um die Reinheit des Herzens, die aufrichtige Liebe der Schönen zum Biest. Die Schöne muss den hässlichen alten Mann lieben um den schönen jungen Prinzen zu bekommen, so die fragwürdige Moral des alten Märchens, das von Jean Cocteau so zauberhaft verfilmt wurde. Laut „Utopia“ von Thomas Morus, müssen alle Märchen umgeschrieben werden, neue Gesellschaftsordnungen erfordern eine neue Moral. Es geht um die Schaffung des neuen Menschen, wenn alle Menschen Brüder werden sollen, wie es bei Beethoven so schön heißt. Kraft unserer Fantasie werden wir einen Ausweg finden um das Märchen zu modernisieren. Bekäme der alte Prinz die Schönheit der Jugend zurück, wäre die reine Seele einem unbekannten Schönling ausgeliefert, zu schön um treu zu sein. Das Wunder geschah, der alte Mann verwandelte sich in den schönen jungen Prinzen zurück, der er vor dem unseligen „Wunschkonzert“ gewesen war. Ab sofort konnte er in der Stadt der Frauen jedes Mädchen haben, keine verlangte Geld, jede wollte mit dem schönen Prinzen schlafen, dessen Herz jedoch nur einer gehörte. Sie war die Einzige für die seine Verwandlung unsichtbar blieb während alle Welt seine Schönheit bewunderte. Alle beneideten das schöne junge Paar, ohne zu ahnen wie die Schöne den Schönen sah. Er war der schönste Mann der je ein Märchen betreten hatte, doch für Sie sah er alt aus. Bald waren beide so alt wie er aussah und wenn Sie nicht gestorben ist dann lieben sie sich heute noch.

                                                         WOHNUNGSNOT  UND  LEBENSLÜGE

„Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als du allein“. Patty hatte ein reines Herz aber einen unreinen Beruf, Sie arbeitete im „Körperverleih“ unter Vermeidung geschäftsschädigender Gefühlsduseleien, für eine internationale Kundschaft. Sie sprach keine Fremdsprachen, beherrschte aber die Körpersprache, eine Grundbedingung in diesem Beruf. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit bei der man ständig neue Menschen und neue Umgangsformen kennen lernte. Gern hätte ich in ihrem Herzen gewohnt aber die Miete war zu teuer. Es gibt kaum noch bezahlbaren Wohnraum, wer heute in einem Herzen wohnen will muss über das nötige „Kleingeld“ verfügen, die Mieten sind nahezu unbezahlbar. Als Wohneigentum werden Herzen kaum noch angeboten; „Ein Herz kann man nicht kaufen“. Deutsches Liedgut. Oft werden 1.000.- Dollar Miete für ein leer stehendes Herz bezahlt weil der Mieter noch nicht einziehen kann. Das Herz meiner Herzallerliebsten war also vermietet, ich mietete mich so oft es ging in ihrem Körper ein den Sie mir als Leihgabe zur Verfügung stellte. Schwer zu sagen ob Ramon je in ihrem Herzen gewohnt hatte, er nahm sich das Recht Sie jederzeit anzurufen obwohl er ihre Heiratspläne kannte. Wie ich, wollte er Sie nicht gehen lassen, hoffte auf ihre Rückkehr in das Verleihgeschäft und die Wiederherstellung seiner Vorkaufsrechte. Tatsächlich sind Herzen unbewohnt, das haben Kardiologen immer wieder betont wenn es um Räumungsklagen ging, wenn Herzbesitzer den lästigen Mieter los werden wollten. Hier wird Wohnraum vorgegaukelt der nur in den Hirnen von Textdichtern herumgeistert, von leichtgläubigen Wohnungssuchenden aber mit barer Münze bezahlt wird. So ist auch das wunderschöne, unsterbliche Lied;“Dein ist mein ganzes Herz“ von Emmerich Kalman nur als musikalisch geschöntes Wohnangebot ohne reale Grundlage zu verstehen. Viele Kunden waren in Patty eingedrungen ohne ihr Herz zu erreichen, bei aller dargebotenen Herzlichkeit konnte der Eindruck entstehen Sie hätte gar kein Herz, eine leichtfertige Behauptung die Pauschal für alle Prostituierten angewendet wurde, weil alle Männer einer Illusion nachjagten. Der Beruf eines „Freudenmädchens“ ist keine Herzensangelegenheit, er macht auch keine Freude. Zu wenige Kunden schmälern den Verdienst, zu viele Kunden fügen der Dienstleistenden Schmerzen zu. „Freudig“ empfängt das Freudenmädchen nur den schnellen Kunden, der ausdauernde Spät-Ejakulator ist unbeliebt, zu viel Arbeit bei gleichem Lohn. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gilt auch in „Frau Warrens Gewerbe“ (Bernhard Shaw). Fabulieren ist meine Stärke, ich hoffe die Leser haben dafür eine Schwäche, wenn nicht, sagen sie vielleicht; „Der Mann ist nicht ganz richtig im Kopf“. Ganz richtig, ich war noch nie richtig im Kopf; „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Witz: „Denkst du auch manchmal du steckst im falschen Körper?“ „Ja aber ich ziehe ihn dann auch sofort wieder raus.“ Ich kann mich aus diesem Buch nicht wieder raus ziehen, ich stecke zu tief drin. Ein Leben unter Schreibzwang; „Es gibt kein falsches Leben im richtigen“. Habe ich richtig gelebt oder hätte ich wieder raus ziehen sollen? Manche Menschen müssen im Leben vieles einstecken, ich musste vieles reinstecken, vor allem viel Geld. „Geld macht nicht glücklich aber es beunruhigt“. Geld hatte bei mir kein Bleiberecht, ich hatte zu viele Löcher zu stopfen. Meine Freundin Silvia, ihr verdanke ich die Idee zu diesem Buch, fragte mich ob ich mir ein anderes Leben gewünscht hätte. Welch eine Frage, ich hatte es doch mit der Ehe probiert, eine Interessengemeinschaft an der man mit der Zeit das Interesse verliert. Später interessierte ich mich für die Ware Liebe und tat was man von mir erwartete, ich konsumierte. Nicht jeder der nicht ganz richtig im Kopf ist, wird als unzurechnungsfähig eingesperrt, es gibt einfach zu viele davon, jeder Schwachkopf wird dazu gerechnet. „Richtig im Herzen“ ist wichtiger als im Kopf. Patty war immer lieb zu mir, ich war kein Märchenprinz aber ein liebenswürdiger Kunde der ihr Vater hätte sein können wenn… wie man so sagt. Eine „Vaterfigur“ mit Tochterkomplex, oder so ähnlich. Es gab Momente wo Sie mir weh tun wollte, mir die Wahrheit ins Gesicht sagte;“Du bist ein alter Mann, ich liebe nur dein Geld“. Die Wahrheit tut weh, der Mensch bevorzugt den Selbstbetrug, er ist die schönste Form des Betruges, man wird zum Schöpfer, erschafft sich eine heile Welt, umgeben von den schützenden Mauern der frommen Lüge. Die Not erfordert die Notlüge, das Leben erfordert die Lebenslüge, ein sorgsam errichtetes Kartenhaus, das leichten Winden stand hält, im Sturm jedoch den Erbauer unter sich begräbt. Eine hohe Prozentzahl gutgläubiger Männer erlebt dieses Desaster im Land des Lächelns, wenn der Sturm das Lächeln und das Geld weg geblasen hat.  Oft ist das Kartenhaus eine abgekartete Sache, ein Spiel mit gezinkten Karten; „The Winner takes  it all“ Abba. In meinem Fall hatte der Amerikaner schlechte Karten, er zockte mit hohem Einsatz ohne die anderen Mitspieler zu kennen. Mich kannte er als einen Mitbewerber aus Deutschland, ein alter Mann über 70 Jahre alt, über 20 Jahre älter als er, Patty hatte ihm von meinen Heiratsabsichten erzählt, er hielt mich für wohlhabend. Das war ich gewiss nicht, hatte aber mehr Geld als er. Ich zahlte unserem gemeinsamen Liebling auch mehr als das Doppelte, Patty kostete mich über 2.000.- Euro pro Monat, meine Rentenbezüge lagen weit darunter. Meine Unkosten in Deutschland, Miete usw. mussten bezahlt werden, ich lebte über meine Verhältnisse. Zwei „arme Schweine“ im edlen Wettstreit um die Gunst einer armen Näherin, die die Nadel an den Nagel gehängt hatte. Während ihr Verlobter sich im fernen Amerika die monatlichen Zahlungen vom Munde absparte, hing ich an ihrem Munde und unsere Zungen umspielten einander wie Engelszungen die ein Liebeslied einstudierten. Ich tat wovon er nur träumen konnte, nahm täglich in Besitz was ihm versprochen war, missbrauchte die lieblichen Harnwege seiner künftigen Ehefrau auf das schändlichste.

                                                                       HAUS  UND  HOF

Der Gebrauch einer Frau beschränkt sich normalerweise auf überdachte Innenräume, das Haus ist die Heimat des Geschlechtsverkehrs, bevorzugte Plattform ist das Bett im Schafzimmer, daher die irreführende Bezeichnung „Beischlaf“ obwohl  selten jemand dabei schläft. Wer eine „eigene“ Frau hat kann „jederzeit“ darauf zurück greifen; „Die Frau im Haus erspart dem Zimmermann das Frauenzimmer“. Die Ehefrau, auch als Hausfrau bekannt, ist also für den Hausgebrauch bestimmt, der ihren weiteren Lebensweg bestimmt. Außer Haus ist sie durch die Aura ihres Ringfingers vor jedem unbefugten Zugriff geschützt, hier signalisiert ein güldener Reif ihre „Vergebenheit“. „Bin vergeben“ lautet die Botschaft und die meisten Männer vergeben ihr diesen voreiligen Schritt, der ihren Schritt für alle anderen versiegelt. Als Herrin über Haus und Hof lässt sie sich trotzdem gern den Hof machen, während der Ehemann, der Hausmannskost überdrüssig im Kontakthof alleinstehende Frauen hofiert. Das Hurenhaus, eine Wohngemeinschaft herrenloser Damen, die sich keine vernünftige Partnervermittlung leisten können, ist ein Haus der Freude in einer freudlosen Gasse, ein Ort der Begegnung und des Austauschs, ein Haus ohne Beispiel. Bei der Heimkehr des Mannes hängt nicht nur der Hosenwurm, es hängt auch der Haussegen schief, Frauen riechen den Geruch anderer Frauen, können sich aber oft gegenseitig nicht riechen. Verliert die Ehefrau die Contenance züchtigt sie den unzüchtigen Mann mit diversem Schlagzeug aus der Küche, der sie täglich leckere Speisen abringt weil die Liebe durch den Magen geht. Dieser Missbrauch von Gerätschaften der Kochkunst erhebt die häusliche Gewalt in eine neue Dimension, hier werden Kochlöffel und Nudelholz zu „Waffen der Frau“. Der sogenannte „Hausmann“ hütet das Haus während die kampfbereite Frau sich im Außendienst durch das Leben schlägt. Schlagfertig fertigt sie ihre männlichen Gegner ab und beweist ihre Schlagkraft. Dies sind Ausnahmen die sich auch in der Regel bestätigen, die mit Verschlusszeiten den Verkehr regelt. Das Hotel ist ein Haus für alle Fälle, hier mieten sich die Geschlechter nach gegenseitiger Einvernahme ein um dem Lockruf der Liebe zu folgen und die Folgen zu tragen. Wenn ältere Männer junge Zimmermädchen als Frau missbrauchen werden sie wegen „Personalmissbrauch“ mit einem Hausverbot belegt; „Vom Mädchen zur Frau“, ein alter Aufklärungsfilm der frühen Jahre, wurde hier zu wörtlich genommen. Der verheiratete Mann der Oberschicht hält sich eine erstklassige Zweitfrau, die das Prädikat; „Erste Sahne“ trägt, was so viel wie „Sahnehäubchen“ auf der Hochzeitstorte bedeutet. So manche Torte wird zur Tortur wenn das Sahnehäubchen fehlt; „Aber bitte mit Sahne“. Der alleinstehende Mann mit kleinerem Einkommen leistet sich eine jüngere  Reinigungskraft, deren Kraft bei guter Bezahlung über die Reinigung hinausgeht, man kann sich vorstellen wie es beim Besuch einer solchen „Zugehfrau“ zu geht. All das kann nicht über den eigentlichen Charakter der Sexualität hinwegtäuschen, sie ist praktizierte Gewalt. Auf unnachahmliche Weise bemächtigt sich der Mann des Körpers der Frau, er durchdringt mit dem Werkzeug der Erniedrigung verschlossene Pforten die von der Natur schamhaft hinter Schamhaar versteckt wurden, die Defloration, ein verletzender, blutrünstiger Akt, der schmerzhaft bewusst macht dass dies nur der Anfang lebenslanger Verfolgung und Bedrohung sein würde. Viele Frauen flüchten sich in eine lesbische Beziehung um so dem „Machtinstrument der herrschenden Klasse“ zu entgehen. Trotz Gewaltanwendung und Machtmissbrauch träumen viele Frauen von der Ehe, sehen im Mann den Beschützer von Haus und Hof, nicht den Sklavenhalter und Herrn im Herrenhaus. „Er soll dein Herr sein…GASPARONE „ Operette sich wer kann.

                                                                   UNTERGANG  IN  ÜBERSEE

Es kam wie es kommen musste, der amerikanische Traum leistete den Offenbarungseid, unser Mann in Amerika war zahlungsunfähig, er konnte die monatlichen Raten nicht mehr aufbringen. Jede Andere hätte an dieser Stelle den Schlussstrich gezogen, den Strich vorgezogen. Patty gab nicht auf; Jetzt erst recht, lautete ihre Devise, ihre Devisen würde Sie in Amerika verdienen, als Putzfrau würde Sie dem Kapitalismus die Stirn bieten, in Zukunft würde Sie harte Dollars verdienen. Es gab noch keine Impfung gegen Dummheit, jeder musste selbst mit dem Kopf gegen die Wand laufen wenn er die Stirn bieten wollte.  Über ein Jahr lang hatte der amerikanische Traumtänzer brav die versprochenen Zahlungen geleistet, etwa 15.000.- Dollar an die Verlobte überwiesen, sogar die Scheidung hatte er durchsetzen können, nun war Patty gefordert und war bereit ihr Ticket nach Amerika selbst zu zahlen. Hat man je von einer Thailänderin gehört, die ihr Ticket selbst zahlt um einen Ausländer zu heiraten der Pleite ist? „Wunder gibt es immer wieder…“ Katja Ebstein. Sie tröstete den Verzweifelten mit diesem Versprechen, erklärte ihm jedoch die Notwendigkeit das fehlende Geld bei mir verdienen zu müssen. Offenbar war ihm das lieber als ihre Rückkehr an die Bar, wo Sie vielen Männern ausgeliefert sein würde. Er wusste nicht dass Sie schon seit dem Autokauf bei mir lebte und stimmte zu. Immerhin hatte Sie vor seiner Zeit auch mit mir zusammen gewohnt, und ich war ein  impotenter alter Mann.  Er glaubte nicht an meine Impotenz und ich missbrauchte die mir Anvertraute jeden Tag als würde Sie mir gehören. Ab jetzt wollte nicht nur Ramon sondern auch er genau wissen ob wir heute schon… und wenn ja wie lange. Was treiben diese Männer, warum wollen sie wissen wer und wie? Ist das pervers oder normal, muss man diese Kerle bewundern oder bedauern? Patty befriedigte den alten Mann in gewohnter Weise, ihr Service war von gleichbleibender Qualität, ihre selbstverständliche Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Erstellung künstlerisch wertvoller Videofilme war bemerkenswert. Wir waren ein eingespieltes Team, hatten Spaß an der Gestaltung intimer Szenen, die natürliche Begabung meiner Partnerin machte den anstrengenden „Dreh“ zum Genuss. Humorvoll spielte meine Hauptdarstellerin einen fiktiven Orgasmus in Großaufnahme, während ich Sie scheinbar von hinten nahm. Spiel und ernste Befriedigung lösten einander ab, leider erschütterten nur wenige echte Orgasmen den mädchenhaften Körper, durchbrach der Ernst der Handlung die Spielfreude. Genau diese Szenen erwiesen sich als „handfeste“ Erinnerungen wenn Jahre später der Bildschirm zu meinem Partner wurde. In der Linken die Fernbedienung, in der Rechten die „Nahbedienung“, auf den Ohren die Kopfhörer welche die verzweifelten Hilfeschreie der gequälten Kreatur in Stereo vermittelten und den feuchten Traum realisierten.   Noch befand sich das Objekt der Begierde in meinem „Besitz“, weder vergangene noch künftige „Besitzer“ hatten Zugriff. Mit hängender Zunge und stehendem Phallus hechelten sie ihre Not ins Telefon und erkundeten Details zu Nächstenliebe und Kundendienst. Es riefen noch weitere Kunden an, Pattys Dienst am Kunden war in aller Welt in bester Erinnerung, alle bedauerten ihren „Schritt vom Wege“ und die Vergeudung eines Talents an einen einzelnen Nutzer. Täglich nutzte ich die Anwesenheit eines begehrten Sexobjekts und missbrauchte das arme Ding ohne Rücksicht auf amerikanische oder sonstige Interessen, jeder ist sich selbst der Nächste.

                                                                                 GLÜCKSSPIELE

 Die Anrufer fragten ob und wie oft der alte Mann…? Ich fragte mich ob und wie oft unsere gemeinsame Spielgefährtin Orgasmen bei Ramon oder Bill gehabt hatte? Was haben die, was ich nicht habe, warum gelingt es mir nicht Sie „glücklich“ zu machen? Hier geht es um ein Grundbedürfnis des Mannes;“Ihre Orgasmen soll Sie bei mir haben, nicht bei anderen“. Das ist „Der wunde Punkt der offenen Wunde“, der gespielte Orgasmus. Es gibt die berüchtigte Szene in einem amerikanischen Film, in der Sie Ihm beim Essen im Nobelrestaurant einen Orgasmus vorspielt und die Dame am Nebentisch von der Bedienung „das Gleiche“ verlangt. Ich fand weder die Grundidee noch die Pointe witzig. Es amüsiert mich überhaupt nicht einem gespielten Orgasmus zuzusehen, und faule Witze machen ein Trauerspiel nicht zum Lustspiel. Es besteht keine Notwendigkeit, egal an welchem Ort, zu beweisen dass Frauen einen Orgasmus spielen können, diese Tatsache ist so bekannt wie bedauerlich. Kann Sie Ihm das vorspielen, kann Sie Ihm alles vorspielen, das heißt; Sie spielt mit Ihm wie die Katze mit der Maus. Patty war eine ehrbare Dirne, am Anfang unserer Geschäftsbeziehung gestand Sie mir, niemals einen Orgasmus zu haben. Ich nahm es hin, es wurden keine Erwartungen geweckt, kein Leistungsdruck erzeugt, nicht Sie, der Kunde sollte zu seinem Recht kommen. Keine Selbstverständlichkeit in Pattaya, die meisten Dirnen haben keine Berufsehre. Patty hatte diesen Ehrgeiz, es war ihr ein Bedürfnis den Kunden zufrieden zu stellen, Sie nahm ihre Aufgabe ernst. In den ersten Wochen bedurfte es keiner Potenzmittel um tote Hosen zu erwecken, aber schon bald wurde wiederholte orale Unterstützung zur Wiederherstellung der Passform unverzichtbar. Erneut drang das erstarkte Instrument in den Körper der Frau ein und bewirkte eine völlig unerwartete Veränderung. Mit fassungslosem Erstaunen sah der angeschlagene alte Mann die dramatische Verwandlung einer aufopferungsvollen Altenpflegerin zum erbarmungswürdigen Opfer seines standfesten „Liebesknochens“ der kraftvoll in Sie hinein arbeitete. Mit der Energie eines jungen Mannes gelang es dem Alten das hilflose Opferlamm auf den Gipfel der Erfüllung zu treiben, und den Moment höchsten Glücks mit ihr zu erleben. Wider Erwarten erreichte das ungleiche Paar den Höhepunkt gemeinsamer Arbeit zur selben Zeit, das tierische Grunzen des Mannes mischte sich mit den gellenden Schreien die das gepeinigte Geschöpf von sich gab. Immer wieder rief Sie seinen Namen, eine ehrliche Danksagung, die er nie wieder so schön wie heute hören würde. Der geneigte Leser möge auftretende Wiederholungen tolerieren, die Niederschriften eines hochbetagten Mannes sind nicht frei davon. Der Autor schwelgt in Erinnerungen, träumt sich in Höhepunkte zurück die tiefen Eindruck hinterlassen haben, ein Leben zwischen hoch und tief, hoch aufgerichtet das Marterinstrument, tief eingedrungen in die Partnerin. Ein simpler Vorgang, dem der Mensch neue Seiten abgewinnt, grundsätzlich werden Ausgänge als Eingänge missbraucht, der Eingang für die Aufnahme von Nahrungsmitteln wird als eine Art Sanatorium für Stehbehinderte genutzt. Dem Erfindergeist des Menschen sind keine Grenzen gesetzt, er vermag aus jeder Umkehrung einen Lustgewinn zu generieren, es gelingt ihm sogar den Schmerz als positives Erleben in seine krankhaften Handlungen einzubeziehen. Alles was er vorfindet wird allein seiner Wollust nutzbar gemacht und durch Verhütungsmittel der eigentlichen Bestimmung entzogen.

                                                              NATURGESETZE  MIT  PELZBESATZ

 Die Entdeckung der Vagina als Lust und Frust-Element führte anfangs zu schamhafter Verleugnung und zur Verteufelung der Frau an sich. Die Kirche erkannte mit Scharfblick das Gefahrenpotential und verfügte; Unter der Gürtellinie sei der Gürtel enger zu schnallen. Die Sexualität habe allein der Zeugung zu dienen. Mit durchschlagendem Erfolg, sie vermehren sich wie die Karnickel. Ob alle satt werden war noch nie die Sorge derer gewesen, die sich um die sinnvolle Nutzung der Geschlechtsorgane sorgten. Tatsächlich wurde hier nur das Diktat der Natur wiederholt, die sehr wohl weiß dass „Fressen und gefressen werden“ fortwährend den Bestand dezimiert. Bei absehbaren Verlusten auf der Verliererseite ist die Sicherung des Nachschubs; eine ausreichende Versorgung mit Todesopfern lebenswichtig. Pervers wie Mutter Natur nun mal ist, drängt sie ständig auf Zeugung neuen Lebens denn sie hat viele hungrige Mäuler zu stopfen. „How can you dare“ wie können Sie es wagen derart respektlos von Mutter Natur zu sprechen? An deren Busen die Romantiker ruhten, die Dichter saugten, die Menschen Frieden fanden, ihre unglaubliche Fülle und Schönheit, gibt es etwas schöneres als Ameisen die tote Käfer fressen, Ameisenbären die lebende Ameisen fressen? Wer A-Meise sagt, muss auch B-Meise sagen. Freut es nicht den Menschen wenn der vom Aussterben bedrohte pumanische Puma wieder ausreichend Beutetiere für seinen täglichen „Mundraub“ vorfindet? Das Beutetier ist der Motor der Natur, erst wenn es als Jagdopfer sein Leben verliert erfüllt sich der Sinn seines Lebens. Bewundern wir nicht die majestätische Schönheit, die geschmeidige Schnelligkeit des eleganten Raubtiers dem die Natur mit großer Selbstverständlichkeit eines ihrer Lebewesen opfert? Stärke und Anmut bestimmen Sieg und Niederlage bei Mensch und Tier, der Löwe ist der König der Tiere, der Mensch ist der König der Löwen. Ein weiser Herrscher, der das Raubtier schützt und immer für Beute sorgt. Die absurden Gefühlsduseleien von Gutmenschen, die hilflosen Tieren Bed and Breakfast anbieten und Schlachtvieh vor der Schlachtbank retten wollen, während die Politiker die Banken retten, retten die Welt nicht vor dem Untergang. Nicht „Zigeuner“ sondern „Schnitzel“ ist das neue Unwort und keiner setzt sich Läuse in den Pelz der Großmutter.  Einst Statussymbol und „Dosenöffner“, heute schwimmen den Kürschnern die Felle weg. Ich konnte mir nie einen Pelzmantel leisten, damals glaubte ich noch im Winter sei es kalt. Sehr viel später entdeckte ich wie überflüssig ein Pelzmantel war wenn man das Geld für ein Flugticket investierte. Während die Frauen noch Pelz von Pelztieren trugen hörte ich „Pelz von Felinau“ eine beeindruckende „Hörspielstimme“ bei Rias-Berlin, Rundfunk im amerikanischen Sektor. Damals hörte man noch um zu sehen. Wer gut betucht war hüllte sich nicht in Tuch, Damen und Herren trugen Nerz und andere Kostbarkeiten, die einfache Frau trug einfach „Kanin“, ein Pelztier ohne Lobby. Auch die Lämmer hatten keinen Fürsprecher und hüllten sich in Schweigen als ich Jahre später einen Lammfellmantel kaufte, ein schweres Kleidungsstück mit einem riesigen Kragen, der aufgestellt bis über die Ohren ging, ich war noch berufstätig und konnte dem Winter nicht entgehen. Nicht jeder der einen solchen Mantel trägt ist ein Wolf im Schafspelz, ich war eher ein Lamm in der Kälte. Während ich dies schreibe sehe ich mit einem Auge einen Bericht über den Künstler Joseph Beuys der grad hundert Jahre alt geworden wäre. (Ist das Kunst oder kann das weg?) Und was trägt unser „Filz und Fett-Künstler“?  Die Aufnahmen von damals zeigen den Meister in einem bodenlangen Pelzmantel, sicher war das Kunst. Normalerweise ist das Tragen von Pelz keine Kunst, es kann also weg. Sogar der „Naturpelz“, auch Schamhaar genannt, wurde weitgehend unmodern, auch die erwachsene Frau war wieder „Nackt wie Gott sie schuf“. Die Jugend hat den Pelz so verteufelt, heute ist ihr sogar der wunderschöne Webpelz von C&A zu teuer. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte nach vielen Streicheleinheiten, die ich dem gewebten Tier geschenkt hatte, eine überaus kuschelige Damenjacke in schmutzigem Weiß für 40.- Euro, um als „Venus im Pelz“ oder einfacher ausgedrückt, als „Pelztunte“ falsche Eindrücke zu provozieren. Jetzt wo mir die Pelzjacke so gut stand, stand mir der Winter nicht mehr zur Verfügung. Wenige Tage nach dem Kauf flog ich ohne Pelz in die winterliche Hitze Thailands, fror zwei Stunden lang im „eisgekühlten“ Taxi ehe ich mit“ Unterkühlung „ in Pattaya mit 33 Grad Celsius empfangen wurde. Nun befand ich mich in einer „pelzarmen Region“ in der auch Kunstpelz nicht als Kunst gewürdigt wurde. Ich als Liebhaber moderner Kunst hatte mich jedoch davor noch in Berlin in einige Kunstwerke aus Kunstpelz verliebt, die im „KADEWE“ und anderen Shops in der City zu bewundern waren, sie erinnerten an die Palette großer Meister, ein Farbenrausch mit dem ich mich gern geschmückt hätte. Damenmäntel natürlich, in gehobener Preislage, etwa 1.000.- Euro. Das hätte nicht nur meine „Geldbörse“ überstrapaziert, sondern auch die „Pelztunte“ auf die Spitze getrieben. Menschen denken in Kategorien, wie sollen sie wissen dass ich ein heterosexueller Sextourist mit starken femininen Anteilen bin, also fast eine Frau die Frauen liebt. Im Gegensatz zu vielen schwulen Männern wollen lesbische Frauen keine unnötige Aufmerksamkeit erregen, Hauptsache sie erregen die Gefühle der Frau ihres Herzens. Das erklärt sicher meine Zurückhaltung. Meine krankhafte Sehnsucht nach Farben bringt mich trotz maskuliner Gebärden, immer wieder in Verruf. Ein richtiger Kerl, ohne Auto, ein Widerspruch in sich, läuft nicht ganz in lila gekleidet mit einem pinkfarbenen „Tuntenköfferchen“ auf zwei Rädern, im Schlepptau über die Promenade zwischen Nollendorfplatz und Winterfeldplatz.

                                                            HINEIN  MIT  SACK  UND  FLÖTE

Dieser Ausruf eines unschuldigen Knaben erschreckte meine Mutter während des Krieges als ich etwa neun Jahre alt war, Sie empfand ihn eindeutig als zweideutig. Für mich hatte er nichts zu bedeuten, ich hatte ihn im Kino aufgeschnappt, als deutsche Sturzkampf-Flugzeuge „Stukas“ sich mit ihrer Bombenladung auf den Feind stürzten. Die Piloten in der Kanzel unterstrichen mit diesem Spruch den Angriff. Meine Mutter war erleichtert als ich Sie aufklärte, für mich war der Ausruf nun „politisch nicht mehr korrekt“. Irgendwann kam ich dahinter, aber irgendwas stimmte nicht. Musste denn der Hoden zuerst eingeführt werden und die „Flöte“ war zweitrangig? Unverantwortlich, wie kann man ein Kind so verwirren? Immerhin hatten deutsche Piloten im Film nicht „Die Eier“ der Flöte den Vorrang zu geben. Im Folgenden will ich nun der Flöte zu ihrem Recht verhelfen, es soll von Dichtung und Musik die Rede sein. Als alter „Sack“ bewegte ich mich nackt unter Nackten und meine Flöte wurde nicht mehr gespielt. In unserer City Sauna gab es eine Dichterin, die sich gern den Anschein lesbischer Neigungen gab um so die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu lenken, den Stachel im Fleische anzustacheln um ihn im Fleische zu spüren. Die Eitelkeit der Männer; „Wenn ich die rum kriege bin ich ein ganzer Kerl. Unsere Beziehung war platonisch und von Dichtung überschattet. Sie war aus gutem Hause, der Vater war Bankdirektor, die Mutter Opernsängerin, Sie selbst spielte Querflöte und konnte Noten lesen, was ihr eine besondere Note gab. Meinen erbärmlichen Gedichten gab Sie stets gute Noten, hier war Liebe im Spiel. „Man spielt nicht mit der Liebe“ war ein alter Ufa-Film in schwarz/weiß, eine Schwarzweiß-Malerei wie sie damals üblich war bevor der Farbfilm den Kitsch zum Überlaufen brachte. Unsere kitschige gegenseitige Anbetung duldete keine profane Missachtung der Gürtellinie, fehlende Gürtel unterstrichen den Trennungsstrich. Die vulgäre Nacktheit eines übervölkerten Saunabetriebs wurde angenehm von der Dienstkleidung der Bademeister akzentuiert, eine Art „Reizwäsche“ welche die Blicke der unverhüllten Damen auf sich zog. Nora schmückte sich gern mit einer hübschen Pianistin die ihre Flötenkonzerte begleitete. Ich begleitete Noras Auftritte als Kameramann und hielt die Kammermusik in bewegten Bildern fest. Bewegende Eindrücke wenn Sie die Flöte zur Seite legte und mit glockenheller Stimme „Die Glocke“ von Schiller und eigene Werke raus posaunte. Merkwürdigerweise konnte Sie von ihrer Kunst leben, worum ich Sie als unbekannter Dichter beneidete. Ihre Gedichte waren abgehoben wie ein Helikopter kurz nach dem Start, Sie war ein echter Überflieger. Mir war der Zugang verwehrt weil ich den Schlüssel zu ihrem Herzen verlegt hatte. Auch ihre Kammermusik konnte mir nicht die richtigen Flötentöne beibringen, sie spielte Querflöte, ich war ein Querdenker. Dennoch war in meinem Herzen immer eine Kammer für Sie reserviert. Früher ein Nistplatz für süße Mäuse und scharfe Ratten, hier wurde trotz meiner Depressionen nicht nur Trübsal geblasen, nun sollte der Kammerjäger das „Halali“ blasen. Nora nannte sich gern Madame N. so stand es auch unter ihren Gedichten von denen ich eins, es erinnert an Rainer Maria Rilke, hier preisgeben möchte:   DAS  SUCHEN    Suchen finden überwinden, Lampen Lumpen Humpen pumpen, Helle Lampen auch in Kampen, Schöne Leuchten als wir keuchten, Lampenschein und Herz hinein, Eier und Tokaierwein, immer ja und niemals nein, Lampenlicht und Birnenglut, Lampe ach ich bin dir gut. Einer spielt sich an die Rampe, sucht die Eier Meister Lampe. O Stern, O Stern, OSTERN. Madame N.

                                                                                MARX   UND  MORITZ

Wie sich der kleine Moritz die Philosophie vorstellt. Unheilbar vorbelastet greift der kleine Moritz in Thailand in ein großes Bücherregal und findet ein Werk von Marx und Engels aus dem Jahre 1845/46 neu aufgelegt: 1978. Anstatt es in der hohen Luftfeuchtigkeit verschimmeln zu lassen trägt er den kostbaren Schatz heim in sein Hotel und arbeitet sich in schlaflosen Nächten mühselig durch die 550 Seiten; „DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE“ Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten  Feuerbach, B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten.  Natürlich findet sich der kleine Moritz sehr bald in den Betrachtungen über das  Proletariat wieder und versucht im hohen Alter nochmals sein Glück bei der Entdeckung der Philosophie. Als junger Mensch hatte er in Ostberlin DAS KAPITAL zu lesen versucht und hatte sehr schnell aufgeben müssen. Diesmal bleibt er am Ball und freut sich wie ein Kind wenn er etwas vom Text versteht. Gleich am Anfang wird Kant korrigiert; „Ich denke also bin ich“ muss laut Marx/Engels; „Ich produziere also bin ich“ heißen. Das gefällt unserem Minimalphilosophen, vom Denken wird man nicht satt und Hunger ist der beste Koch. Am meisten bejubelt er den schlichten Satz auf Seite 218 den jeder verstehen kann; „Philosophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe“. Einfach und frivol, das könnte von mir sein, denkt sich der aufgeweckte Bengel. Wenn die beiden großen Geister Hohn und Spott über ihre Kontrahenten ausschütten ist Moritz, der Schreiber dieser Zeilen, in seinem Element, soviel Ironie, Sarkasmus und Witz hatte er den verknöcherten Utopisten  gar nicht zugetraut. Bei allen berechtigten Vorwürfen die Sie ihren Gegenspielern machen, fällt nach dem Zusammenbruch der „Schönsten Utopie aller Zeiten“ doch ihre eigene Fehleinschätzung des Menschen auf. Der unerschütterliche Glaube an den „Neuen Menschen“, der nach dem „Letzten Gefecht“ von allen Zwängen kapitalistischer Ausbeutung befreit sein würde, war der wunde Punkt der liebenswerten Utopie. „Glauben ist nicht Wissen“ weiß der Volksmund. How can you dare als kleiner Denker hier mitzureden und deinen mittelscharfen Senf dazu zu geben? Was die Berufsdenker nicht schaffen wirst du mit dem „Gesunden Menschenverstand“ auch nicht lösen, zumal wir inzwischen wissen wie krank der ist.

                                                                 AUFBRUCH  INS  UNGEWISSE

Das Ende meines Sexuallebens ist nahe, die letzte große Liebe meines Lebens macht sich auf die Socken um kalte Füße zu bekommen. Unser Mann in Amerika ist glücklich geschieden und frei für eine neue Gefangenschaft. Patty hat einen Termin bei der amerikanischen Botschaft in Bangkok, das Schicksal nimmt unerbittlich seinen Lauf. Erneut mache ich mir bewusst wie glücklich ich sein müsste dass Er mir die erdrückende Last abnimmt. Eine gute Lösung, zwei hoffnungsvolle „Junge Menschen“ werden „Ja“ sagen zum heiligen Bund der Ehe und „Nein“ zu den Realitäten des täglichen Lebens. Ein alter Mann begräbt seine Illusionen und beschließt in Würde zu altern. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ein Unwürdiger tauscht käufliche Liebe gegen kostenlose Würde, wer würde da nicht jubeln. Noch regiert der Schmerz aber jeder Mensch muss hergeben was ihm geliehen ward. „Früher oder später trinken alle Wurzelpeter“. Die Liebe ist die Wurzel allen Übels, der Peter ist ein entwurzelter Likörtrinker. „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“. Patty wurde in der Botschaft wohlwollend empfangen, man machte Ihr Hoffnung auf ein Visum, Sie zahlte alle Gebühren und bereitete sich auf die große Reise vor. Ich schrieb für Sie einen Brief an Bill, er müsse Sie abholen, allein könne Sie nicht reisen. Er hatte kein Geld für den Flug, musste einen Kredit aufnehmen, Sie würde ihr Ticket selbst zahlen. Bill fragte bei jedem Anruf ob wir Geschlechtsverkehr hatten, Sie sagte ja obwohl ich ihr zum Gegenteil geraten hatte; Warum willst du ihn quälen, sag einfach, Peter ist zu alt, sein Glied steht nicht mehr. Patty sagte mit unbewegtem Gesicht die Wahrheit, Sie arbeitete für Geld, Er war ja nicht zahlungsfähig. Ramon nahm zur Kenntnis dass seine Zeit abgelaufen war, seine Anrufe wurden weniger. Ich glaube er war sogar eine Zeit lang in Pattaya aber Patty nannte unser Hotel nicht. Bill rief zweimal täglich an, wollte wissen wie oft und wie lange…. Er fragte was wir sonst täten, Patty erzählte von kunstvollen Porträts die ich auf dem Balkon fotografiert hatte. Er bat um Fotos, Patty weigerte sich; Was will er mit Fotos, Er hat mich bald lebendig. Wieder hatte ich Mitleid und überredete Sie ihm die Papierbilder mit der Post zu schicken. Sie kaufte ein faltbares Paket, wo ein großes Kuvert genügt hätte, wir hatten einen langen und bösen Streit um die albernen Bilder, Sie fühlte sich im Recht und wollte meine Argumente nicht gelten lassen. Schließlich siegte das Kuvert aber unsere „Liebe“ war zerbrochen. „Von da an gings bergab“, um mit Hildegard Knef zu singen. Patty hatte eine Zukunft, ich hatte ausgespielt, nach ihr würde es in meinem Leben keine Frau mehr geben. Es gab Sie schon jetzt nicht mehr, Sie entglitt mir Tag für Tag mehr und zog irgendwann den Schlussstrich unter unsere Geschäftsbeziehung. Sie wollte die Zeit bis zur Abreise wieder in ihrer Bar arbeiten, ich konnte Sie nicht daran hindern. Wieder einmal konnte „Der Farang“, in diesem Fall ich, nicht begreifen warum Sie der Bar den Vorzug gab, egoistisch wollte ich „mein Sexobjekt“ bis zur letzten Minute „besitzen“, wenn ich Sie schon für immer hergeben musste. Andererseits kann der geplagte Kunde einer „Edelnutte“ eine gewisse Erleichterung nicht verleugnen wenn die enorme finanzielle Belastung ein Ende hat. Als Ehemann kann man sich seinen festen Verpflichtungen nicht mal durch Scheidung entziehen, als Freier ist man tatsächlich frei. Auch Patty wollte „frei sein“, nicht zuletzt der „Zuhälterei“ der eigenen Familie entfliehen, weit weg von „Mama-Papa“ und den zahlreichen Geschwistern, alle Nutznießer der „Knochenarbeit am Liebesknochen“. Während unserer „wilden Ehe“ hatte es den Besuch der alten Dame gegeben, ihre Mutter war mit „Gefolge“ angereist, man wollte den deutschen Wohltäter der Familie kennen lernen und reiste im eigenen Wagen, bezahlt vom amerikanischen Wohltäter, an. Devot und mit Respekt vor den Millionen des Harlekins, begrüßten mich Mama-Papa und fünf weitere Unbekannte auf dem Parkplatz meines Hotels, wo ich das teure Fahrzeug bewunderte. Ich hatte versucht die „Bagage“ hier unterzubringen, es war zu teuer, wir lieferten sie in einem billigen Hotel auf der Naklua Road, in zwei Zimmern a 600.- Baht ab, ich spendierte der Familie 2.000.- Baht Taschengeld und musste meine „Leihgattin“ an die Besucher abgeben, man blieb unter sich, ich blieb allein. Man besuchte den Strand und das Meer, es kam zu einem „Gespräch“ mit einer älteren Touristin, der die Mutter von Patty stolz das Monatsgehalt ihrer Tochter nannte. 70.000.- Baht, die Touristin „staunte Bauklötzer“, das war auch für sie viel Geld, bei dem damaligen Kurs: 1.400.- Euro. Wer wäre da nicht stolz auf die überdurchschnittliche Leistung einer solchen Tochter, die vom Amerikaner 1.000.- Dollar oben auf bekam. Nach zwei Tagen reiste der Clan der Ausbeuter ab, ich hatte meinen Schatz wieder für mich. Damals war die Welt noch in Ordnung gewesen, zwei zahlende Kunden sind besser als einer; „Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“. Nun war der Wohlstand gefährdet, der „Ami“ zahlte nicht mehr, der Deutsche hatte die Kündigung erhalten, die doppelte Kurtisane hatte mein Doppelbett verlassen. Ein kleiner Mann allein im großen Bett, Patty arbeitete wieder dort wo mein spätes Glück begonnen hatte. Sie bewohnte ein billiges Zimmer, hier konnte Bill empfangen als hätte es nie eine „Ehe zu dritt“ gegeben. Immerhin gab es davor einen Abschiedsbesuch bei dem ich Tränen der Rührung vergoss, während Sie kühl und unnahbar blieb. Ohne Zärtlichkeit und ohne Sex war es eine Geste der Höflichkeit, die jedoch wieder in Streit mündete. Wir gingen miteinander essen, Sie fragte mich wie viel 1.000.- Dollar in Baht wären, die Sie offenbar in Amerika als Putzfrau verdienen wollte. Ich erinnerte Sie an Nebenkosten wie Fahrgeld und Taschengeld, Sie wurde böse, das wollte Sie nicht wissen.“Eine Milchmädchenrechnung ohne den Wirt gemacht“. Ungehalten sagte Sie mir deutlich wie sehr ich ihr auf die Nerven ging. Ihr Verhalten erleichterte mir den Abschied, ich sah ein dass alles im Leben einen Anfang und ein Ende haben musste. War es ihr gerechter Zorn auf den alten Besserwisser, schon der Streit um das Postpaket mit den Fotos hatte Gräben aufgerissen, oder war es Mitleid um mir die Trennung leicht zu machen? Sentimentales Wunschdenken, unverbesserliches Suchen nach einem Gefühl das so nie existierte. Das Wort Liebe ist im Wortschatz einer Prostituierten nicht enthalten, Sie liebt diesen Beruf nicht, Sie übt ihn aus. Ihre Liebe gilt traditionell der Familie und dem thailändischen Freund oder Ehemann. Sie wäre fähig einen jungen, gut aussehenden Farang zu lieben, warum sollte Sie mich lieben? Für den alten Mann war es nicht nur der Abschied von einer intensiven Langzeitbeziehung, es war der Abschied von Sex und Liebe, es war das Ende dessen wofür der Mann geschaffen ist, für die Frau. Was ihn erwartete war Einsamkeit im Alter, endgültige Impotenz, Verzicht auf geliebte Gewohnheiten, das Ende der Onanie. Mangelndes Geh und Stehvermögen, abgeschlaffte Gebrechlichkeit, trostloses Nachtrauern, Windelhosen statt Erektionen, Blasenschwäche statt blasende Frauen.

                                                                  DIE  MACHT  DER  LIEBE

 Verblassen der Erinnerung als hätte es nur zwei Frauen gegeben, die erste und die letzte Liebe sollten erhalten bleiben, die Erste für immer unvergänglich. Jugendliche Unschuld, die Verzauberung, das Staunen, das Schweben, die Schwerelosigkeit der Gefühle, das selbstverständliche ineinander Aufgehen, das Verschwinden einer feindlichen Realität zugunsten einer traumhaften Sicherheit, das völlige Fehlen materieller Interessen, eine bedingungslose Liebe ohne Zweifel und Argwohn, ohne Kampf und Niederlage. Ein Traum ohne böses Erwachen, ein endloses Gefühl des Glücks, ohne die Tristesse der Gewohnheit im Gefängnis einer Ehe. Die wahre Liebe, die nur gibt und nichts verlangt, die Erfüllung einer lang gehegten Sehnsucht. Eine Liebe die niemals endet, so wie jeder Schlager sie besingt. Selbstverständlich waren die vielen begehrenswerten Mädchen meiner naiven Jugend für die Liebe erschaffen, sie sehnten sich nach der Begegnung der Herzen, hatten Angst ein Kind zu bekommen, wollten für die Liebe und nur für die Liebe leben. Nie hatte ich gehört dass sie sich ein Kind wünschen könnten, sie träumten von einem tollen Wagen, aber nicht von einem Kinderwagen. Wer ersehnt schon eine versaute Figur, Übelkeit und Erbrechen, das ist doch zum Kotzen. „Kotz doch!“ hätte meine Mutter an dieser Stelle gesagt, die natürlich auch kein Kind wollte als sie mich unter dem Herzen trug. Hätte mein Vater ihre Pläne nicht verhindert, wäre ihr eine schwere Geburt und mir ein schweres Leben erspart geblieben. Lange blieb mir die ernüchternde Wahrheit über die Wünsche der Frauen erspart, erst in der Mitte meines Lebens offenbarte sich mir die Heimtücke der Natur, es traf mich wie ein Keulenschlag; Frauen wünschen sich Kinder! Auch meine Jugendliebe Annemarie wollte kein Kind und tat was meiner Mutter versagt geblieben war. Unvermittelt hatte der Ernst des Lebens uns aus dem siebenten Himmel auf die Erde zurückgeholt und ein Kind in Aussicht gestellt. Meine Geliebte entschied sich dagegen, Sie war älter und klüger, ich war ein Traumtänzer ohne Beruf und Geld. Ich war wohl 22 Jahre alt, aber ein Kindskopf ohne Bezug zur Realität. Wenn eine kluge schöne Frau einen verträumten, niedlichen jungen Mann für ein ernstes Spiel auswählt dann muss das wohl Liebe sein. Wir teilten uns die Kosten, ich blieb was ich war, ein Statist. Die „Nachwehen“ mit denen die „Hauptdarstellerin“ zu kämpfen hatte, brachte ich mit keinem unbewussten „Kinderwunsch“ in Verbindung, wir waren zu dieser Zeit wenig aufgeklärt und Opfer der einseitigen Propaganda. Meine Freundin erholte sich, ich hatte keine Ahnung von den widerstreitenden Gefühlen einer Frau nach einem gewaltsamen Eingriff in die Gesetze der Natur. Sie belastete mich nicht mit Dingen die ich ohnehin nicht verstanden hätte, so blieb ich für lange Zeit dumm und setzte die Jugendliebe unbekümmert fort. Wie sehr muss es sie verletzt haben als ich ohne Not die Fronten wechselte und in den Westen ging. So dankte ich ihr für die Hingabe, für eine Liebe der Sie ihr Kind geopfert hatte. Ich habe diese Dummheit oft bereut, eine solche Liebe wurde mir nie wieder geschenkt. Ist die Liebe nun wirklich „Ein Geschenk des Himmels“ oder ist sie eine Illusion, lediglich eine „Mausefalle“ die zuschnappt wenn der Zeugung neuen Lebens Genüge getan wurde, oder ist sie ein reales Phänomen das die allmächtige Natur mit „Der Macht der Liebe“ überwinden kann? Es fällt mir schwer mich von meinen negativen Denkgewohnheiten zu trennen, für mich ist die Liebe eine Fata Morgana, ein Hirngespinst, begünstigt durch die Naivität der Betroffenen, die Anhänger einer Glaubensrichtung sind welche die Liebe zu ihrem Fetisch gemacht hat, eine Art „Knoblauch“ mit dem man den „Vampir Hass“ bekämpft. Die Liebe kann den Hass nicht besiegen, sie erzeugt selbst Hass. „Sometimes i hate you, because i love you“, singt ein amerikanischer Song, der Textdichter kennt die Menschen.

 

                                                                SCHIFFBRÜCHIG

Gibt es ein Leben vor dem Tode? Gibt es ein Leben nach Patty? Große Fragen kleiner Menschen, kleine Ursachen große Wirkungen. Solo in der Stadt der Frauen, überall winkt die Liebe, ich winke ab. Es fiel mir schwer Pattys Verhalten zu deuten, „Das Rätsel Frau“ schien gelöst, es tauchte in den „Denksportschriften“ nicht mehr auf, hier ging es wohl mehr um „ Das Rätsel Nutte“. Ich benutze das Wort nicht gern aber es ist kurz und bündig. Immerhin zeigte auch Sie eine gewisse Rührung als Sie meine Tränen sah, „Es geht eine Träne auf Reisen“. Deutsches Liedgut. Lied gut, nichts für ungut. Ungute Gefühle zur Zukunft der Frau die ich liebte, verfinsterten mein tränenumflortes Antlitz, „Tränen lügen nicht“. Patty kannte dieses Lied nicht aber Sie kannte sich mit Tränen aus. Die Liebe ist ein schiffbrüchiges Boot in einem Meer von Tränen, siegessicher segelt es zu Anbeginn in den verschwenderisch leuchtenden Sonnenuntergang und geht darin unter. Patty segelte wie weiland Kolumbus über das weite Meer um Amerika zu entdecken, während mein Schiff mit der Sonne im Meer versank. Wir küssten uns wie zwei unschuldige Kinder, scheu und vorsichtig berührten meine spröden Lippen die zarte Haut der jugendlichen Wangen einer „fremden Frau“ die keinen Missbrauch duldete. Gerührt aber entschlossen verließ Sie mein Zimmer, ich sollte Sie nie wieder sehen. „Der Mann der die Frauen liebte“ am Ende dieses französischen Films läuft der Held als Patient im Krankenhaus der Schwester nach, so wie er sein Leben lang den Frauen nachgelaufen war, er stolpert, stürzt und reißt sich die lebenswichtige Kanüle aus dem Arm, ein Opfer seiner Sucht. Männer sind süchtig nach Frauen, eine der gefährlichsten Drogen der Welt, teuer wie Rauschgift aber frei verkäuflich. Der süchtige Amerikaner hatte mehr Glück als Verstand, seine „Droge“ stand zu ihrem Wort und zu seiner Verfügung. Mit leeren Händen und Taschen traf der mittellose „Traumprinz“ in der Stadt der Träume ein und entführte die wohlhabende Prinzessin auf sein „Schloss“ in North Carolina. Mich kümmerte das alles nicht mehr, „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“. Ich ging nach Deutschland um mich bei meinen Freunden in Berlin auszuweinen und mir reinen Wein einzuschenken. Meine Liebe galt dem Alkohol, ich trank vor dem Bildschirm, ein alter Freund der mir die Entschwundene so gut es ging ersetzte. Während Bill seine Raten nicht mehr zahlen konnte, ich meine Zahlungen einstellen konnte, konnte mein Jugendfreund Bodo dies aus psychologischen Gründen nicht tun, der alimentierte junge Mann ließ sein Opfer nicht aus den Klauen, täglich rief er Bodo an und beteuerte seine „Liebe“. Bodo gehörte zu den Zwangsneurotikern die den Zwang zur Ratenzahlung auf sich selbst ausüben. Bill konnte auf Erfüllung seiner Träume hoffen, Bodo träumte von der Hoffnung und zahlte für den Traum. Ich hatte ausgeträumt und ausgezahlt, konnte wieder Geld auf die Seite legen wenn ich mich ohne Beischlaf auf die Seite legte, das Leben hat auch gute Seiten. Bodo lebte sparsam, er konnte das Geld erübrigen aber er warf es zum Fenster hinaus, gekaufte Illusionen, bezahlte Fata Morgana.“Der große Bluff“, ein passender Filmtitel. Die „Liebe“ ist ein Versprechen ohne Skrupel, eine Notlüge um Sex oder Geld zu erschwindeln, „Ich liebe dich“ kann jeder Betrüger sagen, es geht leicht über die Lippen und schwer aus dem Kopf. Ich habe Respekt vor jedem einzelnen Menschen und will weder meinen Freund Bodo noch andere kritisieren, das Schicken von Geld an Sexobjekte in Thailand ist eine weit verbreitete Krankheit, wer in diese Falle geht ist bestraft genug, Spott und Hohn sind hier völlig unangebracht. Ich selbst habe nie Geld geschickt, aber bei jeder Abreise enorme Summen für die Überbrückung meiner Abwesenheit gezahlt. Wenn ich von diesen Dingen berichte, dann nur um „Die Macht der Liebe“ anzuprangern. Ich war frei, die „Liebe“ hatte keine Macht mehr über mich, ein gütiges Schicksal hatte mir meine wenigen Ersparnisse gelassen, der Kelch war an mir vorübergegangen.

                                                                        DIE  GELIEBTE  STIMME

„Wunder gibt es immer wieder…“ ich erhielt einen Anruf aus Amerika, eine alte Freundin erinnerte sich an mich. Patty erzählte keine Details, fragte nach meinem Befinden, ihr ginge es gut, alles sei bestens. Sie gab mir ihre Postanschrift, Sie lebte in North Carolina, ich solle ihr schreiben. Sie hatte geheiratet und verstand sich gut mit den beiden schulpflichtigen  Töchtern ihres Mannes. Ich war glücklich ihre Stimme zu hören und hielt den Anruf für einen „Liebesbeweis“. Liebe ist eine Glaubensfrage, es gibt keine Beweise für vergängliche Gefühle. Ich war ein Wunschdenker, ein sentimentaler Farang, naiv und auf einer Ebene mit all den anderen Tagträumern die an Wunder glaubten. Patty fühlte sich unwohl in dem fremden Land, Ihre Gedanken hingen Erinnerungen nach, Familie, Freunde und Kunden waren nur per Telefon zu erreichen, Sie musste die Fremdheit überbrücken, hatte keine Freunde. Für mich waren ihre Anrufe beglückend, ich erfuhr keine Einzelheiten, wusste nichts von ihrem neuen Leben aber ich war nicht vergessen. Sie rief immer wieder an, ich hörte keine Klagen, Sie bat nie um Geld, ich hörte ihre Stimme und zahlte keinen Pfennig. Zu dieser Stimme gehörte ein Unterleib der nicht mehr mir gehörte, er gehörte Bill, Patty gehörte ihm. Das Bild hatte sich gedreht, nun war ich der Telefonpartner, ich fragte jedoch nicht nach dem Sex der Eheleute, die Ehe ist heilig. Warum rief Sie mich an, warum gab es keine Berichterstattung, warum blieb das Gespräch immer an der Oberfläche? Thailänder fürchten nichts so sehr wie den „Gesichtsverlust“, Sie durfte ihre Fehler nicht bestätigen, die Richtigkeit meiner Warnungen, Sie würde ihr Gesicht verlieren. Die Lebensregeln der Thais lauten; Suay, Sabai, Sanuk, das Leben ist schön, angenehm, macht Spass, es gibt keine Probleme. Das entspricht etwa unserem; „Positiv denken“, was nicht angenehm ist wird verschwiegen; „Machs wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur“. Probleme werden verdrängt und verleugnet. Nur einmal bestätigte Patty die Fehleinschätzung des idealisierten Gastlandes; „Damals glaubte ich noch Amerika wäre ein Paradies“. Mehr durfte Sie dazu nicht sagen, wer Fehler eingesteht verliert sein Gesicht. Immerhin sprach Sie kurz von ihren Job, Sie arbeitete als Putzfrau in einem Massagesalon, wo Sie gelegentlich auch massierte, was Sie ihrem Mann verschwieg. Zurück in der Stadt der Illusionen, versuchte ich die ungeliebte Rolle des gewöhnlichen Sextouristen zu spielen, tastete wie ein Blinder mit dem Stock die Bars ab und griff ins Leere wenn ich die Gelegenheit ergriff. Das hektische Gewimmel, die enervierend hämmernden Lautsprecher, das Lauern und Taxieren der Frauen, die gedankenlose Selbstherrlichkeit der Männer, „Die freie Marktwirtschaft der Liebe“ war mir zuwider. Ich suchte nach einem Artikel der nicht im Angebot war, die Nadel im Heuhaufen, den Hauptgewinn in der Lotterie des Teufels, aber ich hatte ausgespielt. Ich war ein Lottogewinner der alles verloren hatte;“Wie gewonnen so zerronnen“. Doch das Spiel des Lebens geht weiter, wir werden wie Jetons hin und her geschoben während das Roulette sich dreht. Es dreht sich alles um die Liebe, sie regelt den Verkehr, bei Erfolg bleibt die Regel aus. Dies geschah ein Jahr später, Patty erwartete ein Kind. Inzwischen schrieben wir E-Mails und sendeten Fotos, Sie trug schicke Kleidung, hatte ein Auto und brachte ein Mädchen zur Welt. Eine glückliche Frau ein hübsches Kind, ein glücklicher Ehemann, die Bilder zeigten eine heile Welt, alles wird gut. Ich durfte teilnehmen an der Idylle, Fotos lügen nicht.

                                                                        STERBEHILFE

Bodo war meine Bezugsperson „…what friends are for“, wir kannten einander, konnten alles bereden, nichts Menschliches war uns fremd, eine innige Freundschaft zweier Männer, die es mit der Männlichkeit nicht so genau nahmen. Er gab sich gern als Frau, trat jedoch nie im Fummel auf. Masochistisch genoss er die platonische Liebe zu „Akapone“, ich nannte ihn scherzhaft Al Capone, seinem thailändischen „Playboy“, ein muskulöser Kerl, der auf Kosten des armen Bodo ein schweres Auto fuhr, und an Stelle des „Steiftiers“ nur noch das Wort „Liebe“ in den Mund nahm. „Thailänder lügen nicht, sie sagen dir lediglich was du hören möchtest“. Ich traute ihm den „Mafioso“ zu, meinem Zimmermädchen in Pattaya erging es ähnlich, als er unangemeldet vor meiner Tür stand. Sie betrachtete ihn mit Argwohn und Skepsis, warnte mich vor Besuchern dieser Art. Was sollte ich tun, er war das Sexobjekt meines besten Freundes, ich mochte ihn nicht ließ in aber eintreten. Er fragte mich über Bodo aus, ich schilderte ihn als armen Rentner ohne Auto und Vermögen, traf damit natürlich auf taube Ohren. „Jeder Farang ist reich, und damit basta.“ Al Capone „ war auf der Durchreise, er ging ohne um Geld zu bitten, mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hätte ein Buch schreiben können, schrieb jedoch nur Briefe an Bodo, es waren viele Briefe, es war von vielen Frauen die Rede, das war nicht sein Gebiet. Aber Sex ist nicht alles. Wir liebten das Kino, wir liebten den Film, wir liebten die Kunst, wir liebten die Filmkunst. Mein eigenes Leben lief in Filmeinstellungen ab, ich sah mich in der Totale, Halbtotale, nah, Großaufnahme. Mein Denken und Fühlen war Film, meine Sprache war die des Films, Bodo sprach dieselbe Sprache. Wir kannten jeden Film, studierten jede Kritik, wir gingen ins Kino, erst hier wurde es hell im Dunkel der Welt, sie begann zu leuchten, überstrahlte unser Leben mit der Schönheit und der Begabung der Darsteller. Die Kunst der Regisseure machte sogar das Hässliche schön, Liebe und Tod wurden verklärt, die Leinwand machte das Sterben unsterblich schön. Im Kino lernen wir zu leben und zu sterben, das sagt uns doch sonst keiner. Wer es nicht im Kino gesehen hat steht dem Sterben völlig hilflos gegenüber, es fehlt einfach an Erfahrung und know how. Die „Sterbehilfe“ des Films ist überall erlaubt, man muss nicht extra in die Schweiz reisen. Wenn man seine Lektion gelernt hat legt man sich einfach hin und stirbt wie im Film. Eine einmalige Sache; Ein dankbarer Blick, ein weiser Spruch, Händchen halten, Augen zu, erledigt. Im Atelier kann das lange dauern, wenn der Regisseur mit der „Sterbeleistung“ des Schauspielers nicht zufrieden ist. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst, ein „Gebrauchsanweisung“ darf nicht unfreiwillig komisch wirken. Es kann unzählige Wiederholungen geben ehe das Sterben „gestorben“ ist. Eine schwere Aufgabe, die kein Schauspieler leicht nimmt, zumal mit dem letzten Atemzug auch seine Rolle in dem Film endet. Er darf den Tod nicht klein reden, muss ihn als großes Kino verkaufen. Der Zuschauer soll sich entspannen können, das Sterben als Geschenk begreifen, etwas mit nach Hause nehmen. Bill durfte Patty mit nach Hause nehmen, ein Happy End, ganz großes Kino.

                                                           FREIHEIT

How can you dare to say me too, I am the monster, who are you?  Immer wieder liest man vom Missbrauch weiblicher Harnwege, wird der Hurenbock als Sündenbock missbraucht, seine zaghaften Annäherungsversuche als schamlose Übergriffe angeprangert. Diese rassistische Männerfeindlichkeit hat krankhafte Züge angenommen, das Wort „Mann“ gilt weitgehend als Schimpfwort. Wenn Frauen und Männer sich bekämpfen arbeiten sie ihren wirklichen Feinden in die Hände; „Teile und herrsche“. Der wahre Missbrauch findet nicht auf sexueller Ebene statt, er besteht in der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Frauen sind nicht Opfer der Männer, Frauen und Männer sind Opfer des Systems. Es liegt im Interesse der Herrschenden, Männer in Bordellen und Frauen in Pelzmänteln zu verteufeln, jedes Mittel ist Recht um vom Missbrauch der zerstrittenen Mehrheit abzulenken. Es ist nicht „Der Mann“ als solcher, der Frauen niedere Löhne zahlt und sie sexuell ausbeutet, es ist das Gespenst der Freiheit, es gestattet kleinen Leuten kleine Freiheiten und großen Leuten große Freiheiten. Wo Freiheit ist, ist auch Missbrauch, die Großen missbrauchen die Kleinen, die ihre Freiheit sinnlos missbrauchen. „Der kleine Mann von der Straße“ ist heute „Der kleine Mann von Sinnen“, der seine Empörung in den Wind schreibt. Jeder Shitstorm ist ein hilfloses Aufbäumen in hemmungsloser Niedertracht und gnadenloser Selbstüberschätzung. Eine merkwürdige Freiheit; Wie ein Hund aufzujaulen, der in den Arsch getreten wird. Ich habe die Sexualität nicht erfunden, mir war diese „Volksbelustigung“ immer suspekt, ich bin kein Monster, ich bin ein Mensch mit Bedürfnissen, ich schlage mich durchs Leben und stecke Schläge ein, mein Missbrauch reicht grad für den Hausgebrauch. Ich respektiere die Frauen, ich liebe ihre Stärken, es sind meine Schwächen. Frauen und Männer vereinigt Euch! Nicht nur im Bett, auch im Kampf, kämpft für den Frieden zwischen Frau und Mann, gegen den Rassismus der Geschlechter, sucht Euch neue Feindbilder, die Auswahl ist riesig. Wir sind das Volk.

                                                                      DAS  SCHREIBEN  DER  ANDEREN

Jeder der schreibt und etwas von sich gibt, gibt etwas von sich preis, er hat es nicht nur ausgesprochen, einfach so dahin gesagt, er schrieb es nieder und kann nun niedergemacht werden. Haben wir dafür Lesen und Schreiben gelernt, sind wir dafür in der Schule gezüchtigt worden, ist das die Freiheit die ich meine? Meine Freiheit ist auch deine Freiheit, in einer Demokratie darf jeder alles; „Vor allem aber achte scharf, dass man hier alles dürfen darf“. Brecht. Alles zu dürfen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, es ist ein „Grundgesetz“. Er darf alles und er braucht alles, auch was er nicht braucht. Braucht es noch Erklärungen zum Thema Missbrauch? Warum schreibe ich das alles, sehe ich etwas was du nicht siehst, will ich dir die Augen öffnen, die du bewusst geschlossen hältst um nicht zu sehen was jeder sieht? In Wahrheit sieht jeder was er will und jeder sieht es anders, das ist die Freiheit des Anderen. Wenn jeder sehen darf was er will, darf ich auch schreiben was ich will, ich schreibe ja nur was ich sehe. Über allem prangt der Satz; „Das sehe ich anders“. Nicht ohne Grund schreiben die Gesetze vor was „gedürft“ werden darf, es bedarf der Regelung wenn alle alles dürfen. Wir dürfen nicht vergessen wie hemmungslos der unbedarfte Bürger seine Rechte, beispielsweise als Linker, missbraucht. „Links ist wo der Daumen rechts ist“, ein Fingerzeig ohne Handhabe. Kinder und Erwachsene flüchten sich gern in Traumwelten; Die böse Königin, die gute Fee. Die Fratze der Hexe, die Schönheit der Magd. Die Leiden der Königstochter, die alles hat und nichts darf, der unbedarfte Knecht, der nichts hat und sie küssen darf. Tarzan der Affenmensch, Harry Potter der Zauberer. Sie alle verlieren ihren Zauber wenn die Grenze des Erträglichen erreicht ist. Unbeschreiblich was Menschen Schreiben die von den Träumen anderer leben. In den Groschenblättern leben  die realen „Traumfrauen“ weiter, als „Königin der Armen“ und „Prinzessin der Herzen“, wo sie den Leserinnen zu Herzen gehen. „Ein Herz und eine Krone“ war eine Krone der Filmkunst. Wer hier nicht mehr folgen kann folgt seinem Herzen, er wechselt vom Dreigroschenroman zur Dreigroschenoper und von Brecht zu Precht. Die Welt ist voller Grausamkeiten, Traumwelten bieten keine Zuflucht mehr, de Sade und Kafka haben uns die Flausen ausgetrieben, wir erschrecken vor den Schrecken der Welt. In einem frühen Märchen tritt die böse Königin als Schlange auf und Eva isst den vergifteten Apfel. Adam verschluckt sich an seinem Adamsapfel und muss für ewig der Schlange dienen. Wem dienen diese unglaublichen Geschichten? Sie dienen der Erbauung, machen den Alltag gleitfähig und werden geschluckt. „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ sagte Adenauer, ich sage; Was kümmert mich das Schreiben der Anderen. Ich schreibe mir meinen Unfug selbst, ich entfliehe der grausamen Welt mit Non Sense, Ironie und Sarkasmus, ohne diese Hilfsmittel könnte ich sie nicht ertragen. Dieter Nuhr ist mein Bruder, Lisa Eckhard ist meine Schwester, sie können von ihrer Kunst leben, ich bin das schwarze Schaf der Familie. Ich schreibe mir von der Seele was mein Herz mir diktiert, „Links wo das Herz ist“. Ohne Herz kann man nicht leben, ohne Seele schon. Gern hätte ich meine Seele dem Teufel verkauft, leider hat er mir nie ein Angebot gemacht. Viele hatten ihr Seelenheil dem „Sieg Heil“ verkauft, eine unheilbare Krankheit, die nicht tot zu kriegen ist. Die Angst vor dem Sieg des „Sieg Heil“ essen nun Seele auf, man hätte sich rechtzeitig von ihr trennen sollen. Ich wasche meine Seele in Unschuld und stehe mit reinen Händen da. Dem Reinen ist alles rein, aber wie kommt er wieder raus?

                                                              LONG  TIME  NO  SEA

Der Autor steht ständig vor der Aufgabe raus und wieder rein zu kommen, aus dem „Schreiben der Anderen“ bin ich raus, nun muss ich in das nächste Thema rein kommen. Sein Leben lang versucht der Mann rein zu kommen, meistens wird es ihm von den Frauen verwehrt. Patty war von mir gegangen, es war noch mal gut gegangen, ich war raus. Eine zweite Patty würde es nicht geben, eine zweite Jugend auch nicht. Ich war fünfundsiebzig Jahre alt, ein schönes Alter um es sich noch einmal schön zu machen. Mit der Reife des Alters reifen auch die Früchte der Erkenntnis, sie fallen dem jung gebliebenen Altmeister wie Kokosnüsse auf das zermarterte Haupt; Früher reif für die Insel, heute reif für die Urne. Die brennenden Leiber der Alten, kümmern die brennenden Herzen der Jugend nicht, ihnen leuchtet die Sonne, den Alten wird heimgeleuchtet. Mir drohte das Heim, eine unheimliche Einrichtung in der man sich einzurichten hatte wenn das Licht ausging. So lange mir nicht das Geld ausging lebte ich im Licht der Tropensonne, mied aber das Rotlicht, eine Einrichtung des Satans. Für viele Männer ist dieser Höllenschlund der Himmel auf Erden, die Rechnung folgt am Schluss. Für mich war Schluss mit lustig, über mich würden sich die Frauen nicht mehr lustig machen, ein lustfeindlicher Frauenfeind, der sein Geld für sich behielt. Es gab noch einige  Versuche mit lustlosen Damen, bis ich endgültig die Lust verlor. Ich hatte viele Freunde in Pattaya, deren Frauen nett und freundlich zu mir waren, das weibliche Personal liebte mich wegen regelmäßiger Eiscreme-Partys, die Liebe geht durch den Magen. Ich flirtete mit den jungen Damen, war der nette alte Mann, der ein Herz für „Zuckermäuler“ hatte. Süße Mädchen ohne „böse Absichten“, hübsch anzusehen, immer lächelnd, ohne Sex und ohne Probleme. Ein alter Bekannter aus Hamburg hatte eine preisgünstige Kreuzfahrt gebucht, die hier in Thailand startete, das machte mich neugierig. Den Luxus einer Seereise hatte ich nie ernsthaft eingeplant, das war etwas für die die gehobene Mittelschicht, für mich viel zu teuer, drei Wochen auf See kosteten so viel wie drei Monate in Pattaya. Unbemerkt von mir, waren die Schiffe größer und die Preise kleiner geworden, ich vernahm die frohe Botschaft und wollte ins Boot. Ich schrieb an sein Reisebüro in Hamburg und bekam ein günstiges Angebot; Zwei Wochen Asien-Rundreise im Balkonzimmer für 1.300.- Euro. Früher hatte ich gern die nahen Inseln besucht, war dann aber bei jeder Überfahrt Seekrank geworden und hatte Schiffe gemieden. Nun vertraute ich auf die moderne Technik und schiffte mich ein. Später als ich ständig einschiffte, lebte ich in Windelhosen und Erinnerungen. Noch lebten die Erinnerungen an Patty und ich stellte mir eine Kreuzfahrt zu zweit vor. Man kann sich kaum vorstellen was ein Mensch sich alles vorstellen kann, meist ersetzt das Vorstellungsvermögen das Vermögen auf der Bank. Manche sind unvorstellbar reich, sie zahlen ein Vermögen für ein Ölgemälde und gießen Öl in das Feuer der Neiddebatte. Alle Menschen sin gleich, einige sind gleicher. Ein System welches dem“ kleinen Mann „ Kreuzfahrten ermöglicht kann nicht schlecht sein. Auch die „kleine Frau“ von den Philippinen genießt als Zimmermädchen den Zauber der großen weiten Welt und kauft von ihrem Trinkgeld ein neues Gemälde. Leider sind die Wohnungen kleiner Leute zu klein um alles zu hängen was man sich vorstellen könnte. Arme hängen nicht am Geld, sie lassen die Arme hängen wenn sie keins haben. Ich hatte Sunny davor bewahrt auf einen Schiff anzuheuern, ihre Gemäldesammlung war ausschließlich von mir finanziert worden. An Bord eines Schiffes kann man sich nicht wegen Seekrankheit Krankschreiben lassen, das muss man sich mal vorstellen. Ich stellte mir eine Seereise mit Patty vor, Sie als Reinigungskraft, ich als Kapitän, Sie bekäme Trinkgeld, ich bekäme einen Schuss vor den Bug. Ich hatte Sie von Anfang an zu teuer eingekauft, ihr enorm hoher Grundpreis war der Grund allen Übels und erlaubte kein Liebesglück auf hoher See. Man kann nicht alles haben, aber Eins nach dem Anderen. Das Liebesglück war abgehakt, nun behagte; „Der alte Mann und das Meer“. Ich verlangte mehr vom Leben, da kam mir das Meer grade recht. Der alte Mann hatte weder Frau noch Kind „an der Backe“, nichts hinderte ihn daran im Alleingang die Welt zu erobern. AIDA war immer eine Oper gewesen, nun prangte der Name an dem Schiff welches am Pier in Laem Chabang vor Anker lag und mich an Bord erwartete. Eine „Diva“ unter den Schiffen der Opernflotte, ein „Traumschiff“ für Träumer wie mich, ich bezog meine Balkonkabine, klein aber mein. Manche halten mich für einen Lebenskünstler, manchmal halte ich mich selbst für einen solchen, Andere reisten mit dem Flugzeug an und begannen ihre Seereise in Thailand, ich lebte in Thailand, reiste mit dem Taxi an um eine kleine Abwechslung auf See zu haben; „Leben wo Andere Urlaub machen“. Mit mir waren vier weitere Residenten aus Pattaya an Bord gegangen, einer von ihnen hatte seine thailändische Zweitfrau mitgebracht, ein Geschäftsmann der sich das leisten konnte, neben der Ehefrau die Zuhause blieb. Seine Geliebte sah sehr gut aus, ich machte ihm ein Kompliment, das er lächelnd entgegen nahm. Der Hamburger war dabei und ein jüngerer Mann den alle Bob nannten, sehr clever und vielseitig, er führte unsere Landgänge an, wimmelte teure Taxifahrer ab, bestieg mit uns den spottbilligen Bus in Penang, der ersten Station der Asien-Rundreise. Das war billig aber es brachte mich in Gefahr als wir hoch am Berg die Seilbahn nehmen wollten. Wartezeit im eiskalt klimatisierten Bus, dann zwanzig Minuten Fahrt, ich musste bei Ankunft dringend Wasser lassen und erwischte die falsche „Toilettentür“. Ich pinkelte in ein großes Handwaschbecken, hinter einer weiteren Tür war ein Gebetsraum. Die vermeintliche Toilette war ein heiliger Ort, den ich irrtümlich beschmutzt hatte. Das hätte der Anfang und das Ende meiner Kreuzfahrt werden können wenn man mich bei meiner Notdurft erwischt hätte. Eine unheilige Angst brachte meine Knie zum Schlottern, die ich in der unbequemen Haltung vollgepinkelt hatte. Ich war kein feiner Pinkel, ich war ein unfeiner Pisser am falschen Ort zur falschen Zeit. Wir waren zur falschen Zeit auf dem falschen Berg, es war Sonntag, alle Einheimischen standen in endlos langen Schlangen an den Kassen, heute war die Seilbahn die Bahn des Tages. Ohne am ersehnten Seil gehangen zu haben fühlten wir uns wie missglückte Selbstmörder, unser Leben kam uns unerledigt vor als wir als wir das Schiff betraten und wieder Wasser unter den Füssen hatten. Für mich war Penang kein Neuland, ich war vor Jahren mit Sunny hier gewesen, den gefährlichen Landgang hätte ich mir sparen können, die unerledigte Seilbahn wird mir unvergesslich bleiben. Kuala Lumpur war unser nächstes Anliegen, wo wir jedoch nicht anlegen sollten. Ich scheute die zwei Stunden Busfahrt zur Hauptstadt von Malaysia und versagte mir den Stress des Landgangs. An Bord gab es vier Mahlzeiten am Tag, mit dem Feinsten was Küche und Keller zu bieten hatten, das war verlockender als eine Millionenstadt bei flirrender Hitze. Als Kellerkind aufgewachsen, fand ich es beruhigend dass es an Bord keine Keller gab, die hätten ja ständig unter Wasser gestanden. In den Restaurants des Schiffes standen die leckersten Leckereien zur Verfügung und das Wasser lief einem im Munde zusammen, deswegen hatte ich die Reise gebucht, ich wollte die fantastische Küche an Bord erleben, das Schlaraffenland unserer Zeit. Dafür nahm ich gelegentliche Seekrankheit in Kauf, keine Rose ohne Dornen. Man musste allerdings die Tischgenossen ertragen, wie man weiß, sind Menschen seltsame Leute. Selten saß ich mit meinen Kumpels aus Pattaya am Tisch, wir kamen zu unterschiedlichen Zeiten, ich traf die unterschiedlichsten Leute. Heinrich, der Fabrikbesitzer aus Mühlheim kam nie zum Essen, seine Geliebte kam manchmal allein und bevorzugte die wenigen Thai-Gerichte die angeboten wurden. Für sie war die Seereise kein Vergnügen, sie folgte ihrem Arbeitgeber und stand ihm zur Verfügung, dafür wurde sie bezahlt. Das gute Essen an Bord war „Farang-Food“, für Thailänder; „Mai aroi“ (es schmeckt nicht). Sie verhielt sich ruhig, zeigte keinerlei Gefühlsregungen, sprach wahrscheinlich kein Englisch. Einmal saß sie neben mir, als eine alte Frau, die ich bei Tisch kennen gelernt hatte, sie anpöbelte. Die Alte saß mir gegenüber und schüttete ihre Vorurteile wie einen Eimer mit kaltem Wasser über die „stumme“ Thailänderin aus, sprach Englisch und glaubte verstanden zu werden. Aus heiterem Himmel bezichtigte sie die junge Frau der Prostitution und ähnlicher Verbrechen, völlig überrascht erlebte ich „Das jüngste Gericht“ aus nächster Nähe, mit einer gnadenlosen Richterin. Ein frustriertes altes Weib, aus Deutschland gebärdete sich als wäre sie Leiterin einer Anstalt für schwer erziehbare Ausländer. Was sind das für Leute, die nie vor der eigenen Tür kehren, aber „erziehungsberechtigt“ sind, wo immer sie in Erscheinung treten. Wo hatte ich diese seltsame Erscheinung; Es war ein deutsches Schiff mit deutschen Gästen, deutschem Essen, und philippinischem Personal auf Asien-Rundreise, man befand sich auf deutschem Hoheitsgebiet, hier herrschte Ordnung. Die junge Asiatin ließ wortlos die Unverschämtheiten der geifernden Alten über sich ergehen, sie hatte kaum etwas verstanden, verließ ungerührt den Tisch, sie hatte andere Sorgen als das Gekeife einer alten Giftspritze die sich als Hüterin von Moral und Anstand aufspielte. Wahrscheinlich war unterschwelliger Neid die Wurzel der Übelkeit, die sie mir verursachte, aus früheren Gesprächen kannte ich die Vergangenheit der tobenden Alten, als Bürgerin der DDR konnte sie nicht von Kreuzfahrten träumen, nach der Wende musste sie lange dafür sparen, diese „Verkommene Thai-Nutte“ bekam sie geschenkt. Die himmelschreiende Ungerechtigkeit der Welt bot wieder einmal Gelegenheit sie zum Himmel zu schreien. Inzwischen gibt es „Das Amt für Gerechtigkeit“, eine Behörde die solches Geschrei überflüssig macht. Klagen über die Ungerechtigkeit der Welt sind schriftlich einzureichen. Leider gilt diese Institution als korrupt und ungerecht und wird ihrem Namen nicht gerecht. Jahre später hörte ich von Heinrich und seiner Zweitfrau, sie hatte am Ende der Beziehung ein Haus und zwei Millionen Baht Abfindung erhalten, so kann man auch als zweite Frau die erste Geige spielen. Das missgünstige alte Weib würde sich im Grabe umdrehen wenn es dort schon liegen würde. Wir liegen inzwischen in Singapur vor Anker, weitere Ziele liegen noch vor uns.

                                                                       SINGAPUR  PUR

Singapur hatte ich in Begleitung von Nuk besucht, nun war ich allein unterwegs. Meine Mitreisenden eroberten die Stadt während ich die mir vertraute Seilbahn nach Sentosa wählte. Ich schwebte in einer Gondel über unserem Schiff und hielt das faszinierende Bild im Video fest. Es gab noch keine Drohnen, die Gelegenheit war einmalig. Heute laufen solche Bilder als; „Kreuzfahrt von oben“ im Fernsehen, man schaut kaum noch hin. Sentosa war auch beim zweiten Besuch eine Reise wert, ich erkundete erneut den riesigen Freizeitpark und nutzte meine Freizeit. Mein Schiff hatte mich beurlaubt, ein einsamer Urlauber, den in der Menge keiner beachtete. Die Neugier der Eingeborenen erlebte ich bei Gesprächen in den Shops und beim Geld wechseln in der Bank. Junge Menschen die dort tätig waren, wollten alles über; „Die Welt da draußen“ erfahren, wenn sie hörten wo ich her kam. Es ging ihnen gut aber sie kamen nicht raus aus ihrem idealen Staat, in dem alles bestens geregelt war. Ich kam aus dem „Utopischen Sozialismus“ der DDR und erklärte den „Gefangenen eines Utopischen Kapitalismus“ die Welt. Man stelle sich vor; Ein Deutscher der in Thailand lebt, macht eine Asien-Kreuzfahrt und besucht ihr Land für einen Tag. Wahrscheinlich ein reicher Mann dem die Welt zu Füssen liegt. Ich war reich an Erfahrungen, die Halbwelt lag mir zu Füssen. Den Stress einer Gruppe hatte ich vermieden, das sensationelle neue Hotel Marina Bay Sands war mir entgangen, man kann nicht alles haben. Später sah ich das spektakuläre Bauwerk im deutschen Fernsehen; „Wozu in die Ferne schweifen“. Das Fernsehgerät ist mein Fenster zur Welt, ich liebe riesige Bildschirme, die mehrere tausend Euro kosten, zurzeit muss ich mit 55 Zoll und der neuesten Technik zufrieden sein. Mit nur einem Meter Abstand ist es heute möglich ein extrem scharfes Bild zu erleben, bei dem man näher am Traumhotel ist als bei einer teuren Fernreise. „Schöner als die Wirklichkeit“. Die überwältigende Wirkung lässt sich durch einen kleinen Trick noch steigern, man kann sich das perfekte Bild zusätzlich mit Bier und Wein schön saufen. Es werden dann allerdings Gebühren für den Alkohol fällig. Bier und Wein wurde zu den Mahlzeiten kostenlos angeboten, ich liebte unser Schiff, besser konnte es nicht sein. Rot und Weißwein stand auf jedem Tisch, ich stand als Biertrinker am Hahn und zapfte selbst. Beim Abendessen berichteten meine Kameraden aus Pattaya von U-Bahnfahrten und Fußmärschen in Singapur, vom Marina Bay Hotel und dem irren Pool auf dem Dach, den man nur benutzen durfte wenn man sich ab 300 Euro pro Nacht dort einmietete. Die Männer waren jünger und gesünder als ich, ich hatte nichts falsch gemacht. Wir tafelten wie die Fürsten, das Angebot ähnelte dem der Feinschmecker-Etage im teuren „KaDeWe“ in Berlin, ein „Fresstempel“ der Sonderklasse mit gepfefferten Preisen. Hier war; „All you can eat“ für Arme, zwei Wochen auf See gab es schon ab 850.- Euro, last minute. Am nächsten Tag stand alles an Deck und verfolgte bei passender Abschiedsmusik das langsame Gleiten der AIDA Diva aus dem Hafen der Stadt. Verlassen wir die sauberen Straßen von Singapur, wenden wir uns dem Dreck einer freien Welt zu, in der jeder Bürger sein Nest beschmutzen darf, weil er die anale Phase noch nicht überwunden hat.

                                                        CONCERT  BY  THE  SEA

Auf hoher See lieferten mir meine Kopfhörer plus Walkman den fantastischen Mitschnitt eines Konzerts mit Errol Garner und übertönten das Rauschen des Meeres, dessen unendliche Weite sich vor meinem Balkon erstreckte. In Carmel by the Sea, California im September 1955 aufgenommen, wurde es von mir im Dezember  2011 auf dem Meer abgespielt, wo sich mein Leben für zwei Wochen abspielte. Es spielt sich einiges ab im Leben, wenn auch jeder andere Musik abspielt. Jede andere Musik spielte sich in meinem Leben gleich wichtig ab, wo ich war, war Musik. Errol Garner hatte ich 1958 im Berliner Sportpalast erlebt, meine Jugendliebe Annemarie hatte mich zum Eingang begleitet, das Konzert hörte ich ohne sie. Da war ich etwa fünfundzwanzig Jahre alt und zum ersten mal verliebt, heute bin ich fast achtundachtzig und höre noch immer; „Concert by the Sea“. Damals war es die meistverkaufte Jazzplatte des Jahres. Die Liebe vergeht, die Musik bleibt, am Ende bleibt aber nichts von uns übrig als; „Gestatten alte Platten“, eine Hörfunksendung vergangener Zeiten. Im Jahre 2011 war ich 78 Jahre alt, liebte die Musik und die Frauen die ich mal geliebt hatte. Als Filmfreak war ich an Bord immer mit der Kamera unterwegs, kein Motiv war vor mir sicher, es war meine erste Seereise, alles war neu und aufregend, ein alter Mann in neuer Umgebung. Daheim in Berlin würde ich mir vor dem Bildschirm alles noch einmal schön saufen. Noch fand das Saufen in den Restaurants des Schiffes statt, ich war immer als Erster am Zapfhahn; „Freibier macht frei“. Meine Kameraden von der „Pattaya-Sex-Front“ hatten sozusagen „Heimaturlaub“ ohne Sex, aber das Leben war schön. „Freunde das Leben ist lebenswert“. Deutsches Liedgut, deutsches Schiff, deutsches Bier, deutsche Bedienung, die Filipinos sprachen Deutsch. Sie lauerten auf Trinkgeld und servierten kurz vor Ende der Tischzeit noch eine volle Karaffe Wein. Da hatte ich bereits eine gewisse „Bettschwere“ und trank die letzten Biere vor der kleinen Bildröhre in meiner Kabine, wo Bau und Stapellauf von AIDA-Schiffen gezeigt wurde. Nie wieder würde ich bei diesem Namen an Verdis Oper denken; AIDA war eine „Seifenoper auf dem Meer“, hier konnte man die deutsche Seele baumeln lassen, wie Tyrone Power in; „Der Herr der sieben Meere“ dem Meer die trotzige Stirn bieten, über sieben Brücken gehen, oder „Ein Schiff wird kommen“ singen. Natürlich wäre es auch für mich romantischer gewesen, an einer offenen Bar auf dem Oberdeck mit einer deutschen Touristin zu flirten, deren Haar der warme Tropenwind umspielte, das Bier in der Rechten, die Linke unabsichtlich auf ihrem Knie, wie ich einen unserer Pattaya-Residenten vorfand, den ich beim „Eroberungsfeldzug“ störte. Eine Oase des Lichts, mit fröhlichen Menschen und gefüllten Gläsern, auf der endlosen Weite des dunklen Meeres. Ich hätte mir alles schön saufen können aber das hätte schönes Geld gekostet. Aus dem Alter war ich raus, ich hatte schöne Erinnerungen, eine schöne Vergangenheit und eine schöne „Bettschwere“ vom „All you can drink“. Im Traum demonstrierte ich für eine bessere Welt, die Parole lautete: „Freiheit Gleichheit Freibier“. Bob drückte die Preise der Taxifahrer in Brunei, ich drückte mich vor dem Landgang und schickte die Kameraden „an die Front“. Sie sahen mehr von der Welt, ich sah sie am Abend erschöpft heimkommen. Für mich war das Schiff ein Fünf Sterne Hotel dass ich günstig gebucht hatte, allein das Essen war den Reisepreis wert. Warum sollte ich auf den Luxus meiner gepflegten Unterkunft verzichten, nur weil mal wieder ein anderes Land vor der Tür stand. Das Schiff lag im Hafen, es schaukelte nicht auf den Wellen, ich wurde nicht seekrank aber dicker. Das Körpergewicht fällt bei einer „Schlemmer-Reise“ ins Gewicht, ich nahm fast vier Kilo zu. „Wer nicht arbeitet, soll wenigstens gut essen“. Mein täglich Brot war täglich mit drei Sorten Schinken und vier Sorten Salami belegt, es gab alles im Überfluss.“Essen ist der Sex des Alters“. Ich hatte viermal täglich Sex; „All you can fuck“ sozusagen. Die Liebe geht durch den Magen, viele Köche verderben den Brei. An Bord kochten viele Köche, Brei wurde nie verlangt, man hatte ihn sich als Kleinkind übergegessen. Eine Kreuzfahrt ist keine religiöse Veranstaltung, sie ist kein Kreuzzug, man fährt mit dem Schiff, nicht mit dem Zug. Kreuzfahrten sind friedlicher als Kreuzzüge, beten jedoch die Völlerei an, eine der sieben Todsünden. Arme Sünder werden  zu reichen Ausbeutern, hier schluckt jeder arme Schlucker Freibier und spielt die Rolle seines Lebens. Der Gast ist König, das Personal macht die Arbeit. Das kapitalistische System spielerisch verfremdet und Kundenfreundlich serviert. Erlaubt ist was gefällt, bei Nichtgefallen Geld zurück. Vietnam war nicht gefallen, hier hatte der sozialistische Gedanke gesiegt, man hatte den kapitalistischen Feind verjagt, Saigon hieß Ho Chi Minh City. Ich stieg in den Bus und besuchte den Moloch, der so kapitalistisch wie Bangkok erschien. Fast zwei Stunden dauerte die Fahrt von unserer Anlegestelle bis Saigon City, dort karrte man uns in bekannter Touristenmanier vom langweiligen Museum zum Puppenspiel auf dem Wasser, ein harmloses Vergnügen für Kinder, bis zum berühmten Bahnhofsgebäude. Zwischendurch bahnten wir uns den Weg durch eine riesige Markthalle wo es gefälschte Uhren und Textilien zu kaufen gab. Überall Menschenmassen und Gedränge, auf den Straßen tausende von Motorrädern, bei Sonnenschein und unerträglicher Hitze. Quälendes warten vor dem Bahnhof, bis es endlich zur Rückfahrt kam und die Klimaanlage im Bus sie erträglich machte. Endlich erreichten wir unser Schiff, wir konnten eine Dusche nehmen und bei Freibier entspannen. Am 25. Dezember waren wir wieder in Thailand und konnten das Fest in unserer Wahlheimat feiern.

                                                                              GESETZ  IST  GESETZ

Immer wieder hört man von fortschrittlichen Ländern in denen der Fortschritt unaufhörlich fortschreitet, die das Ei des Columbus endlich gefunden haben; Die Bestrafung der Männer als Urheber und Hauptverantwortliche für die weit verbreitete Unsitte der Prostitution. Ich gehörte nie zu diesem Täterkreis, hatte nie Geld und wurde erst spät straffällig. Das Einzige was ich weiß ist; Wer sein mühsam erspartes Geld zu einer Hure trägt, trägt dafür die Verantwortung, wer schuld ist, ist also selbst schuld. Zitat: „Wenn es nicht notwendig ist ein Gesetz zu erlassen, ist es notwendig kein Gesetz zu erlassen“. Ein kluger Mann hat das gesagt, ich habe den Namen vergessen aber nicht den Spruch. Die Naturgesetze erscheinen mir sinnvoller als die von Menschen gemachten Gesetze. Von wem wurden sie gemacht, welchen Interessen dienen sie, wer wird geschützt, wer diskriminiert, welche Gesetze fördern die Korruption innerhalb der Ordnungsorgane? Wer wird erpressbar gemacht, wer erpresst wen wenn er mit dem Gesetz droht? Im Alter von 18 Jahren erschienen mir „Recht und Ordnung“ in Ordnung, ich war für ein Verbot der Prostitution, von der ich keinerlei Ahnung hatte. Zu der Zeit glaubte ich noch an den „Weihnachtsmann“, an den „lieben Gott“ und an das „ Gute im Menschen „. Sex gegen bare Münze ist verboten, die Geldheirat ist standesgemäß. Der Freier einer Straßendirne wird bestraft, wer eine Geliebte aushält wird beneidet. Wer eine Geliebte aushalten kann, kann die Ehe aushalten, wer kein Geld hat muss den Druck aushalten. Der natürliche Sexualtrieb des Mannes wird gegängelt und unter Strafe gestellt wenn der geile Wicht der Unterschicht angehört. Ein Polizist der eine „Kriminelle“ auf frischer Tat erwischt, wird von ihr in „Natura“ bezahlt um sein Schweigen zu erkaufen. Der älteste Beruf der Welt, ein bewährtes Ventil, das Vergewaltigung vermeiden hilft, wird als kriminelle Handlung gewertet und mit echter Kriminalität auf eine Stufe gestellt. Die Gerichte werden mit haarsträubenden „Sexualdelikten“ konfrontiert, die Bestrafung von Gewalt, Raub und Mord tritt in den Hintergrund, weil alle Männer Sexualverbrecher sind denen man das ekelhafte Handwerk legen muss. Eine Frau als Sexobjekt zu gebrauchen ist verabscheuungswürdiger Missbrauch. Alle Männer sind Schweine, die Massentierhaltung begünstigt verbrecherische Annäherung an arglose Weibchen, so kommt es immer wieder zu Sauereien zwischen Eber und Sau. Einzelhaft, Verbot von Onanie und Wiedereinführung der Prügelstrafe erscheinen als probate Mittel den kriminellen Trieb zu unterdrücken und den Schutz der Opfer zu gewährleisten. Die Frau als Opfer, der Mann als Täter, so einfach kann man die Welt erklären, da weiß man doch woran man ist, die Fronten sind klar abgesteckt, der Schuldige steht fest. Nun vertrete ich bekanntlich die selbst aufgestellte These: „Es gibt keine Schuld, es gibt nur Schuldzuweisungen und Schuldgefühle“. Ein früher Schuldzuweiser war Jesus von Nazareth; „Wer von euch ohne Schuld ist der werfe den ersten Stein“. So gibt es bei Gewaltdemonstrationen immer wieder „Unschuldige“ die den ersten Stein und Mitläufer die sich schuldig werfen. Ich verteidige die Männer nicht, es gibt jede Menge böser Buben, ich plädiere für Mitleid und Verständnis, und bin gegen zu viele Gesetze, weniger ist mehr. Ich vermeide jede plump vertrauliche Annäherung an Frauen die ein Dirndl-Kleid mit Titten tragen, sie könnten nach einem Kompliment; „Me too“ schreien und ein Trauma nach Hause tragen. Ich bin unschuldig, aber unschuldige Männer gibt es nicht, sie tragen ihre Schuld zwischen den Beinen. Unübersehbar beult sich der Slip und die Badehose, ganz zu schweigen von der abstoßenden Erektion, ein widerlicher Vorgang der deutlich zeigt was in Männern vorgeht. Wie rein und blütenweiß erscheint uns da die Unschuld, die Unschuld der Jungfrau leuchtet wie eine Fackel in dunkler Nacht, in der Männer bekanntlich nicht lange fackeln. Fuckeln müsste es heißen, und schon wieder eine Jungfrau weniger. Weniger ist mehr, sagt das Gesetz der Gesetzlosen, die in einer Entjungferung keine Straftat sehen. Jungfrauen tragen die Fackel nur bis zu einem gewissen Alter, weil irgendwann der Arm erlahmt und mit ihm die Widerstandskraft sinkt. Leider sinkt auch die Moral und alle singen mit.

                                                                                UMFALLEN

Wenn in meinem Umfeld eine Frau umfällt ist das kein gefallenes Mädchen, sie ist lange vorher gefallen um ihm einen Gefallen zu tun. „Bei Nichtgefallen Geld zurück“ ist hier noch nie vorgefallen, wer zahlt sitzt in der Falle. Die Frau sitzt am längeren Hebel, wird aber von der Familie ausgehebelt. Genug der Wortspiele, das Leben ist kein Spiel sondern bitterer Ernst, es schmeckt wie ein Magenbitter und ist schwer zu verdauen, manches Leben liegt wie ein Stein im Magen und erfordert viel“ Wurzelpeter“ um das Übel bei der Wurzel zu packen, packen wir es an. Der Kluge weiß dass er nichts weiß, der Dumme weiß alles weil er nicht weiß dass er nichts weiß. Ich bin von Leuten umgeben die alles wissen, da bin ich oft der Dumme. Einer meiner Freunde ist stolz darauf, nie ein Buch gelesen zu haben, er hat Geld. Ich habe kein Geld, aber viele Bücher gelesen; Lesen bildet, aber kein Vermögen. Im fortgeschrittenen Alter ist der Fortschritt ein Rückschritt bei dem es kein Zurück gibt. In meiner Jugend spielte das Orchester Stan Kenton „Progressive Jazz“, da klang beides fortschrittlich, die Musik und die Bezeichnung. Heute ist der Fortschritt ein Schritt in den Abgrund, Stan Kenton ist vergessen (nie gehört, wer soll denn das sein?) Wer fortschreitet schaut nicht zurück, wir hören schon heute die Musik von morgen und finden sie altmodisch. Jede Generation ist einzigartig, hinterlässt Spuren die beim nächsten Regen weggewaschen werden als hätte es sie nie gegeben. Der Fußabdruck vergeht wie der Fingerabdruck und andere Druckerzeugnisse. Nur ein einziger Druck bleibt über Generationen erhalten, es ist der Druck den die Besitzenden auf die Besitzlosen ausüben. Druck ausüben muss man nicht einüben, das Geld baut den Druck auf, den auch Marx nicht abbauen konnte. Ich leide an einer unheilbaren Krankheit, der Geist des Sozialismus hat von mir Besitz ergriffen, ich kann nicht aufhören Sozialutopien zu studieren, waren es in meiner Jugend Orwell und Huxley, so ist es heute „Der Gesellschaftsvertrag“ von Rousseau und andere „Märchenbücher“. Ich bin ein Hofnarr der überholte Träume als ewige Wahrheiten erkannt hat und nicht davon lassen will. Die magische Schönheit des Kapitalismus bleibt mir verborgen weil ein böser Geist mein Denken gefangen hält. Ich bin nicht der Einzige, viele sind vom roten Wahn besessen, glauben an die „Gerechtigkeit“, ein Höllenspuck im Himmel der sozialen Marktwirtschaft.

                                                                        DIE  ABSCHAFFUNG  DES  GELDES

Das Leben ist ein großes Buch für kleine Menschenkinder. Die Fahne ist ein rotes Tuch, der Mensch ein Menschenschinder. Ohne Geld, so kann man lesen, sei die Welt noch frei gewesen. Wo der Arme sitzt und säuft, hat Besitz sich angehäuft. Wer nur einen Hund besitzt, streichelt keinen Grundbesitz. Keine Regel ohne Grund, Ich der Herr und Du der Hund. Jeder trägt wie Kain das Mal, eingebrannt vom Kapital. Arme kämpfen ohne Waffen, wenn sie den Besitz erschaffen. Viele die im Elend schwitzen, Wenige die viel besitzen. Kann er zahnlos Zähne zeigen, wenn erneut die Mieten steigen? Wenn die Sorgen ihn erdrücken, säuft er morgen unter Brücken. Gebt uns diese Welt zurück, Geld verhindert unser Glück. Alte Männer, alte Tanten, schnelles Geld für Spekulanten. Hohe Kosten, hohe Mieten, darf der Staat das Geld verbieten? Viele machen da nicht mit, nun erfolgt der erste Schritt. Jeder zahlt mit Arbeitskraft, Bargeld wird schon abgeschafft.

         In „Die deutsche Ideologie“ von Marx/Engels fand ich ein Zitat von Cabet oder Locke: Derjenige, welcher 

 über seine Bedürfnisse hinaus besitzt, überspringt die Grenzen der Vernunft und raubt das, was anderen gehört. Jeder Überfluß ist eine Usurpation. Der Betrug, die Unredlichkeit, die Habsucht haben, indem sie auf der einen Seite alle Laster neben dem Reichtum und auf der anderen alle Leiden neben dem Elend aufhäuften, jene Ungleichheit des Besitzes hervorgebracht, die das Unglück des menschlichen Geschlechts ausmacht. Der Philosoph muss also den Gebrauch des Geldes als eine der verderblichsten Erfindungen der menschlichen Betriebsamkeit betrachten.

Wer einen Vortrag hält ist nicht nachtragend, ein Vorsteher muss nicht Nachsitzen. Ein Backenstreich ist kein Handstreich, ein Streichholz kein Waldbrand. Vier Streicheleinheiten sind kein Streichquartett, wer sieben Planstellen streicht, schafft „Sieben auf einen Streich“.  Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber Glühbirnen mit Leuchtmitteln. Vielen war die Glühbirne nur ein Mittel zum Leuchten, aber es gab auch glühende Verehrer, denen die Abschaffung des Geldes lieber gewesen wäre. Bei dieser Abschaffung hätte „Mutti“ nicht gesagt; „Wir schaffen das“. Es ist leichter das Volk abzuschaffen als die Banken und das Geld, es gäbe Protestaufmärsche des Kapitals, Tausende gingen auf die Straße, mit Spruchbändern wie; „KEINE MACHT DER OHNMACHT“ oder „WIR SIND DAS GELD“. Verschwörungstheorien wissen längst dass man das Volk austauschen will, ein Volk von Denunzianten, Hass und Wutbürgern, die mehr Geld wollen. Das „Grundlose Bedingungseinkommen“ wird kommen, dann wird keiner gehen, egal wie Viele kommen. Viele kommen auf dumme Gedanken, sie wollen „Mutti“ abschaffen und das Geld behalten. Wenn sie das Geld dann auch noch verlieren, können sie sich nicht mehr bei Mutti ausweinen. Vater Staat braucht eine Vaterfigur, die mütterliche Volkströstung ist was für Weicheier und Warmduscher, wir brauchen eine Diktatur der Demokratie, einen Macho der mit der Faust auf den Gabentisch haut wenn der Weihnachtsmann nichts im Sack hat. Der Staat ist ein Sack voll Geld, jeder alte Sack verlangt mehr Rente, weil der Hausbesitzer mehr Miete verlangt. „Besitz macht unfrei“, Hausbesitz macht gierig. Schreiber wie ich sind gierig nach Pointen, es sind harmlose Jongleure, die Wörter in die Luft werfen und hoffen dass der Leser sie fängt. Wenn sie zu Boden fallen, fallen sie auf die Knie und sammeln sie wieder ein. Stundenlang kriechen sie am Boden um Wörter zu suchen während andere in den Arsch kriechen um ihren Vorteil zu suchen.

                                                              VON  HUNDEN  UND  MENSCHEN

Der Mensch ist auf den Hund gekommen. Warum ist man da auf den Hund gekommen, es kommen viele andere Tiere in Frage. Der Hund ist kein gutes Beispiel, ihm geht es besser als dem Menschen; Nahrung, Sex und Streicheleinheiten sind kostenlos, er „bezahlt“ lediglich mit dem sogenannten „treuen Blick“. Natürlich wedelt er auch freudig mit dem Schwanz wenn er sein Frauchen sieht, eine Übung die der Mann nicht zeigen kann oder will. Dankbar leckt das Tier die Hand der Herrin, eine masochistische Geste der Unterwerfung, auch hier versagt die Dankbarkeit des Mannes, er reagiert eher ausweichend, obwohl sie ihm den Fressnapf genauso liebevoll serviert wie ihrem „Liebling“. Der Mann muss arbeiten wie ein Hund (bildlich gesprochen) und führt ein „Hundeleben“ als domestizierter Sklave, verglichen mit dem vierbeinigen Schmarotzer, er ist jedoch Frauchen nicht so hündisch ergeben wie dieser. Der Mensch glaubt an Gott, der Hund glaubt an den Menschen, Hunde sterben früher und halten den Menschen für unsterblich. „Hunde wollt ihr ewig leben?“ Menschen halten Hunde weil sie Menschen nicht aushalten. Viele Männer sind frauenfeindlich aber hundefreundlich, Sodomie ist aber kein Ausweg. Der Missbrauch von Hunden ist selten, der Missbrauch von Frauen die Regel. Die Regel wird oft als Ausrede missbraucht wenn das Frauchen „hundemüde“ ist. Wer Hundemüde ist, setzt das Tier vor dem Urlaub auf der Autobahn aus und wird von ihm als; „Falscher Hund“ beschimpft. Die Treue des Hundes ist dem Menschen fremd, der Mann schwört der Frau ewige Treue und veruntreut ihr Geld. Die Liebe des Hundes ist unbestechlich, er nimmt kein Geld, er nimmt nur seinen Platz im Haus ein und bleibt für immer. Der Mensch ist unsterblich, im Himmel trifft er sogenannte „Himmelhunde“, das sind Teufelskerle die von den weiblichen Engeln angehimmelt werden. Bei allen nachteiligen Vorurteilen; Kein Mensch will leben wie ein Hund, kein Hund will leben wie ein Mensch. In den kleinen Nebenstraßen von Pattaya wo die günstigen Hotels und die billigen Unterkünfte zu finden sind, findet man unzählige streunende Hunde die faul in der Sonne liegen oder in der Dunkelheit den heimkehrenden Farang ankläffen oder gar beißen, da wird dann der Hund in der Pfanne verrückt, wie das Sprichwort sagt. Es gibt den makaberen Witz: Arme Leute haben zum Weihnachtsfest, in Ermangelung von Geld den Hund geschlachtet und gebraten, als bis auf die Knochen alles verzehrt ist, sagt die Hausfrau; Schade das  unser Hund weg ist, die Knochen wären doch jetzt etwas für ihn. So grausam und pietätlos sind die Menschen, Hunde sind da viel feinfühliger. Es fühlt sich aber nicht fein an wenn man von einem obdachlosen Köter gebissen wird der sonst nichts zum Beißen hat. Der Mensch beißt dann die Zähne zusammen bis das Gebiss knirscht und verflucht den blöden Hund. Eine gute Bekannte von mir wurde beim Verlassen ihres Hotels hinterrücks von einem Hund angefallen, der direkt vor dem Haus lag. Es war kurz vor ihrer Heimreise und erforderte eine lange ärztliche Behandlung. Ich hatte 50.000 Baht verloren als mich der Verleger meiner Gedichte betrogen hatte, immerhin hatte er mich zum Weiterschreiben angestachelt und meine Machwerke wurden mit der Zeit besser, manche Gedichte waren sogar richtig gut. Mein Saunafreund Udo in Berlin überredete mich sie ins Internet zu setzen, er wollte diese Arbeit übernehmen. Es gab nie ein Buch, ich fand meine frühen Verse misslungen, sie entsprachen nicht meinen eigenen Ansprüchen, aber ich hörte nie mehr auf zu schreiben. Neben den Gedichten schrieb ich auch kleine ironische Prosa und träumte weiterhin von einem richtigen Buch, ein Druckerzeugnis alter Schule mit Einband und Seiten zum Blättern, wie sich das gehört. Ein richtiges Buch, einen Roman traute ich mir nicht zu, mein Stil war zu eigenwillig, zu verspielt, ich nahm mich selbst nicht ernst. Ich ließ kein Wortspiel und keinen Kalauer aus, ich schrieb nicht für Geld, ich schrieb für mich. Das hat den Nachteil dass es kaum jemand liest, man muss mit dem spärlichen Lob von Freunden zufrieden sein, die selten tadeln, es sind ja Freunde die nicht verletzen wollen. Meine eigentliche Berufung sind Liedertexte, wäre ich nicht zu faul gewesen in der Jugend das Spielen der Gitarre  zu erlernen, hätte ich ein guter Liedermacher werden können, mit riesigem Erfolg, vielen Schallplatten und natürlich viel Geld. Das viele Geld hätten heute natürlich die Frauen, wer viel hat der gibt auch viel. Patty hätte viel mehr Geld bekommen, wäre sogar heute noch bei mir. Nach etwa einem Jahr rief Sie mich an und gratulierte mir zum Geburtstag, wie immer keine Details über ihr Leben, ihren Job usw. Aber es geht ihr gut. Sie besitzt ein Auto, viele schöne Kleider und Schuhe, woher kommt das Geld? Ihr Ehemann wurde mir immer als kleiner Arbeitnehmer aus der Unterschicht vorgestellt, welchen Beruf übte Patty aus? Vielleicht tat Sie was Sie am besten konnte und verdiente mehr Geld als ihr Mann. Womit hatte er Sie verdient, was konnte er ihr bieten? Jedenfalls konnte ich ihn nicht überbieten, er hat geblufft und gewonnen. Die Zeit läuft weiter, wir laufen hinterher bis unsere Zeit abgelaufen ist. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen, in denen noch immer kurze Briefe mit vielen Fotos kamen, eine hübsche schlanke Frau in modischer Kleidung in den Posen eines Modells, mit extravaganten Taschen und Stiefeln, oft vor dem neuesten Auto. Mal war ihre hübsche kleine Tochter, mal der inzwischen etwa 60 Jahre alte Ehemann mit im Bild, eine Idylle wie Hollywood sie gern am Anfang von Actionfilmen zeigt, bevor die Bösen sie zerstören und den Helden zum eiskalten Rächer mutieren lassen. Inzwischen mache auch ich mir Sorgen um das Idyll, die Protagonistin beantwortet meine Briefe nicht mehr. Sollte Sie etwa, wie damals meine schwarze Freundin in Kenia, dem Gesetz zum Opfer gefallen sein?

                                                         DIE  ROLLE  DER  FRAU

Bei allem Für und Wider zum Thema Sex und Prostitution, aller verlogenen Moral und „Schutzbehauptungen“ der Gesetzgeber, möchte ich noch einmal unterstreichen dass es in meinem Denken nie eine Diskriminierung anderer Rassen oder des anderen Geschlechts gab, ich finde es ungeheuerlich wie man in der Vergangenheit Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt hat und es noch heute tut. Die Herren Herren als Herrenrasse, die Frau als gehätscheltes Haustier, das man nach Belieben streichelt oder schlägt, die älteste Form der Sklaverei, ein Produkt der Angst, eine Entmündigung der Konkurrenz, eine Verzerrung des Wettbewerbs, ein „Judenstern“ mit der Aufschrift „Frau“, eine Vorwegnahme der „Nazi-Parole“, könnte über Bordellen stehen: „Kauft nicht bei Frauen“. Sexualität ist ein vielfältiges Problem, die Ehe allein ist keine Endlösung, das weiß jede Frau und jeder Mann und natürlich auch jeder Politiker. Das Verbot der Prostitution beseitigt nicht die Nachfrage, die Prohibition in den USA hat auch keinen „ernüchtert“. Alles was verboten wird, lebt illegal weiter und fördert die Kriminalität. Ich erinnere das „Wegsperren“, und den gesetzlich erlaubten „Freikauf“ gegen klingende Münze, meiner Freundin in Kenia, ein „unmenschlicher“ Vorgang, eine einseitige Bestrafung sexueller Handlungen, bei denen ein Aktfoto des Opfers als Beweis für eine „Straftat“ genügte. Das Gesetz, eine Machtdemonstration der herrschenden Klasse, Unterdrückung der Frau als „Schutzbehauptung“, unsere Frauen tun das nicht. Förderung der Korruption, sanktionierte Erpressung der Frauen durch Uniform tragende Männer. Viele unserer „Nestbeschmutzer“ kritisieren die Bundesrepublik, vergessen jedoch die diversen Freiheiten, die sie gewährt. Mit großer Freude sehe ich Frauen in sogenannten „Männerberufen“, jede Ärztin ist mir lieber als ein Arzt, ich mag Frauen lieber als Männer. Wäre ich ein heterosexueller Mann, wäre das normal, wäre ich eine Frau? Wäre ich lesbisch. Wer weiß schon so genau was er ist, ich weiß dass ich nichts weiß. Wenn ich in Thailand einen Ladyboy treffe weiß ich schon was er ist, bei aller femininen Ausstrahlung und den schönen Titten hat er doch meist ein Stückweit zu viel in der Hose. Wenn der Schwanz ein Schweif wäre, würde ich sagen, ich schweife ab. Ab oder noch dran, das ist hier die Frage. Meiner ist noch dran, aber er bringt nichts mehr. Mein Dank gilt allen Frauen denen ich in meinem Leben begegnet bin, das ist keine Anbiederung, das ist die reine Wahrheit. Ich verdanke ihnen Verständnis, Trost, Zuspruch, Zuneigung, Freundschaft und Liebe. Ich danke allen die mit mir intim waren und mich glücklich machten, egal ob mit oder ohne Bezahlung, ich respektiere jede Frau die eine körperliche Dienstleistung erbringt und dem Mann dabei ein gutes Gefühl gibt, weil auch sie den Kunden respektiert und achtet. Keine Frau sollte gezwungen sein ohne Sympathie mit einem Mann sexuellen Kontakt zu haben, niemals würde ich eine Frau misshandeln oder zum Verkehr zwingen, ich bin harmoniesüchtig und lehne jede Form von Zwang ab.

                                                                                 DER  MENSCH

 Die Welt ist wie sie ist, ein Irrenhaus, ein Jammertal, ich bin ein „Gutmensch“, ohne böse Absichten, ich bemühe mich die Menschen zu lieben, auch wenn es schwer fällt. Mein Interesse an Menschen, ihre Träume und Hoffnungen, ihr guter Wille und ihre Bösartigkeit, brachte mich zum Studium des „Dekadenten Humanismus“. Ich wollte alles wissen, über die Beweggründe dieser merkwürdigen Wesen, die Pyramiden und Raketen bauen, Sammler und Jäger, die Bierdeckel sammeln und Ausländer jagen. Der Mensch ist der Erfinder der Unmenschlichkeit, einer Disziplin der er seinen Aufstieg verdankt. Der Fortschritt geht über Leichen, alles was uns weiter bringt, bringt Menschen um, wir haben viele umgebracht und haben es weit gebracht. Später wurde dann auch die Menschlichkeit erfunden und als Ideal hochstilisiert, man wollte den Unmenschen zum Menschen machen indem man ihm ein Kreuz auferlegte und bei freien Wahlen ein Kreuz machen ließ. Es wird Liebe und Hass gepredigt, der Mensch von der Kanzel herab abgekanzelt, seine Leere mit einer Lehre getrichtert, die dem Unbelehrbaren eine Lehre sein soll. Ich bevorzuge die „Gardinenpredigt“, der poröse Vorhang erlaubt den Durchblick. Mit anderen Worten; Ich denke selbst. Eine Disziplin die in Zukunft auch Minderbemittelten durch künstliche Intelligenz ermöglicht werden wird. Die Menschheit, eine Art Pilzbefall des Planeten, hat ihr Soll längst übererfüllt, der Spruch; „Gehet hin und nähret euch“, kann bald nicht mehr aufrecht erhalten werden, die Fettleibigkeit wird der Unterernährung weichen, die Weichen sind bereits gestellt. Immerhin  lernte der Mensch durch die Predigt die zehn Gebote und die sieben Todsünden kennen, Brücken die er überschreiten muss; “Über sieben Brücken musst du gehen“. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, eine Todsünde noch kein Todesurteil. Wer nur eine dieser Sünden begeht versündigt sich am Leben. Die Woche hat sieben Tage, jeder Tag ist eine Sünde wert. Martin Luther befand zwei für ausreichend; „In der Woche zwier schaden weder ihm noch ihr“. So wollte er Schaden verhüten, es gab noch keine Verhütungsmittel. Bei der Übersetzung der Bibel erfand er viele neue Wörter, das „zwier“ hat sich nicht so gut durchgesetzt wie andere Wortschöpfungen des Meisters aber für den Reim reimt es sich zusammen. Wenn ein Paar zweimal wöchentlich zusammen ist, würde ich „zwammen“ vorschlagen; „In der Woche zwammen wird Gott nicht verdammen“. Alles Neue ist gewöhnungsbedürftig, aber die Sprache lebt. Tote Sprachen werden nicht mal von Toten gesprochen. Kürzlich hörte ich ein bemerkenswertes Beispiel neuer deutscher Sprache, mein Freund Bob, er spielt für mich in Pattaya den „Blindenhund“, geleitet mich sicher über die lebensgefährliche Fahrbahn, erzählte mir von einem unbeliebten Zeitgenossen, der mit seinem Geschwätz langweilt. In gutem Deutsch könnte der Satz lauten; „Den mag ich nicht, er belästigt mich mit seinem dummen Gerede“. Bob sagte jedoch; „Den brauche ich nicht, der labert mir nur Kacke ans Bein“. Eine interessante Beschreibung für einen infantilen Kretin, der verbal untere Extremitäten mit analen Ausscheidungen konfrontiert.

                                                                       LONG  TIME  NO  SEA

Sonderangebote und Last Minute Preise machten es möglich eine Kreuzfahrt erneut anzukreuzen; Laem Chabang lag nahe, AIDA lag dort vor Anker, eine Wiederholung der Asien Rundreise war naheliegend. Essen ist der Sex des Alters, man benötigt keine Erektion und keine Partnerin, ein oraler Liebesakt, man nimmt alles in sich auf. Ich liebe Buffets, servil bereitstehende Köche; Es ist angerichtet. Nach dem Krieg war Hunger der beste Koch, heute sind die besten Köche zu meiner Verfügung. Ich inspiziere ihre Werke, bewundere ihre Kunst, ich muss nicht alles essen was da verschwenderisch geboten wird, aber das Auge isst mit. Eine Augenweide, ein Glücksgefühl, ich bin privilegiert, darf alles auf meinen Teller tun, was kümmert mich der Hunger der Welt? Seit meiner Abmagerungskur im Alter von 35 Jahren, halte ich mein Gewicht von 65 Kilo, ich esse nur noch das Feinste, ohne dabei ein richtiger Feinschmecker zu sein. Gegessen wird nur was wirklich schmeckt und jeder Bissen ist ein Hochgenuss. Was treibt mich auf das „Schlaraffenschiff“, es ist das ist das berühmte Essen an Bord, die Kreuzfahrt ist eine Zugabe, das Auge fährt mit. Die ganze Fressorgie, inklusive Kreuzfahrt kostete diesmal nur 850 €. Zwei Wochen auf See, vier Mahlzeiten täglich, das war geschenkt. Allein mein Verbrauch an Bier hätte mich an Land 100 € gekostet. Wir waren als kleine Gruppe von vier Personen in Laem Chabang an Bord gegangen, leider gab es einen ordentlichen Streit mit dem Kumpel aus Hamburg, ich mied die Truppe und suchte mir neue Tischgenossen mit denen ich besser harmonierte. Das lockerte meine Reise auf, ungezwungen bewegte ich mich solo durch das Schiff und die Restaurants, musste keine Rücksichten nehmen. Meine Landgänge machte ich allein und sah in Singapur wieder nur den tollen Freizeitpark Sentosa, den ich lieben gelernt hatte. In Vietnam und Cambodia blieb ich an Bord, My Ship is my Castle. Ein Mitreisender sprach mich an, er war sich nicht sicher, fragte ob ich beim Rundfunk in Berlin gearbeitet hätte, es war ein Tontechniker aus vergangenen Zeiten, ein Kollege, der in Saudi Arabien Karriere gemacht hatte, er war mit seiner Frau an Bord, die im Unterhaltungsprogramm auftrat. Wir trafen uns öfter, sprachen über alte Zeiten in Berlin und über seinen neuen Job. Die Welt ist klein, so heißt es, tatsächlich ist nur unser Horizont klein. Mein Freund Udo, aus der City Sauna in Berlin, kündigte mir ein befreundetes Ehepaar an, die zur gleichen Zeit mit mir auf der AIDA reisten, mit anschließendem Urlaub in Pattaya. Beide aus der Filmbranche, also Berufskollegen, ich war neugierig. Man traf sich an Bord, ich gab ihnen Tipps für Pattaya, kannte ihr Hotel, ging häufig dort zum Buffet. Der Mann war nett, die Frau merkwürdig reserviert, was mich irritierte. Normalerweise mögen mich die Leute, ich werde geliebt, das ist schön, ich genieße es. Diese Frau liebte mich nicht, man kann nicht alle haben. Wir trafen uns nie beim Essen, und das war gut so. Wer nicht will der hat schon, sagt der Berliner. Ich traf die beiden in Pattaya auf der Straße, direkt vor meinem Hotel, die Frau war ein Eisblock. Da kann man nichts machen, Sympathie kann man nicht kaufen. Ich hätte sowieso kein Geld für die Dame ausgegeben, sie war nicht mein Typ. Jetzt beim Schreiben wird mir klar was der Grund gewesen sein könnte, wahrscheinlich hatte sie Vorurteile gegen Sextouristen. Was soll ich machen, i am what i am. Schlimmer wäre es wenn ich Vorurteile gegen Prostituierte hätte, was täte ich dann in Pattaya? Man stelle sich vor, die Thaifrauen hätten Vorurteile gegen ausländische Männer, dann wäre Pattaya noch immer das kleine Fischerdorf, wo nur kleine Fische und keine reichen Männer an der Angel wären. Was wäre die Welt ohne Vorurteile, man müsste jeden erst umständlich kennen lernen um sich dann sein Nachurteil zu bilden. Wichtig ist jedoch das Verurteilen, egal ob vor oder nach. Ich bin ein reifer alter Mann, aber eine gewisse Naivität ist mir noch immer zu eigen, so habe ich den Gedanken des Vorurteils nicht zu Ende gedacht. Ich erzählte soeben meinem „Blindenhund“ Bob diese Geschichte, er nannte mir spontan den wahren Grund; Die abweisende Ehefrau baute einen Schutzwall auf weil sie in mir eine Gefahr für ihren Mann witterte, einen negativen Einfluss des versierten Sextouristen auf den braven aber gefährdeten Ehemann mit dem sie widerwillig das verrufene Thailand besuchte. Ich verstand plötzlich das „unverständliche“ Verhalten der Frau, sie schuf Distanz um mich von ihm fern zu halten. Eigentlich kannte ich die Blicke der argwöhnenden Ehefrauen, wenn sie mit ihren Männern an den Straßenbars vorbei zogen, immer misstrauisch das sündige Treiben und den Gatten beobachtend. Auf dem Schiff fehlte dieser Hintergrund, es waren kaum Thailänderinnen an Bord, die Gefahr lauerte an Land. Eine Ausnahmesituation, der Ehefrauen sonst nicht ausgeliefert sind, Er nimmt Sie in der Heimat nicht mit wenn er durch die Kontakthöfe der Freudenhäuser bummelt. Die normal empfindende Ehefrau lehnt deshalb einen Urlaub in Thailand ab. Mit dieser dämlichen Angst im Nacken kann man sich den ganzen Urlaub versauen, so zeigte die arme Frau auch nie ein fröhliches Urlaubsgesicht sondern immer eine verkrampfte Mine. Ohne Grund wie ich finde, es blieb ja nach der Seereise nur eine kurze Woche im Sündenbabel Pattaya, was soll da schon passieren? Ich bewundere kluge Frauen, die ihren Mann an der langen Leine laufen lassen und ihn damit an sich binden. Mit ihr hat er das Haus und die Kinder, ein Seitensprung ist nur ein Sprung auf die falsche Seite. Natürlich gibt es gewissenlose Weiber die eine Ehe zerstören wie ein Kind ein Spielzeug kaputt macht, aber die Liebe ist kein Spiel und die Ehe kein Spielzeug. Viele Männer suchen ein neues Spielzeug und riskieren dabei Kopf und Kragen, eine Scheidung kann den Kopf kosten. Ein Mann ohne Kopf ist wie eine Puppe ohne Glasaugen, Puppe kaputt. Wie konnte ausgerechnet das prüde Thailand, hier sind Nacktheit und der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit verpönt, zum Symbol der Sünde aufsteigen, Ehefrauen in aller Welt bekreuzigen sich allein bei der Nennung des Namens, jede fürchtet die exotische Konkurrenz aus Asien, die dunkelhaarigen, zierlichen Frauen, die ihre scheinbare Schamlosigkeit mühsam erlernen mussten, um ihren guten Ruf in einen zweifelhaften zu verwandeln. Dabei blieben sie prüde und vermieden es sich dem Kunden nackt zu zeigen, sie blieben verhüllt bis ins Bett, man kann seine Kleider, aber nicht seine Scham ablegen. Einige verlangten sogar das Licht zu löschen, wie viele es waren bleibt eine Dunkelziffer. Zu meiner Zeit gab es in Pattaya kaum oralen Sex, derartiger „Schweinkram“ wurde abgelehnt, selbst das Wort wurde nicht in den Mund genommen. Heute lässt sich Keine mehr „entmündigen“, eine Demütigung mehr oder Emanzipation? Die Gleichberechtigung der Männer machte jedoch Fortschritte und die „69“ zur magischen Zahl. Der naturgewollte Zeugungsvorgang wird hier künstlerisch „verfremdet“, erscheint nicht mehr zweckgebunden als pervertierte „Rahmenhandlung“ des Trieblebens. Die Triebhaftigkeit haftet dem Menschen an, zieht die Unschuld des Mannes hinab in die Gefilde des magischen Dreiecks, dem Eingang zum ungewissen Ausgang der sündhaften Tat. „Und immer lockt das Weib“, ein Spielfilm mit der personifizierten Sünde Brigitte Bardot, inzwischen eine alte Dame die ihrer Tierliebe huldigt, einst ein „Sexsymbol“ das die Männer verrückt machte. Wenn Männer verrückt werden, werden Ehefrauen argwöhnisch, viele sind sogar auf den Leinwandstar eifersüchtig, mit solcher Hysterie verjagen sie den ans Haus gefesselten „Kettenhund“, er sprengt nicht mehr den Garten sondern seine Fesseln. Vor Jahren gab ein Arbeitskollege ein paar Flaschen Wein zu einer Weihnachtsfeier aus, ging später nach dem Pinkeln mit offener Hose heim zu Frau und Kind. Seine Frau machte eine völlig überzogene Szene, beschuldigte ihn des Ehebruchs, er rief uns an, wir sollten die Feier bestätigen. Ich beruhigte die Eifersüchtige mit dem Argument; Wer fremd geht ist vorsichtig genug den Hosenschlitz zu schließen, eine offene Hose beweist eher das Gegenteil. „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft“. Die Ehe des Kollegen wurde später geschieden.

 

                                                                           DOPPELLEBEN

Meine Eltern hatten nie ein Flugzeug betreten, erst der Sohn hatte abgehoben um über den Wolken zu stehen. Das ist heutzutage leichter als über den Dingen zu stehen, aber ich stehe zu meinem Lebenswandel. Vom Schlafwandel zum Lebenswandel wandelt sich der Mensch unaufhörlich, steigt in den Flieger, steigt auf zum Vielflieger, überfliegt alle Grenzen und wird zum Marco Polo im Polohemd. Die Postkutsche noch in lieber Erinnerung, als wäre es gestern gewesen, von vier braven Vierbeinern gezogen, ausgezogen um junge asiatische Frauen auszuziehen. Viele Pferdestärken treiben die Turbinen moderner Postkutschen, die das Land überfliegen wie der Leser diese Zeilen, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Mit Alkohol kann man sich den Flug schön saufen, mit Business Class schläft man wie im Himmel. Wer auf Business steht, sitzt bequemer als in der „Holzklasse“ und erliegt dem Zauber der Lüfte wenn er liegt. Ich pendelte zwischen zwei Welten, Lebensmittel kaufte ich bei Aldi, Frauen kaufte ich in Pattaya, ein armer Rentner ohne Auto in Deutschland, ein reicher Nichtstuer in Thailand, ein „Möchte gern – Schauspieler“ der zwei grundverschiedene Rollen verkörperte. Geizig und auf den Pfennig bedacht, Tiefpreise bei Lidl und Höchstpreise in den A gogo – Bars von Pattaya, Schleuderpreise und verschleuderte Trinkgelder, ein Leben im Schleudergang. Ende Oktober, Anfang November startete mein Flieger, früher war der Winter ein harter Mann gewesen, Väterchen Frost ein eisiger Geselle mit Fingern wie Eiszapfen, die nach mir griffen, sie wollten mich „kalt machen“. Wer clever ist bleibt bei Kälte cool und erlebt das Zapfen von kaltem Bier in tropischer Hitze. Schnee und Kälte waren Fremdwörter, winterliche Bilder auf dem Bildschirm waren exotisch, eine Welt die man nur von Hörensagen kannte. Ich kannte nur noch warme Tage und heiße Nächte, ein cooler Typ der die Heimat den Anderen überließ, romantischen Leuten die sich eine weiße Weihnacht und kalte Füße wünschten. Barfuß in offenen Sandalen, bei strahlender Sonne am Meer die erfrischende Brise, während daheim der eisige Wind die Tropfen an der roten Nase gefrieren lässt. Hier lässt es sich leben, lautet die Parole der Kältegegner, wenn die riesigen Weihnachtsbäume vor den Kaufhäusern in den himmelblauen Himmel der Weihnachtssonne ragen. Überall ist Weihnacht, die Thailänder feiern die Feste wie sie fallen, der mächtige Baum trägt den Schriftzug; „Gift Fest“. „Gift“ heißt Geschenk, wer feiert nicht gern ein fremdartiges Fest wenn es etwas geschenkt gibt. Der Ausländer; „Farang“ ist ein Geschenk des Himmels, er bringt Geld und Geschenke, erkauft sich die Zuneigung der jungen Frauen; „Altes Herz wird wieder jung“, schleicht sich in die Herzen der herzensguten Mädchen, die sich in ihn verlieben wenn er für sie und ihre Lieben sorgt. In Deutschland muss man das Sorgerecht vor Gericht erkämpfen, hier kann man es erkaufen und benötigt keinen Anwalt. Der Thailänder ist kein Selbstversorger, fremde Hilfe ist für ihn keine Schande und Sex mit Fremden keine Sünde. Er ist ein Ästhet, der das Schöne und angenehme Leben liebt, die Finanzierung zählt nicht zu den schönen und angenehmen Dingen. Der Farang kann viel von ihm lernen, er versteht zu leben, ist heiteren Gemüts und verdrängt alles Negative. Eine positive Einstellung, zur Nachahmung empfohlen. So versteht der deutsche „Miesepeter“ natürlich das Wesen der umworbenen Frauen nicht, er wirft ihnen „Verschwendungssucht“ vor wenn sie im Restaurant viel bestellen und wenig essen, sein Geld mit vollen Händen ausgeben und ihn arm machen. Er begreift ihre Lebensfreude und Großzügigkeit nicht, ihm fehlt das unbeschwerte heitere Wesen, das sie so anziehend macht. Die thailändische Frau begreift seinen „Geiz“ und seinen „tierischen Ernst“ nicht, das Leben ist schön und Geld ist zum Ausgeben da. Man lebt zusammen aber man bleibt sich fremd, dein Mann, deine Frau, das unbekannte Wesen. Auch wenn sie den Thailänder nicht verstehen, sie kommen nicht mehr los von diesem fremden exotischen Land, die Deutschen und der Rest der Welt, wer einmal hier war kommt immer wieder. Ich komme seit 30 Jahren, das Land ist meine zweite Heimat geworden während meine Heimat mir fremd geworden ist. „In der Fremde sind wir Fremde, in der Heimat sind wir fremd, weil die heimatlosen Fremden heimisch in der Heimat sind“. Während die Fremden in meiner Heimat heimisch sind, bleibe ich in Thailand ein Fremder mit begrenztem Aufenthalt, niemals würde ich die Staatsangehörigkeit erhalten, ich bleibe ein unerwünschter Fremder den man duldet wenn er genug Geld nachweisen kann. Jedes Jahr tritt man den Gang zur Botschaft als Bittsteller an, jedes Jahr drohen neue Verordnungen, werden andere Papiere verlangt, Gebühren erhöht und die Bürokratie feiert Triumphe. Der moderne Mensch ist nicht frei, er ist vogelfrei ohne Papiere, er macht sich strafbar sowie er die Aufenthaltserlaubnis überschreitet, die Beamten verwalten sein Wohl und Wehe. Ich bekomme Herzbeklemmungen wenn ich die Behörde betrete, Angst steigt auf, man ist ausgeliefert. Die Angst vergeht wenn man wieder einmal die erforderlichen Stempel im Reisepass hat, spätestens nach drei Monaten steht man wieder auf der Matte und bittet um Gnade. Es gibt kein Lächeln im Land des Lächelns wenn das Gegenüber eine Uniform trägt, an der Schwelle zur Immigration beginnt der Ernst des Lebens, hier lächeln weder Beamte noch Bittsteller. Und doch hat Thailand die höchsten Besucherzahlen, der Tourismus boomt, es winken Palmen, Sonne, Exotik und das Lächeln der Frauen, sie tragen keine Uniformen und ihr Schicksal mit Gelassenheit, das Leben ist schön wenn alle Stempel im Pass sind und man alles dürfen darf.

                                                                                PANDÄMONIUM

Die Welt war schon immer ein Ort des Grauens, den man sich schön saufen musste um verdrängen zu können was Angst erzeugte, die krank machte. Die Welt krankt an der Unvollkommenheit des Menschen, ein denkendes Wesen das richtig arbeitet aber falsch denkt. Der Mensch ist das Opfer seiner Gedanken, alles spielt sich im Kopf ab, sagt der Volksmund und der Psychiater kann das bestätigen. Selbst kluge, anerkannte Denker entwickelten Ideen zur Verbesserung der Welt, die Millionen Tote forderten, die gutgläubig der Fahne des Guten gefolgt waren um das Böse zu zementieren. „Böse Falle“ sagt der Volksmund, oder; „Dumm gelaufen“. Mein Leben ist nicht dumm gelaufen, obwohl ich dumm darin herumirrte weil die Richtung nicht stimmte. Oft ist die falsche Richtung die richtige, nur die Richtschnur war falsch. Am Ende des Tages ist die „Eintagsfliege“ alt und ein Stück weit klüger als zuvor. „Durch Schaden wird man klug“ sagt der Volksmund, aber der Mensch richtet so viel Schaden an, er müsste längst klüger sein. Zum Glück gibt es die Schadenfreude, sie bringt etwas Freude in den Schaden, das kann ja nicht schaden. Eine gute Sache ist die Schadensbegrenzung, sie weist den Schaden in seine Grenzen, bis hierher und nicht weiter. Kann man so weiter schreiben ohne Schaden anzurichten? Das Alter fügt dem Menschen irreparablen Schaden zu, wer den Schaden hat muss den Spott ertragen. Eine Gnade des Alters ist die Impotenz, sie lässt den Penis ab und das Konto anschwellen. Irgendwann hat auch Viagra ausgespielt und der geplagte Mann seine verlorene Unschuld zurückgewonnen. Wie der ehemalige Kettenraucher, der seine Ketten abgeworfen hat, schaut er mitleidig auf die Süchtigen, die ihrem Trieb folgen müssen wie die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. „Die Ratten von Pattaya“ laufen keiner Flöte nach, Männer sind wie Kinder, sie folgen dem „Lied der Liebe“ das ihnen in die Glieder fährt, vor allem in eins. Sie finden immer eine Flötenspielerin die den richtigen Ton findet, angeborene Musikalität erleichtert den Umgang mit dem Instrument. Für den alternden Musikliebhaber schöne Erinnerungen an denen man hängt wenn alles hängt. In der Jugend hängt alles vom Geld ab, im Alter vom Stehvermögen. Unser Mann in Pattaya, Agent Null Null Sex ist nur noch als Beobachter tätig, bei ihm haben die Frauen die „Lizenz zum Nervtöten“ verloren. Wir schreiben das Jahr 2021, Pattaya ist eine „Tote Stadt“. Eine kleine Anzahl von Residenten und Gestrandeten bewegt sich auf dem abgeriegelten Terrain; Ausländer raus! Viele sind bei Ausbruch der Pandemie geflüchtet, sie kaperten die wenigen Flüge die ein Pandämonium in der Heimat möglich machten. Unser Mann, ein rüstiger Greis von fast 88 Jahren, entschied sich für ein Verbleiben in seiner Wahlheimat, zumal er im Besitz eines Jahresvisums war, als sein Heimflug abgesagt wurde. Das Unheil nahm seinen Lauf, sehr schnell wurde sein „Asyl“ in Berlin geschlossen, die City Sauna ging als eine der Ersten pleite. Die kleine Welt des „Lebenskünstlers“ brach zusammen, man zog ihm sein Schwimmbad unter den Füssen weg. Hier hatte er seinen Freundeskreis und warmes Wasser gehabt, 32 Grad Celsius, ein Thermalbad für die Alten und Kranken, ersatzlos gestrichen, ein Virus macht den Laden dicht. In Pattaya schlossen viele Hotels ihre Pforten, mein langjähriges Domizil kündigte den letzten verbliebenen Gästen, im Mai 2020 musste ich mein Hotel verlassen. Mein Freund Bob wurde zu meinem „Blindenhund“, den Namen gab er sich selbst, er führte den alten Mann durch die verlassene Stadt, in der die Thailänder wieder unter sich waren. Hotels, Swimming Pools, Restaurants und Bars wurden geschlossen; „Vorhang zu, Affe tot“. Ein Spruch aus meiner Jugend, den ich verinnerlicht habe. Die meisten „Affen“ hatten das sinkende Schiff verlassen, ich landete im Hotel Sawasdee, weit ab von meiner gewohnten Umgebung, bezog ein Zimmer direkt am Pool, der weiterhin geöffnet blieb. Mein tägliches „Pflichtschwimmen“ zugunsten meiner Bechterew-Erkrankung war gewährleistet, ein Vorteil gegenüber Berlin. Hier lernte ich eine liebevolle Schweizerin kennen, der Pool ihres Hotels war geschlossen, sie kam täglich um hier zu schwimmen. Ihr Ehemann übte jede freie Minute auf der Gitarre, kam aber vereinzelt mit ihr um mir als „Kampfschwimmer“ den Pool streitig zu machen. Sie führte eine glückliche Ehe, war stolz auf zwei erwachsene Söhne, gut gelungene Exemplare die mehr Freude als Kummer machten. Sie war mir eine gute Zuhörerin wenn ich aus meinem „verpfuschten“ Leben erzählte, ihr lebhaftes Interesse brachte mich auf die Idee zu diesem Buch. Eine bemerkenswerte kluge Frau, wir wurden Freunde und sind es noch. So begann ich mit Unterstützung meines Freundes Udo, dem ich ja schon meine Gedichtseite im Netz verdanke, im Mai 2020 diese Lebensbeichte aufzuschreiben, die in meinem Freundeskreis sofort begeisterte Leser fand. Sie beschreibt einen Mann mit vielen Talenten und wenig Erfolgen; „Viele sind berufen, wenige sind auserwählt“. Wie nannte mich mein enger Freund Bodo, der als Tänzer den Sprung auf die Bühne geschafft hatte, wenn ich mein Schicksal bejammerte, kein Künstler geworden zu sein, er sagte; „Dafür bist du Lebenskünstler geworden“. Jeder Mensch ist ein Künstler, nicht jeder ist erfolgreich, nicht jeder ist reich. Die meisten Künstler sind arm dran, nur wenige erringen den Erfolg, der sie dann sogar kaputt macht. Der Beruf des Lebenskünstlers ist also dem des Künstlers vorzuziehen, er kommt ohne Zuschauer, ohne Publikum aus, keiner muss seine Bücher oder Gemälde kaufen, seine Kunst ist keine Darbietung, kein Aufmerksamkeit heischendes Gaukelspiel, es ist die Kunst der Genügsamkeit, der Demut, der Bescheidenheit, der Anpassung, der Nächstenliebe, der Gewaltlosigkeit, der Toleranz. Erst die Demokratie ermöglicht diese Kunst, nur ohne Diktatur und Zwang kann sich das Gute entfalten, Krieg und Grausamkeit würgen jede gute Regung ab, auch der Beste wird Mitläufer und Mittäter, das Leben hat seinen Preis, man bekommt nichts geschenkt. Nun wurde uns ein Virus geschenkt, möge er die Menschheit daran erinnern dass trotz aller perfektionierten Vernichtungswaffen  und der hohen Leistungsfähigkeit moderner Kriegsführung die Waffen der Natur effektiver töten als der Mensch es vermag. Seuchen sind uns überlegen, es bedarf keiner politischen oder religiösen Gründe, ohne Bomben und Explosionen, lautlos und dezent arbeiten die Viren ihr Pensum ab, sie töten gerecht und ohne Ansehen der Person. Es bedarf keiner Genehmigung umstrittener Sterbehilfe von Beamten die Ethik und Moral verwalten, das Leben heilig halten, bis zum Zeitpunkt der Einberufung und der schmucken Uniformen. Hier wird schlicht reiner Tisch gemacht, gestorben wird naturgemäß und nicht sinnlos abgeschlachtet. Das Schlachtfeld ist ein weites Feld, Siege und Niederlagen stehen in den Geschichtsbüchern, so manches „Waterloo“ wird fröhlich besungen, überall stehen Denkmäler, überall liegen die Millionen Toten unter dem Kreuz, dem Symbol der Nächstenliebe; „Du sollst nicht Töten“. Bei allen zu Gebote stehenden Geboten ist dieses Gebot das Gebot der Stunde, es fordert einen unausweichlichen Grund, nur der allein rechtfertigt die Übertretung. Der ordinäre „Mundraub“ des unwissenden Raubtiers ist keine Entschuldigung für das Töten von Menschen durch Menschen. Der wenig einsichtige Löwe oder Tiger will trotz des Klimawandels weiterhin Fleisch essen, das erscheint ihm Grund genug. Erst die fundierte Begründung rechtfertigt beim Menschen was gemeinhin strengstem Verbot unterliegt. Ein Virus kennt keine Verbote, es tötet ohne Motiv, es hat „Die Lizenz zum Töten.

                                                            SPIELE  MIR  DAS  LIED  VOM  TOD

Eine grausame Melodie erobert die Welt, eine Filmmusik die uns schaudern lässt, so beklemmend und unheimlich, ein Film der alle Vorstellungen übersteigt, ein Horrorfilm ohne Zombies und Vampire, ein Kriegsfilm ohne Panzer und Kanonen, ein geheimnisvoller Gegner, ein Angriff aus dem Dunkel, ein unsichtbarer Feind der den Atem bedroht, der Barrieren aufbaut und Masken zur Pflicht macht wenn er die Maske fallen lässt. Er beschert uns „Die Maske des Zorro“ für Jedermann, ein „Maskenball“ mit Trauermarsch. Ein Film ohne Degenfechten und Abstechen, ohne Happy End, mit vielen Sterbeszenen und wenig Hoffnung, ein Katastrophenfilm ohne Tsunami  und einstürzende Neubauten, ein Film dessen Ende nicht abzusehen ist, den viele nicht zu Ende sehen werden, ein Ende mit Schrecken, ein Schrecken ohne Ende, ist die Impfung das Ende vom Lied? „Angst essen Seele auf“, das Weiterleben ist „Der Lohn der Angst“, „Grundformen der Angst“ ist das Buch meines Lebens; Hurra wir leben noch! Gestrandet, ohne Strand, long Time no Sea, ich bevorzuge den Pool, noch immer zu kalt mit 28 Grad, aber direkt vor meiner Zimmertür. Der alte Mann und das Meer, greifbar nah und doch so fern. Ich lebe unter Palmen, sehe aber nichts von den Schönheiten der Tropen, habe kein Auto, bin an mein Hotel gefesselt, schreibe täglich an meinem Buch, bis mein „Blindenhund“ mich am Abend in unser deutsches Restaurant führt, wo wir gut und billig speisen. Der alte Mann flirtet mit der knackigen Bedienung, kleiner Busen, kleiner Popo, da werden längst vergessene Wünsche wach. Das hübsche Mädchen ist 21 Jahre alt und ein Opfer der Pandemie, sie braucht Geld. Der alte Knacker ist 88 Jahre alt, hat Geld aber keine Kraft in den Lenden. Die süße Maus ermuntert den Wunschträumer, macht ihm mit den Fingern das Zeichen des Geldzählens, ein eindeutiges Angebot, der Not gehorchend. Früher bekam er keine solchen Angebote, da konnten sich die jungen Mädchen einen Jüngeren aussuchen. Einen Tag später wiederholt sie das Fingerspiel und fügt den Tiefpreis hinzu; sieben Finger bedeuten siebenhundert Baht, früher hat sie zweitausend Baht verlangt und bekommen. Angebot und Nachfrage, wer trotz Pandemie einreist muss mindestens für zwei Wochen in Quarantäne, das machen nur wenige. Die Bars sind geschlossen, die Hotels sind leer, ich bin der einzige Gast in meinem Hotel, der Pool gehört mir allein. Eine teure Frau wie Patty würde ich in Notzeiten wie diesen für den halben Preis bekommen, die Welt ist ungerecht. Meine Zeit ist vorbei, ein Sextourist ohne Sex ist nur noch ein Zerrbild seiner selbst. Natürlich ist die Welt ungerecht, eine gerechte Welt wäre unnatürlich. Gerechtigkeit ist ein ironisches Wort, wie Liebe oder Brüderlichkeit, große Worte für kleine Menschen, hohe Ansprüche an tiefe Abgründe. Unter dem Mantel der Liebe verbirgt sich der Hass, die Brüderlichkeit ist eine verlogene Parole. Weitaus ehrlicher klingt der entlarvende Reim; „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein“. Er wurde während der Straßenkämpfe in Berlin, vor der Machtergreifung der Nazis, geschrieben. Die Menschen sind feindliche Brüder, der Knüppel liegt beim Hund, der Hammer liegt beim Bruder. Die Liebe zu den Geschwistern offenbart sich beim Streit ums Erbe. Es ist also ungerecht wenn die Pandemie einem alten impotenten Mann Tiefpreise bietet, die er nicht mehr nutzen kann, ebenso unfair handelt ein Virus das eine junge Frau zu Sonderangeboten an alte Männer  erniedrigt. Viren sind nicht fair, sie sind fast so tückisch und hinterhältig wie Menschen. Lächelnd ertragen die unmöglichen Partner die Ungerechtigkeiten der Welt, brav serviert das liebe Mädel dem freundlichen Alten, der als Kunde nichtmehr in Frage kommt, das Schweinefilet mit Bratkartoffeln zur oralen Ersatzbefriedigung. Ich male mir aus, was ich mit dem lieblichen Menschenkind anstellen könnte, bei einem Werbepreis, den ich natürlich auf Eintausend aufstocken würde, und komme zu keinem vernünftigen Ergebnis. Es wäre ekelhaft für sie und erniedrigend für mich, ein stinkender alter Mann in feuchten Windelhosen, mit tropfendem Geschlechtsteil, reduziert auf die Erstfunktion der Entwässerung, ein Rückfall ins Säuglingsalter, ein „Schniedelwuz“ ohne echte Aufgabenstellung, ein tropfender Wasserhahn ohne Klempner. Alles zu seiner Zeit, möchte man sagen, nur schade dass ich zu meiner Zeit kein Geld hatte und das Experiment im Selbstversuch, ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen, die damals von kriminellen Fachleuten angedroht wurden, wagen musste. Was heute;“Verpiss dich“ und „Fuck you“ sind, war damals der berüchtigte „Wichser“, eine arme Sau ohne Geld für sexuelle Notdurft. Der heranwachsende Jüngling kann diesen „Reibereien“ nicht aus dem Weg gehen, eine reibungslose Jugend wäre eine unrealistische Vorstellung. Welcher Zeit soll man nachtrauern, dem Überdruck minderbemittelter Jugend oder dem Nachdruck der danach kommt? Heute sind diese Bekenntnisse druckreif, die Zeit der Reife vermindert den Druck und der infantile Wunsch sein Geld selbst drucken zu können, verfliegt. Wofür brauchen Männer so viel Geld, sie brauchen es für den „Missbrauch“ weiblicher Harnwege, die hier in erniedrigender Weise zur Ware herabgewürdigt werden. Die abartige Sucht der Männer, sich Eingang in verbotene Zonen zu verschaffen, wird ihnen ein Leben lang zum Vorwurf gemacht, ein unschuldiges Tier muss seinen ehrlichen Namen für einen „Schweinkram“ hergeben, der ohne Geld nicht zu haben ist.

                                                                 DIE  KEHRSEITE

Die Kehrseite des Schweinkrams ist die Prostata, erst unterstützt sie die Ausübung der Zweitfunktion, dann behindert sie massiv den „Ablauf“ der Erstfunktion. In Pattaya gingen die Mädchen auf den Strich, mir machte die Drüse einen durch die Rechnung. Sehr bald nach dem Abschied von Patty machte das „Sorgenkind alter Männer“ den Laden dicht, in der Nacht torkelte der Bier und Schlaftrunkene jede volle Stunde zum „Restroom“ um Reste des reichlichen Bierkonsums vom Abend in das Dunkel der Nacht zu entleeren. Zwar glühte dem alten Mann noch ein Lämpchen, die Nachtbeleuchtung des stillen Örtchens machte die Stille fast sichtbar wenn er in aller Stille dem Wasser Marschbefehl geben wollte. Eine Befehlsverweigerung wollte unser Mann auf seiner „Spritztour“ nicht hinnehmen, es traf ihn wie ein Keulenschlag als trotz heftigem Harndrang nichts nach außen drang. Die Prostata befand sich im Wachstum, die Ausdehnung der Einen ist die Einengung der Anderen. Tagsüber waren die Grenzen noch geöffnet, in der Nacht wurden sie hermetisch abgeriegelt, es kam zum Stau. Der schmerzhafte Druck steigerte die Angst, der Restharn gab dem geplagten Opfer den Rest. Die erbarmungslose Vorsteherdrüse, eine Art „Wasserkraftwerk“ ohne Stromerzeugung, blockierte die Wasserwege und gefährdete die Nieren. Ein Katheter, eine Röhre für die Harnröhre war unumgänglich. Tagsüber ließ der Würgegriff der Drüse nach, dankbar sah der passionierte Biertrinker das „alkoholfreie Bier“, den entgifteten Harn entweichen, die Angst blieb. Panik hatte die Diagnose eines Urologen hervorgerufen, er hatte Prostatakrebs ertastet und sofortigen Heimflug gefordert. Der nächste Urologe gab Entwarnung, der PSA-Test war negativ, ein weiteres Abtasten des Organs ergab lediglich Kalziumablagerungen; „Sie haben keinen Krebs, sie können in Thailand bleiben, solange sie wollen“. Ein Werbeplakat trieb mich in die Arme einer Internistin mit Migrationshintergrund, eine Chinesin die in der Heimat Akupunktur studiert hatte, ich vertraute ihr und hing an der Nadel. Gut eingefädelt, mit offenem Feuer auf dem abgedeckten Bauch, begann sie mich planmäßig „abzustechen“ und hatte Erfolg. Mein Urologe in Berlin, der selbst gern Krebs ertastete, sagte später zum „Kalzium-Befund“; “Was manche Leute alles ertasten können“. Auf der „Tastatur“ der Urologen klingt jede Melodie anders. Der Berliner Arzt tendierte schon lange zum Krebsbefund und hatte Bestrahlungen angeboten, ich glaubte ihm nicht, hielt seine Suche für Übereifer. Als Folge der Nadelstiche konnte ich nachts wieder entwässern, pinkelte in einen Messbecher und war kindisch genug mich voller Stolz am Morgen mit dem vollen Glasbehälter vom Zimmermädchen fotografieren zu lassen. So schenkt das Alter neue Freuden, bisher war es nur das volle Glas am Abend gewesen, nun freute sich der infantile Alte auch über das volle Glas am Morgen. Der „Durchlauferhitzer“ arbeitete wieder; Kaltes Bier rein, warmer Urin raus. „Bleibt allein, nur der Wein“, besingt ein sentimentales Lied den Verzicht auf Sex und die endgültige Hinwendung zum Alkoholismus. Mir blieb nur das Bier und, welch ein Geschenk, ich konnte es wieder ausscheiden.

                                                                 DIE  GEDANKEN  SIND  FREI

Zu dieser Zeit rief Patty mich noch regelmäßig an, ich liebte es ihre Stimme zu hören, war glücklich unvergessen zu sein; „Ein unvergesslicher Kunde“, der Wunschtraum eines jeden Freiers, Sie liebte nicht nur mein Geld, Sie liebte mich um meiner selbst willen, ich war der Mann ihres Lebens gewesen, nur mein Alter hatte uns getrennt. Zu schön um wahr zu sein, aber der Mensch lebt für seine Träume. Warum liebte ich die Traumfabrik Hollywood, warum liebte ich das Happy End am Ende des Films, weil ich den Traum lebte, weil wir ohne Träume nicht leben können, das Leben ist zu hart für Weicheier. Jeder Mensch will geliebt werden, er sucht die verbale Bestätigung. Wenn ich Patty am Telefon meine Liebe gestand, ging ihr ein;“I love you too“ leicht über die Lippen, in Amerika ohnehin die Formel zum Ende des Gesprächs. Ein sentimentaler alter Mann, der eine abgeschlossene erotische Geschäftsbeziehung als Liebe verklärt, beweist wie stark die Einbildungskraft den Menschen am klaren Denken hindert. Das Wunschdenken erbaut Kartenhäuser und Luftschlösser, macht das Unmögliche möglich, nimmt dem Liebenden das Augenlicht. Blind folgt der Fanatiker seiner Idee, der Kriminelle seiner Überheblichkeit, der Arme den Lottozahlen. So sieht jeder was er will, er glaubt den Lügen seiner Gedanken, hält sie für die alleinige Wahrheit. Er wird von seinen Gedanken beherrscht, die ihm das Mitdenken nicht erlauben. Das Denken ist Geschenk und Bürde, wir tragen schwer an der Last der Gedanken, denen wir zu viel Freiheit lassen. Der Mensch beherrscht die Erde aber nicht seinen Kopf. Die Gedanken sind frei, der Mensch ist ihr Gefangener. „Ich denke also bin ich Sklave“, müsste die Erweiterung eines Klassikers lauten, der die Daseinsberechtigung vom Denken ableitete. Tatsächlich werden wir gedacht, ich denke also bin ich Opfer von Werbung und Propaganda. Die Speisen werden noch immer nicht vorgekaut. Für das Denken gibt es Vordenker, deren Gedanken wir wiederkäuen wie die Rinder das zweite Frühstück. Nach dem Lesen der Morgenzeitung wissen wir nicht „Was morgen geschah“, ein hübscher alter Schwarz/Weiß-Film, aus meiner Jugend, aber wir haben eine Meinung die wir vorher noch nicht hatten, sie wurde von BILD und anderen „Missbildungen“ gebildet. Die Journalisten waren „Die Herren der öffentlichen Meinung“, der Mensch braucht „Denkanstöße“ um sich Vorgedachtes anzueignen. Er macht sich ein Bild und hat fortan ein Feindbild das er als kostbaren Schatz hütet, wie der Kunstsammler das berühmte Gemälde vom goldenen Kalb. Inzwischen kennen wir die Wahrheit über die „Lügenpresse“ und ihrer Schwester der Notenpresse, dem „Duo Infernale“ der Neuzeit. Jede Banknote belügt den Benutzer über den wahren Wert, der nicht dem Warenwert entspricht, die Mehrwertsteuer mindert den angeblichen Wert, beide Pressen sind nichts mehr wert. Unsere Gedanken sollten sich darüber keine Gedanken machen, jede Lüge hat ihre eigene Wahrheit und jede Theorie ihre eigene Verschwörung. Auch hier regen die Vordenker wieder zum Nachdenken an und die Gedanken weisen dem Blinden den Weg. Wer auf seine Gedanken hört ist ihnen hörig, sie versperren ihm die Sicht auf die Einsicht und verbauen ihm die Aussicht. Die Verschwörungstheoretiker sind eine verschworene Gemeinschaft, sie glauben das Unglaubliche weil sie den Glauben verloren haben. Es sind ungläubige Privatdetektive die den Verschwörern auf der Spur sind, sie wissen mehr weil ihre Ohren ihnen die Augen geöffnet haben und ihre Vordenker mehr wissen. Für jedes „Mehrwissen“ wird in Zukunft eine „ Mehrweißsteuer „ erhoben werden, das wissen die Vordenker schon heute. Lügen und Notenpresse haben ausgedient, Zeitungen und Bargeld werden abgeschafft; „ Deutschland schafft sich ab“. Einer der Ersten „Verschwörungstheoretiker“ hat es geschafft, sein Ruf ist lädiert, sein Konto saniert.

                                                              KEIN  BARGELD  FÜR  BARGIRLS

Eine bekannte Zeitung für Ausländer schreibt; „Bargirls erhalten keine Unterstützung in Zeiten der Pandemie, 100.000 Sexarbeiterinnen in Thailand sind arbeitslos, werden kriminalisiert und vom Arbeitsschutz ausgeschlossen, während andere Arbeitslose eine dreimonatige Zuwendung von jeweils 5.000 Baht erhalten. Die Einnahmen der Sexindustrie beliefen sich im Jahr auf 6,4 Milliarden Dollar und erwirtschafteten vier bis zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Alle Bars, Massage Salons und Karaoke sind geschlossen, die Frauen sind ohne jedes Einkommen, können ihre Familien nicht ernähren, Miete bezahlen, usw.“ Lebensrettende Maßnahmen verhindern Infektionen und steigern die Armut. Als die Preise stiegen und die Frauen teilweise 4.000 Baht verlangten, hatte ich mir einen „Dämpfer“ gewünscht, nun ist die Stimmung „gedämpft“, ich erhielt ein Angebot von nur 700 Baht, die nackte Not senkt die Preise. Mir ist eine überhöhte Forderung jedoch  lieber als ein nacktes Mädchen in Not. Die Welt ist ungerecht, es sollte mir recht sein, meine Rente gibt mir das Recht des Stärkeren. Leider bin ich zu schwach das Leid zu lindern, Geldgeschenke werden in Thailand leicht zum Gewohnheitsrecht, wer bekommt erwartet mehr. Eine Begleiterin meiner alten Tage würde meine Möglichkeiten überfordern, auch ohne Sex sind Frauen teuer; „Einsam sind die Tapferen“ Western mit Kirk Douglas. Nie gehört, wer soll denn das sein? Ich bin ein einsamer Wolf, ein Steppenwolf in der Steppe von Pattaya, einer Einöde ohne zahlungsfähige Ausländer, mit Hochhäusern ohne Hochsaison, mit Strand für Gestrandete und Erwerbslose die Lose erwerben um in der Lotterie zu gewinnen. Ohne Ausländer keine Arbeit, ohne Broterwerb kein Reis, ohne Reisende keine Flüge, ohne Impfung keine Hoffnung. Die Alten sterben zuerst, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Hoffnung bald zu sterben habe ich aufgegeben, wenn das so weitergeht werde ich in zwei Jahren neunzig, womit habe ich diese Strafe verdient? Eine Pandemie die so alte Leute übersieht ist ungerecht. Da haben wir es wieder, das rechte Wort zur rechten Zeit, wer so alt wird muss mit dem Unrecht zurechtkommen. Offenbar stirbt man in anderen Ländern häufiger an Corona, wahrscheinlich schützen die lästigen Vorschriften doch vor Infektionen, leben wir sicherer in Thailand als anderswo. Ich bin inzwischen 16 Monate im Lande und hatte in dieser Zeit keine Erkältungskrankheit. Ein Novum, meine Bechterew-Erkrankung geht mit chronischen Nasennebenhöhlen-Erkrankungen einher, eine „Grippe“ folgte der nächsten; Gelomyrtol und andere Mittel waren „Mein täglich Brot“. Die jährlichen Impfungen vertrug ich nicht, ich hatte sofort die nächste „Grippe“ und verzichtete auf diese Vorsorge. Keine einzige Erkältung seit über einem Jahr, das hat es in meinem Leben noch nie gegeben. Seit dem Ausbruch der Pandemie lebe ich abgeschirmt in meinem Hotelzimmer, nur das Abendessen findet im Restaurant statt. Dort flirte ich mit der „700 Baht-Bedienung“ und träume von „Love for sale“. Alle Frauen sind käuflich und lächeln sogar für alte Männer, das war nicht immer so. Meist ist das Lächeln hinter dem Mundschutz verborgen, man kann es nur erahnen, erkaufen musste man es schon immer, für wenig Geld wird wenig gelächelt, im Land des Lächelns. Wo das Leben lächelt zeigt der Tod nur sein Grinsen, er belächelt die Irrwege der Menschen und zeigt ihnen den richtigen Weg. In jedem Ende liegt ein neuer Anfang, eine neue Generation tritt an um die alten Dramen im neuen Gewande zu erleben, ein ständiges Kommen und Gehen, ein Perpetuum Mobile, ein Selbstläufer ohne Werbung aber mit Garantie. Das Sterben wird garantiert, es ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mir wird das Sterben leicht gemacht, gnädig erlaubt das Schicksal mir das Aufschreiben meines Lebens, erspart mir die Demenz und das Vegetieren ohne Erinnerung, ein Privileg, ein Geschenk, eine Gabe die mich mit Dankbarkeit erfüllt. Zwei meiner Jugendfreunde wurden ein Opfer dieser Heimsuchung; Rudolf, ein treuer Begleiter seit der Nachkriegszeit; „Auferstanden aus Ruinen“, wir kannten uns seit 1945, erkrankte vor etwa 15 Jahren an Demenz, vegetierte 12 Jahre im Heim und starb vor drei Jahren. Herbert der Musiker, ein unkomplizierter Typ, „Immer locker übern Hocker“ erlitt das gleiche Schicksal. In der Jugend hatte ich ihn immer beneidet, er war nicht schüchtern, konnte besser mit Frauen umgehen, ein fröhlicher Spaßmacher, wir haben viel miteinander gelacht. Ich erlebte seine traurigen letzten Jahre bei Besuchen in seiner Wohnung, mit dem Elend der Verwahrlosung und der Dankbarkeit des Hilflosen, bevor auch er in ein Heim eingewiesen wurde, wo er zum Glück recht bald starb. Er hatte ein erfülltes Leben auf der Bühne und im Showprogramm von zahlreichen Kreuzfahrten um die Welt gehabt, bevor es ihm verloren ging. Das Alter und der Verfall sind die unerbittliche Konsequenz des Lebens, ob im Dunkel des grauen Alltags, ob im Scheinwerferlicht des Showgeschäfts, für viele erlischt das Licht schon lange vor dem Tod. Mein Lebenslicht flackert noch lebhaft in meinem tropischen Exil, die Sonne scheint ganztags, es wird täglich wärmer, 30 Grad im März des Jahres 2021, im nächsten Monat werde ich 88 Jahre alt, das habe ich nie gewollt. Das Jahr 2000 wollte ich erleben als ich noch jünger war, das war eine magische Zahl, man glaubte noch an den Fortschritt, der schenkte uns unter anderem das Hörbuch. Beim gesprochenen Buch kann man nicht zwischen den Zeilen lesen aber das „Ungesagte“ spricht Bände. Wer nur das „Lesebuch“ kennt, für den bleibt es „unerhört“. Spitzfindigkeiten zu finden und sie auf die Spitze zu treiben, ist eine Manie von der ich nicht lassen kann, lassen wir dem „ehrlichen Finder“ die Freude. Es ist schwer zu sagen ob ich meinen Mutterwitz vom Vater geerbt habe oder umgekehrt, tatsächlich bin ich mit diesen Spitzfindigkeiten aufgewachsen, meine Eltern sprachen nur ironisch mit mir, ich habe diese Sprache mit der Muttermilch aufgesogen. Bei mir darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Wenn keine warme Decke zur Hand ist hülle ich mich in Schweigen, das wärmt das Herz. Ohne Sprechen kann ich leben, ohne Schreiben kaum. Wenn man Glück hat ist Schreiben Gold wert, dann zaubert Harry Potter Millionen auf das Konto; „Wunder gibt es immer wieder“. Ein hohes Alter ohne Demenz ist ein Wunder das nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Lassen wir also die Goldwaage beim Juwelier und gönnen wir den  Autoren ihren Erfolg, man muss gönnen können. Können wir ohne Hass und Neid leben, können wir uns mit dem Feindbild anfreunden, können wir sein was wir nicht sind; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Es ist wenig hilfreich ihm zu sagen was er sein soll, wozu ihm aber die Begabung fehlt, er hat kein Talent zum gut sein, selbst der staatlich geprüfte „Gutmensch“ trägt seinen hochtrabenden Titel nicht immer zu Recht, kann es gut sein, immer gut zu sein? Es kann gut sein, dass Güte ungute Gefühle auslöst; „Ach du meine Güte!“ ruft der Mensch wenn Güte nicht gut geht, und das Gütesiegel eine Täuschung war. Soviel über das Gute, nichts für ungut…

                                                                        DER  GUTE  PETER

Vor Jahren erlebte ich die fortschreitende Demenz meiner Nachbarin, die meine Wohnung betreute wenn ich mich in Thailand befand. Ich zeigte mich hilfsbereit ohne zu wissen warum ihre Hilflosigkeit zunahm. Ohne Erfahrung macht man das Alter der betroffenen Menschen verantwortlich ohne zu begreifen worum es geht. Schließlich landete auch sie im Heim, wo ich sie mehrmals besuchte, was meinen Depressionen nicht zuträglich war. Angst macht sich breit, man sieht sich selbst in dieser Verfassung, hält dieses Schicksal für unausweichlich. Ein Freund riet mir ab die Besuche fortzusetzen, da sie mich zu stark belasteten. Dann traf es meine engsten Jugendfreunde und ich war erneut gefordert. Auch bei Rudolf hatte ich am Anfang keine Ahnung was vor sich geht, später besuchte ich ihn im Heim zusammen mit seiner Schwester, die seine einzige Bezugsperson war. Seine Frau war an Krebs gestorben, die Kinder kümmerten sich nicht um ihn, die Güte des Menschen ist begrenzt. Für Herbert den Musiker kaufte ich als letzten Liebesdienst ein Fernsehgerät, als sein Gerät kaputt ging, da war er schon sehr beeinträchtigt in der Bedienung und dem Verständnis der Sendungen. Man steht der Krankheit hilflos gegenüber und kauft sich aus der „Verantwortung“ mit einem letzten Freundesdienst. Er hatte kein Geld, konnte auch nichtmehr mit Scheinen und Münzen umgehen, ständig fiel etwas zu Boden. Hilflos verfolgte er wie ich die Kabel in seinem mit Bühnentechnik vollgestelltem Wohnzimmer verlegte und lobte meinen engagierten Arbeitseinsatz. Ich hatte 25 Jahre beim Rundfunk Kabel verlegt, hier wurde ich noch einmal gefordert. Seine Tage als Single in eigener Wohnung waren gezählt, mein Geschenk war ein verzweifelter Versuch ohne echte Hoffnung. Mein Freund Bodo, der einmal Solotänzer beim Ballett gewesen war, bereitete mir jeden Sonntag Bratkartoffeln mit Fleisch und Gemüse, er war alt und krank, wir gingen nichtmehr miteinander im Restaurant essen, ich besuchte ihn einmal in der Woche, er war schwerhörig, weigerte sich ein Hörgerät zu tragen. Zwei alte Männer die nichtmehr ins Kino gingen, die Filme kamen im TV, den Ton verfolgten wir über Kopfhörer. Das oft geschmähte Fernsehen ist ein Segen für alte und kranke Menschen, wer das Kino liebt, muss es nicht missen. Wir sahen alles was wichtig war, Filme waren das Wichtigste in unserem Leben. Bodo hatte eine jüngere Schwester, die viele Wege für ihn erledigte, die beiden kauften für ihn ein neues Fernsehgerät, als das alte kaputt war. Das war ein Fehler, für diesen Kauf hätte er mich heranziehen müssen, ich war der bessere „Fachmann“ für moderne Geräte und große Bildschirme. Die Flachbildschirme waren noch recht teuer, für 700 Euro erhielten die Beiden nur ein sehr kleines Gerät, ein echter Fehlkauf für einen Kinofan der die große Leinwand liebte. Ich war entsetzt als ich die „Keksbüchse“ zu sehen bekam, ein extrem kleines Breitwandbild, das sich später auch als ungeeignet für seine schlechten Augen herausstellte. Unter keinen Umständen hätte ich dieses kleine Gerät gekauft, eher hätte ich ihm Geld dazu geschenkt um ein anständiges Bild zu haben. Angeblich konnte er sich kein teures Gerät leisten, zahlte aber jeden Monat freiwillig „Alimente“ an seinen platonischen Liebhaber in Thailand. Die sogenannte „Liebe“ übte hier sogar Verzicht auf Qualität bei der Anschaffung eines modernen Bildschirms. Ein Filmfanatiker, der sein einziges Hobby verleugnet um seine kleine Rente mit einem „Heiratsschwindler“ zu teilen. Unglaublich aber wahr. Allerdings sind wir an dieser Stelle auch wieder bei dem merkwürdigen Argument; „Das passt nicht in meine Wohnung“. Einen großen Bildschirm kann man an jede Wand hängen, dieses Argument zieht bei mir nicht. Kurz und schlecht, er quälte sich lange Zeit mit der winzigen „Keksbüchse“ bis ich ihm mein 50 Zoll Gerät schenkte, als ich mir ein neues Gerät kaufte. Leider gab es kaum noch gute Filme, wir hatten es schwer unsere Leidenschaft mit neuer Nahrung zu füttern. Aus Amerika kamen nur noch Filme für Kinder und infantile Erwachsene. Millionenschwere Blockbuster mit fliegenden Helden in lächerlichen Kostümen und grotesken Bösewichtern die man nicht ernst nehmen konnte. Unser geliebtes Kino , das es vom kitschigen Stummfilm zur Filmkunst gebracht hatte, wurde monströser aber nicht besser. Die Augen meines Freundes wurden auch nicht besser, von Jugend an sah er auf einem Auge nur 20 Prozent, er war froh ein großes Bild zu haben, wenn auch ein so sperriges Gerät nicht in sein kleines Zimmer passte. Die Wohnung war klein, er hatte sie von der Mutter übernommen, die er bis zu ihrem Tode gepflegt hatte. Einst ein gefeierter Tänzer, nun ein hilfsbedürftiger armer Rentner, der die „Thailand-Alimente“ für eine Hilfs und Pflegekraft hätte verwenden können, verschanzte sich menschenfeindlich in der engen Behausung seiner alten Tage. Als mein altes Gerät, der erste bezahlbare Flachbildschirm, mit dem Aldi eine solche Anschaffung ermöglicht hatte, endgültig kaputt war und die Preise gefallen waren, kostete ein 50 Zoll-Gerät als Sonderangebot 500 Euro. Ich wickelte den Kauf für Bodo ab und war bei der Lieferung dabei. Zum Kauf eines teuren, drahtlosen Kopfhörers musste ich ihn überreden, es ist ja alles zu teuer wenn man „Alimente“ bezahlen „muss“. „Kein Mensch muss müssen“ hatte meine Mutter immer gesagt, ein zweifelhafte Lebensweisheit. Bodo „musste“ bis zu seinem Lebensende zahlen, ich war mitschuldig, hatte ihn damals nach Thailand „mitgeschleppt“, ihm sogar das Ticket bezahlt weil er angeblich kein Geld hatte. Am Ort hatte er dann leider doch Geld für die „Macho-Dancer“, die es ihm aus der Tasche zogen. Wehrlos war er den durchtriebenen Burschen ausgesetzt, ich hatte meinen Freund in Gefahr gebracht ohne es zu wissen. Er hatte doch meine vielen Briefe aus dem „Land des Lächelns“ gelesen, ich hielt ihn für gut informiert und vorsichtig genug, hatte seine masochistische Veranlagung unterschätzt. Es war der Fehler meines Lebens ihn der „Liebesfalle Thailand“ auszusetzen, der „Gutmensch“ hatte es doch nur gut gemeint. Böse Folgen einer guten Tat, Vorsicht vor Gutmenschen, sie sind zu gut für diese Welt. Mein Freund litt an einer Zwangsneurose, während er sich den Bissen vom Munde absparte, lebte der beschenkte „Stricher“ auf großem Fuße, fuhr ein dickes Auto und war in seinem Dorf eine geachtete Persönlichkeit, wahrscheinlich war er verheiratet, hatte Frau und Kind, schwul war er sicherlich nicht. Bodo war der innigste Freund meines Lebens, wir hatten viel Gemeinsames und doch kannte ich ihn nicht. Feindliche Gedanken erniedrigten ihn zum Sklaven seiner selbst, er zahlte für eine unrealistische Idee, ein Hirngespinst, eine Fata Morgana einen Irrglauben, opferte sein Geld auf dem Altar der sogenannten Liebe, war unfähig den Teufelskreis zu durchbrechen. Sexualität und Liebe sind uns als Strafe auferlegt; „Wer zu spät begreift, den bestraft das Leben“. In der Jugend, zu Beginn unserer Freundschaft hatte ich zu ihm aufgeschaut, ihn bewundert und beneidet, er stand auf der Bühne, tanzte sich in die Herzen des Publikums, genoss die Droge Applaus, wurde Choreograph und führte Regie, übernahm Sprechrollen, ein Künstler, eine weltmännische Erscheinung, elegant gekleidet, eine Art Vaterfigur für den kleinen Peter, der über den „Kleindarsteller“ nie hinausgekommen war. Ich war stolz ihn zum Freund zu haben, ohne zu ahnen welchen Selbstzweifeln und Ängsten er ausgesetzt war. Wir waren ein merkwürdiges Paar, er lebte seine Sexualität nicht aus, ich hatte meine noch nie erfahren, das Kino und der Alkohol waren unsere Ersatzbefriedigung, wir liebten unsere Filmstars, er die gutaussehenden Männer, ich die aparten Frauen des französischen Films, die für mich ein besonderes Flair hatten. Wir sprachen mehr über die Probleme unserer Filmfiguren, oder die der Stars, die sie verkörperten, als über unsere eigenen, unsere Realität war der Traum. Ich hatte meinen besten Freund verloren als er Berlin verlassen hatte um in „Westdeutschland“ ein Engagement anzutreten, mein Leben musste ohne ihn weitergehen. Es gab viele Briefe, aber es gab auch das Vergessen, es war einmal… Der Zufall führte uns Jahre später wieder zusammen, da war er nach Berlin zurückgekehrt ohne je die große Karriere geschafft zu haben, er tingelte bei der Künstlerhilfe, der Traum war ausgeträumt. Ich war inzwischen technischer Assistent beim Hörfunk, der mit Mikrofonen, Verstärkern und Lautsprechern hantierte. Immerhin hatte ich eine feste Anstellung und ein gesichertes Einkommen. Ich war nichtmehr der „kleine Peter“, ich war erwachsen, verheiratet und relativ glücklich. „Das Glück ist eine feile Dirne…“ Heinrich Heine. Das „Eheglück“ war eine feile Dirne, wohlfeil dem Manne der da glaubte… Noch ahnte ich nicht dass Dirnen einmal meinen Weg pflastern würden. Früher behaupteten alte Frauen, alles im Leben sei vorbestimmt, wenn dem so ist, war mein schweres Leben mit leichten Mädchen „Vorbestimmung“. Die Freundschaft der beiden ungleichen Männer war auch eine Art Vorbestimmung, nach und nach lernte ich Bodo besser kennen, er hatte Angst vor Beziehungen und begnügte sich mit den schönen Männern des Films. Tief in seinem Herzen war er unglücklich, haderte mit seiner Homosexualität, er war noch mit Verstecken und Verleugnen aufgewachsen, hatte das Leid der Ausgrenzung erfahren, beklagte oft die zu spät erfolgte Befreiung und Gleichstellung. Ihn der Ausbeutung durch thailändische Männer auszusetzen, war unverzeihlicher Leichtsinn gewesen, die Einladung zu einem unbeschwerten Urlaub in den Tropen wurde zum Desaster, Bodo war zu schwach um sich zur Wehr zu setzen, ich war zu naiv um das zu erkennen. Ich gebe mir jedoch nicht die Schuld an blinder Liebe und absurdem Zwang, auch schwache Menschen sind für sich selbst verantwortlich und tragen die Folgen ihrer Torheiten. Er meinte die Rolle des reichen Wohltäters spielen zu müssen, glaubte das Geld erübrigen zu können und zahlte. Es waren wohl 500 DM die jeden Monat den Besitzer wechselten; „Da muss eine alte Frau lange für stricken“ lautete damals ein Spruch. Bodo strickte nicht, er hatte sich in sein Unglück verstrickt. Als der Euro eingeführt und die DM halbiert wurde gab ich ihm den Rat seine Überweisungen nach Thailand zu halbieren, es wäre plausibel gewesen dem „bedauernswerten Opfer“ die Kürzung seiner Bezüge mit einer „Geldentwertung“ zu erklären. Leider verpufften meine Argumente als sie an die Mauer seiner Verblendung stießen. Ich beschreibe dieses Phänomen wahrlich nicht um einen lieben Freund bloß zu stellen, es geht mir um die „Höhere Gewalt“ feindseliger Gedanken, die wie ein Krebsgeschwür wuchern und klares Denken unmöglich machen. Es ist die Tragik der nicht zu Ende gelebten Beziehung, der vorzeitige Abbruch führt zu einer „Verzauberung“, die idealisiert und Opferbereitschaft entwickelt. Gegen Wahnvorstellungen dieser Art hilft nur das tägliche Beisammensein über Jahre, ein langsames Absterben der Gefühle, ein Ende ohne Schrecken, im günstigsten Falle bleibt die gegenseitige Achtung oder gar eine Freundschaft für den Rest des Lebens. Zu einer Zeit als der kleine Peter noch bewundernd zu seinem großen Freund aufsah, hatte dieser die sentimentalen Gefühlsduseleien des unerfahrenen Traumtänzers verächtlich als; „Arsch mit Seele“ bezeichnet, das hatte mich verletzt und zum Nachdenken gebracht, es kann ja nützlich sein wenn man über seine eigene Dummheit nachdenkt. Ein harsches Urteil, das meinen Freund als selbstsicheren und klugen Mann erscheinen ließ, der seinen kleinen Peter vor Torheiten bewahren wollte. Eine verhängnisvolle Fehleinschätzung, nun war mein großer Freund ein Häufchen Elend, auf den sein eigener Ausspruch von damals zutraf, denn seine Seele war im Arsch. Der kleine Peter hatte seine Seele an den Teufel verkauft und war ein zynischer Realist geworden, nicht frei von Rückfällen in Wunschdenken und Selbstbetrug, aber doch „Ein ganzer Kerl“, der seine Grenzen kannte und nur für Sex bezahlte wenn er geliefert wurde. Ich war ein mitfühlender Gutmensch aber kein zahlender Idiot. Bodo bekam nichts als Gegenleistung, die Anrufe seines „Mündels“ gingen ihm sogar auf die Nerven, aber er saß in der Falle. Nur zweimal war er in Thailand gewesen, konnte finanziell und gesundheitlich nie mehr rüber fliegen, aber ein Leben lang zahlen. Das Denken ist die Ursache allen Elends, die Einen treibt es in den Wahnsinn, die Anderen treibt es zu Besitzgier und Menschenverachtung. „Wenn ich nicht an meinen Vorteil denke, ist das zu meinem Nachteil“. „Armer Mann und reicher Mann, standen da und sahn sich an, darauf sprach der Arme bleich; Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.“ Brecht. „Arme Frau und reicher Mann, saßen da und sahn sich an, darauf sprach die Frau beim Bier; Wär ich nicht arm wärst du nicht hier“.

                                                                     AUF  DEM  TROCKENEN

 Hier sitze ich, ohne Frau und ohne Bier, bin unbeweibt und seit zehn Monaten trocken. „Alles in trockenen Tüchern“ könnte man sagen. Ich sehe die Anderen Bier trinken; „ Es ist nichtmehr mein Bier“. Man soll nie „nie“ sagen, es ist ja nicht das erste mal dass ich aufhöre und irgendwann wieder anfange. Zu Beginn der Pandemie gab es ein Alkoholverbot, zu der Zeit war ich bereits seit einigen Monaten trocken und dachte an keinen Rückfall. Das Verbot weckte meine Opposition, ich kaufte noch schnell vier Kartons a 12 großen Flaschen in der Getränkegroßhandlung direkt vor meinem Hotel, die mir per Sackkarre auf mein Zimmer geliefert wurden. Wir wurden auf unseren Zimmern eingesperrt und fanden das Ganze unzumutbar. Die Hotelküche arbeitete nur noch bis 18:00 Uhr, das Essen wurde auf das Zimmer gebracht aber ich konnte mir die Verbote schön saufen. Nach und nach bezog ich mein Bier innerhalb des Hotels, zu höheren Preisen, bis auch dort die Vorräte endeten und kein Nachschub kam. Die Rückseite eines deutschen Restaurants stand auf dem Hotelgelände, dort bezog ich meine Bratkartoffeln mit Steak und einigen Flaschen Bier am Küchenfenster, Not macht erfinderisch. Schon hier stand Bob mir zur Seite und wir speisten gemeinsam am verödeten Pool. Mein Bierkonsum wurde auf diese Weise immer teurer, aber ich musste gegen die Verbote antrinken. Offiziell wurde mein Hotel am ersten April geschlossen, die letzten Gäste durften bis Ende des Monats bleiben. Bier war schon immer relativ teuer in Thailand, eine kleine Flasche vom billigsten kostet im Supermarkt etwa einen Euro, bei Aldi und Lidl in Berlin bekomme ich einen halben Liter ab 29 Cent. Meine heimatlichen Supermärkte sind weit weg, mein planmäßiger Flug mit Turkish Airlines fiel aus, ich entschied mich für ein Verbleiben in der Wahlheimat. Die „Panikflüge“, mit denen viele vorzeitig abreisten, waren mir zu teuer, ich buchte meinen Flug um. Seit der Zeit fliegen die Türken Bangkok nicht mehr an, ich bin gestrandet und lebe seit 16 Monaten hier. Kurz nach meinem Umzug in ein neues Hotel mit geöffnetem Pool, das war nicht selbstverständlich, war ich es leid gegen die Alkoholverbote anzutrinken und verzichtete auf meinen abendlichen Schlaftrunk.  Noch bin ich gesund und gut drauf, darf jedoch nicht ernsthaft krank werden, bin nicht versichert. Im März 2021 wird das Wasser in „meinem“ Pool immer wärmer, bei nunmehr 30 Grad schwimmt der alte Mann täglich 40 Minuten und lebt wie ein Urlauber. Mein Hotel ist bezahlbar, ich bin immer allein im Pool, wenig Gäste, viel Pandemie. Mein „Blindenhund“ Bob erledigt alle Einkäufe, abends essen wir im deutschen Restaurant zu günstigen Preisen, bei wenigen Gästen. Alles läuft auf „Sparflamme“, wenig Ausländer, wenig Einnahmen. Mein Zimmer mit direktem Zugang zum Pool ist größer als das in meinem alten Hotel aber um die Hälfte billiger, ich zahle etwa 400 Euro, es fehlt an nichts. Mein eigener 50 Zoll Fernseher und eigene zusätzliche Möbel ersetzen mir die Wohnung in Deutschland, ich lebe sogar billiger als dort. Ich empfange deutsche Fernsehprogramme, sehe Nachrichten und Filme, alles ist gut. Nichts ist gut, unser sonst so begnadeter Autor hat seit Tagen eine Schreibblockade, eine Ladehemmung am Schießgewehr des scharfsinnigen Scharfschützen, Gewissensbisse beißen wie Flöhe die am Flohmarkt überspringen, in das Hirn überspringen und klares Denken zernagen wie Nagetiere; „Arsch essen Seele auf“. So wunderschön sich Arsch und Seele auch immer ergänzen mögen, es sind ja enge Verwandte, aber sie behindern den forschen und rücksichtslosen Stil des tabulosen Schreiberlings, der ja Grenzen einreißen und Neubauten zum Einsturz bringen muss. Alles einreißen und verkehrt herum wieder aufbauen, Ironie und Sarkasmus kennen keine Gnade, der Flohbiss des Gewissens ist hier fehl am Platze. Worum geht es unserem „Sensibelchen“, er wirft sich den Verrat am Freunde vor, dessen menschliche Schwächen er in den Schmutz getreten hat. Niemals Geld nach Thailand geschickt zu haben, gaukelt er sich selbst und anderen vor, tatsächlich hat er große Summen zum Abschied gezahlt und gut bestücktes Bankkonto mit Vollmacht hinterlassen wenn er für zwei drei Monate nach Deutschland flog, wo ist da der Unterschied? Garantien für die „Treue“ der Dauerfreundin gab es nie, er machte Vorauszahlungen um ihr Treue zu ermöglichen. Jeder Narr ist anders wenn er in ein Sexobjekt vernarrt ist. Jeder zahlt auf seine Weise und wer nicht persönlich kommen kann, schickt Geld. Bodo schickte allerdings Geld ohne jemals wieder persönlich kommen zu können, ein platonische Liebe gegen Bezahlung. Die täglichen Anrufe kommentierte er selbstironisch; „Wer verliert schon gern seine Geldbörse“. Unsere Freundschaft in Berlin verlief von seiner Seite passiv, er war zu alt und zu krank mich zu besuchen, rief mich selten an, alle Aktivitäten gingen von mir aus, ich besuchte ihn jeden Sonntag, er kochte für mich, ich war drei Jahre jünger als er, ging täglich schwimmen und war besser auf den Beinen. Bodo lehnte alle moderne Technik ab, kein Handy, kein Computer, kein Hörgerät, am Telefon verstand er kaum noch etwas. Ich installierte ihm ein neues Telefon mit höherer Lautstärke, das Gerät jagte ihm Angst ein. Wenn ich in Thailand weilte schickte ich ihm klassische Postbriefe, er beantwortete sie nicht mehr. Dort rief mich eines Tages sein Thaifreund an, Bodo geht nicht mehr ans Telefon. Ich rief seine Schwester an; Er war im Krankenhaus an Herzversagen gestorben, nun wollte der Thaifreund eigentlich noch erben, es konnte doch nicht einfach alles vorbei sein. Ich musste dem Bengel klar machen wie arm mein Freund gewesen war, da war nichts mehr zu holen. Eine bittere Pille für den ehemaligen „Rentenempfänger“; Wer verliert schon gern seine Geldbörse. Ich konnte den Kerl dem Bodo sein Herz geschenkt hatte nie leiden, die Selbstverständlichkeit mit der hier ohne jede Gegenleistung abgezockt wurde war mir zuwider. Dass nun auch noch Erbschaftsansprüche geltend gemacht wurden setzte dem krankhaften Verhältnis die Krone auf. Aus der Sicht der Thailänder ist es normal jede Möglichkeit zur Ausbeutung zu nutzen, man wäre ja dumm wenn man ein volles Euter nicht melken würde. Ich erbte nicht das kleinste Andenken an einen Freund, den ich 60 Jahre gekannt und geliebt hatte, ich war nicht in Berlin als seine Schwester, mit Hilfe ihrer Tochter den Sterbefall abwickelte. Ich trauerte nicht, ich sehe den Tod als Erlösung von allen irdischen Leiden; Die Krankheiten, die Qualen der Seele, die Marter der Gedanken, alles findet ein Ende wenn wir das Sterben annehmen. Alle meine Jugendfreunde hatten mich verlassen, bedauernswerte Opfer von Demenz und anderen Alterserkrankungen aber sie hatten den Leidensweg hinter sich. Ich beklagte meine scheinbare Gesundheit, mit der ich weiter leben musste, ein später Schriftsteller, der sich den Zwang einer Lebensbeichte auferlegt hat, ein Opfer geistiger Gesundheit und kranker Gedanken, die mich quälen und mir Schuldgefühle einreden wollen. Ich bin unschuldig am Elend der Welt, ich kann die Last nicht tragen, die man mir zuweisen will weil ich Tiere esse und Frauen missbrauche, und all die anderen „Sünden“ begehe, die heute im Internet von selbsternannten Richtern so hart bestraft werden. Im Himmel wird es dereinst ein Strafgericht geben vor dem ausschließlich irdische Richter und Ankläger stehen werden, dann Gnade ihnen Gott.

                                                                   HÖHEN  UND  TIEFEN

Darf ein Ungläubiger Gottes Gerechtigkeit erflehen, einer der sich eindeutig zur Sünde bekennt und die Fruchtbarkeit der Frau zu ignorieren sucht, bei allem Feminismus mit dem ich mich schmücke wenn ich meine weiblichen Anteile hervorhebe, der Kinderwunsch blieb mir versagt. Ein sehr gefühlsbetonter Wunschtraum, der nicht zu Ende gedacht wird; Man weiß doch nie wen man sich da ins Haus holt. Mir ging es nie um die von Gott gewollte Zeugung, ich wollte den vom Teufel erfundenen Orgasmus, die Triebfeder des Missbrauchs, der kurzlebige Höhepunkt einer verlogenen, Liebe heuchelnden Werbung die das Opfer gefügig machen soll. Ein von Egoismus und Selbstbetrug gesteuerter Mechanismus der gedankenlos das Massensterben der Spermatierchen in Kauf nimmt, die sich vergeblich abstrampeln ein Ziel zu erreichen das nur einem vorbehalten bleibt, dem Stärkeren. Sie gleichen den winzigen Menschenkindern die dem Stärksten folgen und für ihn in den Tod gehen. Der Orgasmus ist wie ein kleiner Tod, so heißt es, wenn keiner mehr möglich ist bleibt nur noch die Hoffnung auf den großen Tod. Er ist der größte Orgasmus des Lebens, einsam wie die Onanie, eine unwiederholbare Erfahrung die wir mit ins Grab nehmen. Im Leben brennen wir für die große Liebe oder die große Idee, im Tode brennen wir für die Urnenbestattung, da ist kein Platz für Erfahrungen die wir ins Grab nehmen könnten, es gibt auch keinen Erfahrungsaustausch im Totenreich, dort ist jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt. „Wenn der Lebensabend droht, liegt ein Teich im Abendrot. Im Totenreich am roten Teich sind alle Idioten gleich. Keiner Herr und keiner Knecht, keine Trennung nach Geschlecht. Niemand redet auf dich ein, Jeder darf er selber sein. Kein vielleicht, kein wenn und aber, endlich Schluss mit dem Gelaber. Seht die Jungen und die Alten, jeder muss die Schnauze halten. Keine Gegner, keine Feinde, eine friedliche Gemeinde. Friede an den roten Teichen, das kann nur der Tod erreichen.“ Vor einigen Monaten besichtigten wir ein „Altersheim“ in Pattaya, wir wurden mit einem PKW abgeholt und auch zurück gefahren, eine schöne Anlage, die Zimmer auch für kleine Rentner wie mich bezahlbar, sicherlich besser und schöner als ein vergleichbares Heim in Deutschland aber ein Risiko ohne Krankenversicherung. Nichts ist vollkommen, man kann nicht alles haben. Mein nächster Flug ist für den 1. Mai 2021 gebucht, das wird wieder nichts werden, die Pandemie sie endet nie. Sie wird wohl nie enden, aber gestern erhielt ich die „Frohe Botschaft“; Meine Airline fliegt nun doch. Eine Umbuchung, mein Berliner Reisebüros teilte mir mit dass der Flug am 30.April stattfinden soll. Diese Mail versetzte mir einen Schock, ich habe mich hier eingelebt, einen Heimflug hatte ich nicht ernstlich erwogen. Wahrscheinlich bin ich zu alt für ein solches Experiment, in Berlin müsste ich Treppen steigen, ich wohne in der ersten Etage. Hier gehe ich direkt in den Pool und zurück, ein unbezahlbarer Luxus, den ich bezahlen kann. Das ist nur ein Argument von vielen, einige meiner Freunde in Berlin haben mir bereits abgeraten den Flug zu riskieren, die Lage dort ist angespannt und wenig einladend. Es gibt allerdings einen gesundheitlichen Grund, für einen Heimflug, eine sehr teure Hormonspritze, die ich alle sechs Monate bekommen müsste, habe ich hier aus Kostengründen vernachlässigt, sie würde über tausend Euro kosten, allein das Medikament kostet in Berlin in der Apotheke 800 Euro, bezahlt die Kasse wenn der Patient in Berlin weilt. Die Spritze wäre im Mai 2020 fällig gewesen. Ich leide seit Jahren an einer „Problemhüfte“ und hielt es für Abnutzung. Das Röntgenbild zeigte einen weißen Fleck den der Orthopäde nicht deuten konnte. Ein „MRT“ zeigte Prostatakrebs mit Metastasen in der Hüfte, die der Urologe in Berlin mit regelmäßigen Hormonspritzen behandelte. Davor war es zum endgültigen Harnverschluss gekommen, der mich über Jahre zwang den Harn mit Hilfe von Kathetern abzulassen. Eine erhebliche Beeinträchtigung, die mir jedoch weiterhin mein tägliches „Pflichtschwimmen“ gestattete. Ich reiste nun ständig mit großen Mengen Kathetern nach Thailand, man gewöhnt sich an alles. Die Hormonspritzen bewirkten ein Abschwellen der Prostata, ich konnte relativ normal Wasser lassen und benötigte keine weiteren Katheter. Dieser Zustand hält auch ohne diese Spritzen an, aber ich bin seit vielen Monaten nicht mehr in Behandlung. Liebe Schreiber dieser Zeilen, Sie sind nicht der einzige alte Mann mit Prostataproblemen, Sie sind auch nicht der Einzige mit Pandemieproblemen, Sie sind einfach ein Mensch der zwischen den Stühlen sitzt, ein Alltagsmensch, nichts Besonderes, bleiben Sie in Thailand und nehmen Sie die Dinge wie sie sind, gut Ding will Weile haben. Wenn Sie keine Langeweile haben, weil Sie an ihren Memoiren schreiben, haben Sie doch mehr als andere Menschen, die nur Angst haben. „Angst essen Seele auf“. Selbst hier droht ihnen keine Gefahr, laut eigener Aussage haben sie keine Seele, da können Sie doch seelenruhig Ruhe bewahren und zusehen wie ringsum Seelen verspeist werden. Weder Angst noch Seele sind greifbare Dinge, aber auch die greifbaren Dinge meines Lebens sind nicht mehr greifbar, sie entziehen sich meinem Zugriff, sie befinden sich in meiner Berliner Wohnung.

                                                                  DIE  MAGIE  DER  DINGE

Reiche Menschen sind Jäger und Sammler, sie jagen dem Geld nach und sammeln Kunst. Ein sündhaft teures Gemälde ist ein greifbares Ding, Ehrfurcht ergreift den Sammler der es erjagt und erlegt hat, es hängt an seiner Wand und sein Herz hängt daran. Auch der kleine Mann hängt sein Herz an die Dinge, er hortet Besitztümer der Seele, Dinge die er mit Gefühlen aufgeladen hat, die nun den sogenannten ideellen Wert haben. Wertgegenstände besonderer Art, was ist kostbarer als unsere Gefühle? Eine kleine Rente, wenig Ersparnisse, keinerlei Vermögen aber eine kleine Mietwohnung voller Schätze von unschätzbarem Wert. Sie hängen als Bilder an den Wänden, schlummern in vergilbten Fotoalben; Alte Weiber die einmal schöne junge Frauen waren, von denen er nicht weiß wie sie heute aussehen mögen. Bewundert, beneidet, begehrt, voller Liebe und Hingabe, im schönsten Gewande, dem Kleid der Jugend. Im Bilde festgehalten, konserviert, in Schönheit erstarrt, was einst Freude, Liebe, Begierde auslöste und das Herz höher schlagen ließ. Ein weiter Weg, von der Höhlenmalerei der Vorfahren bis zur ewigen Jugend auf Papier. Regale, Schränke, Schubfächer, alles voller Kostbarkeiten, mehr Wert, als eine Mehrwertsteuer erfassen könnte. Dem ungeübten Auge erscheint dieser „Plunder“ wertlos, Langspielplatten, die lange nicht gespielt wurden, Musik von Gestern, von geringem Sammlerwert aber reich an Erinnerung. Bücher, die Lehrmeister und Wegbegleiter des Suchenden, mit heiligen Inhalten, verstaubte Reliquien einer vergangenen Zeit, wertlose Überbleibsel, bedrucktes Papier, ein veraltetes Medium das als „Krimi“ geduldet wird wenn er in modernem Gewande die Mitspieler und die Zeit totschlägt. Eine riesige Zahl von Kindsköpfen ist vernarrt in Kinderbücher; „O selig ein Kind noch zu sein“. Sie wollen es bleiben. Ich will in Thailand bleiben, ein Kindskopf besonderer Art. Von den Tropen geht für mich ein Zauber aus, den mir Harry Potter nicht bieten kann. Was wird aus dem Zauber der vielen großen und kleinen Gegenstände die in meiner Berliner Wohnung auf mich warten? Welcher Zauber ist stärker, der Zauber der Dinge oder der Zauber des himmelblauen Himmels? Im hohen Alter versucht unser Mann in Thailand den Zauber der Philosophie zu verstehen, er liest ohne zu begreifen von der Anbetung des Himmels durch Friedrich Nietzsche, der den Himmel über Nizza liebte und dort große Teile des Zarathustra schrieb. Man soll den Zauber verschiedener Himmel nicht vergleichen, ich war nie in Nizza, Nitzsche war nie in Pattaya, immerhin ist er jetzt im Himmel. Er haderte mit dem Christentum, ich hadere mit der Kirche, jede Art von Diktatur ist mir zuwider, ich denke selbst. Selbst wenn ich so klug wie Nietzsche denken könnte, könnte ich die Welt nicht „erdenken“, sie ist von Gott erdacht, sein Denken ist mir so unverständlich wie das von Nietzsche. Mich stört das „Fressen und gefressen werden“, die natürlichen Schutzvorrichtungen gegen Fressfeinde erscheinen mir wie die Schutzbehauptungen der Menschen, sie sind dazu da die Schwachen zu schützen und den Starken das Leben schwer zu machen, am Ende frisst er sie doch. Der Starke kennt keine Schwachheiten und kein Mitleid, so schreitet Nietzsche den Raubtieren voran und bahnt den Weg zum Himmel. „Der Himmel ist nie ausverkauft“, deutscher Spielfilm. Der Himmel nicht, die Erde schon. Man soll Gott nicht in den Himmel heben, zu viele erheben Anspruch auf dieses relativ unerschlossene Gebiet. Nietzsche verlangt einen eisernen Willen zur Überwindung des Christentums, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Der Himmel ist reich an faulem Zauber, es fehlt an göttlichem Fleiß. Die Verbesserung der Welt ist eine Fleißarbeit, jeder junge Mensch geht sie voller Tatendrang an. Wer jung bleibt kämpft weiter, die meisten werden alt. Die Kräfte erlahmen wenn feindliche Kräfte erstarken. Die Welt ist einer feindlichen Übernahme zum Opfer gefallen, die Pandemie hat den Menschen viele Vorteile gebracht, allen voran den Spekulanten, es war leicht alles aufzukaufen was pleite gegangen war. Ich habe den „Nietzsche-Extrakt“ dreimal durchgelesen: „Von neuen Freiheiten des Geistes“, eine Auswahl aus seinem Werk auf 200 Seiten, eine Aufforderung zur Vertiefung in dasselbe. Wir wollen das nicht vertiefen, nicht jede Aufforderung ist eine zum Tanz. Friedrich würde mir auf der Nase rumtanzen, ich würde meine Würde als Mensch verlieren. In seinen Augen hätte mein Buch den „Geruch kleiner Leute“. Das berüchtigtste Zitat des Meisters: „Wenn du zum Weibe gehst vergiss ME TOO nicht“, das die Männer wie ein Peitschenhieb an allen Gliedern, vor allem an einem traf, habe ich in diesem Buch nicht gefunden, dafür aber eine andere hübsche Feststellung: „Das Wohlgefallen an den Frauen, als einer vielleicht kleineren, aber feineren und leichteren Art von Wesen. Welches Glück, Wesen zu begegnen, die immer Tanz und Torheit und Putz im Kopfe haben! Sie sind das Entzücken aller sehr gespannten und tiefen Mannesseelen gewesen, deren Leben mit großer Verantwortlichkeit beschwert ist…“. Männer tragen den Putz auf die Wand auf, Frauen haben ihn im Kopf. Ich habe stets Tanz und Torheit im Kopf, bin ich ein feineres Wesen? Nicht anbiedern, lieber Freund und Frauenversteher, emanzipieren Sie sich endlich, werden Sie ein ganzer Mann. Frauen mögen zwar Tunten, aber keine Waschweiber. Saufen allein genügt nicht, spielen Sie endlich Fußball und Skat und nicht das liebe Mädchen von Nebenan. Über Leute wie mich, die sich gern in Zitaten suhlen wie die Schweine im Schweinestall, schreibt Nietzsche: „Die schlimmsten Leser sind die, welche sich wie plündernde Soldaten verhalten: sie nehmen sich einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das Übrige und lästern auf das Ganze,“ Meine „Zitatomanie“ ist mein liebstes Kind, schließlich will der kleine Autodidakt zeigen was er alles drauf hat. Oft zitiere ich auch mich selbst, ohne zu wissen wo ich meine ureigensten Gedanken aufgelesen habe. Das Meiste ist angelesen, der Rest ist dazu gedacht, dazu wird ja gedacht. Man kann alles weiter, aber nicht alles zu Ende denken, Nietzsche hat es versucht. Er vermittelt uns Hoffnung wenn er sagt: „Gegen die Männerkrankheit der Selbstverachtung hilft die Liebe eines klugen Weibes.“, “Menschenfresser: In der Einsamkeit frisst der Mensch sich selber auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die vielen.“, „Der Fanatismus ist die einzige „ Willensstärke „ der Schwachen und Unsicheren.“ Ich bin schwach und unsicher, mein einziger Fanatismus sind Zitate. Mein einziger Wunsch wäre es von anderen zitiert zu werden, das Zitat bedeutet Respekt und Anerkennung.

                                                               NEUES  VOM  ALTEN  SACK

Der alte Sack hüpft von Sack zu Sack und von Buch zu Buch, ein literarisches Sackhüpfen alter Schule. Alles was er liest ist alt, was er schreibt ist auch nicht neu. „Im Westen nichts Neues“ hat er damals im Osten gelesen, ein „Blockbuster“ des Ostblocks, die DDR war ein Staat des Friedens. Mein Staat war gegen den Krieg, das machte ihn mir sympathisch. Aber es reicht nicht gegen den Krieg und für den Frieden zu sein, man muss auch dafür kämpfen. Mit der Waffe in der Hand, wenn es sein muss. Der Autor des Buches war ein Erich der sich als Maria einen Namen gemacht hatte, remarkable… Ich lebte in der Hauptstadt der DDR und besuchte täglich die selbstständige politische Insel Westberlin in der es Friedensfeinde und Kriegshetzer gab, das gab mir zu denken. Mit Denken kann man sich das ganze Leben versauen, ich wollte nicht darüber nachdenken. Keine Sau hielt mich auf wenn ich die Grenze überschritt, auch mein Denken überschritt Grenzen, vieles was ich dachte war eigentlich undenkbar. Nicht auszudenken dass dereinst eine Mauer mich vom Kino des Westens abhalten könnte, einer Welt des Friedens, in der der Krieg von friedliebenden Soldaten besiegt wurde. Im Kino fanden viele Kriege statt, das waren alles Fehler der Vergangenheit die sich nie wiederholen würde. Ich sah viele Antikriegsfilme und las viele Antikriegsbücher, für mich war es eine Ehrensache ein Kriegsgegner zu sein, ich träumte vom Frieden als der kalte Krieg begann. Den eisernen Vorhang kannte ich nur vom Theater, eine Brandschutzeinrichtung für Notfälle wurde zum Politikum, ich verstand die Welt nicht mehr. Meine Welt waren Filme und Bücher, sie waren der Ballon mit dem ich aufstieg und mich über das Elend der Welt erhob, oben war die Luft rein, man konnte tief einatmen ohne sich zu vergiften. „Krieg und Frieden“ habe ich im Kino gesehen, „Der Idiot“ und „Der Spieler“ habe ich gelesen, ich habe Gorki, Tschechow, Puschkin, Tolstoi, gelesen und das waren nur die Russen… Ich habe alles gelesen was ich kriegen konnte. Ich bin meinen Lehrern ewig dankbar dass ich bei ihnen das Lesen lernen durfte, sie legten den Grundstein für mein reiches Leben, was wäre ich ohne Bücher? Trotzdem gab es in der Mitte meines Lebens eine endlos lange Lesepause, ich war übersättigt, hatte „Übergewicht“ vom vielen „Kinokonsum“, die Bilder hatten den Krieg gegen die Worte gewonnen. Ich habe die Worte zurück gewonnen , im hohen Alter zwingt die Pandemie mich zur Wiederaufnahme einer alten Leidenschaft, es gibt in Pattaya ein „Begegnungszentrum“ mit einer umfangreichen Bibliothek, dort finde ich zurückgelassene Bücher von klugen Lesern die ich hier nie vermutet hätte. Neben den bereits genannten, fand ich Werke von Heinrich Heine, Max Frisch, Theodor Fontane, Hermann Hesse. Den „Steppenwolf“ habe ich mehrmals gelesen, nun fand ich den „Demian“ und siehe da, es geht um das Denken. Schon im Alter von zehn Jahren verstrickt sich der Held im Gestrüpp seiner Gedanken, sie machen ihn zum Opfer. Wieder ein „Denkanstoß“ das Denken neu zu überdenken, um nicht „gedankenlos“ von ihm gedacht zu werden. Das Denken ist eine Wissenschaft, wer hätte das gedacht… Hätte Rodin den „Denker“ in Stein gemeißelt ohne sich Gedanken darüber zu machen? Diese Skulptur wäre ein besseres Denkmal als die berühmten Kriegsherren der Weltgeschichte, die überall unbedacht herumstehen. Viele schreien im Internet „ihre Meinung“ heraus ohne sich etwas dabei zu denken, auch das sollte uns zu denken geben. Hier endet mein Denkvermögen, ich denke das reicht für heute.

GEHE  HIN  IN  FRIEDEN

So ging ich denn hin und fand den Frieden den ich suchte. Als überzeugter Kriegsgegner hatte ich viele Jahre im Hotel des Friedens gewohnt, das „PAX“ war wunderschön, hatte einen Garten mit blühenden Bäumen, friedfertigen Eichhörnchen und lichtscheuen Ratten. Ich war Frieden gewohnt, wohnte nun noch friedlicher weil es weder Ratten noch störenden Gäste gab. Die „Rattenplage“ des Tourismus war einer großen Stille gewichen, das „Tuch des Schweigens“ lag über der Stadt der Heimsuchung, in der Tausende ein Heim gesucht hatten. Alle Ratten hatten das sinkende Schiff verlassen, der Ort war ein „Platz des himmlischen Friedens“ ohne Chinesen oder andere lästige Ausländer. Im „SAWADY HOTEL“ gab es wenige Gäste aber auch weniger Grün und Blumen, es gab keinen tropischen Garten, der kleine Pool war von einer Mauer umgeben, wenige Sonnenliegen die nie belegt waren, säumten das stille Salzwasser, ein Bild des Friedens dank Pandemieangst und Quarantänediktatur. Ein kleines Paradies, das mir gehörte, mein Zimmer lag direkt am Pool, selten gab es Störungen durch andere Mieter, es gab zu wenige. Das kleine Restaurant am Pool war meist leer, weil außer Betrieb, hier saß ich jeden Morgen allein beim Frühstück, bekam meine Mango geschält und geschnitten, wurde verwöhnt, bekam Bananen und Kuchen geschenkt, ich gehörte fast zur Familie. Das PAX war geschlossen, sollte aber eventuell im April wieder geöffnet werden. Mein neues „Zuhause“ war billiger, ich wollte bleiben wo ich war. Ich wollte auch in Thailand bleiben, ungeachtet der „Gefühlswerte“ die in Berlin auf mich warteten. „Ein bisschen Frieden“ in einer Welt des Krieges, Ruinen und Flüchtlinge erfreuen das Herz wenn es Ablenkung bei der Television sucht. Nietzsche hatte Visionen, der vollkommene Mensch erschien ihm machbar, ein Endziel, eine Endlösung, eine Erlösung am Ende, ein Neubeginn als Anfang des Unbeschreiblichen, für mich des Unglaublichen. Ich hatte beschlossen an nichts zu glauben, ein kleiner Nichtsnutz der an ein großes Nichts glaubte. Es gab nichts woran zu glauben sich lohnte, der Mensch erschien mir zu unvollkommen, warum sollte man ausgerechnet an den Menschen glauben, es genügte ja ihn zu lieben. Eine unglückliche Liebe, der Mensch lügt und betrügt, er ist es nicht wert geliebt zu werden. Vergessen wir die Liebe, auch sie ist es nicht wert geliebt zu werden, wenden wir uns aufrichtigen Gefühlen zu; Bedauern und Mitgefühl für den Menschen und seine Nöte, Verständnis für sein Elend, sein siegreiches Versagen, den Triumph seines Untergangs. Im TV sah ich einen Bericht über das Ansteigen der Suizidrate in Thailand als Folge der Pandemie, anschließend eine knallbunte Doku mit dem Titel: „Farbenfrohes Thailand“. Ich sah Bangkok und Chiang Mai auf meinem großen Bildschirm als wäre mir das alles neu und unüberwindlich weit entfernt, eine perverse Situation, man weilt im Lande und verfolgt eine „Television“. Das Klimpern meiner Wimpern machte der Vision ein Ende, ich folgte den Visionen von Hermann Hesse im Roman „Demian“, den Denkorgien seines Helden Sinclair, der sich unter anderem auch mit Nietzsche belastet, bis ich das Gefühl hatte nicht mehr belastbar zu sein. „Augen meine lieben Fensterlein, einmal werdet ihr geschlossen sein“. Ich kenne den Autor nicht, aber seine Verse trafen für diesen Abend zu, meine Lider wurden herabgelassen wie Jalousien, meine Träume hatten Nachtschicht. Ich hatte Geschlechtsverkehr, mein Glied war handlungsfähig und tief in den Abgrund vorgestoßen, ich war in einer Frau, es war traumhaft. Ich erlitt einen Orgasmus und sonderte Sperma ab, ein feuchter Traum, der jedoch nur Urin beförderte. Ich erwachte mit durchnässter Windelhose, sie hatte alle Flüssigkeit aufgefangen. Die Frau ohne Gesicht, ich hatte Verkehr mit einer Unbekannten gehabt, sie nahm kein Geld und wurde nicht schwanger; eine „Traumfrau“. Gern hätte ich „Die Frau meiner Träume“ wiedergesehen aber ich kannte ihr Gesicht nicht, sie war ein Traumbild von dem ich mir kein Bild machen konnte. Wozu solche Träume, auch hier machen die Gedanken was sie wollen, sie gaukeln Dinge vor, die sich nicht dingfest machen lassen. Mein Ding wurde nichtmehr „fest“, das war eine feststehende Tatsache, fest und stehend, so hatte ich es in Erinnerung, auch das nur ein Traum der ausgeträumt war. Ausgelesen war der „Demian“ von Hesse, warum war ich auserlesen ihn zu lesen? Er liefert Rätsel ohne Auflösung, unbefriedigend wie Onanie ohne Orgasmus, Selbstbefriedigung des Autors ohne Erfüllung beim Leser. Traumhaft schön war dagegen ein Film der in Träumen schwelgte; „Der Trafikant“ leidet an jugendlicher Sexualnot im von Deutschen besetzten Wien, einer unglücklichen Liebe zu einem leichten Mädchen und unverständlichen Träumen die er einem Kunden beichtet der seine kostbaren Zigarren im „Trafik“ kauft und Sigmund Freud heißt, da kommt Freude auf. „Ohne Leid kein Freud“, der Trafikant leidet und der Zuschauer leidet mit, kann sich identifizieren mit den „Leiden des jungen Werther“, beneidet ihn um die väterliche Zuneigung des „Gedankenarztes“, nur das Kino bietet derartige „Vertraulichkeiten“, in diesem Falle ohne Kitsch mit Naziterror und Judenverfolgung verquickt. Freud flieht nach London, der Trafikant fällt in die Hände der Gestapo, kein Happy End aber eine handfeste Geschichte voller Poesie. Wohl dem der nie von Gestapo und Stasi verfolgt wurde, ich hatte dieses Glück, auch die Verteidigung des Friedens als Bürger in Uniform war mir erspart geblieben, der Spatz auf dem Dach ist besser als die Waffe in der Hand. Stets war ich nur der Verfolgung durch Gedanken ausgesetzt gewesen, einer „Strafverfolgung“ mit Einzelhaft als Endlösung. Bevor es dazu kam erwirkte ich einen Freispruch, das „Hohe Gericht“ in meinem Kopf konnte mir keine Schuld nachweisen, es gibt keine Schuld außer der des „Zuschiebens“. Ich war ein freier Mann, der auch als Mann und Freier ohne Schuldgefühle seine unschuldigen Gefühle ausleben konnte. Gefühle konnte ich ausleben, mein Leben ist noch immer nicht ausgelebt, das Schicksal hat mir eine Fortsetzung auferlegt in der sich keine Frau mehr zu mir legt. Kein Grund die Hände in den Schoss zu legen, was dort liegt steht nicht in unserem Ermessen.

                                                                 ES  WAR  EINMAL

Es war einmal, in einer Zeit ohne Maskenpflicht, mit offenen Grenzen und offenem Lächeln, einer Zeit als Normalität noch die Norm war und meine Reisen nach Thailand noch normal waren. Mein Freund Bodo war nicht normal aber er lebte seine Sexualität nicht aus. Er lebte in seiner eigenen Welt, menschenscheu kapselte er sich von allem ab, nur wenige Freunde hatten noch Zugang zu dem gealterten Künstler, nur an seinem Geburtstag überfielen ihn einige der Tänzerinnen, mit denen er Jahre lang als Choreograph zusammen gearbeitet hatte, dann war die kleine Wohnung hoffnungslos überfüllt und er spielte gequält die Rolle des Geburtstagskindes. Wenn die gewollte Einsamkeit wieder hergestellt war spielte er in alle Stille die Rolle des Wohltäters, spendete Geld für „seine Familie“. Bei seinem zweiten und letzten Besuch in Thailand befand er sich voll in der Gewalt seines „Schützlings“, ein gut aussehender Muskelprotz der wenig schutzbedürftig wirkte. Dank der aufopfernden Fürsorge seines „Geldgebers“ fuhr der junge Mann einen teuren  „Pick up“ in dem er ihn in sein Heimatdorf beförderte. Es ist üblich den Fisch, den man an der Angel hat, der Familie vorzustellen, die den „reichen“ Fremdling wie ein vollwertiges Mitglied aufnimmt und ihm die heile Welt einer friedliebenden Sekte vorgaukelt. Hier ist die Welt noch in Ordnung, man liest die Liebe in den Augen der „Sektenmitglieder“, sie sind arm aber genügsam, Reis mit Huhn und ein Schluck aus der Flasche sind Speis und Trank der Anspruchslosen. Bodo wurde als Mensch wahrgenommen, seine offensichtliche sexuelle Neigung in keiner Weise thematisiert, er wurde mit Respekt und Ehrerbietung in die Gemeinschaft aufgenommen, eine neue Welt tat sich ihm auf. Hier sprach keiner über Sex und Prostitution, hier zählte nur Liebe und Dankbarkeit, ein Schelm der böses dabei denkt. Jede Sekte lebt von Spenden, von Liebe kann man nicht leben. Mein Freund war Mitglied einer Sekte geworden, seine Spenden dienten einer guten Sache, der Kauf eines Büffels wurde mit Alkohol begossen, dankbare Augen leuchteten in dunkler Nacht. Bodo hatte mir die „Erleuchtung“ geschildert, ich hatte nicht erkannt welcher Gehirnwäsche er ausgesetzt gewesen war. Seine monatlichen Überweisungen an einen ordinären „Stricher“ waren Spenden an die „Willkommens-Sekte“ an die Familie des „Geliebten“, die auch die seine geworden war. Der Mensch ist der Sklave seiner Triebe; Selbsterhaltungstrieb, Geschlechtstrieb, Pflegetrieb, „Versorgungstrieb“. Bodo wollte versorgen, das Leben ist Pflichterfüllung, er tat seine Pflicht. Diese veränderte Darstellung einer scheinbar unsinnigen Handlung ist mir erst nachträglich möglich, während ich schreibe überdenke ich neu und komme zu neuen Erkenntnissen. Die Thailänder verfügen über einen liebevollen Charme mit dem sie uns einlullen wie die singende Mutter das gähnende Kind, man singt uns ein Schlaflied und wir beginnen zu träumen. So wird der leichtgläubige Ausländer zum „Versorgungsamt“, er übernimmt die Aufgaben eines Sozialstaates und zahlt bedingungslose Grundeinkommen. Mein Leben ist ein Film, was wäre ein Film ohne Rückblende, wir blicken zurück und erkennen uns neu, wie dachten wir damals, wie denken wir heute? „Später ist man immer klüger“ sagt das Sprichwort und es spricht mir aus der Seele, deren Existenz ich immer geleugnet habe. Wie wenn sie tief in mir lauerte wie eine Raubkatze, bereit ihre Pranken in mein schwaches Fleisch zu schlagen um mein wundes Seelenheil zu heilen. Bodo war eine Seele von Mensch, sein Seelenleben blieb mir verborgen weil ich ihn nicht verstand. Der Verstand über den wir verfügen ist begrenzt, es ist der „Unverstand“ der über uns verfügt. Bodo war der Gefangene seiner guten Seele, ich war der Gefangene meines Unglaubens, ein gläubiger Gegner des Glaubens, jenes unglaubwürdigen Phänomens, dessen Anhänger mich bedauerten. So lebten wir dahin, mein Thailand-Egoismus war mir wichtiger als meine Freunde in Berlin, ich betete die Sonne an, sie vertrieb die Depressionen an denen mein armes Leben krankte. Ich lernte allein zu sein ohne im Elend der Welt zu versinken, ich begriff dass ich alt war, mein Leben gemeistert hatte ohne daran zu zerbrechen, ein reiches Leben, gefüllt bis zum Rand, mit Musik, Malerei, Literatur und der Zuneigung von Menschen die mich liebten. Ich schrieb Gedichte und Schüttelreime;“ RACHEAKT.  Tief versenkt am Hafengrund, lag ertränkt des Grafen Hund. DRESSUR IM WALDE. Das muss der kleine Purzel wissen, er darf auf keine Wurzel pissen.“  ich schrieb Briefe an Bodo, die nicht beantwortet wurden, aber ich wusste dass es sie las. Zu dieser Zeit, schrieb ich auch das frivole Gedicht:“ LIEBESTRAUM. Ich ging im Walde so für mich hin, da sah ich ein Mädchen das war ganz dünn. Mit Anmut erbrach sich das schöne Kind, die goldenen Locken zauste der Wind. Der Speichel rann in dünnen Fäden, ein solches Bild bewegt wohl jeden. Und wie sie so kotzte am Lindenbaum, Bedenken ich trotzte im blinden Traum. Ein Zauber lag auf dieser Szene, in ihrem Auge eine Träne. Die fiel herab wohl auf das Moos, da wurde mein Geschlechtsteil groß. Lautlos sank das welke Laub, ich sprach sie an, doch sie war taub. Auf der Begegnung lag ein Fluch, ich reichte ihr ein Tempotuch. Im Moose blühte eine Rose, da fiel ihr Blick auf meine Hose. Das Mägdelein war schön wie nie, gertenschlank dank Bulimie. Ihr Kleid war grün wie ihre Augen, ihr Blick begann mich auszusaugen. Sie kniete vor mir zwischen Eicheln, um meine Eichel einzuspeicheln. Ich streichelte ihr blondes Haar, sie war gerade achtzehn Jahr. Von süßen Träumen ganz umzingelt, echt Scheiße wenn der Wecker klingelt.“ Da haben wir ihn wieder; wie ein roter Faden durch die Menstruation, zieht sich der Missbrauch der Frau durch das literarische Werk des gewissenlosen Schreiberlings; Sprachlose Bulimistinen werden von „den Herren der Schöpfung“ auf die Knie gezwungen, hier wird dem Sexismus die Tür vor der Nase aufgeschlagen wie ein Buch mit sieben Siegelringen. Mit spielerischem Unernst wird hier der Ernst des Lebens als Farce forciert, Perlen deutscher Dichtung werden an den Schamhaaren herbei gebetet, Wort für Wort wie Doktortitel von Politikern abgeschrieben und den Säuen zum Vorwurf gemacht. Unter der Maske der Poesie verbirgt sich eine grenzenlose Verachtung behinderter Frauen denen der Aufstieg in die Absteige als Steigbügel dienen soll. Der Bulimismus, eine anerkannte Disziplin zur Mäßigung oraler Exzesse, wird hier in unverantwortlicher Weise mit „Tuten und Blasen“ verquickt, einer Unsitte die früher als „französisch“ galt, heute weitgehend „eingedeutscht“ erscheint. Es ist bezeichnend, dass in derartigen Beschreibungen die Frau stets vor dem Manne zu knien hat, während er in voller Größe vor ihr steht. Es war einmal, voller Wehmut erinnere ich die volle Größe und den Größenwahn, wenn er wie die Bockwurst vor der Schrippe… heute werden kleine Brötchen gebacken, unser täglich Brot gib uns heute… Die Jugend ist unvergesslich, das Alter kannst du vergessen. Im Hier und Heute zuhause, dem Gestern verhaftet, nie verhaftet, kein unerlaubter Missbrauch, alle über 18 Jahre alt, der Stichtag für den Stecher, kein Hauen und Stechen, nur der Kleinkrieg der Geschlechter, wie er in der kleinsten Hütte tobt. „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebendes Paar“. Alle paar Tage flammen die Feindseligkeiten neu auf, jede innige Liebe liefert den Zündstoff, ein kalter Krieg ohne Bombe als Drohmittel. Heute drohen Drohnen, Flugobjekte die auch Frauen den Aufstieg ermöglichen.

                                                             SCHREIBEN  UND  LESEN

In der Schulzeit trugen wir Kinder ein „Lesebuch“ im Tornister, das einzige Buch dass seine Bestimmung nicht verschwieg, man sollte darin lesen. Man sollte auch andere Bücher lesen, aber bei vielen Leuten reicht es kaum für das Lesebuch, sie wissen nicht wozu ein Buch da ist. Jeder könnte ein Buch schreiben wenn er lesen und schreiben könnte, da sei Gott vor. Gott hinkt aber nach, fast jeder Vergleich humpelt. Nicht jeder Teufel zieht den Fuß nach wenn er mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Genug der Lebensweisheiten, was der Volksmund sagt ist Mundpropaganda ohne Augenschein, doch dazu später. Alles was sich festgesetzt hat steht irgendwo geschrieben, alles was wir auf dem Bildschirm sehen ist vorher geschrieben worden, man kann es drehen und wenden, ohne „Drehbuch“ kein Film. Um ein Buch zu verfilmen muss man ein Drehbuch schreiben, vom Lesebuch zum Drehbuch. Wenn wir Filme sehen, lesen wir Drehbücher, oft ist die Handlung verdreht und das Buch verfälscht, man ist im falschen Film. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen Film“ sagt eine alte Volksweisheit. Die Altersweisheit alter weißer Männer oder die altklugen Sprüche kleiner Mädchen die am Thron rütteln, wir haben die Wahl. Wir müssen mehr Bücher von Frauen lesen, auch Drehbücher, da dreht sich alles um die Frau und die Männer haben das Nachsehen. Man muss es ihnen nachsehen, sie müssen sich vorsehen. Männer sind gegen Gleichmacherei, Frauen wollen die Gleichberechtigung gleich. Frauen wollen nicht reduziert werden auf das was ihnen die Natur als vordringlichste Aufgabe auferlegt hat, Männer tun sich mit ihrer Aufgabe leichter, bevor sie sich selbst aufgeben und heiraten. Ein Schmetterling sieht mehr von der Welt als eine brütende Henne, so will es Mutter Natur, so wollen es die Männer, es ist ihre Natur. Naturgemäß wird immer mit zweierlei Maß gemessen, Männer sind mit einer Maß Bier voll zufrieden. Wenn Männer voll sind, zeigt sich die Leere der Beziehung, dann ist oft das Maß voll. Maßvoll zu trinken ist vielen Männern nicht gegeben, ich selbst trinke Bier wie Wasser und Wasser selten. Bücher trinke ich wie ein Ertrinkender, ich schlürfe die Wörter aus den Seiten wie Nektar, jeder Tropfen ist kostbar. Ein Menschenleben ist zu kurz um alle guten Bücher zu lesen, ich lasse gern belesene Leser lesen, die sich dann im Fernsehen darüber auslassen. Ungern lasse ich solche Sendungen aus, man will ja wissen was man lesen muss und ist froh über jedes Buch welches nicht lesenswert ist. Die Sendung; „Lesenswert“ ist sehenswert, aufwendig wird eine Wortsendung ins Bild gesetzt, nur das Drehbuch wird nicht besprochen. Denis Scheck ist der neue Literaturpabst, ein Mann der die Jagd liebt und gerne Bücher abschießt. Wieder einmal hatte er Julie Zeh eingeladen. „Unter Leuten“ hieß das erste Buch, „Über Menschen“ nun das zweite. Ihr gefällt das Wortspiel, mir natürlich auch, da fällt das Wort; „Kalauer“. Ein Schimpfwort, wie es scheint, ich fühle mich betroffen und herabgesetzt, meine Kleinkunst wird verächtlich mit einem Unwort bedacht. Mein Herz blutet wie ein waidwundes Reh, ein Jägersmann mit Schießgewehr hat es getroffen und verletzt, es blutet wie ein Schwein. Beim Schreiben fließt mir das Herzblut in die Feder, meine Seele blutet aus, mein Inneres wird nach außen gekehrt. „Jeder kehre vor seiner Tür“, ich kehre das ganze Kartenhaus, ein Windstoß könnte es verstoßen wie der Vater die Tochter mit dem unehelichen Kind. Vor meiner Tür kehre ich alles zusammen und schütte den Kehricht in mein Buch. Dort wimmelt es von Wortspielen, sie sind mir die liebsten Spielgefährten, aus ihnen baue ich ein neues Haus. Ich hatte es befürchtet; alles Wortklauberei, Haarspalterei, Effekthascherei, mein Buch ist keine Kunst. Es ist ein Machwerk, gemacht nach dem Motto; „Nun mach mal.“ Ich war nie ein Macher, nun sollte ich plötzlich machen. „Nun mach mal halblang“ werden meine Fans sagen, das sind Verblendete, Freunde und Verwandte, die zählen nicht. Vorsicht Witz: „Ein Mann sitzt im Kino, vor ihm sitzt ein ungleiches Pärchen, der Begleiter der Frau ist ein zotteliger Bär, der geht raus ein Eis kaufen. Der Mann fragt die Frau; Ihr Begleiter, ist das ein richtiger Bär? Ja das ist ein richtiger Bär. Fragt der Mann; Gefällt ihm der Film? Ich glaube ja, das Buch hat ihm sehr gut gefallen.“ Wir sehen hier an einem alltäglichen Beispiel wie verschieden Buch und Drehbuch sein können, wer das leugnet, will uns einen Bären aufbinden. Während der Braunbär im Kino ein Eis besorgt, blickt der Eisbär besorgt in die Zukunft, das Eis schmilzt unter seinen Füßen,  er ist im falschen Film. Bei den Berliner Filmfestspielen werden Bären als Preise verliehen, entstehende Ähnlichkeiten sind rein zufällig. Zufällig finde ich im Internet den Kalauer unter dem Sammelbegriff; „Flachwitze“. Der Sportler hält den Ball flach, der Autor hält die Witze flach, mache sind so flach, die kann man unter der Tür durchschieben, zum Beispiel; Tarzan trifft die Mutter von Harry Potter und sagt:“ Ich Tarzan, du Jane Rowling“.

SELBSTKRITIK

Die Selbstkritik versteht sich von selbst, wer sie übt ist geübt und muss nicht warten bis Kritik von Anderen kommt. Mit der Forderung; „Erkenne dich selbst“ ist man bereits überfordert, zumal die Forderung; positiv zu denken, im Raum steht. Fassen wir zusammen was zusammen gehört, zusammen sind wir stark. Reiß dich mal zusammen. Im Angesicht einer Pandemie, einer Welt in Angst, ängstigt sich unser Schreiberling vor ätzender Kritik, wie er sie aus dem Fernsehen kennt, das ist echt ätzend. Schau dich um, du armer Wurm, da ist keiner der dich kritisiert, du schreibst für dich selbst, keiner wartet auf dein Buch, du hast dir selbst eine Aufgabe gestellt, ein gnädiges Schicksal ermöglicht dir diese Lebensbeichte, die Arbeit daran füllt deine einsamen Tage in einem menschenleeren Hotel im menschenleeren Pattaya, zu einer Zeit in der Menschen um ihr Leben bangen und auf Impfungen hoffen. Dein Buch ist nur für dich wichtig, die Anderen haben andere Sorgen. Gehe hin mein Sohn, schreibe was du musst, Schlussverkauf; Alles muss raus. Erfreue dich an deinen lockeren Sprüchen und flachen Witzen, frage nicht nach den Befindlichkeiten deiner „Opfer“ oder der endlosen Liste unerlaubter „Übergriffe“, ein Lächeln von dir selbst ist wichtiger als verkniffene Fehlersuche von „Kritikern“. Hau die Sachen raus wie sie dir einfallen, keine falsch verstandene Rücksichtnahme. Du bist nicht bösartig, willst nicht verletzen, nur unterhalten und ein Lächeln hervorrufen, es ist unmöglich es jedem recht zu machen. Du stehst vor dem Spiegel und siehst einen alten Mann, der sich einen Traum erfüllt, am Ende seines Lebens schreibt er ein Buch und hält andere Schriftsteller für Kollegen, so werden Träume wahr. „Es wird schöne Maderln geben und wir werden nicht mehr leben“, ein sentimentales Lied aus Wien, es besingt eine Zukunft ohne Gegenwart. Wer nicht mehr lebt muss die Lebenden leben lassen. Wer aber noch lebt muss in den sauren Apfel beißen den das Alter für uns bereit hält. Welch ein Unterschied zum Apfel des Paradieses als auch Eva zum anbeißen war. Das erlaubt uns eine Rückblende, endlich können wir das Alter links liegen lassen und unverschämte Sprüche klopfen. Schwarzer Humor und blutiger Ernst sind die Würze des Lebens: Wenn die Menstruation aufhört fangen die Sorgen an, Ausnahmen bestätigen die Regel. Immer ruhig Blut, sagte die Mutter zur Tochter, als deren kritische Tage einsetzten. Blut im Urin ist beim Mann nicht die Regel. Die Pille ist Regelwidrig. Frauen sind das Glück der Erde, Männer sind das Unglück der Frauen, ein Kind bedeutet Glück im Unglück. Männer dürfen über die Menstruation sprechen wie Frauen über die Erektionsstörung. Die kritischen Tage kommen oft unpassend, sind aber meist gern gesehen. Der Sex fällt aus wenn der Mann seine selbstkritischen Tage hat. Manche Frau wäre gern ein Mann, mancher Mann wäre gern eine Frau, gibt aber nur ein Zerrbild der Frau wieder wenn er Ernst macht. Das Geschlecht ist eine ernste Sache , meistens hört da der Spaß auf. Mancher Spaßvogel meint man könne einfach zum Spaß vögeln, ihm fehlt der nötige Ernst. Man kann die Zeit nicht zurück drehen, nur der Uhrzeigersinn ergibt Sinn. Die Vergangenheit hat keine Zukunft, das muss man sich vergegenwärtigen. Ganz anders verhält es sich mit der Blende, man kann mit ihr ausblenden, abblenden, überblenden, Rückblenden. Die Rückblende erlaubt den Rückblick, die Vergangenheit steigt wie ein Zombie aus der Gruft und blendet uns mit ihrer Jugend. In der Rückblende sehen alle jünger aus, sogar die Jünger Jesu. Die Jünger wären heute älter, die werden ja auch nicht jünger. Als ich jünger war hatte ich das Gefühl mein Leben wäre ohne Drehbuch entstanden, einfach drauflos gedreht, alles improvisiert, unzählige Rückblenden sollten die Handlung verständlicher machen, dadurch sah ich immer jünger aus als mein Alter vorblendete. Ein chaotischer Film mit schwachsinnigen Dialogen und einer konfusen Handlung, aber mit einem blendend aussehenden jungen Mann der wegen der Rückblenden nie alterte. Bei meinen Rückblicken stieß ich auf eines meiner Gedichte von damals, in dem ich dem „Augenschein“ eine neue Bedeutung gab; was wäre wenn wir für die Augen einen Schein benötigen würden weil unerlaubtes Sehen verboten und strafbar ist. „DER AUGENSCHEIN“ Augen, liebe Augen mein, der Staat nimmt euch in Augenschein. Die Mehrwertsteuer reicht ihm nicht, er macht den Augenschein zur Pflicht. Augentropfen, Brille putzen, Augen konnte jeder nutzen. Früher waren Augen frei, ohne Augenpolizei. Geh zum Amt für Augenschein, reiche deinen Antrag ein. Keine Freiheit ist unendlich, Sehen ist nicht selbstverständlich. Ohne Schein beginnt die Nacht, das Auge des Gesetzes wacht. Jeder der den Schein erhält, schaut legal in diese Welt.  Illegal die Welt zu sehen, hindert uns sie zu verstehen. Wer sich weigert, stellt sich quer, und versteht die Welt nicht mehr. Ruhig Blut und schweige still, sonst sieht jeder was er will. Theoretisch kann jeder schreiben was er will, noch braucht keiner einen „Schreibeschein“. Nach 1945 brauchte man für alle Bedarfsgegenstände einen Bezugschein, heute braucht jeder eine Bezugsperson, die ihm eine Beziehung bescheinigt. Jeder Schriftsteller muss sich an sein Thema halten, der rote Faden ist keine Fahrt ins Blaue. Er muss seinem Helden treu bleiben, wie der Ehemann seiner Frau. Ehemänner sind wie Entfesselungskünstler die den öffentlichen Auftritt scheuen, jede Entfesselung wird geheim gehalten. Der Leser eines Buches braucht eine Bezugsperson es kann nicht schaden wenn der Held ein Mann aus dem Volke ist. Der Held muss kein Volksheld sein, Hauptsache er hält was er verspricht. Die Story muss Hand und Fuß haben, auch ich muss meinem Helden Fußfesseln anlegen, muss Hand an ihn legen um ihn bei der Stange zu halten. Ein Romanheld ist kein Tanzmariechen das sich in einem Sexschuppen an der Stange festhält, ihn hält der eiserne Griff des Schreibers, sein Weg ist vorgezeichnet bis zur letzten Seite. Erst wenn der Autor der Griffel aus der Faust legt kann der Leser den Deckel zuklappen und der Held die Klappe halten. Noch ist kein Ende in Sicht, unser Mann in Siam beschreibt sich selbst, als einen Mann aus dem Volke, der einmal Teilhaber an volkseigenen Betrieben war, die abgewickelt wurden wie Pakete unter dem Christbaum, in denen das Geschenk der Freiheit lauerte. Heldenhaft kämpfte sich unser Held den Weg frei, wie ein Musketier ohne die drei  Musketiere. Hauen und Stechen mit blitzender Klinge und klingender Münze. Ein neuer Marco Polo im Polohemd, seine Kutsche war ein furchterregendes Himmelsgefährt, das ihn zu den Wolken empor und zu den Siamesen trug, denen er sein letztes Hemd gab. Von da an trug er „Das Hemd des Glücklichen“, ein kurzes Hemdchen das kaum verbarg welches „Stehaufmännchen“ ihm zu eigen war, was er jedoch mit allen, die ohne ein solches geboren waren, teilen wollte. Er war „Der Mann der die Frauen liebte“, nicht im französischen Film, nein im wahren Leben. Er liebte sie aufrichtig, mit aufgerichtetem Glied ebenso wie mit eingezogenem Schwanz, zahlte fürstliche Preise für königliche Freuden, jede Dienstleistung die von unbefangenen Geschöpfen geleistet wurde, war ein Liebesdienst der nur der Liebe diente. Die intimsten Wünsche seiner „Wünschelrute“ las man ihm ohne Augenschein von den Augen ab, ein Taugenichts des Augenlichts. Frauen waren die Erfüllung seines Lebens, er war ein Kämpfer für das Gute im Menschen, das er in den Frauen suchte. In ihnen suchte er den Sinn des Lebens, den man ihnen von außen oft nicht ansah. „Für den Mann ist die Frau der Sinn des Lebens, für die Frau ist das Kind der Sinn des Lebens, für das Kind ist das Leben der Sinn des Lebens“. Mein Leben ist kein Roman, ich kann meinen Helden verlassen und meinem Schreiben einen neuen Sinn geben. Was ist der Sinn dieses Buches? Der Unsinn. Ohne den Unsinn hätte mein Leben keinen Sinn. Natürlich wären da noch;  Leichtsinn, Frohsinn, Stumpfsinn, Tiefsinn, und der sechste Sinn. Ich steige in einem Ballon auf und werfe Bonmots ab wie die Rosinenbomber über Berlin Bonbons abgeworfen haben. Davor hatten sie Bomben abgeworfen, die Amerikaner werfen immer etwas ab wenn es für sie etwas abwirft. Amerika ist das Thema eines neuen Buches: „Harry Potter und der Schurkenstaat“.  Das Schafott hat den „Schurkenadel“ hinweggefegt wie ein eiserner Besen, nun ist es an uns vor der eigenen Tür das Unterste zu Oberst zu kehren, der Knechtschaft den Kopf zu enthaupten, dem Spiel ein Endspiel zu machen. Knechte sind Herrenmenschen, sie schauen herab auf jene die über ihnen stehen. Sie sind angetreten den Stall auszumisten, ihre Mistgabel ist ein aufgepflanztes Bajonett; „Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos“. Hauen und Stechen ist die Aufgabe des kleinen Mannes, ein Feind findet sich immer. „Freiheit Gleichheit Brudermord“. Es lebe die Revolution. Nicht wenige dieser „Kämpfer“ sind Knechte von Verschwörungstheorien, natürlich waren die Amerikaner nie auf dem Mond, dieses Gebäck ist dort völlig unbekannt. Eher war Harry Potter auf dem Mars und hatte dort eine Geliebte: „Harry Potter und die Marselaise“. Die Verschwörungstheorie ist eine Frage von Theorie und Praxis, vieles Undenkbare ist machbar wenn man es recht bedenkt.

                                                               DAS  LÄCHELN  DER  JUGEND

Sie war nicht so schlank wie in meinen lebenslänglichen Wunschträumen aber sie hatte das Lächeln eines Engels. Unsichtbar lag ihr mein Herz zu Füßen, aber was sollte es dort?  Herzen sollte man nicht am Boden platzieren, zu leicht könne einer darauf herum trampeln. Für Männer sind alle Engel weiblich, himmlischen Geschöpfe die von ganz oben kommen um die da unten glücklich zu machen. Ihre Aufmerksamkeit und ihr Lächeln schenkte die hübsche Frau ihrem Tischnachbarn, meinem ständigen Begleiter Bob, dessen charmantes Geplauder sie umwarb als wäre sie ohne Begleitung hier. Mitnichten, der wortkarge Mann saß ihr gegenüber und nahm die Redseligkeit meines Freundes als harmlosen Small Talk. Entfernt sitzende Beobachter bezeichneten es später als „Anmache“. Ich saß neben dem „rechtmäßigen Besitzer, mir gegenüber saß Bob, mein „Blindenhund“, ein Mann mit vielen Talenten. Ich war ein schweigsamer alter Mann, der schwerhörig die Gesprächsfetzen aufsammelte die wie Brosamen vom Tische fielen, ein Sextourist der einmal bessere Tage gesehen hatte und in die Jahre gekommen war, ein stiller Beobachter versteckter Erotik. Die junge Dame zeigte ihre entzückenden Zähne und ein wachsendes Wohlgefallen, ihre vollen Lippen lockten wie eine süße Nachspeise. Das Abendessen war bereits gelaufen, die Teller abgeräumt, die Stimmung aufgeräumt, der warme Abendwind streichelte den Garten des Restaurants, Bob streichelte das schöne Kind  mit Worten und Blicken, er entkleidete das engelhafte Wesen vor unser aller Augen, ohne dass die Hüllen fielen. Geschickt bezog er ihren Begleiter in das Gespräch mit ein und verharmloste das Offensichtliche. Ich bewunderte seine Frechheit, ein Draufgänger der keinerlei Scheu kannte. Er beendete seinen Auftritt mit einem freundlichen Gute Nacht, ein Entertainer der sein Publikum gut unterhalten hatte erhob sich vom Sitz; die Show war gelaufen. Bob war nicht der Mann der es nötig hatte Frauen anzubaggern, bei einem Shorttime kam es auf Charme nicht an und zu mehr war er nicht bereit.  Eine schillernde Figur des Mikrokosmos der Gestrandeten, einer der den heimatlichen Winter und die heiratslustigen Frauen für immer hinter sich gelassen hatte, für ihn war Freiheit kein leeres Wort, sondern eine Lebensaufgabe. Von der Lebensaufgabe bis zur Aufgabe des Lebens ist es ein weiter Weg, am Ende des Lebenskampfes, ein Kampfsport den jeder zu erlernen hat, ziehen wir die Boxhandschuhe aus und machen uns bereit für die Box die unsere Asche aufnehmen wird. „Bedenke dass du sterblich bist“. Neben dem Lebenskampf beherrscht der Mensch die Kunst der Verdrängung, bedenkenlos stürzt er sich ins Leben, er denkt lieber an etwas Angenehmes. Die Frauen sind den Männern angenehm, ihre Fruchtbarkeit ist ihnen eher unangenehm. Es macht jedoch wenig Sinn gegen den Sinn des Lebens anzukämpfen, der Verkehr der Geschlechter dient nun mal der Fortpflanzung, der Orgasmus ist nur ein Stück Zucker für das Pferd wenn es brav die Anweisungen erfüllt hat. Der Mensch dressiert das Tier, die Natur dressiert den Menschen. Wenn das Kind in den Brunnen, oder die Würfel gefallen sind, hält der Mann stolz das Produkt der Fron am Weibe in den Armen, er hat ein Kind gezeugt. Worauf beruht der Stolz, Jeder beliebige Clown im Zirkus der Liebe kann ein Kind zeugen, die Welt ist von Ergebnissen derartiger „stolzer Taten“. Sie ist nicht voll, sie ist bereits überfüllt, müsste eigentlich wegen Überfüllung geschlossen sein. Wir tun was wir müssen und sind stolz auf das Eintreten des Vorhersehbaren. Nicht der unbändige Trieb, nein ich habe das Kind gezeugt, das Unvermeidbare erfüllt mich mit Stolz. „Du glaubst zu schieben doch du wirst geschoben“. Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, sind Schlagwörter die uns etwas vortäuschen das nur in wenigen Ausnahmen funktioniert. Nicht der Mann der Tag für Tag Jogginghosen trägt, sondern der Mann der heiratet hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Der Mensch ist ein Bauklotz im Baukasten der Natur, jeder Stein nur ein winziger Teil des Ganzen. Der Verweigerer passt nicht in das System, er funktioniert nicht wie ein normaler Stein, haftet nicht an den anderen. Für Schwangerschaften ist er nicht haftbar, sein „Kumpel steigt nie ohne „Regenmantel“ in den Schacht, er arbeitet freischaffend unter Tage, seine „Zeitverträge“, im Jargon „Shorttime“ genannt, ermöglichen ihm einen fliegenden Wechsel der Arbeitsstelle, so wird der Job nie langweilig. Menschen sollten einander nicht besitzen, nicht der Mann die Frau, nicht die Eltern die Kinder.“Besitz macht unfrei“.  Nur wenige Frauen und Männer stemmen sich mit aller Kraft gegen den Normierungsdruck, der ihnen die Gründung einer Familie in die Wiege legt, sie als Vater und Mutter abstempelt und das Glück im trauten Heim vorgaukelt, sie sind die „Blindgänger“ der Gesellschaft, Außenseiter, Volksfeinde, Eigenbrötler, sie passen nicht in das Bild. Wer nicht ins Bild passt, passt nicht zu uns aber wir dulden ihn als Künstler, als Genie, als begabten Geisteskranken der nicht ganz richtig tickt. Entsetzten Moralisten halte ich entgegen, ich war selbst einmal Moralist, ich weiß wie das ist wenn man besser weiß was gut ist. So erlaube ich mir einen Rückfall und erkläre die Ehe zu einem Glücksfall der Menschheit, ein notwendiges Übel wie der Kapitalismus, wo wären wir ohne diese Errungenschaften, wir wären untergegangen wie Dinosaurier. Der Moralist ist ein zutiefst gläubiger Mensch, der glaubt was er sagt und vorschreibt was er denkt. Er weiß was gut und böse ist und wird böse wenn der Mensch nicht gut ist. Dabei handeln die meisten Menschen im guten Glauben, weil sie den Glauben für eine gute Sache halten. Der Glaube versetzt Berge, aber kein Pfandleiher gibt Geld dafür. Der Gläubige glaubt sogar zu wissen, ein Katholik sagte mir einmal; „Ich weiß was ich weiß“. Gut zu wissen, könnte man sagen. Das unmoralische an der Moral  ist die Verlogenheit, man belügt sich selbst und schwupp ist man ein besserer Mensch. Es sind die frommen Lügen, die Doppelmoral, die den Betrüger zum guten Menschen machen, ein großer Bruder der die Moralkeule schwingt und erbarmungslos zuschlägt wo Sitte und Anstand es erfordern. Der Schauspieler Walter Giller, den ich bei meiner Arbeit als Tontechniker kennen lernte, erkannte an einem Neujahrsmorgen bei einer Radioshow meine Menschlichkeit und Nächstenliebe als wir nach der Veranstaltung beim Bier saßen. Unerwartet erfuhr ich spontan die Zuneigung und den Zuspruch den ich in der Jugend ersehnt hatte, als ich blind wie ein Maulwurf im Tiefbau das Erdreich mit der Schaufel aushob und mich für einen Unwürdigen hielt. Damals wusste ich noch nicht dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Er machte mir allerdings auch einen Vorwurf als ich unter Alkoholeinfluss zu viel redete; „Ach hör doch auf, du zerredest ja alles. Da haben wir es, ein guter Mensch aber er redet zu viel. Heute schreibe ich zu viel weil ich mir alles von der Seele rede. „Lieber Gott, wenn es dich gibt, rette meine Seele, wenn ich eine habe“. Am Ende des Tages werde ich ein schmutziges Buch aber eine reine Seele haben. Das Buch ist die Beichte des Ungläubigen, hier darf der arme Sünder alles beim Namen nennen, vom namenlosen Leid bis zu Sigmund Freud.

                                                                                    EHRET  DIE  FRAUEN

Ehret die Frauen, sie flechten und weben, himmlische Rosen ins irdischen Leben. Ehre wem Ehre gebührt. Die Wiederholung ist das Wesen der Musik, hat Tschaikowsky gesagt, sie ist aber auch das Wesen des Alters, der alte Mensch wiederholt das oft gesagte ohne die Jugend wiederholen zu können. Wenn wir die fleischliche Liebe verdammen, weil zu viel Fleisch ungesund ist, so ehren wir doch die Liebe der Mutter zum Kind, ohne die kein Ungläubiger seine Pamphlete schreiben könnte, was wäre der Mensch ohne die Mutter, er hätte nicht überlebt. Sollen sich doch die Schreiberlinge austoben, die Unschuld weißen Papiers besudeln, die Schönheit der Welt mit dem Schmutz ihrer hemmungslosen Fantasie bewerfen, die Ehre der Frau in die Gosse ziehen, ehrlose Gesellen, garstige Tintenkleckser, Unwürdige die ihre Würde verspielt haben. Genug davon, werfen wir einen Blick zurück, sehen wir noch einmal wie alles begann. Eine Verschwörungstheorie hatte die Belagerung vorausgesagt, eine Schlange würde das Paradies bedrohen, die Grenzen des guten Geschmacks überwinden, ein Tausendfüßler, größer als King Kong würde diesen „Platz des himmlischen Friedens“ zu einem Pandämonium machen und einen Stein ins Rollen bringen der später von den Rolling Stones genutzt werden konnte. Die ominöse Schlange war in Wirklichkeit eine Schlange von Flüchtlingen die paradiesische Zustände anstrebten. Die Asylanten hatten noch nie so glückliche Wesen gesehen, sie starrten Adam und Eva an wie die ersten Menschen. So wurden sie also vertrieben und mussten selbst um Asyl bitten. Der Stolz des Menschen ist nicht seine beste Eigenschaft, er macht uns überheblich, hartherzig und kalt, wir sitzen auf einem hohen Ross von dem wir abgeworfen werden können. Demut und Dankbarkeit, Freundlichkeit und Herzensgüte sollten unser Leben begleiten, wir sind nicht besser als der Nächste, wir sind anders aber nicht wertvoller. Wir sind die dienstbaren Geister der Natur, wir erfüllen unsere Aufgabe, wir lieben um neues Leben zu zeugen, ohne zu fragen warum. Wir leben für das Leben, es ist lebenswert, wir schützen es wenn es bedroht ist, wir lieben das neu geborene Leben, es zeigt uns wie klein und winzig wir sind, unfähig zu überleben ohne die Liebe. Die bedingungslose Liebe der Mutter zu ihrem Kind, das Glück einem Kind das Leben zu schenken, die tiefe Dankbarkeit für den schönsten Augenblick des Lebens sind Grund genug das Leben zu lieben ohne Fragen zu stellen. Der lächerliche Stolz ein Mann zu sein, die Missachtung der Frau, ohne die der Mann nicht vorhanden wäre, ohne die er als hilflose Kreatur nicht überlebt hätte, die Unterdrückung und Versklavung sind der Beweis einer panischen Angst vor der Gleichberechtigung, die eine Überlegenheit offenbaren könnte. Jede Art von Stolz ist dem friedlichen Zusammenleben abträglich, wer Stolz besitzt wähnt sich im Besitz einer Kostbarkeit die den anderen fehlt. Stolz und Ehre sind jedoch keine Besitztümer, sie existieren nur im Bewusstsein des „Übermenschen“, es sind die Krücken die den Gehbehinderten aufrecht halten. Darum wollen wir weder stolze Männer noch stolze Frauen, wir wollen die Frauen nicht ehren sondern lieben, wir wollen Freunde sein und Freundschaft halten, wir sind anders aber nicht besser. Die häusliche Gewalt als Höhepunkt einer Liebesbeziehung ist eine Perversion, die Frau als Prügelknabe des frustrierten Ehemannes, das „Jawort“ eine Einverständniserklärung zur „Züchtigung durch den „Erzieher“, ein düsteres Bild der Ehe, die unter dem Schutz des Gesetzes steht. Menschen neigen dazu einander zu erziehen, Gewalt ist da nicht das beste Mittel, ein liebevolles Streicheln und ein Stück Zucker, wie beim Umgang mit Pferden, erleichtern die Dressur. Ich habe aus Dummheit ein einziges Mal in meinem Leben eine Frau geschlagen, wahrscheinlich hatte ich das schlechte Beispiel mal im Kino gesehen. Wir waren jung, meine erste Liebe Annemarie hatte einen hysterischen Weinkrampf, den ich mit einer Ohrfeige beenden wollte, es nutzte nichts, sie heulte Rotz und Wasser, war durch den Schlag nicht zu beruhigen. Wie viel schöner ist es doch das schluchzende Menschenkind liebevoll in den Arm zu nehmen und so lange zu streicheln bis die Tränen versiegen. Wie gern würde ich den Ausrutscher ungeschehen machen, die Geliebte noch einmal im Arm halten und festhalten. Aus Dummheit habe ich sie verlassen, das hatte mit dem Vorfall nichts zu tun, ich weiß nicht welcher Teufel mich damals geritten hat. Ich hielt mein Glück in den Händen und tauschte wie „Hans im Glück“ den „Goldbarren“ in trügerische Werte ein die der goldene Westen zu bieten hatte. Das gemeinsame Kind hatten wir auf dem Altar der Armut geopfert, ich war 25 Jahre alt, ein Träumer ohne Schulbildung und Beruf, lebte in einem armseligen Zimmer mit uralten Möbeln ohne fließendes Wasser in Untermiete und hatte ein ausgeprägtes Alkoholproblem. Annemarie war zwei Jahre älter, sie wusste was zu tun war. Jahre später überredete mich eine andere Frau zur Ehe, hier gab es bereits ein Kind, ein Sorgenkind. Ich konnte weder auf mich, noch auf „meine Kinder“ stolz sein, das erste erhielt keine Chance, das zweite erlag den Versuchungen der Halbwelt. Ich lernte die halbe Welt kennen, landete aber dort auch nur in der Halbwelt. Zuvor musste der Kleinbürger kleine Brötchen backen, zwei bettelarme Leute schlossen den Bund fürs Leben, ein unumgänglicher Schritt in die Geborgenheit des kleinen Mannes. Ein Versager wie ich musste froh sein dass es in der Welt der armen Leute eine Frau gab die bereit war so ein armes Würstchen zu heiraten. Das Sorgenkind blieb erst einmal bei der Großmutter, das junge Glück, wir waren etwa 30 Jahre alt, bewohnte eine entzückende Einraumwohnung mit Außentoilette in Berlin Kreuzberg wo wir auf einem stinkenden „Hundesofa“ nächtigten. „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar“. Reife Menschen verkehren auch unter der Gürtellinie auf Augenhöhe. Am Ende des Tages war ich ein Stück weit in ihr. Gott hat den Armen die Liebe geschenkt, alles andere müssen sie sich erarbeiten. Ich schlug weder meine Frau noch ihr Kind, niemand hat das Recht einen anderen Menschen zu schlagen, es ist schwer seinen Nächsten zu lieben, es ist leicht ihn zu respektieren. Für mich ist jeder Mensch eine „Respektsperson“, das Schlagen ist eine primitive Handlung und sollte nur der Selbstverteidigung dienen. Zu meiner Zeit wurde man in der Schule noch vom Lehrer mit dem „Rohrstock“ gezüchtigt, das hat mich zu einem ängstlichen Menschen gemacht. Meine Eltern haben mich nie geschlagen, Dem Himmel sei Dank. Meine Exfrau hatte mich vor der Eheschließung gewarnt; „Wenn du mich schlägst bin ich sofort weg“.  Dazu kam es nie, doch am Ende war sie trotzdem weg. Was weg ist ist weg, ein schlagender Beweis. Wenn ein Partner weg will muss man ihm den Weg frei machen, Gewaltanwendung ist sinnlos und unwürdig, mit Schlägen kann man keine Liebe erzwingen.

                                                        VERY  IMPORTANT  PERSON

Jeder Mensch ist gleich wichtig, für die Familie ist das Neugeborene gleich wichtig, für andere Leute erst später. Die meisten sind natürlich unwichtig, nur wenige sind wichtig oder sehr wichtig. Wenn ein sehr Wichtiger stirbt wird er automatisch unwichtig weil er seine Wichtigkeit nicht mehr beweisen kann, es warten aber schon viele sehr Wichtige auf seine Planstelle. Es liegt in der Natur des unwichtigen Menschen sich wichtig zu machen, dafür wurde das Internet erfunden, dort machen sich Unwichtige wichtig. Der wichtigste Mensch von allen ist der Wichtigtuer, er tut etwas, während die meisten Unwichtigen tatenlos zusehen wie Wichtiges liegen bleibt und Unwichtiges hochgespielt wird. Vieles was geschrieben wird ist unwichtig, so auch dieses. Der Einzelne ist unwichtig, nur bei Wahlen ist jeder Einzelne wichtig. Sind Menschen überhaupt wichtig? Die Menschen nehmen sich selbst zu wichtig, sie halten sich für unentbehrlich, wie soll es ohne sie weitergehen wenn sie sterben? „Das Leben ist gegessen, verspeist, verdaut, vergessen, das ist die Konsequenz von Alter und Demenz“. Ironie des Schicksals; Sie altern auf grausame Weise, werden hilflos und pflegebedürftig, vergessen alles was so unglaublich wichtig war. Sie werden für unwichtig erklärt, und waren es doch immer. Nicht jeder erhält einen Grabstein, viele werden verscharrt, wenigen wird ein Denkmal gesetzt. Da stehen sie, mit versteinerten Gesichtszügen, stoned sozusagen, oft starben sie in Armut und Elend, sie vollbrachten Höchstleistungen auf ihrem Gebiet, jeder Unwichtige kennt ihre Namen, sie beweisen die Wichtigkeit menschlichen Lebens und Wirkens. Der Mensch ist unwichtig für die Planeten und das All, aber er ist wichtig für die Menschheit. Ich bin für die Frauen von Pattaya nicht mehr wichtig, mein Geschlechtstrieb ist erloschen wie ein Kamin ohne Holz, das Feuer meiner Leidenschaft brennt auf der Sparflamme der Erinnerung, sie flackert über die Seiten dieses Buches und brennt sich ein in das Gemüt des Lesers, eines Menschen der für den Schreibenden so wichtig ist wie der Freier für die Dirne. Den Ort ohne die Fremden zu erleben ist befremdlich, der Überfremdung folgt der Stillstand des Systems. Leer stehende Wohntürme, verödete Bettenburgen, wo sind die verhassten Fremden, denen wir unsere Frauen überlassen mussten weil die nackte Not uns weder Haus noch Auto in die Wiege legte. Wir lernten ihn lieben, den Farang, den Andersartigen aus fernen Ländern, der uns das Lächeln mit klingender Münze heimzahlte. Man verweigert ihm die Einreise oder sperrt ihn in teure Quarantänehotels mit Alkoholverbot und Ausgangssperre. Bestechliche Bewacher landen im Gefängnis. Unsere braven Mädchen, der Motor des Geschäfts, vermissen die triebgesteuerte Kundschaft, der „Fliegende Schwanz“ sitzt flügellahm auf dem kalten Heimatboden mit erfrorenen Eiern und lebt von Erinnerungen. Gestrandete wie ich, können die Not nicht lindern, in langen Schlangen warten bedürftige Menschen auf die kostenlose Ausgabe von Speis und Trank, während der im Lande gebliebene Farang noch immer in deutschen Restaurants sein Schnitzel mit Bratkartoffeln verzehrt und seine Überlegenheit zelebriert. The Farang is the very important People of this Country.

                                                                               DER  BESUCH

Eines Tages klopfte der Ernst des Lebens an meine Tür, ich öffnete und begrüßte ihn; „Hallo Ernst, was führt dich zu mir?“ Ein guter alter Freund, ich kannte ihn seit meiner Jugend. Er lächelte hinterhältig und sagte; „Dein Prostatakrebs greift die Blase an, es sieht nicht gut aus“. Ich war alt genug um schlechte Nachrichten mit Fassung zu tragen und verzog keine Miene. Wegen der Pandemie hatte ich die alle sechs Monate fällige Hormonspritze nicht bekommen weil sie mir mit 1.000 € zu teuer war. Zweimal wäre die Injektion nötig gewesen, ich weilte nun schon 18 Monate im Lande, die Dritte war fällig. Geiz ist geil, bei Krebs aber uncool. Mein Urologe in Berlin hatte am Telefon gemahnt, aber nicht dringlich genug. Ich wollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, nun war es in den Brunnen gefallen. Ernst verstand keinen Spaß, er verließ mich nach kurzem Besuch, hatte wohl noch andere Kunden zu betreuen. Die scheinbar harmlose Blaseninfektion hatte ich mit Antibiotika behandelt aber das Schicksal ließ nicht mit sich handeln, die Schmerzen wollten nicht vergehen, der Gedanke an Blasenkrebs krallte sich ins Hirn wie die Pranke eines Raubtiers in den Leib des Opfers. „Angst essen Seele auf“ sagt Rainer Werner Fassbinder, der die Gefahren des Denkens erkannte. Es bestand Handlungsbedarf; Hormonspritze, better late than never. Wer nicht versichert ist begreift hier den Segen einer Zwangsversicherung die alle Schäden abdeckt solange man in deutschen Landen weilt. „Ich denke also bin ich“ sagt Kant, ich denke ich bin weil er sich das so gedacht hat. Das Denken großer Denker erscheint dem Laien bedenklich, warum hat der Mann das Denken als Beweis herangezogen, wo doch gerade das Denken sich unserem Willen entzieht. Seit dem Besuch von „Ernst“ habe ich ein ernstes Problem, darf ich im sonnigen Thailand bleiben oder sollte ich den Heimflug erwägen um mich der AOK als verlorener Sohn in die Arme zu werfen? Wenn die Metastasen der Prostata meine Blase im Griff haben, habe ich mein Leben nicht mehr im Griff. Ich habe die Kontrolle über mein Leben verloren weil ich täglich Jogginghosen trage und sie nass pinkle weil die Windelhosen zu schnell voll laufen. Ich lasse die legeren Beinkleider im Hotel waschen, das ist relativ billig, die Blase auf Krebs zu testen wird hier relativ teuer, die letzte Untersuchung, die nach meiner Ohnmacht im Bangkok-Pattaya-Hospital durchgeführt wurde, kostete mich 2.500 €. „Ich denke an die Zukunft also bin ich verzweifelt“. Nach 18 Monaten pandemischem Exil hatte ich endlich einen Heimflug für den 30. April, den habe ich kurz vor dem Besuch von „Ernst“ gecancelt, weil ich gern bleiben wollte. Um „sorgenfrei“ zu sterben müsste ich nach Deutschland fliegen, wo die Allgemeine Ortskrankenkasse alle Kosten tragen würde. Dort wäre ich noch einsamer als hier, hätte keinen Pool vor der Tür und wäre vom Tod durch Corona im Altersheim bedroht. In Thailand wären Wochen und Monate im Hospital unbezahlbar, was soll ich tun? „Ich denke an Geld also bin ich arm“ würde Immanuel Kant sagen. Heute ist der 26. April. In zwei Tagen habe ich Geburtstag und werde 88 Jahre alt. „Ich denke an mein Alter also bin ich alt“. Ich halte ein solches Alter für unhaltbar, irgendwann muss Schluss sein mit der „Lebensfreude“. Alle meine Freunde sind bereits tot, wo bleibt da die Gleichberechtigung? Ich wünsche mir eine Quote, ab 80 Jahren sollte es für jeden der die Schnauze voll hat eine Sterbehilfe auf Krankenschein geben, eine  nützliche Regelung für Kassen und Patienten. Es wäre ein Trost für kranke alte Menschen, zu wissen dass es diese Möglichkeit gibt. Warum tut man sich so schwer mit dem leichten Tod, er würde die Würde des Menschen erhalten.  Täglich taste ich mehrmals meinen Bauch ab, ich hoffe immer noch auf Besserung durch die Antibiotika, wenn es eine behandelbare Infektion wäre könnte ich aufatmen.

                                                              DIE  FABELHAFTE  FABEL

Es war einmal eine Mücke, sie haderte mit ihrem Schicksal, sie war ein Blutsauger, beneidete aber Menschen die kein Fleisch verzehrten, wollte kein Vampir sein, nicht in einem Atemzug mit Grundstücksspekulanten und Mietpreistreibern genannt werden, sie hasste  Heuschrecken und andere Menschenfeinde, wäre lieber ein Mensch; Edel hilfreich und gut gewesen. Sie war eine „Gutmücke“, steckte im falschen Körper, betete täglich zum Gott der Mücken und fragte ihn nach dem Sinn des Lebens. Es war vergeblich, ihr Leben war sinnlos. Traurig und hoffnungslos saß sie auf der linken Hand eines Menschen als die riesige Rechte des Ungetüms unerwartet auf sie niederfiel und sie erschlug. Der Mensch hatte Blut an den Händen aber das war nichts Neues für ihn. Am Anfang war der Koitus, ein Spiel der Geschlechter, aus dem sehr bald bitterer Ernst wurde, ein neues Raubtier hatte die Erde betreten. Bald konnte es seinen Feinden bewaffnet gegenübertreten und sich ihren Besitz aneignen, der Mensch ein Raubtier besonderer Art, es ging ihm nicht mehr um das Jagen und Fressen, die Jagd nach dem Besitz des Anderen, das Ausrauben des Schwächeren ersetzte den Mundraub. Der Mensch domestizierte die Tiere und dressierte die Menschen. Löwe und Tiger waren keine Feinde für ihn, sie traten im Zirkus auf und tanzten nach seiner Pfeife. Der Mensch war erfindungsreich, er erfand den Motor und die Dampfmaschine, das Schiff und das Flugzeug und am Ende das Privatflugzeug. Ganz am Rande hatte er eine neue Sorte Menschen erfunden; den Arbeiter, den er sich als Arbeitstier hielt. Dieses Tier glich dem Menschen wie ein Ei dem anderen, besaß jedoch nicht das Ei des Columbus, eine weitere Erfindung des Menschen, dass er Geld nannte. Wer es hatte war ein Übermensch, wer dafür arbeiten musste war ein Untermensch, wer für Geld andere Menschen tötete war ein Unmensch. In unmenschlichen Kriegen töteten die Unteren sich gegenseitig, böse Zungen behaupteten dass Übermenschen daran Geld verdienten. Wir wollen hier aus einer Mücke keinen Elefanten machen, alles was lebt tötet und wird getötet, der Mensch macht da keine Ausnahme. So wie die „Gutmücke“ gibt es auch den „Gutmenschen“, er kann es nicht verhindern dass die Tiere einander fressen, will jedoch mit gutem Beispiel nicht hinter dem Berg halten und weigert sich Tiere zu fressen. Erst kommt das Fressen und dann die Moral, beim Gutmenschen ist es umgekehrt. Wenn die Moral siegt werden in Zukunft statt Tieren nur noch Menschen geschlachtet, dann sind wir am Ende des Tages ein Stück weit voran gekommen. „Ich denke also bin ich“. An diesem Satz habe ich mich festgebissen wie der Löwe an der fliehenden Gazelle, ich lasse ihn nicht mehr los, erlässt mich nicht mehr los, er reizt zu Umbau und Erweiterung, die kluge Erkenntnis eines großen Denkers als Spielwiese für bauernschlaue Wortakrobaten die es natürlich besser wissen. Das Denken der Menschen gibt mir zu denken, der kleine Mann denkt an den Lottogewinn, er hat nur seine Arbeitskraft, davon kann er nicht reich werden. Der große Mann denkt an den Profit, er hat die Arbeitskraft des kleinen Mannes, davon kann er reich werden. Beide denken an Geld, das Denken an Geld ist der Beweis unserer Existenz; „Ich denke an Geld also bin ich“. Das Denken ist eine weit verbreitete Unsitte, weil ja auch jeder Dummkopf meint das Richtige zu denken. Zu allem Unglück haben diese Schwachköpfe auch noch Lesen und Schreiben gelernt, sie lesen die „Verschwörungspresse“ und schreiben“ ihre Meinung“ ins Netz. Von allen Verschwörungen ist der Kapitalismus die gefährlichste, keine Theorie sondern gängige Praxis. Auch ich denke an Geld weil ich ohne Krankenversicherung in Thailand lebe, mein Einkommen klein ist, meine Ersparnisse gering und die privaten Krankenhäuser extrem teuer sind. Ich bin ein passionierter Schwimmer, der Pool meines Hotels ist immer geöffnet, ich lebe freizügiger als in Deutschland, habe ein Rentner-Visum, gehöre zu den Residenten die hier die Stellung halten. Ein armer Resident, ohne Frau, ohne Auto, ich lebe gut aber bescheiden. An meinem Geburtstag hatte Robert  mir die Freude bereitet die feinen Häuser meiner Anfangszeit in Pattaya wiederzusehen, das weckte Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Wehmütig dachte der alte Mann an das Kaffee trinken in Begleitung einer schönen jungen Frau im noblen fünf Sterne Hotel Royal Cliff zurück, wir saßen auf einer Insel im riesigen Pool und wurden wie reiche Leute hofiert. Damals war das Personal noch unglaublich devot, eigentlich peinlich. Ich fürchtete die hohe Rechnung nicht bezahlen zu können und informierte meine bildschöne Begleitung. ich hatte sie als Barmädchen auf Phuket entdeckt und nach Pattaya importiert, es war Nuk, die ich später nach Deutschland holte. Nuk trug, wie es damals üblich war, ihre Goldketten am Hals und an den Handgelenken, die sie emporstreckte und mich mit Worten beruhigte; „Don`t wory, i have myFurniturewith me“.  Sie hatte Gold, ich hatte Geld, die Welt lag uns zu Füßen. Heute ist ein Kännchen Kaffee in diesem Ambiente tatsächlich schweineteuer, die Zeiten ändern sich. Heute leben wir in Zeiten einer Pandemie, das Royal Cliff ist leer, wie die meisten Hotels, die Luxusherberge schläft wie Dornröschen, ein geimpfter Prinz müsste sie wach küssen. Ich hatte Robert und seine Frau zum Abendessen eingeladen, mit Bob, meinem „Blindenhund“ waren wir vier Leute im deutschen Restaurant Borussia Park, in dem jedoch kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Wir kauften Bier im Supermarkt Seven/Eleven und hoben das Glas am Pool meines Hotels unter dem Sternenhimmel der Tropennacht. Robert erzählte von zwei Jahren die er im Uranbergbau unter Tage gearbeitet hatte und von Mangelwaren die in der DDR unter dem Ladentisch als „Bück dich Ware“ verkauft wurden. Bob machte einen erotischen Witz aus diesem Artikel und ich lachte Tränen. Nach einem vollen Jahr Abstinenz schmeckte mir das Bier so gut wie früher, das barg aber die Gefahr eines Rückfalls in allabendliche Trinkgewohnheiten. So feierte der alte Mann seinen Geburtstag doch noch im kleinen Kreis von Freunden, große Kreise sind ja ohnehin verboten.

 

 

 

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Peter Leinitz